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„Faust. Der Tragödie erster Teil“ – Rezeptionsgeschichte (Goethe)

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Deutsch-Team
„Faust. Der Tragödie erster Teil“ – Rezeptionsgeschichte (Goethe)
lernst du in der 9. Klasse - 10. Klasse

„Faust. Der Tragödie erster Teil“ – Rezeptionsgeschichte (Goethe) Übung

Du möchtest dein gelerntes Wissen anwenden? Mit den Aufgaben zum Video „Faust. Der Tragödie erster Teil“ – Rezeptionsgeschichte (Goethe) kannst du es wiederholen und üben.
  • Welche Aussagen treffen auf die Rezeptionsgeschichte von Goethes „Faust. Der Tragödie erster Teil“ zu?

    Tipps

    Bedenke, dass Goethes „Faust“ eines der meistgelesenen und meistbesprochenen Werke der deutschen Literatur ist.

    Sieh dir die vorkommenden Jahreszahlen in den Aussagen genau an.

    Lösung

    Vier der acht Aussagen waren nicht korrekt.

    • Goethes „Faust I“ diente nur selten als Grundgerüst für andere Künstler und Interpreten.
    Diese Aussage ist nicht richtig. Goethes „Faust I“ gilt als eines der meistgelesenen und -besprochenen Werke der deutschen Literatur und wurde häufig durch andere Künstler und Interpreten aufgegriffenen. Kein anderes deutsches Drama wurde so oft auf unterschiedlichste Weise angepasst und hat so viele verschiedene Reaktionen, Interpretationen und Kritiken hervorgerufen.

    • Als Goethes „Faust I“ im Jahr 1808 veröffentlicht wurde, galt das Stück zunächst als auf der Bühne nicht umsetzbar.
    Diese Aussage ist richtig, da „Faust I“ im Jahr 1808 veröffentlicht wurde und es tatsächlich so ist, dass das Stück anfangs als unaufführbar galt.

    • Aus diesem Grund wurden bis 1820 nur einzelne Szenen aufgeführt und erst 1829 kam es zur Uraufführung.
    Diese Aussage ist korrekt.

    • Die Uraufführung fand 1820 in Weimar statt.
    Diese Aussage stimmt nicht. Die Uraufführung von „Faust. Der Tragödie erster Teil“ fand 1829 in Braunschweig statt.

    • Bei der Uraufführung wurden viele Szenen weggestrichen.
    Diese Aussage trifft zu.

    • Der Grund für den Wegfall vieler Szenen lag ausschließlich darin, dass ihre Umsetzung auf der Bühne unmöglich erschien.
    Diese Aussage ist nicht vollständig richtig. Neben der unmöglich erscheinenden Umsetzung einiger Szenen (z. B. der Walpurgisnacht), war ein weiterer Grund für den Wegfall die in einigen Szenen vorhandene Kirchenkritik (z. B. Mephistos Rede über den Hunger der Kirche).

    • „Faust I“ wurde bereits bei seiner Veröffentlichung sehr gut von Kritikern und dem Publikum aufgenommen.
    Diese Aussage ist richtig.

    • Goethes „Faust“ erhielt sehr schnell das Prädikat „typisch deutsch“ und ist seit den 1870er Jahren nicht mehr aus dem deutschen Lehrplan wegzudenken.
    Auch diese Aussage ist korrekt. Bereits in den 1870er Jahren wurde Goethes „Faust“ Pflichtlektüre in Preußen und ist seitdem nicht mehr aus dem deutschen Lehrplan wegzudenken.

  • Ermittle, welcher Künstler Goethes „Faust. Der Tragödie erster Teil“ auf welche Art und Weise musikalisch verarbeitete.

    Tipps

    Anton Radziwill war der erste Komponist, der Goethes „Faust I“ musikalisch verarbeitete.

    Lösung

    Die korrekten Sätze lauten:

    • Anton Radziwill komponierte bereits 1808 Musik zu einigen Texten aus „Faust I“.
    „Faust I“ wurde bereits relativ früh musikalisch verarbeitet. Radziwill komponierte bereits im Jahr der Veröffentlichung Musik zu einigen Texten.

    • Ludwig van Beethoven nutzte 1809 Ausschnitte aus „Faust I“ für sein Werk „Es war einmal ein König“.
    Auch Beethoven nahm sich dem Faust-Stoff musikalisch bereits ein Jahr nach der Veröffentlichung an.

    • Viele Komponisten, z. B. Franz Schubert und Richard Wagner, verarbeiteten Goethes „Faust I“ musikalisch.
    Neben Schubert und Wagner komponierten auch Felix Mendelssohn Bartholdy und Robert Schumann Musik zu bzw. basierend auf Goethes „Faust I“.

    • Charles Gounod ließ sich von Goethes Faust-Fassung zu einer Oper inspirieren.
    Gounods Oper, die grundlegend von Goethes Faust-Fassung inspiriert ist, wurde 1859 uraufgeführt. Sie enthält zahlreiche Motive, die später andere Literaten in ihre Faust-Verarbeitung übernommen haben.

  • Bestimme, welche Begriffe, Namen und Jahreszahlen der Rezeptionsgeschichte des „Faust I“ dem Theater, der Musik oder dem Film zuzuordnen sind.

    Tipps

    Erinnere dich an die Informationen zur Uraufführung des „Faust I“ im Theater.

    Jedem der Bereiche sind vier Felder zuzuordnen.

    Lösung

    Dem Bereich Theater mussten folgende Felder zugeordnet werden:

    • 1829: Dies ist das Jahr der Uraufführung von Goethes „Faust. Der Tragödie erster Teil“.
    • Braunschweig: Hier fand die Uraufführung im Jahr 1829 statt.
    • Wegfall von Szenen: Bei der Uraufführung mussten zahlreiche Szenen gestrichen werden, weil sie als nicht umsetzbar schienen oder weil sie zu kirchenkritisch waren.
    • unspielbar
    Dem Bereich Musik mussten folgende Felder zugeordnet werden:
    • Anton Radziwill: Schon 1808, dem Jahr der Veröffentlichung des Dramas, komponierte Anton Radziwill Musik zu einigen Texten.
    • 1859: Dies ist das Jahr der Uraufführung von Gounods Oper „Faust“.
    • Charles Gounod: Charles Gounod ließ sich für seine Oper „Faust“ stark von Goethes Faust-Fassung inspirieren.
    • Oper: Gounods Oper „Faust“ enthält außerdem zahlreiche Motive, die später wiederum andere Literaten bei der Verarbeitung des Faust-Stoffes inspirierten.
    Dem Bereich Film mussten folgende Felder zugeordnet werden:
    • 1926: Dies ist das Jahr der ersten Faust-Verfilmung.
    • F. W. Murnau: Die erste Faust-Verfilmung stammt vom deutschen Filmemacher Friedrich Wilhelm Murnau.
    • 1960: In diesem Jahr erschien eine der berühmtesten Faustverfilmungen.
    • Gustaf Gründgens: Gründgens besetzte neben Will Quadflieg eine Hauptrolle in der berühmten Faust-Verfilmungen von 1960.
    Du solltest dir einprägen, dass Goethes Faust immer wieder neu interpretiert und rezipiert wurde in den Bereichen Theater, Musik und Film. Goethes Drama hat es geschafft, so sehr zum Allgemeingut zu werden, dass jede Epoche neue Aspekte darin gesucht und gefunden hat. Dieser Trend hält weiterhin an.

  • Erkläre die bis heute anhaltende Popularität von Goethes Drama „Faust I“.

    Tipps

    Die Normen der klassizistischen Poetik bestehen in der Einheit von Ort, Zeit und Handlung sowie in der Einhaltung der Ständklausel und einer sprachlichen Geschlossenheit. Überlege, ob diese Merkmale tatsächlich auf Goethes Faust zutreffen.

    Überlege noch einmal genau, welche Einstellung die Figur des Faust zur Religion und Kirche hat.

    Lösung

    Seit seiner Erscheinung wurde Goethes „Faust. Der Tragödie erster Teil“ immer wieder rezipiert, interpretiert und neu inszeniert. Dies hält bis in unsere heutige Zeit an. Dafür gibt es mehrere Gründe:

    • Die Figur des unzufriedenen, alle Grenzen überschreiten wollenden Wissenschaftlers, der aus der Idee des Original-Genies entstanden ist, fasziniert die Menschen seit jeher. Das Genie akzeptiert die vorgegebenen und vorherrschenden gesellschaftlichen Normen nicht, sondern setzt seine eigenen Regeln und Normen dagegen.
    • „Faust. Der Tragödie erster Teil“ galt von Beginn an als neuartig und außergewöhnlich, weil Goethe darin mit den Normen der klassizistischen Poetik bricht. Die klassizistische Poetik ist gekennzeichnet durch die Einheit von Ort, Zeit und Handlung sowie durch die Einhaltung der Ständeklausel und einer sprachlichen Geschlossenheit. In Goethes „Faust“ ist stattdessen eine Vielfalt der Handlungsorte, eine zeitliche Unbestimmtheit der Handlung, eine große gesellschaftliche Breite der Figuren sowie daraus resultierend eine Vielfalt der sprachlichen Erscheinungsformen anzutreffen. Die Sprache ist dabei zuweilen drastisch und skandalös.
    • Das im „Faust“ vertretene Naturverständis ist das des Pantheismus. Pantheismus bezeichnet die Auffassung, dass Gott eins mit dem Kosmos und der Natur ist bzw. das Göttliche im Aufbau und in der Struktur des Universums allgegenwärtig ist. Somit entspricht das Naturverständnis im „Faust“ dem anti-kirchlichen Religionsverständnis des Sturm und Drang.
    • Die Gretchen-Figur sowie ihr Schicksal und ihre persönliche Entwicklung im Laufe des Dramas waren zur Zeit der Erscheinung des Dramas außergewöhnlich und haben seitdem die Menschen emotional und auch politisch stark beeindruckt und beeinflusst.
    • Bis heute ist Goethes „Faust“ das meistgespielte Stück an deutschen Theatern. Insbesondere in den letzten Jahren ist eine Zunahme der Inszenierungen von „Faust I“ und „Faust II“ zu verzeichnen. Durch die große Nachwirkung des „Faust“ in der deutschen Theatergeschichte erhielten das Drama und seine Figuren einen vorbildhaften, allgemeingültigen und zeitlosen Status.
  • Vervollständige die geflügelten Worte, die aus Goethes „Faust I“ stammen.

    Tipps

    Überlege, welche der geflügelten Worte dir aus dem Alltag bereits bekannt sind oder welche du vielleicht sogar selbst schon einmal verwendet hast.

    Lösung

    Motive aus Goethes Faust finden sich unzählig in der heutigen Popkultur. Der Grund dafür ist unter anderem der Reichtum an geflügelten Worten, die aus Goethes Text stammen.

    Fünf sehr bekannte geflügelte Worte sind:

    • „Das also war des Pudels Kern.“
    • „Name ist Schall und Rauch.“
    • „Hier bin ich Mensch, hier darf ich's sein.“
    • „Der Worte sind genug gewechselt.“
    • „Zwei Seelen wohnen, ach! In meiner Brust.“
  • Ermittle die Gründe für die unterschiedlichen Rezeptionen von Goethes „Faust I“.

    Tipps

    Erinnere dich daran, dass die deutschen Diktaturen Goethes „Faust“ jeweils für sich vereinnahmt haben.

    Man könnte sagen, dass Goethes Meisterwerk heute buchstäblich in aller Munde ist (z. B. „Das also war des Pudels Kern“). Überlege, woran das liegen könnte.

    Lösung

    In unterschiedlichen Epochen wurde Goethes „Faust“ unterschiedlich rezipiert. Dafür gibt es verschiedene Gründe:

    • Während der Zeit des Ersten Weltkriegs wurde Goethes „Faust“ zum Propagandamittel. Grund hierfür war, dass Faust als deutscher Stereotyp galt: Er war der unerschrockene bis zum Ende forschende Wissenschaftler. Laut Propaganda befand sich Goethes Drama - als urdeutscher Text - immer im Tornister der jungen Soldaten und wurde selbst auf dem Schlachtfeld gelesen.
    • Neben der unmöglich erscheinenden Umsetzung einiger Szenen (z. B. der Walpurgisnacht) war ein weiterer Grund für den Wegfall die in einigen Szenen vorhandene Kirchenkritik (z .B. Mephistos Rede über den Hunger der Kirche). Dies zeigt, dass die Kirche am Anfang des 19. Jahrhunders als Deutungshoheit und Normierungsinstanz weiterhin einen großen Einfluss auf das kulturelle Schaffen deutscher Autoren hatte.
    • Nach dem Zweiten Weltkrieg hält die Beliebtheit von Goethes Drama weiterhin an. Bei der Rezeption des Textes wird nun der Pakt mit dem Teufel, also die Thematik des Erlangens von unbegrenztem Wissen und somit von Macht, vordergründig. Zudem wird die Frage populär, wie weit die Wissenschaft eigentlich gehen sollte.
    • Die in „Faust“ zahlreich vorhandenen geflügelten Worte (z. B. „des Pudels Kern“ oder „Es irrt der Mensch, solang er strebt.“) sind in unsere Alltagssprache eingegangen, da sie so vielfältig einsetzbar sind. Somit wird Goethes Drama tagtäglich - häufig unbewusst - wiedergegeben bzw. rezipiert.
    • Auch die Nationalsozialisten nutzten Goethes Drama zu Propagandazwecken. Sie interpretierten das Genie Faust als auserwählten, arischen Übermenschen. Es gab jedoch auch andere Stimmen, z. B. Thomas Manns „Doktor Faustus“. Faust ist zwar auch hier ein deutscher Held, jedoch wird der Pakt mir dem Teufel als Gleichnis für die Verbindung zwischen den Deutschen und Hitler gesehen.
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