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Analphabetismus als Problem 05:55 min

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Transkript Analphabetismus als Problem

Hallo, mein Name ist Nicole und ich bin heute dein sofatutor. Stelle dir doch einmal vor, du könntest nicht lesen und schreiben. Überlege einmal für dich selbst, was dies für deinen Alltag bedeuten würde. Dinge wie Bücher lesen, im Internet surfen oder Lebensmittel einkaufen wären dann nur noch schwer oder gar nicht mehr möglich. Doch so etwas kann es in unserer modernen Gesellschaft doch gar nicht geben, oder? Nicht lesen und schreiben können nennt man Analphabetismus. Doch was genau kennzeichnet das? Viele Menschen verbinden damit, dass die betroffene Person überhaupt nicht lesen oder schreiben kann. Dabei gibt es wie bei vielen anderen Dingen verschiedene Stufen und Abgrenzungen. Dabei unterscheidet man zwischen Personen, welche vereinzelte Buchstaben erkennen oder allenfalls ihren Namen schreiben können oder welche einzelne Wörter erkennen, Texte jedoch nicht sinnentnehmend erfassen können. Man unterscheidet generell zwischen dem sogenannten primären Analphabetismus, welcher bedeutet, dass die Betroffenen aufgrund fehlender Bildungsmöglichkeiten, wie beispielsweise in Entwicklungsländern, das Lesen und Schreiben nicht erlernt haben, und funktionalem Analphabetismus, welcher vor allem in den Industrieländern vorkommt. Die Betroffenen sind aufgrund fehlender Lese- und Schreibfertigkeiten von vielen Bereichen der Gesellschaft ausgeschlossen. Wesentlich dabei ist, dass Informationen aus Wörtern oder Texten nicht erfasst werden können, man beispielsweise eine Haltestelle nicht erkennt oder einem Beipackzettel keine wichtigen Hinweise entnehmen kann. In Deutschland sind mehr Menschen betroffen als wir vielleicht denken. Mit einer Zahl von 14,5 Prozent bedeutet dies, dass circa 7,5 Millionen Deutsche funktionale Analphabeten sind. Dies wiederum bedeutet, dass mindestens jeder zehnte ein Betroffener ist. Studien zu diesem wichtigen Thema gibt es leider nur wenige. Die leo. Level-One-Studie veröffentlicht im Jahr 2011 erstmals repräsentative Zahlen. In dieser Studie wurde deutlich, dass ein nicht geringer Anteil von 47,7 Prozent der Betroffenen einen unteren Schulabschluss hat. Sie verlassen die Schule somit ohne ausreichend lesen und schreiben zu können. Doch wie ist dies möglich bei den ganzen Aufgaben und Schularbeiten, die man zu bewältigen hat? In der Gesellschaft werden Betroffene schnell mit verschiedenen Vorurteilen bewertet. Sandra, 28 Jahre, belegt einen Alphabetisierungskurs und beschreibt ihre Erfahrungen wie folgt: “Ich wünsche mir mehr Verständnis, weil es ist oft so, dass wir nur, weil wir die Schwäche haben, dass wir nicht lesen und schreiben können, für blöd gehalten werden. Wir sind ja nicht blöd. Wir haben genauso Allgemeinwissen wie jeder andere oder unsere Erfahrungen. Aber deswegen sind wir nicht blöd. Und das ist eben schwer, weil wenn die Leute hören: Oh, der kann nicht lesen und schreiben, dann hat er alles andere auch nicht im Grips. Dann ist der hohl wie ein Luftballon. Und das finde ich so ein bisschen fies. Weil wir sind eben nicht blöd. Und das sollte man vielleicht den Leuten in den Kopf hämmern.” Viele Menschen vergessen, dass die Ursachen für funktionalen Analphabetismus vielschichtig sind. Man spricht von familiären Gründen, wie der Trennung der Eltern, dem übermäßigen Drogen- und Alkoholkonsum, der Armut der Familie, der Gewalt und der Tatsache, dass die Kinder keine Vorbilder haben, die ihnen vorlesen beispielsweise. Aber auch von schulischen Gründen, wie beispielsweise der Klassengröße, den übermäßigen Fehlzeiten durch Krankheit oder Ähnliches, durch Vorurteile der Lehrkräfte, der fehlenden Förderung bei Problemen oder der Schulangst. Besonders in den ersten beiden Schuljahren ist es somit wichtig, wachsam zu sein, da dort der Lese- und Schreibprozess beginnt. Anhand der Darstellung sollte deutlich werden, dass die Ursachen für Analphabetismus vielschichtig sind und jeden betreffen können. Auch dein Banknachbar könnte aufgrund ungünstiger Lebensbedingungen, die er nicht beeinflussen konnte, ein Betroffener sein. Die Bewältigung des Alltags ist für Analphabeten mit erheblichen Einschränkungen verbunden. Sie entwickeln zahlreiche Strategien und sind oftmals auf die Hilfsbereitschaft anderer angewiesen. Zur Orientierung in der Heimatstadt ist ein erhebliches Gedächtnis und Kreativität notwendig. Auch Ausreden, wie das Vergessen der Brille oder ein verstauchtes Handgelenk, können helfen. Meist begleitet Scham sie das ganze Leben und vor allem die Angst, entdeckt zu werden. Dabei wird dieses Gefühl vom Unwissen der Gesellschaft genährt. Du kannst mit deinem Wissen nun wachsamer sein. Betroffene, für die das ganze Leben wie eine beständige Fremdsprache ist, benötigen oft Unterstützung. Sollte dir auffallen, dass jemand Schwierigkeiten hat, scheue dich nicht, ihm Hilfe anzubieten, beispielsweise durch einen gemeinsamen Übungsnachmittag oder eine Lesegruppe. Es ist wichtig, aufeinander zu achten und sich zu unterstützen und Hilfe ist jederzeit möglich. Hier bekommst auch du Hilfe. So, dies war nur ein kurzer Überblick über ein gesellschaftlich so wichtiges Thema. Du kannst dich gerne auch noch mehr darüber im Internet oder in verschiedenen Büchern informieren. Wir hören uns dann beim nächsten Mal. Tschüss!

1 Kommentar
  1. Default

    Alphabeten lesen ist eigentlich ein zivilisierter Verstandigungsform. Es gibt auch andere Kommunikationsformen wie Gebärdensprache, die bildreich ist. Lesen und schreiben ist ein komplexer Vorgang, wird das Kind nicht bereits mit 3 Jahren gefördert, dann wird es mit den Jahren schwieriger, auch die klassenstärke der Hörenden ist zu groß, um zu bemerken, weil manche intelligente leseschwache Schüler entweder sehr gut hinhören oder auswendig etwas vorliest, der Lehrer bemerkt es nicht.

    Von Dw 69, vor mehr als 4 Jahren