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Menschenaffen 06:46 min

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Transkript Menschenaffen

Zur Familie der großen Menschenaffen gehören die Gattungen des Orang-Utans, des Gorillas, des Schimpansen und des Menschen. Die Einbeziehung des Menschen in diese Familie ist durch die neuen phylogenetischen Erkenntnisse bedingt. Gorillas und vor allem die Schimpansen sind näher mit den Menschen verwandt als mit dem Orang-Utan. Von den Orang-Utans leben heute nur noch zwei Unterarten in Südostasien, die eine auf der Insel Sumatra und die andere auf Borneo. Ein männlicher Orang-Utan erreicht eine Kopf-Rumpf-Länge von bis zu 1,80 Meter. Da die Oberaugenwülste nicht so deutlich ausgebildet sind wie bei anderen Menschenaffen, wirkt die Augenpartie dem Menschen sehr ähnlich. Das typische Merkmal eines erwachsenen Orang-Utan-Männchens sind die Backenwülste, die zehn Zentimeter breit und 20 Zentimeter hoch werden können. Ein Schnurr- sowie Kinnbart und das bis zu 50 Zentimeter lange, rötliche Haarkleid des Körpers lassen uns verstehen, dass die Übersetzung von „Orang-Utan“ „Waldmensch“ bedeutet. Auffallend sind die langen Arme, die eine Spannweite von bis zu 2,25 Metern haben können. Lange Arme haben wir schon beim Gibbon beobachtet. Und wir erinnern uns an die besondere Art ihrer Fortbewegung, das Schwinghangeln. Ähnlich ist die Fortbewegung des Orang-Utans, sie schwingen und hangeln sich im dichten Urwald von Baum zu Baum, wobei die langen, kräftigen Arme das Körpergewicht tragen. Und beim Klettern von den verhältnismäßig kurzen Beinen unterstützt werden. Aufgrund der zunehmenden Zerstörung ihres Lebensraumes sind die Orang-Utans in ihrem Bestand stark bedroht. Diese Bedrohung trifft für den größten aller Menschenaffen, den Gorilla, ebenso zu. Alle drei Unterarten, der westliche und östliche Flachlandgorilla und der Berggorilla, sind in ihren afrikanischen Lebensräumen bedroht. Diese beiden Flachlandgorillas zeigen uns den enormen Größenunterschied zwischen Männchen und Weibchen. Bringt ein Gorillamann bis zu 200 Kilogramm auf die Waage, so sind es bei einem Weibchen im Durchschnitt etwa 90 Kilogramm. Gorillas haben ein verhältnismäßig langes Armskelett, große Hände und einen kurzen aber breiten Brustkorb. Das Beinskelett ist verhältnismäßig kurz. Der Evolutionstrend einer zunehmenden Aufrichtung der Wirbelsäule ist deutlich zu sehen. Ihre Fortbewegung ist vierbeinig, wobei sie auf den Fußsohlen und vorne auf den Knöcheln laufen. Obwohl Gorillas trotz ihres großen Gewichts recht gut klettern können, halten sie sich viel auf dem Boden auf. Ihre Schlafnester bauen sie sowohl auf dem Boden als auch in Bäumen. Ein Blick in ihr Gesicht verrät ihre Herkunft. Wie alle Altweltaffen haben sie eine schmale Nasenwand und 32 Zähne. Die Schneidezähne sind schmal, die Eckzähne sehr groß und die Backenzähne haben hohe Höcker als Anpassung an die überwiegende Blätternahrung. Im Verhältnis zum großen Schädel haben Gorillas kleine Augen und auffallend kleine Ohren. Der Schnauzenbereich ist vergleichsweise kurz. Auffallend sind dagegen die Augenwülste sowie der Schädelkamm auf der Oberseite des Schädels. Er dient als Ansatzstelle für die kräftige Nackenmuskulatur, um den schweren Schädel aufrecht halten zu können. Ein typisches Primatenmerkmal, welches wir schon bei den Halbaffen und den stammesgeschichtlich weiterentwickelten Affen kennengelernt haben, sind die abgespreizten, großen Zehen, die Nägel auf Fingern und Zehen und die mit Tastballen und Hautleisten ausgestatteten Fußsohlen und Handflächen. Die Entwicklung der Hand zu einer zunehmend besseren Manipulationsfähigkeit erkennen wir, wenn wir ihnen bei der Nahrungsaufnahme zusehen. Aus dem ursprünglichen Kraftgriff, der überwiegend dem Festhalten beim Klettern diente, hat sich ein Präzisionsgriff entwickelt. Die Fingerstellung beim Essen ist der unseren sehr ähnlich. Mit Daumen und Zeigefinger können selbst kleine Körner vom Boden aufgehoben werden. Auch die uns genetisch am nächsten stehenden Schimpansen, in unserem Bild ein Zwergschimpanse, Bonobo genannt, zeigen, wie geschickt sie ihre Finger gebrauchen können. Daumen und Zeigefingerspitze können perfekt gegenübergestellt werden. Die Nahrungsstücke werden mit der Hand zum Mund gebracht, während gleichzeitig das restliche Futter mit dem Fuß festgehalten werden kann. Der Gebrauch von Werkzeug wurde lange Zeit nur dem Menschen zugetraut, aber Schimpansen können das, wie wir hier sehen, auch. Zweige, deren Blätter sie zunächst entfernen, benutzen sie wie eine Angel. Im Dschungel stecken sie die Zweige in Termitenhügel und fangen damit diese Insekten. Im Zoo erreichen sie auf diese Art im Gehege versteckte Leckereien. Die Anfertigung von passendem Werkzeug setzt vorausschauendes Denken voraus und dies wiederum Intelligenz. Schimpansen und diese Bonobos haben ungefähr den Verstand eines dreijährigen Kindes. Die Gehirne eines Schimpansen und eines Kindes sind bei Geburt etwas gleich groß, nämlich 350 Kubikzentimeter. Während sich das Gehirngewicht eines Menschen noch vervierfacht, wächst das des Schimpansen nur noch um 100 Kubikzentimeter. Für Intelligenz sind jedoch weder das reale Gehirngewicht noch die Relation von Gehirn zu Körpergewicht entscheidend. Die Zahl der Nervenverbindungen und die Verknüpfung der Sinneszentren sind es, die den Ausschlag geben. Ein Blick in das Gesicht dieses Zwergschimpansen lässt uns weitere gemeinsame Merkmale mit dem Menschen erkennen. Er hat ein fellfreies Gesicht, die Stellung der Augen und der Nase sind wie bei uns. Wir erinnern uns an das typische Merkmal eines Altweltaffen, die schmale Nasenwand. Auch wir Menschen haben eine solche. Dies ist einer der Beweise, dass die Entwicklung des Menschen seinen Anfang in Afrika genommen hat. Obwohl der Schimpanse unser nächster Verwandter ist, stammen wir nicht direkt von ihm ab. Der Weg der Entwicklung von ihm bis zu uns ist lang und die einzelnen Stationen noch nicht endgültig erforscht.