30 Tage kostenlos testen:
Mehr Spaß am Lernen.

Überzeugen Sie sich von der Qualität unserer Inhalte.

1965 - Beatlemania 08:13 min

Textversion des Videos

Transkript 1965 - Beatlemania

Die Beatles in Deutschland, Ausnahmezustand in München. Die Polizei bemüht sich nach Kräften, um die Schäden dieser Pilzkopfplage zu begrenzen.Lorenz Niedermeier (Zugführer Polizei München): Zuerst einmal hab ich immer erwähnt „Ruhe bewahren“. Und wir haben doch gewusst, wenn also die Kameraden auftreten, dass das was Besonderes ist, dass da schon eine gewisse Hektik bei den jungen Menschen, bei den Zuschauern, vorkommt.Eine Untertreibung. Tausende jugendlicher Fans verfallen schon vor dem Hotel der Beatles in Hysterie. Begabte Kameraleute der Polizei drehen diese nie gezeigten Farbaufnahmen. Beatlemania in München.Raimund Wagner (Beatles-Fan): Da geht was ganz, ganz großes ab. Man wird in einer Menge irgendwo hingeschoben und man freut sich einfach nur. Es war ein gigantisches Gefühl der Freude dabei sein zu können.Viele sehen die Beatles zum ersten Mal leibhaftig. Die Band kennt Deutschland gut. Sechs Jahre zuvor begannen sie in Hamburg ihren Aufstieg aus den Hinterhöfen in das Rampenlicht des Showgeschäfts. In ihrer Heimat Liverpool eine Band von vielen, werden sie in den Clubs der Reeperbahn zu kleinen Stars.Astrid Kirchherr (Fotografin): Das Besondere war ihre Ausstrahlung und ihre Individualität. Und sie sahen verteufelt gut aus, jeder für sich. Eigentlich das, was ich immer fotografieren wollte.Nicht zum letzten Mal werden die Beatles zum Kunstobjekt. Astrid Kirchherr fotografiert die Band und verpasst ihnen einen Haarschnitt, der nicht nur eine Generation aus der Fasson bringt, den Pilzkopf. Wohl wirken ihre Auftritte recht brav zu Beginn der sechziger Jahre, doch da ist schon etwas.Astrid Kirchherr (Fotografin): Ich war einfach atemlos von dieser Präsenz, dieser Bühnenpräsenz.Ihr Mersey Beat, der Sound aus Liverpool, bringt damals Kellermauern zum Vibrieren.Raimund Wagner (Beatles-Fan): Das ist ja gigantisch, das sind ja völlig neue Klänge.My Bonnie, die Beatles mit Tony Sheridan. Die erste Platte floppt und doch wird sie gehört. Von diesem Plattenhändler. Brian Epstein wird ihr Manager.Hunter S. Davies (Beatles-Biograf): Brian machte die Jungs schick. Er verbot ihnen auf der Bühne zu rauchen und Kaugummi zu kauen. Sie mussten pünktlich sein und keine abgerissenen Klamotten mehr. Die Beatles wurden vorzeigbar, sie sahen alle gleich aus. Brian machte sie zu einer Marke.Mehr upgestyled sind sie ganz schnell ganz oben. Everybody's Darling, auch der Journalisten. Ihre Songs erobern die Charts, die vier Jungs aus Liverpool erobern die Fans, vor allem die weiblichen. Ein Virus, der von Land zu Land getragen wird. Totale Hysterie.Christel Beyl (Beatles-Fan): Es war ja ein so unglaublicher Rummel, man kann sich es heute gar nicht mehr vorstellen. Ich glaube, so etwas gibt es heute überhaupt nirgends, nicht mal bei Michael Jackson. So etwas gibt es einfach nicht mehr. Die ganze Stadt, wo immer die hinkamen, ist einfach ausgeflippt. Also die Leute, egal welcher Altersstufe, waren einfach in der Beatlemania. Jeder wusste, da ist was irres passiert, da kommen irgendwelche Götter.Zumindest feiern sie recht überirdische Erfolge. Eine ganze Generation hat den Schmalz der alten Schlager gründlich satt und lechzt nach neuen Klängen. Vorbilder für tausende von Teens, die ihre eigenen Bands nach Beatles-Vorbild gründen.Raimund Wagner (Beatles-Fan): Man wollte ganz einfach auch so sein, auch so leben, wenn man auch viele Dinge, die die Beatles eben konnten, sprich sich die Haare lang wachsen zu lassen, immer die tollsten Klamotten zu tragen, das war uns natürlich nicht vergönnt. Die haben eine tolle Anlage gehabt, wir mussten uns jede Gitarre, jeden Verstärker, jedes Mikrofon ausleihen, und da ging unser Honorar eines Abends drauf. Aber das war vollkommen wurscht. Uns hat die Musik gefallen, uns haben die vier Jungs gefallen, und wir wollten auch so sein.Oktober 65, Orden für die Beatles. Schließlich sind sie Englands Exportschlager. Hundertmillionen Mark haben sie der Steuerkasse schon beschert. Die Queen war amused, die Pilzköpfe auch.Christel Beyl (Beatles-Fan): Wenn die zehn Jahre vorher gekommen wären, wären sie vielleicht gar nicht mal erfolgreich gewesen. Die Zeit war reif und die haben diese Rolle einfach perfekt erfüllt und haben es gut gemacht.24. Juni 66, die Beatles wieder in Deutschland, nicht in kleinen Clubs, jetzt in Arenen, wie dem Zirkus Krone in München. 6000 Fans warten auf den Auftritt. Meilenstein im Leben vieler.Raimund Wagner (Beatles-Fan): Ich kam auch das erste Mal da hin und ich weiß es war gigantisch. Es war ein Auflauf wo ich mir gedacht habe, Mensch, das ist ja das Größte überhaupt. Ich glaube, ich hab, ich bin aus der Gänsehaut nicht mehr herausgekommen, allein schon das drumherum. Als die Beatles dann auf die Bühne kamen, würde ich sagen, war es das wahre Inferno. Man hat nichts mehr gehört, außer natürlich irgendwo das Wummern der Musik, aber im Grunde genommen es ging alles in einem unglaublichen Kreischen unter.17.15 Uhr, sie sind da. Die Polizeibeamten, jugendgerecht in weißen Hemden gewandet, sollen die Band beschützen. Das ist der Ernstfall.Lorenz Niedermeier (Zugführer Polizei München): In dem Moment, wo die Bühne gestürmt wird, ist ja aus. Da bringt ja nicht 50 und 100 Mädchen und Jungens so schnell wieder von der Bühne runter. Die klammern sich ja fest an den Instrumenten, an den Beatles, an allem. Ja, wahnsinnig.Beatlemania in Farbe. Polizeibeamte drehen während des Konzerts für einen Lehrfilm und zeigen wie vier junge Männer ein paar Tausend Menschen rasend machen.Christel Beyl (Beatles-Fan): Also ich hab einfach nur gesehen, wie alles vibriert hat. Vorne der Zuschauerraum ohnehin war kurz vor der Explosion.Für die Band sind Auftritte wie diese eine Mühsal. Freude an der eigenen Musik kann hier kaum mehr gedeihen. Die Fans ahnen nicht, dass die Beatles hier in München eines ihrer letzten Konzerte geben.Hunter S. Davies (Beatles-Biograf): Das Publikum hat sie doch vor lauter Geschrei kaum hören können. Sie waren in Hotels eingesperrt oder im Flugzeug unterwegs. Sie hatten die Nase voll. Sie wünschten sich, es würde bald vorbei sein.Am Morgen danach sind die Beatles wieder On Tour, erst nach Essen, dann nach Hamburg. Vier junge Männer, die in diesen Jahren zur Legende werden, ob sie wollen oder nicht.Raimund Wagner (Beatles-Fan): Idole sind halt eben etwas, die kommen und gehen, wenn man so will. Bei den Beatles ist es so, dass aus dem Idol dann auch ein Ideal geworden ist. Die Musik der Beatles wird, für meine Begriffe, nie aussterben.Kein Wunder also, dass die Fans von damals heute noch, als Opas und Omas, die Liebe zur Jahrhundertband mit ihren Enkeln teilen.