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Merkmale des Dramas 07:51 min

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Transkript Merkmale des Dramas

  1. Akt, 2. Szene

Küche

Er: „Jetzt mach bitte kein Drama draus!“ Sie: „Was heißt hier Drama? Du bist doch derjenige, der mir Woche für Woche eine Szene deswegen macht. Immer wenn ich….“ Er (fällt ihr ins Wort): „Nein, bitte lass das. Verschone mich mit deinen endlosen Monologen!“ Sie: „Ach, das hat doch alles keinen Sinn mehr!“, verlässt stürmisch den Raum…

Er und sie streiten sich und du bist mittendrin. Es gibt keine Erklärung, das Drama spielt sich direkt vor deinen Augen ab. Als in der griechischen Antike die ersten Dramen entstanden, sollte der Zuschauer mit dem Protagonisten mitfühlen. Genauso wie diese Idee stammt auch das Wort „drama“ aus dem Griechischen und bedeutet Handlung. Hättest du damals in einem griechischen Amphitheater gesessen, dann hättest du dich durch das direkte Miterleben dieser Handlung selbst verändern sollen. Es gab sowohl Tragödien als auch Komödien. Die Handlung konnte also auch komisch oder witzig sein. Jegliches tiefe Gefühl, egal ob Trauer oder Freude, sollte die innere Reinigung, Katharsis genannt, hervorbringen. Bei einem Drama wurde Handlung auf einer Bühne dargestellt. Bis heute werden unter Dramatik alle Texte verstanden, die in verteilten Rollen und genau dafür geschrieben werden. Seit der Antike hat sich die ursprüngliche Idee gewandelt und erweitert. Lange Zeit war es üblich, Dramen in kunstvoller Sprache und in Versform zu schreiben. Das änderte sich. Moderne Stücke sind oft an unsere Alltagssprache angepasst. Auch die Figuren der Stücke wandelten sich. Bis zur Aufklärung waren tragische Protagonisten immer adelig. Erst mit der Entstehung des „Bürgerlichen Trauerspiels“ wie Schillers „Kabale und Liebe“ wurden auch die Probleme einfacher Bürger ernsthaft dargestellt. Bertolt Brecht gab mit Einführung seines „Epischen Theaters“ Anfang des 20ten Jahrhunderts eine ganz neue Richtung vor. Wärst du bei Brecht Zuschauer gewesen, hättest du immer wieder deutlich gezeigt bekommen, dass das nur eine Aufführung ist. Dadurch wärst du nicht mit deinen Gefühlen beschäftigt gewesen, sondern hättest das Geschehen kritisch reflektieren können.

Jetzt fragst du dich vielleicht, was bei so vielen Änderungen noch die besonderen Merkmale dramatischer Texte sind. Um das herauszufinden, sehen wir uns noch einmal den Dialog vom Anfang an. Schon an diesem kurzen Text kannst du einige wichtige Merkmale erkennen. Zunächst siehst du, dass sich zwei Personen miteinander unterhalten. Diese so genannte Figurenrede findest du in allen dramatischen Texten. Anders als in epischen Texten, gibt es keinen Erzähler. Alles, was passiert, spielt sich innerhalb der durch die Figuren dargestellten Beziehungen ab. Zu Beginn jedes dramatischen Textes findest du deswegen eine Liste aller vorkommenden Figuren, die dann die Figurenkonstellation ergeben. Die Figuren müssen durch ihre Rede den Verlauf der Handlungen voranbringen. Außerdem sorgen sie dafür, dass der Zuschauer alles erfährt, was er braucht, um die Handlung zu verstehen. Die Figurenrede kann in so genannten Dialogen stattfinden, in denen sich immer mindestens zwei Personen unterhalten. Von einem Monolog, wie ihn der Mann in unserem Beispiel lieber nicht hören will, spricht man, wenn eine Figur über eine längere Zeit allein redet. In diesen Monologen erfährt der Zuschauer etwas über die Gedanken und Gefühle der Figur.

Unterstützt wird die Figurenrede durch akustische und optische Signale. Musik, Geräusche, Bühnenbild, Beleuchtung, Kleidung, Auftreten und Sprechweise der Schauspieler tragen stark zur Wirkung bei. In den meisten dramatischen Texten findest du deswegen Regieanweisungen. Diese sind oft schräg gedruckt und enthalten nähere Angaben zur Umgebung oder zum Verhalten der Schauspieler im Stück. Kannst du sie in unserem Beispiel entdecken?

Auch wenn es eine große Vielfalt an unterschiedlichen Dramenformen gibt, so kannst du sie grundsätzlich in zwei verschiedene Kategorien einteilen. Es gibt geschlossene und offene Dramenformen. Das geschlossene Drama, auch aristotelisches Drama genannt, weil es auf der Dramaturgie des antiken Theaters und speziell auf der Poetik des Philosophen Aristoteles beruht, besteht meist aus fünf Akten, die wiederum in verschiedene Szenen unterteilt sind. Die Szenen sind eng miteinander verknüpft und die Handlung verläuft linear. Das bedeutet, dass die Geschehnisse logisch aufeinander aufbauen. Es gibt kaum Ortswechsel und es wird nur eine kurze Zeit dargestellt. Es gibt es einen Helden, den Protagonisten, und einen Gegenspieler, den Antagonisten, die meist aus demselben Stand kommen. Der Aufbau der fünf Akte entspricht dem klassischen aristotelischen Drama der Antike. Im ersten Akt erfolgt die Einführung, d.h. die Personen und ihre Situationen werden vorgestellt. Im zweiten Akt entfaltet sich der Konflikt, der im dritten Akt seinen Höhe- oder Wendepunkt erreicht. Im vierten Akt fällt die Handlung und wird durch ein retardierendes Moment zu größter Spannung verzögert. Alles steuert auf die im fünften Akt bevorstehende Katastrophe zu. Diesen Aufbau findest du beispielsweise in Schillers “Kabale und Liebe”. Stell dir vor, unser Beispiel wäre ein Ausschnitt aus einer klassischen Tragödie. An welchem Punkt befinden sich die Figuren?

Im offenen Drama findest du diese Elemente nicht. So gibt es beispielsweise keine Einführung oder andere festgelegte Handlungseinheiten. Die Orte und Zeiten sind durch häufige Wechsel bestimmt und die Szenen nicht zwangsläufig miteinander verknüpft. Ein Beispiel für das offene Drama ist Georg Büchners “Woyzeck”. Egal ob offen oder geschlossen – wenn dir jetzt jemand einen Dramentext vorlegt, wirst du ihn erkennen. Erinnerst du dich noch an die besonderen Merkmale? So richtig interessant werden die Stücke natürlich erst im Theater. Alle Schauspieler und Regisseure bringen ihre eigenen Fähigkeiten und Ideen ein, um den Text zum Leben zu erwecken. Wie würdest du selbst denn die kleine Szene vom Anfang darstellen?

1 Kommentar
  1. 041

    gut

    Von Salih Han B., vor mehr als einem Jahr