30 Tage kostenlos testen: Mehr Spaß am Lernen.
30 Tage kostenlos testen

Überzeugen Sie sich von der Qualität unserer Inhalte.

30 Tage kostenlos testen

„Aus dem Leben eines Taugenichts“ – Entstehungsgeschichte (Eichendorff) 06:43 min

Textversion des Videos

Transkript „Aus dem Leben eines Taugenichts“ – Entstehungsgeschichte (Eichendorff)

Joseph von Eichendorff: Aus dem Leben eines Taugenichts - Entstehungsgeschichte Schloss Lubowitz, unweit der Stadt Ratibor in Schlesien. In dieser idyllischen Umgebung wächst der Dichter Joseph von Eichendorff während der Jahrhundertwende auf - und entwickelt seine Liebe zur Schönheit der Natur im Wechsel der Jahreszeiten. “Wer einen Dichter recht verstehen will, muss seine Heimat kennen.” schreibt Eichendorff an den Dichter Fouqué. Der Dichter verbringt eine glückliche Kindheit zusammen in einem katholischen, aber nicht allzu strengen Elternhaus des schlesischen Landadels. Seine Frömmigkeit und sein Gottvertrauen soll er ein Leben lang behalten. Schon als Zehnjähriger schreibt er ein Drama. Als 16-Jähriger veröffentlicht er erste Gedichte in einer Zeitschrift für Wissenschaft und Kunst. In Kontakt mit den Romantikern kam Eichendorff während seines Studiums in Halle, einem Zentrum der jungen Romantiker. Die Romantiker wenden sich gegen die neue Moderne, in der Rationalismus, Vernunft und Industrieglaube herrscht. Sie kultivieren die Sehnsucht nach Freiheit und Unabhängigkeit des schöpferischen Individuums. “Chaos und Eros” sind ihre Schlagworte: Vernünftiges Denken soll aufgehoben werden, stattdessen stehen Fantasie und die ursprüngliche menschliche Natur im Mittelpunkt. Durch die Liebe werde aus dem Chaos eine harmonische Welt. Zudem sind die Dichter der Romantik fasziniert von der Geschichte, Volksliedern und Märchen. Sie haben ein idealisiertes Mittelalterbild christlicher Religiosität. Während seines Studiums in Heidelberg kommt Eichendorff mit den Hauptvertretern der sogenannten Heidelberger Romantik, Achim von Arnim und den Brentano-Geschwistern, in Kontakt. 1816 wird Eichendorffs erster Roman “Ahnung und Gegenwart” veröffentlicht, an dem er während des Examens geschrieben hat. Aus finanzieller Not heraus entschließt er sich, in den preußischen Verwaltungsdienst einzutreten. Er wird Referendar in Breslau. Als Katholik hat er im Preußischen Staat jedoch keine Aufstiegschancen - er wird ein Leben lang Regierungsrat bleiben, erst in Danzig, dann in Königsberg, schließlich im Kultusministerium in Berlin. Während dieser Zeit beginnt er mit den Aufzeichnungen zum “Taugenichts”. Er scheint in der Dichtung einen Gegenpol zur Welt der Sorge und der menschlichen Beschränkungen zu finden bzw. zu entwerfen. Der erste nachweisbare, handschriftliche Entwurf ist mit “Familien-Gemählde” übertitelt. Eine weitere frühe Handschrift mit “Der neue Troubadour Zwei Kapitel aus dem Leben eines Taugenichts”. 1821 übernimmt Eichendorff die Wiederherstellung des Schlosses der deutschen Ordensritter zu Marienburg. Für seine dichterischen Arbeiten stehen ihm vorwiegend die Sommerferien zur Verfügung. Diese verbringt er fortan im Schlösschen Silberhammer bei Danzig - dieser und der Sommer 1822 oder 1823 gelten so als Entstehungsort und -zeit des “Taugenichts”. Eine weitere Fassung 1823 trägt den Titel: „Zwei Kapitel aus dem Leben eines armen Taugenichts Oder Der moderne Troubadour“ Der erste Vorabdruck in der Zeitschrift „Deutsche Blätter für Poesie, Literatur, Kunst und Theater“ 1823 heißt schließlich: „Der neue Troubadour Ein Kapitel aus dem Leben eines armen Taugenichts“ Erst das Manuskript, das 1825 an den Verlag Vereinsbuchhandlung Berlin geht, nennt das Werk „Aus dem Leben eines Taugenichts“. Die gleichnamige Novelle erscheint 1826 in dem Band "Aus dem Leben eines Taugenichts und Das Marmorbild. Zwei Novellen nebst einem Anhange von Liedern und Romanzen". Vermutlich gab es bei dem Dichter bereits einige viel frühere Einflüsse: Es wird gemutmaßt, dass Joseph von Eichendorff bereits bei seinem Aufenthalten 1811/12 in Wien von der Commedia dell’arte mit ihren feststehenden, ausgeprägten Charaktermasken inspiriert wurde. Er sei damals außerdem von der Wiener Klassik, repräsentiert durch Joseph Haydn, Wolfgang Amadeus Mozart und Ludwig van Beethoven, beeinflusst worden. Mozarts Oper “Don Giovanni” hat Eichendorff vier Mal gesehen. Vielleicht wird deshalb der “Taugenichts” auch mit Melodien Mozarts verglichen. Zudem arbeitete Eichendorff 1808 an Aufzeichnungen für eine Sammlung oberschlesischer Sagen und Märchen - fragmentarisch ist dort ein Märchen vom “Faulpelz” enthalten, das erstaunliche Parallelen zur Novelle aufweist. Die eigentümliche Spannung zwischen Heimatsinn und Sehnsucht nach der Ferne durchzieht nicht nur den “Taugenichts”, sondern Joseph von Eichendorffs gesamtes dichterisches Werk. Dabei ist der Schriftsteller wie sein Held voller Verehrung für den Schöpfer der Natur und dessen Schöpfungen. Diese Voraussetzung für die romantische Denkweise hat er dem Ort seiner Kindheit zu verdanken: “Überhaupt kann ein Dichter wohl von Glücke sagen, wenn er eine ländliche Heimat hat”, schreibt er später in einem Brief. - Eine Hommage an die prächtigen Wälder, die üppigen Gärten, die sonnenbestrahlten Höhen und stillen Täler seiner Kindheit um Schloss Lubowitz herum.