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Angewandte Rhetorik: Mündliche Abiturprüfung 07:45 min

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Transkript Angewandte Rhetorik: Mündliche Abiturprüfung

Hey, ich bin’s, Tim.

Mündliche Abiturprüfung - das kann nach Hölle und Krieg klingen. Muss es aber nicht, wenn wir uns richtig vorbereiten. Denn der Ablauf der Prüfung und die Anforderungen sind klar. Daher gebe ich dir hier Tipps, wie du dich vor der Prüfung in Form bringst, denn Lehrer wollen alle das Gleiche: dein Bestes. Wie läuft also die Prüfung ab? Es gibt drei Phasen. In Phase eins hast du ca. dreißig Minuten in einem Vorbereitungsraum, in dem du eine Aufgabe gestellt bekommst, die du hier bearbeitest. Es wird dabei entweder um die Analyse eines fiktionalen Textes oder eines nichtfiktionalen Textes gehen. Und du kannst beruhigt sein. Umfang und Schwierigkeit des Textes sind an die Zeit zur Bearbeitung angepasst. Du wirst also nicht Goethes kompletten Faust analysieren müssen.

In Phase zwei trägst du vor den Prüfern die Ergebnisse deiner Aufgabe vor, die du auf Blättern aufgezeichnet hast. Dafür hast du ca. 10 bis 15 Minuten. Dabei kannst du frei reden, ohne dass dich die Prüfer unterbrechen.

Phase drei besteht aus einem 10 bis 15-minütigen Gespräch mit deinem Prüfer. Sie oder er wird über ein Thema der vergangenen zwei Jahre mit dir reden. Hier ist es vor allem wichtig, dass du mit präzise formulierten Sätzen antwortest. Es ist ein Gespräch, kein Vortrag, daher stell dich auf einen auflockernden Dialog ein!

Und wie sind die Anforderungen an dich, was erwarten deine Lehrer von dir? Das gliedert sich in vier Leistungspunkte. Nummer eins: die Verstehensleistung. Du wirst zeigen, dass du die Frage richtig erfasst hast. Dabei geht es darum, dass du zeigst, wie du den Text verstanden hast, wie du ihn thematisch einordnest und wie das Thema im Textaufbau umgesetzt wurde.

Nummer zwei: die argumentative Leistung. Wie bei allen Dingen darfst du nicht einfach Aussagen ins Blaue hineinsagen. Du wirst sie begründen und im Text Belege sammeln. Du wirst logische Zusammenhänge aufdecken, Schlussfolgerungen ziehen und deine Meinungen verteidigen, also z.B. darlegen, wieso du denkst, warum Goethe der Klassik zugeordnet wird und wo das im Text zu finden ist.

Nummer drei: die Darstellungsleistung. Hier geht es um formale Dinge. Hast du deinen Vortrag sinnvoll gegliedert? Welche Methoden hast du bei deiner Analyse herangezogen? Hast du die richtigen Fachbegriffe verwendet? Ist deine Wortwahl präzise? Dein Satzbau vollständig? Ist also deine Sprache insgesamt richtig, angemessen und gut? Bei Gedichtanalysen bedeutet das z.B.: Hast du Analysewerkzeuge wie Metrum, Reim und Stilmittel angewendet? Hast du dein Vorgehen und deine Ergebnisse korrekt erläutert?

Nummer vier: die kommunikative Leistung. Dazu gehört deine Fähigkeit, ein Gespräch zu führen. Würde jemand z.B. eine bekannte Anspielung machen, müsste man diese Anspielung als guter Gesprächspartner erkennen. Zum guten Dialog gehört, dass du die Fragen der Prüfer richtig verstehst und auch weißt, wie umfangreich du sie beantworten sollst. Sehen wir uns anhand eines Beispiels an, wie du vorgehen kannst. Hier ein Gedicht von Novalis, “Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren” (1800): Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren Sind Schlüssel aller Kreaturen Wenn die, so singen oder küssen, Mehr als die Tiefgelehrten wissen, Wenn sich die Welt ins freye Leben Und in die Welt wird zurück begeben, Wenn dann sich wieder Licht und Schatten Zu ächter Klarheit werden gatten, Und man in Mährchen und Gedichten Erkennt die wahren Weltgeschichten, Dann fliegt vor Einem geheimen Wort Das ganze verkehrte Wesen fort.

Eine Aufgabe dazu könnte lauten: Analysieren Sie Novalis’ Gedicht unter besonderer Berücksichtigung des Metrums und ordnen Sie es einer Epoche zu.

Beim Bearbeiten der Aufgabe ist es gut, wenn du einige Dinge beachtest. Übersichtlichkeit in deinen Notizen ist sehr wichtig. Mit gleichen Farben kannst du zusammenhängende Teile in deinen Notizen sichtbar machen. Wenn du eine Aufgabe oder Frage nicht verstehst, hilft häufig eine Umformulierung. Wie du siehst, besteht die Aufgabe aus zwei Teilen. Zuerst führst du eine Gedichtanalyse durch, wobei du etwas mehr über das Metrum und dessen Funktion im Gedicht schreibst. Im zweiten Teil sollst du mit deinem Vorwissen erklären, warum das Gedicht zu einer bestimmten Epoche im Unterschied zu anderen Epochen gehört.

Mache dir dann eine kleine Gliederung deiner Vorgehensweise. Von dir wird ein Vortrag mit Einleitung, Hauptteil und Schluss erwartet. In der Einleitung kannst du dabei z.B. den Inhalt des Gedichts kurz zusammenfassen. Im Hauptteil kommt die ausführliche Analyse mit Thema, Inhalt und Form. Hier musst du auf eventuelle Unregelmäßigkeiten des Metrums eingehen. Beachte auch Sprechersituation, Stilmittel und andere formale Merkmale! Im Schluss sollst du dann das Gedicht aufgrund Dichter, Jahreszahl, Thema, Stil und Aufbau einer Epoche, hier im Beispiel der Romantik, zuordnen und kurz die Charakteristika dieser Epoche darstellen.

Was können wir also zusammenfassen? In der mündlichen Abiturprüfung gibt es drei Phasen: eine Vorbereitungsphase, eine Vortragsphase und eine Gesprächsphase. In den beiden letzten Phasen sollst du zeigen, dass du die Themen und Fragen verstehst, dass du deine Antworten mit guten Argumenten stützt und sie fachlich und sprachlich gut darstellst und imstande bist, eine gute Kommunikation zu führen. Bei deiner Aufgabe gehst du ganz systematisch vor. Du erfasst die einzelnen Teile der Aufgabenstellung, machst dir eine vorläufige Gliederung mit Einleitung, Hauptteil und Schluss, in denen du die einzelnen Antworten auf die Frage unterbringst und arbeitest dann die einzelnen Teile aus. Bleibe dabei immer übersichtlich und versuche auf die Zeit zu achten! Dann läuft alles wie warme Butter. Jeder muss mal schwere Prüfungen bestehen. Das Gute an ihnen ist, dass sie vorbeigehen. Bleib ruhig und gelassen, dann wirst du alles schaffen! Viel Glück!