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Sehnsucht (Eichendorff)

„Sehnsucht“ gehört zu den berühmtesten Gedichten von Joseph von Eichendorff. Wie kein anderer beschreibt er darin die Sehnsucht nach Freiheit, Liebe und Natur. Wie du diese Motive in Eichendorffs Gedicht deuten kannst, erfährst du hier.

Wer war Joseph von Eichendorff?

Joseph von Eichendorff war einer der bedeutendsten Dichter der Romantik. Er wurde 1788 in eine katholische Adelsfamilie geboren. Er studierte Jura, war Soldat und arbeitete in unterschiedlichen Positionen in preußischen Ministerien, bis er 1857 verstarb. Zugleich war sein Leben von seinem literarischen Schaffen geprägt. Er begegnete zahlreichen bekannten und bedeutenden Personen seiner Zeit, wie z. B. E.T.A. Hoffmann und Robert und Clara Schuhmann. Außerdem war er mit vielen berühmten Schriftstellern wie Achim von Arnim und Heinrich von Kleist eng befreundet.

Eichendorff

Eichendorffs Gedichte und die Romantik

Fast jeder Schüler liest im Unterricht mindestens ein Gedicht oder eine Erzählung von Joseph von Eichendorff. Seine lyrischen Texte machten ihn weltberühmt - sie zählen zu den Meistgelesenen der Romantik. Zu seinen bekanntesten Gedichten gehören „Sehnsucht“, „Mondnacht“, „Wünschelrute“ und „Die blaue Blume“. Er verarbeitet darin typische romantische Motive und Themen, wie Gefühle, Heimat, Natur und die Nacht und verwendet eine mit Stilmitteln geschmückte bildliche Sprache.

Sehnsucht

Eichendorffs Gedicht „Sehnsucht“

Zugegeben, es ist oft schwierig, Eichendorffs Gedichte beim ersten Lesen zu verstehen, denn sie enthalten meist viele verschlüsselte Botschaften verpackt in sprachlichen Wendungen und Bildern. Bei genauerer Betrachtung der Wörter, der sprachlichen Stilmittel sowie des Aufbaus von Strophen, Reim und Versmaß erhält man jedoch viele Hinweise, die für die Interpretation des Gedichts wichtig und hilfreich sind. Schauen wir uns das Gedicht „Sehnsucht“ einmal genauer an. Vielleicht kennst du es ja schon - es beginnt folgendermaßen:


Es schienen so golden die Sterne,
Am Fenster ich einsam stand
Und hörte aus weiter Ferne
Ein Posthorn im stillen Land.

Eichendorff verfasste das Gedicht im Jahr 1834. Darin werden die für die Romantik typischen Themen der Sehnsucht und des Fernwehs thematisiert. Das lyrische Ich erfährt von den Eindrücken, die zwei Wanderer auf ihren Reisen erlebt haben und von denen sie sich erzählen, als sie an seinem Haus vorbeiziehen.

Das Gedicht besteht aus drei Strophen mit je acht Versen, die stets auf das Wort Nacht enden und damit dieses für die Romantik bedeutsame Motiv hervorheben. Das Gedicht weist einen Kreuzreim und als Metrum eine Kombination aus Daktylen und Trochäen auf. Es entsteht dadurch eine belebte und zugleich melancholische Atmosphäre, die durch die zahlreichen Enjambements noch unterstützt wird.

In der ersten Strophe steht das lyrische Ich am Fenster und hört ein Posthorn, welches in ihm den Wunsch auslöst, selbst auf Reisen zu gehen. Die Sehnsucht wird in Form von zahlreichen Metaphern innerhalb des Gedichts verdeutlicht und verstärkt. Das Symbol des Horns steht für die Reise, die eine Antithese zur Beschränktheit und Einsamkeit des Hauses bildet, in dem sich das lyrische Ich befindet. In der zweiten Strophe schildert das lyrische Ich die Eindrücke, die die Wanderer erzählen. Dabei handelt es sich um personifizierte Natureindrücke, sodass der Eindruck einer belebten Natur entsteht, die zugleich geheimnisvoll erscheint. Die dritte Strophe handelt von antiken und klassischen Relikten, die an vergangene Zivilisationen erinnern.

Frühlingslandschaft

Eichendorffs Sehnsucht ist ein typisches romantisches Gedicht, bei dem die Sehnsucht nach einer vergangenen, sinnlichen Zeit dominant ist. Die Sehnsucht ist zwar allgegenwärtig, aber bleibt schließlich unerfüllt, denn das lyrische Ich hört die Eindrücke nur von den Wanderern, anstatt diese selbst zu erleben. Durch die zahlreichen Personifikationen, Symbole und Natureindrücke weist das Gedicht eine hohe Bildlichkeit auf, in der die Natur und die Kultur vergangener Jahre als geheimnisvoll und wünschenswert erscheint.

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