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Wie bestimmt man Oxidationszahlen? 07:23 min

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Transkript Wie bestimmt man Oxidationszahlen?

Die Ermittlung von Oxidationszahlen

Hallo! Vielleicht ist es dir schon einmal passiert, dass du ein Werkzeug aus Eisen im Freien liegengelassen hast. Nach einiger Zeit fing dieses Eisen an zu rosten und man konnte das Werkzeug, wenn es zu lange draußen gelegen hatte, nicht mehr wirklich gebrauchen. Aber warum ist das so und welche chemische Reaktion läuft dort ab? Dieser Prozess der dort abläuft ist eine Redoxreaktion. Das bedeutet es werden Elektronen aufgenommen und abgegeben. Um selber einmal eine Redoxreaktion aufstellen zu können, lernst du heute was Oxidationszahlen sind und wie man diese bestimmt. Die Oxidationszahlen benötigst du, um festzustellen wieviele Elektronen bei einer Redoxreaktion aufgenommen und abgegeben werden. Verringert sich die Oxidationszahl, dann handelt es sich um eine Elektonenaufnahme, also eine Reduktion. Wenn die Oxidationszahl größer wird hast du es mit einer Elektronenabgabe, also mit einer Oxidation zu tun.

Elektronegativität

Zunächst erkläre ich dir welche Rolle die Elektronegativität beim Ermitteln der Oxidationszahlen spielt. Die Elektronegativität eines Elements sagt aus, wie stark dieses Element bestrebt ist Bindungselektronen an sich zu ziehen. Wenn du dir die Elektronegativitätswerte im Periodensystem der Elemente ansiehst, wirst du feststellen, dass die Werte innerhalb der Perioden von links nach rechts zunehmen und innerhalb der Gruppe von oben nach unten abnehmen. Du kannst so also abschätzen, ob ein Element elektronegativer ist als ein anderes.

Die Oxidationszahl ist nun eine formale Ladung, die ein Atom in einer Verbindung besäße, die aus Ionen aufgebaut wäre. Die Bindungselektronen werden dabei formal dem elektronegativeren Element zugeordnet.

Bestimmung der Oxidationszahlen

Jetzt werden wir uns an einigen Beispielen ansehen wie du Oxidationszahlen ermittelst, wenn du die Strukturformel eines Moleküls gegeben hast und welche Regeln du dabei beachten musst.

Das erste Beispiel ist Wasser. Hier ist der Sauerstoff über Einfachbindungen mit dem Wasserstoff verbunden. Du weißt jetzt, dass es sich beim Sauerstoff um das elektronegativere Element handelt und du die Bindungselektronen formal dem Sauerstoff zuordnest. So bekommt der Sauerstoff zwei Elektronen zusätzlich und ist somit zweifach negativ geladen. Seine Oxidationszahl ist also -II. Da die Elektronen des Wasserstoffs ja formal dem Sauerstoff zugeordnet werden, wird jedem Wasserstoff ein Elektron entzogen. Daher fehlt ihm ein Elektron und der Wasserstoff bekommt jeweils die Oxidationszahl +I.

Die Oxidationszahlen werden oft als römische Zahlen und mit Vorzeichen über das entsprechende Atom in der Formel geschrieben. Wichtig ist dabei, dass die Oxidationszahl immer nur für ein Atom gleicher Sorte angegeben wird, auch wenn du mehrere im Molekül hast. Das heißt also, über dem Wasserstoff schreibst du eine “plus eins” und über dem Sauerstoff eine “minus zwei”.

Als nächstes schauen wir uns ein Sauerstoffmolekül an. Hier siehst du, dass beide Atome die gleiche Elektronegativität besitzen. Du kannst also keinem Partner Bindungselektronen zuordnen da beide gleichberechtigt sind.

Beispiel Wasser

Jetzt werden wir uns an einigen Beispielen ansehen wie du Oxidationszahlen ermittelst, wenn du die Strukturformel eines Moleküls gegeben hast und welche Regeln du dabei beachten musst.

Das erste Beispiel ist Wasser. Hier ist der Sauerstoff über Einfachbindungen mit dem Wasserstoff verbunden. Du weißt jetzt, dass es sich beim Sauerstoff um das elektronegativere Element handelt und du die Bindungselektronen formal dem Sauerstoff zuordnest. So bekommt der Sauerstoff zwei Elektronen zusätzlich und ist somit zweifach negativ geladen. Seine Oxidationszahl ist also -II. Da die Elektronen des Wasserstoffs ja formal dem Sauerstoff zugeordnet werden, wird jedem Wasserstoff ein Elektron entzogen. Daher fehlt ihm ein Elektron und der Wasserstoff bekommt jeweils die Oxidationszahl +I.

Die Oxidationszahlen werden oft als römische Zahlen und mit Vorzeichen über das entsprechende Atom in der Formel geschrieben. Wichtig ist dabei, dass die Oxidationszahl immer nur für ein Atom gleicher Sorte angegeben wird, auch wenn du mehrere im Molekül. Daher erhält diese Verbindung die Oxidationszahl 0. Als Regel kannst du dir merken, dass reine Elemente immer die Oxidationszahl 0 erhalten.

Beispiel Kohlenstoffdioxid

Nun bestimmen wir die Oxidationszahlen von Kohlenstoffdioxid. Dies kannst du so wie in den vorangegangenen Beispielen machen. Du ordnest also die Bindungselektronen dem elektronegativeren Partner, in diesem Fall dem Sauerstoff zu. Jedes Sauerstoffatom hat hier also die Oxidationszahl -II. Der Kohlenstoff hat daher die Oxidationszahl +IV.

Beispiel Ammoniak

Wir wollen uns als letztes noch das Ammoniakmolekül ansehen und die Oxidationszahlen bestimmen. Hier siehst du, dass der Stickstoff drei Bindungen zu jeweils einem Wasserstoffatom ausbildet. Da der Stickstoff elektronegativer ist als der Wasserstoff, werden ihm die Bindungselektronen zugeordnet. Das bedeutet, dass seine Oxidationszahl -III beträgt. Da jedem Wasserstoffatom ein Elektron entzogen wird, erhält jedes Atom die Oxidationszahl +I.

So lassen sich also die Oxidationszahlen in Verbindungen bestimmen.

Wenn du Ionen hast, wie zum Beispiel ein Natrium-Kation oder ein Chlorid-Anion, dann entspricht die Oxidationszahl der Ionenladung. Also bekommt das Natrium-Ion die Oxidationszahl “plus eins” und das Chlorid-Ion die Oxidationszahl “minus eins”.

Abschluss

Um nun noch einmal auf unser rostiges Werkzeug im Garten zurückzukommen. Du weißt nun, dass dieser Prozess einer Redoxreaktion unterliegt. Ein wichtiges Hilfsmittel für das Aufstellen Redoxgleichungen ist die Oxidationszahl. Heute hast du gelernt, dass diese eine formale Ladung ist. Zur Bestimmung der Oxidationszahl werden formal die Bindungslektronen dem elektronegativeren Partner zugeordnet und so die formale Ladung ermittelt. Tschüss und bis bald!

14 Kommentare
  1. Sehr gutes Video, sehr gut erklärt, nur muss ich das für den Chemieunterricht eigentlich garnicht wissen ;-)

    Von O Anke, vor 7 Monaten
  2. Hallo Tora,

    Beide diese Sauerstoffatome hängen im Kohlenstoffdioxidmolekül am Kohlenstoff. Jedes dieser Sauerstoffmoleküle zieht zwei der Elektronen zu sich. Daher hat jedes der Sauerstoffmoleküle die Oxidationszahl -II und der Kohlenstoff +IV.

    Liebe Grüße aus der Redaktion

    Von Karsten Schedemann, vor 9 Monaten
  3. Ich wollte nur eine Sache wissen: Warum bekommt Kohlenstoff die Oxidationszahl +4 bei dem Element Kohlenstoffdioxid? Dabei gibt es nur zwei Sauerstoffmoleküle und man zählt doch nur ein Negativeres mit als Oxidationszahl. Würden wir dann nicht +1 erhalten, weil beide Sauerstoffmoleküle einen Elektron abgeben?

    Von Tora M, vor 9 Monaten
  4. @Dominika Hoerstel,

    die Oxidationszahl eines einzelnen Teilchens entspricht immer seiner Ladung. Da ein Atom immer ungeladen ist, ist seine Oxidationszahl immer Null.

    Von Karsten Schedemann, vor etwa einem Jahr
  5. Und wie kann ich die Oxidationszahl eines Atoms bestimmen?
    Es wurde doch nur gezeigt, wie man die Oxidationszahl von Bindungen und Ionen rausbekommt...?

    Von Dominika Hoerstel, vor etwa einem Jahr
  1. @Karsten Schedemann,
    danke für die Erklärung!

    Von Johanna123, vor mehr als einem Jahr
  2. @Johanna123,
    Sauerstoff ist sehr elektronegativ und ihm fehlen noch genau zwei Elektronen zur Edelgaskonfiguration. Diese Elektronen erhält er zu gleichen Teilen von den zwei Stickstoffatomen in dieser Verbindung. Die beiden Stickstoffatome bekommen daher jeweils die Oxidationszahl +I und das Sauerstoffatom die Oxidationszahl -II.

    Von Karsten Schedemann, vor mehr als einem Jahr
  3. Ich verstehe nicht, wie man zu dem Ergebnis bei N2O kommt. Könntet ihr das noch genauer erklären?

    Von Johanna123, vor mehr als einem Jahr
  4. Moin

    Von R S Hilgers, vor etwa 3 Jahren
  5. Die Elektronegativität gibt nur an ob ein Element eher bestrebt ist ein Elektron abzugeben oder aufzunehmen. Der Zahlenwert an sich sagt nichts aus. Elemente mit niedriger EN geben eher Elektronen ab und umgekehrt. z.B. Na (0,93) und Cl (3,16): hier sieht man Na gibt 1 Elektron ab (+I), da es ja nur eins auf der äußeren Schale hat, Cl nimmt dieses auf (-I) (wg. Oktettregel).
    Mit Elektrnegativität ist die Kraft gemeint die Elektronen der äußeren Schale am Kern zu binden.

    Von Timon P., vor fast 5 Jahren
  6. Lieber Marcus,
    in einer Bindung, so wie du sie hier kennen gelernt hast, gehört ein Elektron immer zu dem einen Bindungspartner und das andere Elektron zum anderen Partner. Im Wassermolekül geht Sauerstoff nun also je eine Bindung zu je einem Wasserstoffatom ein. Pro Bindung ist also ein Elektron vom Wasserstoff. Damit bekommt Sauerstoff im Wassermolekül zwei zusätzliche Elektronen und damit die Oxidationsstufe -II.
    Manchmal befinden sich zwischen zwei Elementen aber auch Doppelbindungen. So im Schwefeldioxid. Hier befinden sich am Schwefel je zwei Sauerstoffatome mit je zwei Bindungen. Da Schwefel elektropositiver ist, werden ihm diese Elektronen entzogen. Pro Doppelbindung also zwei Elektronen weniger, macht eine Oxidationszahl von +IV im Schwefel.

    Du schaust dir also immer an, wie viele Bindungen sich an dem Atom befinden und pro Bindung wird ihm dann entweder ein Elektron zugerechnet, wenn es elektronegativer ist, oder ein Elektron abgerechnet, wenn es elektropositiver ist.

    Ich hoffe, ich konnte dir weiter helfen. Viel Spaß weiterhin an der Chemie!

    Von Bianca Blankschein, vor fast 5 Jahren
  7. Woher weiß man denn wie viele Bindungselektronen an das elektronegativere Ion abgegeben werden? Hat das was mit der Elektronegativität zu tun? Dann verstehe ich aber nicht wieso dem Wasserstoff je nur ein Element entzogen wird obwohl es ja die Elektronegativität von 2,1 hat

    Von Marcus Strobl, vor fast 5 Jahren
  8. Hallo,
    ich freue mich, dass dir unsere Videos weiter helfen konnten. Viel Spaß auch weiterhin mit der Chemie!

    Von Bianca Blankschein, vor etwa 5 Jahren
  9. Super!

    Von Bdeurope, vor etwa 5 Jahren
Mehr Kommentare

Wie bestimmt man Oxidationszahlen? Übung

Du möchtest dein gelerntes Wissen anwenden? Mit den Aufgaben zum Video Wie bestimmt man Oxidationszahlen? kannst du es wiederholen und üben.

  • Bestimme die Oxidationszahlen von reinen Elementen.

    Tipps

    In reinen Elementen gibt es keinen Unterschied zwischen den Elektronegativitäten der Bindungspartner.

    Lösung

    Da reine Elemente immer aus Atomen einer Sorte bestehen, gibt es keinen Unterschied in den Elektronegativitäten. Die Bindungselektronen können damit keinem Bindungspartner zugesprochen werden. Damit ist die Oxidationszahl in reinen Elementen 0.

  • Erkläre, was die Oxidationszahl angibt.

    Tipps

    Die Oxidationszahl ist ein Hilfsmittel, um zu erkennen, ob ein Element reduziert oder oxidiert wurde.

    Die Oxidation ist eine Elektronenabgabe, die Reduktion eine Elektronenaufnahme.

    Lösung

    Die Oxidationszahl ist eine formale Ladung. Sie ergibt sich, wenn du dir die Verbindung aus Ionen aufgebaut vorstellst. Dabei werden die Bindungselektronen dem elektronegativeren Bindungspartner zugesprochen. Verringert sich die Oxidationszahl, werden also Elektronen aufgenommen und man spricht von einer Reduktion. Wird die Oxidationszahl größer, werden Elektronen abgegeben, man spricht dann von einer Oxidation.

  • Erkenne die Reaktionen, bei denen es sich um Redoxreaktionen handelt.

    Tipps

    Bei Redoxgleichungen liegen Elemente in Verbindungen in unterschiedlichen Oxidationsstufen vor.

    1. Kupferdächer: Aus Kupfer ($Cu$) wird unter anderem Kupfercarbonat ($CuCO_3$)
    2. Eiswürfel: $H_2O$ (fest) wird zu $H_2O$ (flüssig)
    3. Brausepulver: Natriumhydrogencarbonat $NaHCO_3$ wird mit Zitronensäure zu $CO_2$
    4. Rost: Eisen ($Fe$) wird zu Eisenoxid ($Fe_3O_2$)
    5. Centmünze: Kupfer ($Cu$) wird zu Kupferoxid ($CuO$)
    6. Kalkreiniger: Kalk ($CaCO_3$) wird durch Säure zu Kohlenstoffdioxid ($CO_2$)
    Lösung

    Ändert sich die Oxidationszahl eines Elements in einer Verbindung bei einer Reaktion, liegt eine Redoxreaktion vor. Bei den gegebenen Beispielen ist das bei den Kupferdächern der Fall. Da wird das Kupfer oxidiert und es entsteht unter anderem Kupfercarbonat. Beim Rosten entsteht aus Eisen Eisenoxid und auch beim Anlaufen einer Centmünze läuft eine Redoxreaktion ab. Hier entsteht aus Kupfer Kupferoxid.

  • Bestimme die Oxidationszahlen in Wasser.

    Tipps

    Stelle dir das Wassermolekül in Ionen zerlegt vor.

    Lösung

    Bei der Bestimmung der Oxidationszahlen wird die Verbindung formal in Ionen zerlegt. Dabei werden die Bindungselektronen dem elektronegativeren Partner zugesprochen. Im Wassermolekül ist das der Sauerstoff. Wenn dieser nun zwei zusätzliche Elektronen erhält, ist seine Oxidationszahl -II. Da der Wasserstoff je ein Bindungselektron verliert, ist seine Oxidationszahl +I.

  • Ermittle die Oxidationszahlen in folgenden Verbindungen.

    Tipps

    Elektronegativitäten:

    H: 2,1

    O: 3,5

    S: 2,5

    N: 3,1

    Na: 1,2

    Die Bindungselektronen werden formal dem elektronegativeren Partner zugesprochen.

    Lösung

    Bei der Bestimmung der Oxidationszahlen werden die Bindungselektronen formal immer dem elektronegativeren Partner zugesprochen. Du schaust dir also die Anzahl der Bindungselektronen und die Elektronegativitäten der Bindungspartner an. Im Schwefeltrioxid $SO_3$ ergibt sich dadurch eine Oxidationszahl von -II für den Sauerstoff und +VI für Schwefel. Auch im Lachgas $N_2O$ ist die Oxidationszahl vom Sauerstoff -II und die vom Stickstoff ist somit +I. Im Natriumhydrid $NaH$ beträgt die Oxidationszahl vom Wasserstoff -I und die vom Natrium +I, da Wasserstoff das elektronegativere Element ist.

  • Bestimme die verschiedenen Oxidationsstufen des Schwefels in seinen Verbindungen.

    Tipps

    Elektronegativitäten:

    S: 2,5

    O: 3,5

    H: 2,1

    Die Elektronen werden immer dem eletronegativeren Partner zugesprochen.

    In reinen Elementen ist die Oxidationszahl 0.

    Lösung

    Die Elektronegativitäten der Elemente verraten dir, zu welchem Element die Elektronen der Bindungen formal gerechnet werden. Im Schwefelwasserstoff $H_2S$ werden die Elektronen zum Schwefel gerechnet. Damit erhält er in dieser Verbindung die Oxidationszahl -II. In reinem Schwefel ist die Oxidationszahl 0. In Schwefeldioxid $SO_2$ befinden sich zwischen dem Schwefel und je einem Sauerstoffatom Doppelbindungen. Damit werden alle vier Elektronen, die der Schwefel zu den Bindungen beiträgt, dem Sauerstoff zugerechnet und Schwefel bekommt die Oxidationszahl +IV. In der Schwefelsäure $H_2SO_4$ hat Schwefel seine höchstmögliche Oxidationszahl +VI.