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Dmitri Schostakowitsch 04:12 min

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Transkript Dmitri Schostakowitsch

Am 25. September 1906 wird in Petersburg Dmitri Dmitrijewitsch Schostakowitsch geboren, der bislang letzte große Komponist Russlands. Seit früher Jugend zeigt er sich als große Begabung für die Musik, beginnt sehr bald mit dem Studium des Klaviers und wird in wenigen Jahren zum Virtuosen. Noch nicht 20 Jahre alt, erhält er eine Bestätigung seiner Begabung durch die Verleihung des Chopin-Preises in Warschau. Seine eigentlichen Erfolge sammelt Schostakowitsch aber als Komponist. Er empfindet sich als der Fortsetzer jener musikalischen Revolution, die in Russland mit Prokofjew begonnen hat. Zur gleichen Zeit versucht er die große russische Tradition von Tschaikowsky und Rimski-Korsakow fortzusetzen. Seine erste Sinfonie schreibt Schostakowitsch mit 19 Jahren. Sie zeigt eine äußerst originelle Struktur und verarbeitet die verschiedenartigsten Einflüsse mit außergewöhnlicher Technik und Einfallsreichtum. Es ist eine Musiksprache voll Kontrast und starkem Ausdruck. Die erste Sinfonie wird 1926 in Leningrad uraufgeführt und hat großen Erfolg. In kurzer Zeit erwirbt sich Schostakowitsch mehr und mehr Popularität, teilweise auch durch die Interpretationen von Dirigenten wie Bruno Walter und Arturo Toscanini. In wenigen Jahren wird Schostakowitsch eine Figur der ersten Reihe im europäischen Musikpanorama. Seine Fertigkeit, Orchester und Instrumente zu handhaben, und sein frischer, extravaganter Geist, den er mit Geschmack und Raffinesse zu verwenden weiß, sind die wesentlichen Charakteristika des Komponisten. Sein Hang zum Grotesken zeigt sich besonders in einigen seiner Bühnenwerke, darunter die Oper "Die Nase" nach einer Erzählung von Gogol, worin Schostakowitsch sich über die traditionelle Form der Oper lustig macht. Im Jahr 1934 entsteht sein Meisterwerk, die Oper “Lady Macbeth” von Mzensk, die später auf “Katharina Ismailova” umgetauft wird. In diesen Jahren beginnt das Leben eines Komponisten, der sich nicht immer den Regeln des sozialistischen Realismus beugt, schwierig zu werden. Es sind die Jahre, in denen Stalin, nachdem er die trotzkistische Opposition ausgeschaltet hat, die Industrialisierung und Neuordnung der Sowjetunion beginnt, wobei ganze Volksgruppen ausgerottet werden und eine große Hungersnot das Land heimsucht. Die Säuberungen setzen ein und Hunderttausende, ja, wahrscheinlich Millionen russischer Staatsbürger gehen dabei zugrunde. Ihr einziger Fehler besteht darin, dass sie sich Stalin in den Weg gestellt haben und dem Wunsch nach der Verwirklichung seines utopischen Sozialismus. Am 27. Januar 1937, rezensiert die Prawda eine Aufführung der Oper Lady Macbeth von Schostakowitsch und spricht von Chaos anstelle von Musik. Der Komponist wird des Modernismus und bürgerlichen Konformismus beschuldigt. Es beginnt eine Zeit langwieriger Auseinandersetzungen mit dem Regime, das von Schostakowitsch immer wieder mit Selbstbezichtigungen befriedigt wird. Für seine patriotischen Werke verleiht man ihm Staatspreise. 1941 schreibt er die siebte Symphonie, genannt die Leningrader Sinfonie, zu Ehren seiner Geburtsstadt, die zu dieser Zeit von den Deutschen belagert wird. Der Komponist erhält zahlreiche Ehrungen, darunter auch eine vom österreichischen Bundeskanzler Josef Klaus. In der Sowjetunion verleiht man ihm drei Lenin- und einen Stalinorden. Schostakowitsch ist der Verfasser von ungefähr 150 Kompositionen, darunter Kammermusik, Kantaten, Chorwerke, Opern und 15 Sinfonien. Er stirbt, überhäuft mit Ehrungen und Würden, am 9. August 1975. Ein postum bekannt gewordenes Tagebuch enthüllt die inneren Schwierigkeiten, mit denen er sein ganzes Leben zu kämpfen hatte. Mit Schostakowitsch stirbt ein Komponist, der mit jeder Faser an sein Heimatland gebunden war.