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1958 - Der King des Rock'n'Roll 08:16 min

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Transkript 1958 - Der King des Rock'n'Roll

Tupelo, Mississippi. Geburtsort einer Legende. Hier begegnet ein junger Mann der Musik und der Liebe. Wenn man ihn zum ersten Mal sah mit einer Gitarre und ihn spielen hörte, dann wusste man sofort, dass er dazu bestimmt ist. Zu Großem bestimmt. Dixies Schwarm ist damals nur beim Abschlussball der Highschool Star. Die Sun Studios in Memphis. Hierher kommt der junge Elvis, um seiner Mutter ein Geburtstagsständchen aufzunehmen. Vier Dollar kostet ihn die erste Platte. Amerika der Fünfzigerjahre. Vielerorts nach Schwarz und Weiß getrennt, wie die Musik. Rassenmusik nennen die Weißen den Rhythm and Blues. Nur wenige Weiße haben ein Herz für schwarze Musik, wie Sam Phillips, Chef der Sun Studios. Ich wollte unbedingt einen Weißen finden, der das Lebensgefühl von schwarzen Amerikanern und ihrer Musik ausdrücken konnte. Und ich fand ihn. Elvis. Phillips erinnert sich an den Jungen mit dem Ständchen für die Mutter, lädt ihn zu Probeaufnahmen ein, doch die Session gerät aus dem Takt. Außer endlosen Balladen und ein paar Country Songs hat Elvis nichts zu bieten. Philips ist enttäuscht. Wir wollten abbrechen und nach Hause gehen. Elvis klimperte noch etwas auf seiner Gitarre und fing plötzlich an zu singen. „That's all right, Mama.“ Und ich drehte mich um und sagte: „Was zum Teufel tust Du da? Warum rückst Du jetzt erst damit raus?“. Der Junge mit der Schlaggitarre, er scheint unter Strom zu stehen und Sam Phillips ist elektrisiert. Jetzt kriegt er die Musik, von der er vorher nur geträumt hat. Eine Radiostation in Memphis spielt noch in der gleichen Woche Elvis' erste richtige Platte. Es war phänomenal. Die Telefone in der Radiostation liefen heiß. Die Hörer verlangten immer wieder nach dem Lied. Es ging ab wie aus einer Kanone geschossen. Ein Shootingstar. Es ist nicht nur die Musik, es ist auch Körperkult. Wo gab es je so einen Hüftschwung? Für die einen obszön, für die anderen unwiderstehlich. Ich beugte mich rüber zu Scotty Moore und sagte: „Du, ich glaube, der Junge ist heiß.“ Das spüren vor allem weibliche Fans. In Windeseile wird der junge Mann aus Memphis, Tennessee, zum Sexidol und zum Symbol von neuer Freiheit. Die jungen Leute hatten keine Musik, die wirklich ihre war. Als sie zum ersten Mal Elvis hörten, war es, als hätten sie ihren musikalischen Messias gefunden. Für Eltern scheint er eine Ausgeburt der Hölle. So haben sie ihre Kinder noch nie gesehen. Behörden schreiten ein, die Polizei filmt mit. Sie haben den ganzen Auftritt gedreht. Sie wollten Beweise sammeln, falls er sich, wie sie sagten, unanständig auf der Bühne verhielt. Das machte Elvis erst richtig an. Er kam raus und tat so, als hätte er Handschellen an. Er wackelte nur mit seinem kleinen Finger und die Mädchen drehten durch. Rock'n’Roll heißt die Musik und sie hat Gegner. Das brave Amerika. Mit seiner Negermusik mache Elvis die Jugend verrückt. Doch der ist nicht mehr aufzuhalten. Elvis' erster Fernsehauftritt spaltet die Nation. In Elvis' nächster Show hatten die Kameraleute dann strikte Anweisung, ihn nur von der Hüfte aufwärts zu filmen. Uncle Sam will den Rebellen bändigen. Elvis muss in die Armee. Den Wehrdienst macht er mit, um Gegnern keine Munition zu liefern. Aber kann man Rocker bändigen? 1. Oktober 58, Schicksalstag für Deutschland. Elvis kommt. Die Fieberkurve steigt. Natürlich verkörperte Elvis auch für die Deutschen, speziell die Jugendlichen natürlich, etwas völlig Neues. Zum ersten Mal gab es Musik für junge Leute, zum ersten Mal gab es Musik für junge Leute nicht nur, weil es Musik war, sondern auch, weil die Alten damit nicht einverstanden waren. Es war eine Art Rebellion. Nie nach dem Zweiten Weltkrieg hat ein einfacher Gefreiter so viel Fans gefunden. Der King des Rock'n’Roll in Grundausbildung. In Hessen ist es etwas kälter als in Tennessee, da kommt man leicht auf dumme Gedanken. Er war beim Manöver, und um wach zu bleiben, gaben ihm die Jungs ein paar Pillen, Benzadrin. Sie sagten: „Das gibt dir mehr Energie.“ Die Dienstzeit ist zu Ende. Am Flughafen verabschiedet ihn die 14-jährige Priscilla Beaulieu, Tochter eines amerikanischen Luftwaffenoffiziers. Sie war so jung. Sie war ja noch ein Kind. Sie war so wie ich damals. Ich war froh für ihn, dass er jemanden gefunden hatte, der ihn liebte und für ihn da sein würde. Elvis heiratet Priscilla, wird Familienvater, zehrt vom alten Image. Er verdient viel Geld mit plumpen Filmchen. Seichte Songs begleiten seinen Niedergang. Es war tragisch. Er passte nicht auf sich auf. Er achtete nicht darauf, wie er sich ernährte. Er wurde medikamentenabhängig. Las Vegas in den Siebzigern. Priscilla hat den kranken Star verlassen. In glitzernden Kostümen sucht er auf der Bühne Selbstbestätigung. Sommer 77, das letzte Konzert. Das Idol ist nur noch ein Zerrbild seiner selbst. Elvis wurde mehr und mehr drogenabhängig. Sein Absturz war nicht mehr aufzuhalten. 16. August 77, Elvis ist tot. Herzversagen nach jahrelangem Drogenmissbrauch. Doch die Fangemeinde will das Ende ihres King nicht wahrhaben. Es konnte einfach nicht sein. Es war so schwer zu glauben, dass er wirklich tot war. Es war ein trauriger, dunkler Tag für uns alle. Elvis Presley ist nur 42 Jahre alt geworden. Er hat das Tor zur neuen Welt eingetreten, wir sind durchgegangen. Ein Jahrhundertsänger, der an seinem Ruhm zugrunde ging.