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Lyrik der Gegenwart

Erfahrt, welche Merkmale und Tendenzen die moderne Lyrik ausmachen. Konkrete Poesie, politische Lyrik, Alltagslyrik und mehr warten auf euch! Interessiert? Dies und verschiedene Autoren findet ihr im folgenden Text.

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Deutsch-Team
Lyrik der Gegenwart
lernst du in der 10. Klasse - 11. Klasse - 12. Klasse - 13. Klasse

Lyrik der Gegenwart Übung

Du möchtest dein gelerntes Wissen anwenden? Mit den Aufgaben zum Video Lyrik der Gegenwart kannst du es wiederholen und üben.
  • Gib einige charakteristische Merkmale der Gegenwartslyrik an.

    Tipps

    Überlege, wie die Lyrik der Gegenwart sich von der Lyrik davor unterscheidet. Was zeichnete z. B. die Nachkriegslyrik aus? Wie schrieben die Romantiker?

    Lösung

    Die Sprache und die Form der Gegenwartslyrik unterscheidet sich von der Lyrik ihrer Vorgänger. Man könnte sagen, dass sie die Auflösung von Form und Struktur weiter fortgeführt hat, die seit der Romantik und spätestens dem Expressionismus begonnen hatte.

    Die Form zeichnet also häufig fehlender Reim und Metrum, undefinierte Strophenform und -anzahl und von der Regel abweichende Zeichensetzung aus. Dabei wird trotz allem großer Wert auf Rhythmus gelegt. Statt ganzen Sätzen findet man häufig nur Wortgruppen und Teilsätze. Die Zeilen werden durch Satzbrüche und Zeilensprünge, den sogenannten Enjambements, unterbrochen.

    Sprachlich zeichnet sich die Gegenwartslyrik durch die Verwendung von Alltags-, Umgangs- oder Fachsprache aus. Verknappte, originelle Sprache, die auf Chiffren, Schlüsselwörtern und kühnen Metaphern aufbaut, erzeugt eine gewollte Uneindeutigkeit.

  • Unterscheide die Themen in der Lyrik der 70er, 80er und 90er Jahre.

    Tipps

    Überlege, welche wichtigen Ereignisse in jedem Jahrzehnt geschahen. Betrachte bei Literatur immer den Kontext, in dem die Dichter schreiben.

    Lösung

    Die Gegenwartslyrik der 70er-90er Jahre hat gemeinsam, dass sie sehr subjektive Aussagen in einer komplizierten Welt machen. Wiederkehrende Themen sind daher Zukunftsangst sowie Instabilität und Flüchtigkeit menschlicher Beziehungen, vor allem in der Liebe.

    Jedes Jahrzehnt zeichnet sich aber auch durch eigene Themen aus.

    • So zeichnen sich die 70er Jahre durch eine von der Nachkriegsliteratur der 50er und 60er Jahre abgehobene neue Subjektivität aus. Hier geben die 68er Generation und die Hippie-Bewegung den Ton an. Durch Schreiben wollen die Dichter sich selbst kennenlernen und erfahren. Persönliche Träume und Probleme des Privatlebens rücken in den Vordergrund.
    • Die 80er zeichnen sich durch ein Scheitern des kommunistischen Systems in vielen Ländern aus. Die ungelösten Probleme des Kapitalismus und zunehmende Umweltschäden drücken sich in einer neuen Fortschrittsskepsis und einem Geschichtspessimismus in der Lyrik aus. Durch die Auflösung des ostdeutschen Systems überwinden die Literaten aber allmählich auch die literarischen Grenzen zwischen Ost und West.
    • Die 90er Jahre zeichnen sich durch eine rasante Globalisierung und Technologisierung aus. Medien, Lifestyle sowie der Zeitgeist werden wichtig. Da die meisten Dichter nach dem Krieg aufgewachsen sind, tragen sie keinen Schatten der Vergangenheit mehr mit sich. Die traditionelle Lyrik wird von Dichtern aufgrund ihrer unzeitgemäßen Konventionen kritisiert.

  • Untersuche das folgende Gedicht auf dir bekannte Merkmale der modernen Lyrik.

    Tipps

    Chiffren sind schwer verständliche verrätselte Symbole in einem Text.

    Euphemismen sind Wörter, die einen Sachverhalt beschönigend darstellen.

    Neologismen sind sprachliche Neuschöpfungen oder -prägungen, die in den allgemeinen Sprachgebrauch übergegangen sind.

    Lösung

    Die moderne Gegenwartslyrik zeichnet sich stilistisch durch eine gebrochene, unregelmäßige Form und eine ebensolche Sprache aus.

    In diesem Gedicht vom berühmten Gegenwartsdichter Thomas Kling benutzt dieser schon bekannte Mittel der Lyrik wie das Enjambement (den Zeilensprung), führt dieses aber ad absurdum: Er trennt Wörter in der Mitte und zwischen Buchstaben, die eigentlich nicht getrennt werden dürfen. Er bricht Sätze in der Mitte ab und fängt ganz neue in der nächsten Zeile an. Er verzichtet auf formgebende Mittel wie eine feste Verslänge, Strophenkonstruktionen und Reime und schafft einen Rhythmus, ohne auf ein festgelegtes Metrum zurückzugreifen. Auch an die Regeln von Orthographie und Rechtschreibung hält er sich nicht.

    Genauso aufgelöst wie seine Form gestaltet er auch die Sprache, wo er von Chiffren und Metaphern zu Interjektionen und Neologismen springt und Bilder assoziativ verbindet. Das Gedicht scheint so einige Erinnerungsfetzen samt Gefühlen und Eindrücken an den Leser weiterzugeben, ohne dass das lyrische Ich die Chance gehabt hätte, diese Erfahrungen zu ordnen.

  • Bestimme die Themen der folgenden Textauschnitte aus verschiedenen Gedichten.

    Tipps

    Lese die Gedichte genau! Manche Möglichkeiten treffen nicht auf das gesamte Gedicht zu, sondern nur auf einen Teil.

    Lösung

    Die Themen der Gegenwartslyrik sind vielfältig. Insgesamt kann man sagen, dass alle lyrischen Ichs eine stark subjektive Aussage in einer komplizierten Welt treffen. Häufig klingen Zukunftsangst und Flüchtigkeit an.

    • Durs Grünbein fragt z. B. nach dem Unterschied zwischen Mensch und Tier und daher nach der Verbindung von Mensch und Natur, eine Frage, die mit den wachsenden Naturschäden in den letzten Jahrzehnten immer mehr in den Vordergrund drang.
    • Helga Novak schreibt über vergängliche Liebe, über sich verflüchtigende Beziehungen: im Plural wohlgemerkt, denn das kleine Wörtchen ihr in Zeile 6 macht aus einem konventionellen Liebesgedicht in du-Form ein modernes, indem es auf die Funktion der Liebesbeziehungen als Selbstbestätigung anspielt.
    • Das Lied von Wolf Biermann hingegen richtet sich gegen die Unterdrückung des SED-Regimes. Die Liebe und der Stolz auf den Staat, den die Machthabenden in Ostdeutschland forderten, konnte nur durch Unterdrückung und ohne Freiheit gefordert werden.
    • Barbara Köhler schließlich kommt auf das einmalige Ereignis der ersten Mondlandung zu sprechen. Durch die vom Mond gesendeten Bilder konnten die Menschen erstmals auf sich und ihren Planeten von außerhalb blicken. Das Gedicht vereint damit auch Erwachsen-Werden, Selbstreflexion und das Zerstören von Illusionen.
    Quellen:
    • Durs Grünbein (1994): Biologischer Walzer.
    • Helga M. Novak (2008): Solange noch Liebesbriefe eintreffen.
    • Wolf Biermann 1965: Ach Freund, geht es nicht auch dir so?
    • Barbara Köhler (1991): Deutsches Roulette.

  • Bestimme Themen und biographische Informationen verschiedener Gegenwartslyriker.

    Tipps

    Welche Namen hast du schonmal gehört oder gelesen? Kannst du sie einer Zeit oder einem Ort zuordnen?

    Lösung

    Die Lyriker der verschiedenen Jahrzehnte unterscheiden sich in ihren Erfahrungen und daher auch in ihren Themen und Stilen sehr stark voneinander.

    So zeichnen sich die 80er Jahre z. B. durch etliche Dichter wie den Liedermacher Wolf Biermann oder die Journalistin Helga M. Novak aus, die dem ostdeutschen Staat den Rücken kehrten (oder kehren mussten). Die Erfahrung des Eindringens des Staates in das Privatleben ließ sie eine sehr politisch motivierte Dichtung schreiben.

    Die 90er Jahre zeichneten sich durch eine Erweiterung der Formen und Verbreitungsmöglichkeiten durch Medien aus. Der Hip-Hop aus den USA beeinflusste die Lyriker und brachte den Poetry Slam mit sich. Hier war Bas Böttcher ein Vorreiter. Aber auch alte Dichter und Denker wie der österreichische Ernst Jandl hörten nicht auf, neue Räume für das Denken in der Sprache und neue Ausdrucksformen für den Zeitgeist zu suchen. Dichter wie Durs Grünbein und Barbara Köhler wandten sich der Einsamkeit in der Großstadt und dem modernen Ich zu, das in den sprachlichen Räumen ihrer Gedichte hervordrang.

  • Ordne den Gedichten den richtigen Epochenbegriff zu.

    Tipps

    Welche stilistischen und thematischen Unterschiede kannst du feststellen? Erinnere dich, dass modernere Lyrik oftmals auf Reime verzichtet, Alltagssprache benutzt und Sinnzusammenhänge auflöst.

    Lösung

    Joseph von Eichendorff war ein Vorzeige-Romantiker. Der Titel seines Gedichts gibt bereits das Thema an: Sehnsucht.

    • Quelle: Joseph von Eichendorff (1834): Sehnsucht.
    Georg Trakl schrieb kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Industrialisierung, Entmenschlichung, Verstädterung, Anonymität und drohender Krieg riefen Weltuntergangsstimmung hervor. Das waren verbreitete Themen der Expressionisten.
    • Quelle: Georg Trakl (1913): Verfall.
    Sarah Kirsch schrieb in den 70er und 80er Jahren und gehört damit zu den Dichtern der Gegenwartslyrik. Das sieht man z. B. an der Verwendung von Alltagssprache und der gebrochener Form und Sprache.
    • Quelle: Sarah Kirsch (1976): Rückenwind.
    Ingeborg Bachmann gehört der Generation der Nachkriegslyriker an. Die bedrückenden Ereignisse des Zweiten Weltkriegs spiegelten sich in einer emotionsfreien, klaren und nüchternen Sprache, mit der sie versuchte, das Unaussprechbare zu verarbeiten.
    • Quelle: Ingeborg Bachmann (1957): Alle Tage.