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Literarische Strömungen der DDR 10:17 min

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Transkript Literarische Strömungen der DDR

Nach dem zweiten Weltkrieg 1945 steht Deutschland vor einer schweren Aufgabe: In Besatzungszonen aufgeteilt muss es einen politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Neuanfang finden. Der gegensätzliche ideologische Einfluss der jeweiligen Besatzungsmacht hat allerdings Auswirkungen auf die literarische Entwicklung:

Es entwickeln sich zwei deutsche Staaten und mit ihnen zwei deutsche Literaturen. In der Zeit von 1945 bis 1990 wird somit zwischen einer Literatur der Deutschen Demokratischen Republik und einer Literatur der Bundesrepublik Deutschland unterschieden. Welche literarische Strömungen entwickeln sich nun in der DDR?

Am 07. Oktober 1949 wird die Deutsche Demokratische Republik auf dem Gebiet der Sowjetischen Besatzungszone gegründet.

Hauptstadt ist Ost-Berlin. Machthaber ist Walter Ulbricht, der Generalsekretär der SED, der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands. Um 1950 herum entsteht die Aufbauliteratur - und soll nur die erste von mehreren Entwicklungsphase sein, die die Literatur der DDR durchläuft. Nach den Erlebnissen im zweiten Weltkrieg ist die wichtigste gemeinsame Grundhaltung in den Anfängen der DDR-Literatur der Antifaschismus.

Doch die Literatur soll noch viel mehr - nämlich die Menschen zum Sozialismus erziehen. Der Schriftsteller hat einen Auftrag als Volkserzieher und soll den Aufbau der sozialistischen Gesellschaft propagieren. Die Figuren in Erzählungen zeichnen sich durch Besonderheiten aus. Der Held der Erzählung ist vorzugsweise ein besonders qualifizierter und erfahrener Arbeiter, der unter Schwierigkeiten hilft, die Fabrik aufzubauen. Er zeichnet sich also durch eine besondere Leistung in der Arbeit aus.

Saboteure, die in der Erzählung den ökonomischen Erfolg des Sozialismus verhindern, werden entlarvt oder fliehen in den Westen. Aufbauliteratur ist also eine didaktische Literatur, die eine optimistische Perspektive und Arbeitsfreude vermittelt. Sie stellt die Errungenschaften des Sozialismus und den Sieg über den Faschismus dar. Zu dieser Zeit wird den Autoren vorgeschrieben, worüber sie zu schreiben haben und den Lesern wird vorgeschrieben, was sie lesen dürfen und was nicht. Es gab im Prinzip keine freie Literaturproduktion und-rezeption.

Klassische Vertreter der Aufbauliteratur sind Anna Seghers, teilweise Bertolt Brecht und auch Eduard Claudius mit seinem Werk “Menschen an unserer Seite”. Dieser Roman gilt seit seinem Erscheinen 1951 als Musterbeispiel des staatlich geforderten sozialistischen Realismus. Der sozialistische Realismus ist die verbindliche Stilrichtung für alle Kunstformen, seit seiner Entstehung in den 30er Jahren in der Sowjetunion. Er wird in der DDR-Literatur aufgegriffen. Hier dient ein positiver Held als Vorbild für eine sozialistische Idealgesellschaft steht.

Literarische Werke spiegeln die gesellschaftliche Realität der DDR wider und sind allgemein verständlich geschrieben. Inhalt ist wichtiger als Form. Nach der 1. Bitterfelder Kulturkonferenz 1959 entsteht der Bitterfelder Weg, eine Programmatik mit engen ästhetischen und thematischen Vorgaben in der Kulturpolitik und Literaturproduktion der DDR. Hierbei wird die Trennung zwischen Künstler und Volk sowie zwischen Kunst und gesellschaftlicher Realität aufgehoben.

Dafür werden einfache Arbeiter aufgefordert zu schreiben und Schriftsteller zur Recherche in die Fabriken und Betriebe geschickt. Die 2. Bitterfelder Konferenz 1964 beendet den Bitterfelder Weg.

Das liegt an tiefen Einschnitten zu Beginn der 60er Jahre:

Um die zunehmenden Übersiedlungen in den Westen zu vermeiden, wird 1961 die Berliner Mauer gebaut. Die Menschen in der DDR sind eingeschlossen. Der Aufbau des Sozialismus mit Kollektivierung der Landwirtschaft und Verstaatlichung der Industrie ist abgeschlossen.

Jetzt sollen sich die Menschen in der sozialistischen Gesellschaft einrichten. Die sogenannte Ankunftsliteratur entsteht, bei der sich die junge, in der DDR-aufgewachsenen Generation zu Wort meldet.

Meist geht es um einen jungen Helden, der mit den sozialistischen Lebensverhältnissen in Konflikt gerät, sich diesen schließlich aber doch wieder zuwendet und im Sozialismus ankommt.

Diese Entwicklungs- und Bildungsromanen für eine junge Zielgruppe haben spezielle Themen. Zum einen kreisen sie um die Probleme bei der Erziehung zu einer sozialistischen Persönlichkeit, die Entwicklung einer sozialistischen Produktionsweise und den Mauerbau. Zum anderen werden aber auch Konflikte zwischen Individuum und Gesellschaft, das Verhältnis von Mensch und Natur oder die Liebe thematisiert. Ein Beispiel ist der Roman “Ankunft im Alltag” von Brigitte Reimann - hier ist der Titel Programm.

Mit ihrem Roman “Der geteilte Himmel” über den Mauerbau und die Teilung Deutschlands von 1963 wird die Autorin Christa Wolf schlagartig bekannt. Sie bleibt bis zum Ende der DDR eine respektierte, mutige Schriftstellerin. Auch der 1969 entstandene Roman “Jakob der Lügner” von Jurek Becker ist bis heute weltberühmt. Darin erzählt ein Ghetto-Überlebender von seinen Erlebnissen und deren Verarbeitung. Wichtige Vertreter von in der DDR entstandenen Lyrik der 60er Jahre sind Wolf Biermann, Volker Braun, Sarah Kirsch, Günter Kunert und Reiner Kunze. 1971 kommt Erich Honecker an die Macht, was eine Wende in der Literatur der DDR einläutet: Die Liberalisierung und Kritik am Sozialismus. Brisante Themen wie das Verhältnis von Individuum und Gesellschaft stehen jetzt noch mehr im Mittelpunkt.

So schreibt zum Beispiel Ulrich Plenzdorf mit “Die neuen Leiden des jungen W.” ein gesellschaftskritisches Stück im Jargon der DDR-Jugend der 70er Jahre. In der Kultur entsteht eine immer größer werdende Kritik am Sozialismus. Allen voran der Gedichteschreiber und Liedermacher Wolf Biermann. Sein Lied Ermutigung wird zur „heimlichen Nationalhymne der DDR“. Als man Biermann 1976 nach einem offiziell genehmigten Konzert in Köln die Rückkehr in die DDR verweigert, hat dies weitreichende Folgen. Es löst große Proteste aus und zerstört die Hoffnung der Künstler auf Liberalisierung. Ein offener Brief von 70 Schriftstellern, diese Ausbürgerung zurückzunehmen, bringt nur Publikationsverbote, Verhaftungen und Hausarreste.

So siedeln mehr als 100 Autoren in den Westen über. Andere werden vom DDR-Schriftstellerverband ausgeschlossen oder treten aus. Durch die Verbote und Zwangsmaßnahmen gegen Künstler ziehen Schriftsteller sich in den 80er Jahren in die Innerlichkeit zurück, beschreiben private Wege zum Glück. Es werden kaum zeitgeschichtliche und politische Themen gewählt.

Ein paar “späte Blüten” der DDR-Literatur entstehen dennoch: Christa Wolfs Erzählung “Kassandra”, Volker Brauns “Hinze-Kunze-Roman” und Christoph Heins Komödie “Die Ritter der Tafelrunde”. Zudem bildet sich eine Art “Untergrundliteraturszene” im Berliner Ostteil Prenzlauer Berg. Sie publizieren in kleinen Auflagen und geben selbst Lesungen. Sie schafft durch irrationale Schreibweise eine Literatur, “die die Stasi nicht versteht”.

Ende der 80er gibt es in der DDR-Literatur ähnliche Entwicklungstendenzen wie in der BRD-Literatur. Es gibt also eine literarische Annäherung schon vor der Wiedervereinigung Deutschlands am 03.10.1990. Aber noch nach der Wende verarbeiten viele Autoren ihre Erfahrungen als Schriftsteller in der DDR in ihren Texten.

1 Kommentar
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    Top Video!

    Von J.L., vor 8 Monaten