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Goethe in Weimar 12:02 min

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Transkript Goethe in Weimar

Guten Tag, liebe Lernende. In diesem Lehrvideo geht es um Goethes Zeit in Weimar. Goethe erreichte 1775 das Herzogtum Weimar, Sachsen-Weimar, ein Gebiet in der Mitte Thüringens, etwa 100000 Seelen stark, regiert von der Stadt Weimar, in der zu der Zeit etwa 4000, 5000 Einwohner lebten. Goethe wurde als geheimer Rat angestellt und es war seine erste Festanstellung. Es sollte auch seine letzte bleiben. Er blieb dort bis zu seinem Tode 1832, also über 50 Jahre. Er wurde beauftragt, den Herzog, der ein junger Mann war, ein paar Jahre jünger als Goethe, zu erziehen. Das wurde damals oft gemacht, dass also geheime Räte, die aus dem Bürgertum kam, zur Erziehung Adliger eingesetzt wurden. Goethe und der Herzog taten das, was junge Männer ohne größere politische Funktion und im Angesicht der puren Lebensfreude tun. Sie tollten herum, machten die Gegend unsicher und entblödeten sich nicht zu jagen, jungen Mädchen nachzustellen und das Land mehr oder weniger in leichter Unruhe zu halten. Das ist das also, was Goethe in der ersten Zeit 1775 tat. Außerdem zog er zahlreiche Schriftsteller, Dichter und Künstler an den Weimarer Hof. Sein Ruf als Dichter war ihm schon vorausgeeilt und Goethe setzte sich dort in ein Nest und bekam mehr oder weniger Zuschüsse vom Herzog in Form eines Hauses, eines Gartenhauses, eines Stadthauses. Er bekam das Bürgerrecht und so weiter. Alles Vorteile, die Goethe dazu hätten veranlassen können, eine Familie zu gründen. Das versuchte er auch. Kommen wir zum zweiten Punkt: Die Frauen Goethes. Es gab letztendlich immer drei Frauentypen in Goethes Leben. Der erste Frauentyp verbindet sich mit dem Namen Charlotte. Es gab die Charlotte von Stein, eine verheiratete Frau eines adligen Hofherren, der meist auf Reisen war. Goethe und Charlotte pflegten eine sehr innige, aber, wie man heute weiß, platonische Freundschaft, eine ästhetische Freundschaft. Charlotte war eine Frau, die sehr distinguiert, sehr weltgewandt, sehr ästhetisch, sehr zart, auch sehr schön war und die Goethe in vielerlei Hinsicht beschäftigte. Allerdings beschäftigte sie Goethe eben nur in diesem eher bildenden, ästhetischen lebensabgewandten Sinne. Das heißt, Goethe hatte noch einen zweiten Typus Frau in seinem Leben, der sich mit dem Namen Iphigenie verbindet. Das ist zwar eine literarische Gestalt von Goethe selbst, auch eine mythologische Gestalt, aber sie steht für das zarte naive unschuldige lebensfrohe, auch in Schuld verstrickte Lebensprinzip, das Goethe also in diesem Typus fand und bis ins hohe Alter, man denke nur an Ulrike oder an die Brieffreundschaft mit einem Kind, mit der Brentano. Das sind alles Frauentypen, die diesem naiven lebensfrohen Typus entsprechen und schließlich gibt es den dritten Typus, der sich mit dem Namen Christiane verbindet, der dann eher das fleischliche, sexuelle „Liebe, Weib und Gesang“-Umfeld betrifft. Und den ehelichte Goethe dann auch. Allerdings war er da schon 38 Jahre alt. Und so gibt es nicht wenige, die behaupten, dass Goethe bis zum 38 Lebensjahr, also eine Jungfrau gewesen sei. Kommen wir zum nächsten. Goethe wirkte in Weimar als Politiker. Er war geheimer Rat und auch als Minister zuständig für Bildung, für Wirtschaft, für Justizwesen, für sehr vieles, für das Theater und so weiter. Goethe hat jedenfalls als Politiker in Weimar im Sinne des aufgeklärten Absolutismus gewirkt. Auch als die Französische Revolution 1789 ausbrach, war Goethe nicht dazu zu bewegen, sich für demokratische Rechte des Volkes einzusetzen. Das war ihm immer suspekt, Mehrheiten, Majoritäten, dem traute er nicht. Er sagte, es gibt also ein paar Führernaturen, die also die Dinge so basteln wollen, wie sie ihnen passen und denen folgen dann irgendwelche Schelme nach, die da Geschäfte wittern, die sich akkommodieren, also den politischen Verhältnissen anpassen. Und dann gibt es diejenigen, die denen wieder nachfolgen, die Larven, die jedem nach dem Mund reden und nur ihr Schäfchen ins Trockene bringen wollen. Und schließlich am Ende dann das Volk, die große Masse, die denen folgt, der ihm das meiste verspricht. Und dem ganzen System der Demokratie traute Goethe nicht über den Weg, stattdessen sagte er: „Es gibt zwei Prinzipien. Das Prinzip eins ist: Es gibt nur die Möglichkeit, den einzelnen von innen heraus zum Positiven zu entwickeln, alles in ihm zu entwickeln und dann ihn letztendlich für sich entscheiden zu lassen, wohin der gehen will. Und es gibt den Herzog, den Berufspolitiker, der von Natur und von Geburt an zum politischen Herrschen bestimmt sei, der durch kluge Berater unterstützt wird und letztendlich immer das Ganze im Auge hat, weil er nicht an den eigenen Vorteil gebunden ist, sondern immer von vornherein, vom Lebensanfang bis zum Lebensende in dieser Position des alles betrachtenden, des Ganzen, letztendlich eine Funktion für die Gesamtheit hat. Das ist also Goethes politisches Vermächtnis auch. Er hat sich auch im späten Alter nicht davon getrennt, er war immer ein Anhänger des aufgeklärten Absolutismus, aufgeklärt durch die Ideale des Humanismus. Das änderte trotzdem nichts daran, dass Goethe natürlich auch seine Depression erfuhr. In dem kleinen Weimar stieß er schnell hinsichtlich seiner politischen Wirksamkeit an Grenzen, auch hinsichtlich seiner persönlichen Vorlieben stieß er an Grenzen. Und das Ganze führte dann also zur Flucht. Er verließ Weimar und lebte zwei Jahre in Italien, bevor er zurückgeholt wurde, weil er letztendlich auch einsehen musste, dass ein Leben in Verantwortlichkeit einem Leben in persönlicher Zwecksetzung vorzuziehen sei. Das Pflichtmotiv in Goethe war stärker als das des moralischen, des einzeln lebenden Genussmenschen. Und deswegen kehrte er auch nach Weimar zurück, um dann in Weimar eben auch die fleischlichen sexuellen Genüsse im einfachen Leben mit Christiane Vulpius, die er dann auch bald ehelichte, zu genießen. Und was ihm auch dann letztendlich in Weimar begegnete, war der gute Schiller. Und damit setzt die eigentliche Höchstzeit der deutschen Literatur und Kultur ein. Die verbindet sich mit der Verbindung von Goethe und Schiller. In den Anfangsjahren war das Verhältnis vom Granteln bestimmt. Goethe sah in Schiller in erster Linie einen Gegner, einen Konkurrenten und grantelte gegen Schiller. Bis zu einem Ereignis, und das war 1794, als in Jena ein Vortrag über die Urpflanze gehalten wurde, den Ginkgobaum, den Goethe darin sah, also eine Pflanze, die das männliche und weibliche in sich vereinigt und aus der letztendlich alle anderen Pflanzen entstanden sein sollen. Das war eine Theorie, die damals aufgestellt wurde. Und Schiller konnte es einrichten, dass er und Goethe am Ausgang aufeinandertrafen und sich über den Vortrag unterhielten. Und Goethe parlierte eben über diese Urpflanze und Schiller sagte zu ihm: „Das ist eine Idee, die Sie da haben.“ Und Goethe sagte: „Das ist keine Idee, ich schaue es ja an mit meinem eigenen Auge.“ Und in diesem Augenblick wurde Goethe klar, dass Schiller kein Konkurrent für ihn war, sondern die andere Seite seines Daseins, die idealistische Seite, die in den Dingen Ideen vermutet. Währenddessen Goethe ja immer das empirische, das Anfassen, das Empfinden, das Erleben, das Spüren, das Anschauen mit dem eigenen Auge setzte und darüber seine Weltanschauung formulierte. Und ab diesem Zeitpunkt konnten sie also ein Bündnis eingehen, dass bis zum Tode Schillers reichte, also über zehn Jahre dauerte und das beide dazu brachte, von diesen beiden antipodischen Positionen heraus, also sich gegenüberstehenden Positionen heraus die Dinge um sie herum zu kommentieren, zu gestalten und sich gegenseitig auch anzuspornen. Und was zehn Jahre lang eben nur ein Zweckbündnis war, das war keine Freundschaft, es war ein Zweckbündnis, das beide dazu anspornte, von ihren Positionen, von ihrem ganzen Dasein heraus, die Dinge zu betrachten als jeweilige Ganzheiten-Monaden in ein neues Ganzes zusammenzufließen. Das war dann nach Schillers Tod, man möchte es so sagen, ein Freundschaftsbund geworden. Dann war Goethe auch bereit, zuzuerkennen, das war aber erst nach Schillers Tod, dass er mit Schillers Tod die Hälfte seines Daseins verloren habe. Und damit endet letztendlich das klassische Zeitalter, mit dem Tod von Schiller und der Erkenntnis Goethes, was die Hälfte seines Daseins und damit die Hälfte des Daseins der Welt ausmacht.

1 Kommentar
  1. Default

    Ich finde Ihre Videos total langweilig. Nicht so unterhaltsam wie die anderen Videos (Bildliche darstellung zwischendurch und auch wenn man die Person nicht sieht scheint mir so als ob man es besser versteht und man sich darauf besser konzentrieren kann). Ich finde Ihre Videos sehr monoton und sie reden so langsam man pennt da echt ein...
    Ich würd auch mal gerne wissen was Sie da immer kauen wenn Sie ins Bild kommen :-)

    Von Surenraj Subramaniam, vor mehr als 5 Jahren