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„Ein Sommernachtstraum“ – Interpretationsansatz und Rezeptionsgeschichte (Shakespeare)

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Die Autor*innen
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Deutsch-Team
„Ein Sommernachtstraum“ – Interpretationsansatz und Rezeptionsgeschichte (Shakespeare)
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„Ein Sommernachtstraum“ – Interpretationsansatz und Rezeptionsgeschichte (Shakespeare) Übung

Du möchtest dein gelerntes Wissen anwenden? Mit den Aufgaben zum Video „Ein Sommernachtstraum“ – Interpretationsansatz und Rezeptionsgeschichte (Shakespeare) kannst du es wiederholen und üben.
  • Beschreibe einen psychoanalytischen Interpretationsansatz für das Stück.

    Tipps

    Wald und Stadt lassen sich in dem Stück als Gegensatzpaar verstehen. Die Stadt steht z. B. für Zivilisation, Vernunft, Verstand und gesellschaftliche Normen.

    Lösung

    In dem Stück „Ein Sommernachtstraum“ geht es um Triebe, Leidenschaften, Emotionen, Affekte, Unbewusstes, Zuneigung, Hass, Rache, Neid, Eifersucht, Treue, Verrat und so weiter. Es wird gezeigt, dass alle Menschen diese Affekte besitzen, wenn auch verborgen unter der Oberfläche eines scheinbar zivilisierten und kultivierten Ichs:

    • In der Gesellschaft der Stadt geben die Regeln und Normen des Alltags und Zusammenlebens diesen Affekten bestimmte Grenzen. Auch daher wählte Shakespeare den Wald als Metapher für das Unbewusste, für unsere Triebe.
    • Der Wald als Gegensatz zur Stadt steht analog zu den Gefühlen und Trieben im Gegensatz zur Vernunft. Im Wald hausen unbekannte, unkontrollierbare Mächte; im Wald schlafen die Leute und träumen. Im Schlaf ist die Vernunft ausgeschaltet und lässt so die Triebe unkontrolliert in Traumbildern hervorbrechen.

  • Nenne die zahlreichen Adaptionen, die es zu dem Stück gab.

    Tipps

    Das Stück wird bis heute international adaptiert: In der englischen und französischen Oper, in der deutschen klassischen Musik, im amerikanischen Film, in der zeitgenössischen europäischen und amerikanischen Literatur.

    Lösung

    „Ein Sommernachtstraum“ gehört mit zu den besten von Shakespeares Stücken. Es ist daher nicht weiter verwunderlich, dass es häufig adaptiert und verarbeitet wurde. Schon kurz nach seinem Erscheinen gab es viele kritische, aber vor allem wohlgesonnene Stimmen, die die Themen und Motive für sich fruchtbar machen konnten.

    • So schrieben im Bereich der Oper Henry Purcell, Ambroise Thomas und Benjamin Britten geachtete Kompositionen.
    • In der komponierten Schauspielmusik verarbeiteten Felix Mendelssohn-Bartholdy und Carl Orff die Themen zu Musik.
    • Moderne literarische Adaptionen waren beispielsweise „Der Park“ vom deutschen Wendeschriftsteller Botho Strauß sowie der Comic „The Sandman“ von Neil Gaiman.
    • Außerdem finden wir die beiden Verfilmungen von William Dieterle und Max Reinhardt aus dem Jahr 1935 und von Michael Hoffman von 1999.

  • Erkläre, welche Funktion die Schlussszene mit Droll hat.

    Tipps

    In der literarischen Tradition hat es häufig Figuren gegeben, die eine bestimmte Interpretationsweise vorgegeben haben. Die Bedeutung eines Textes sollte so eingeschränkt und festgelegt werden.

    Lösung

    Shakespeares Stücke waren darauf ausgelegt, die Bedürfnisse unterschiedlicher Stände zu befriedigen:

    • die Bedürfnisse der Oberen und Adligen mit versteckten und gelehrten Anspielungen und meisterliche Plots, philosophischen Fragestellungen und moralischen Problemen und
    • die des niederen Volkes durch Spannung und Unterhaltung.
    Um auch dem Volk unterhaltend die Bedeutung des Stoffes nahezubringen, bediente sich Shakespeare häufig Bildern, Metaphern und Vergleichen, die intuitiv zu erfassen waren. Mit der Rede Drolls gibt er am Ende des Stückes eine Interpretationsrichtung vor: Das Stück kann als Ausflug in das eigene Gehirn gesehen werden. Die auftauchenden Fantasiegestalten sind nicht unbedingt wirklich, sondern stehen für die unbekannten Mächte, denen die Menschen und menschlichen Triebe ausgeliefert sind. Damit werden den Menschen der damaligen Zeit Bilder an die Hand gegeben, mit denen sie ihre Affekte beschreiben und begreifbar machen können.

  • Analysiere das folgende Zitat aus einem Text zum Unbewussten.

    Tipps

    Die Begriffe des Ich und des Es sind Erfindungen von Sigmund Freud: Sie stellen das Bewusste und das Unbewusste dar.

    Lösung

    In seiner revolutionären Schrift „Das Ich und das Es“ erfand Sigmund Freud praktisch die Psychologie als Wissenschaft. Darin behauptete er, dass jeder Mensch unter dem bewussten und abrufbaren Geistesapparat und Erinnerungsvermögens einen Schatz an unbewussten und vorbewussten Bildern, Trieben, Bedürfnissen etc. hat. Dieses Unbewusste nannte er das Es, denn es ist unpersönlich, unreflektiert: Es sind animalische Triebe und Bedürfnisse wie der Fortpflanzungstrieb, die durch das Ich gesteuert und kontrolliert, aber nicht ausgeschaltet werden können.

    Dabei geht er so weit zu sagen – und das zeichnet ihn aus – dass eigentlich nicht mal das Ich das Es steuert, sondern das das Ich nur eine Reflexion des Es ist, eine Maske, die dem Menschen vorspiegelt, sich in der Kontrolle seiner Affekte zu befinden: Wie ein Reiter die Zügel zwar in der Hand hält, aber eigentlich sein Pferd ihn hinträgt, wo es will.

    Freud ist der Begründer der Tiefenpsychologie. Er hat zu seiner Zeit viel Forschung über das Traum- und Schlafverhalten des Menschen angestellt. Denn im Schlaf ist das Bewusstsein, das Ich, weitestgehend ausgeschaltet; die Triebe des Es können daher besser hervordringen – beispielsweise in Traumbildern.

    Quelle: Freud, Sigmund (1975): Das Ich und das Es. S. 13.

  • Beschreibe, welche Funktion das Theater im Theater haben könnte.

    Tipps

    Das Stück im Stück ist ein Spiegel zum eigentlichen Stück Shakespeares: Es lässt den Unterschied zwischen Laientum und Professionalität herausstechen.

    Lösung

    Die Handwerker führen am Ende des Stückes „Ein Sommernachtstraum“ mit dem wiedergefundenen Zettel das Stück „Pyramus und Thisbe“ auf. Dabei verzetteln sie sich jedoch derart, dass sie aus der Tragödie eine Komödie machen. Ihre Unprofessionalität steht in starkem Kontrast zur dramatischen Meisterleistung Shakespeares.

    Nun können wir gewisse Analogien zwischen dem Stück und der Realität ziehen: Etwa indem wir feststellen, dass auch Shakespeares Publikum vorwiegend ungebildete, laienhafte Handwerker waren. Macht sich Shakespeare also über sein Publikum lustig, die wohl nur die Hälfte der Komplexität des Stückes verstanden hatten? Andererseits ist das Theater offen für jeden: Durch die Inszenierung der Handwerker wird das Feld des Theaters auch für normale Menschen aus dem Volk eröffnet, die sich künstlerisch betätigen wollen, auch wenn letztendlich ihre Kunst aus einer Tragödie eine Komödie macht.

  • Ordne die Verfasser der Adaptionen des Stücks den verschiedenen Jahrhunderten zu, in denen die Adaptionen entstanden.

    Tipps

    Je länger die Veröffentlichung des Werkes zurückliegt, desto häufiger wurde es adaptiert: Im 17. Jahrhundert einmal, im 19. Jahrhundert zweimal, im 20. Jahrhundert sechsmal.

    Lösung

    Zu allen Zeiten wurde Shakespeare rezipiert und weiterverarbeitet:

    • Eine zeitnahe Adaption findet sich dabei bei Henry Purcell, der 1692 den Ruhm Shakespeares mit der Oper „The Fairy Queen“ vermehrte.
    • Im 18. Jahrhundert wurde Shakespeare zunehmend auch von deutschen Autoren und Intellektuellen wahrgenommen, unter anderem von Lessing, Goethe und Herder.
    • Das 19. Jahrhundert brachte die Romantiker hervor, und auch sie taten sich gütlich an den Stücken Shakespeares, so z. B. die Musikkomposition von Felix Mendelssohn-Bartholdy und die Oper des Franzosen Ambroise Thomas.
    • Im 20. Jahrhundert stieg die Rezeption in allen Kunstrichtungen stark an. Das neue Medium des Films brachte schon 1935 eine Verfilmung von Max Reinhardt und William Dieterle; 1999 folgte eine moderne Adaption des Regisseurs Michael Hoffman.
    • Mit Botho Strauß' Buch „Der Park“ aus dem Jahr 1983 und dem Comic „The Sandman“ von Neil Gaiman hielt „Ein Sommernachtstraum“ Einzug in die Literatur.
    Außerdem bekannt sind die Oper von Benjamin Britten aus dem Jahr 1960 und Carl Orffs Vertonung, an der er etliche Jahrzehnte arbeitete.

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