30 Tage kostenlos testen: Mehr Spaß am Lernen.
30 Tage kostenlos testen

Überzeugen Sie sich von der Qualität unserer Inhalte.

30 Tage kostenlos testen

„Ein Sommernachtstraum“ – Personenkonstellation (Shakespeare) 06:57 min

Textversion des Videos

Transkript „Ein Sommernachtstraum“ – Personenkonstellation (Shakespeare)

Die tragenden Figuren in Shakespeares Komödie "Ein Sommernachtstraum" gliedern sich in die Gruppe der Fabelwesen, also der Elfen und Kobolde, und die Gruppe der Menschen. In dieser Komödie geht es um die uneingeschränkte Herrschaft von Liebe und Leidenschaft. Sowohl die Fabelwesen als auch die Menschen sind gleichermaßen von dieser Macht bestimmt. Der Kobold Droll, der im englischen Original Puck genannt wird, ist eines der bedeutenden Fabelwesen des Stücks. Er handelt im Auftrag des Elfenkönigs und löst mit seinem Zauber die Liebesverwicklungen des Stücks aus. Er begeht dabei zwar Irrtümer, kann aber am Ende alles zum Guten wenden. Drolls unwirkliches Tun ist durchsetzt von seinem Hang zum Schabernack. Er weidet sich am närrischen Verhalten des verliebten Menschen. Er verzaubert die Menschen, wie die Liebe sie verzaubert. Shakespeare hat also mit Droll eine Macht geschaffen, die die Liebe der Menschen steuert. Damit beantwortet er, zumindest in diesem Stück, wie die übergeordnete Macht der Liebe zustande kommt. Ansonsten ist Droll ein Tunichtgut, der zügellos und voller boshafter Ideen ist. Er lacht über die, die er in die Irre führt. Er ist ein reines Fantasiegeschöpf, ebenso wie die Elfen. Die Elfen und Droll verkörpern die mystische, die übersinnliche Welt des Zaubers und der Magie. Die Welt der Elfen liegt ungewöhnlich nahe an der Welt der Menschen. Sie beschäftigen sich nicht mit Schabernack, sondern handeln fast ganz nach der Art der Menschen. Sie sind ebenso wie die Menschen einer gestörten Ordnung ausgesetzt. Oberon und Titania sind König und Königin der Elfen. Ein Streit zwischen ihnen hat einen Aufruhr in der Natur verursacht. Die beiden verkörpern den Missklang und die Probleme in der Ehe. Der Wald außerhalb Athens, in dem sie leben, ist Ort der Liebesverwirrung, der Unordnung und der Ängste. Verhalten ist hier nicht vorhersehbar und die Persönlichkeit des Einzelnen kann manipuliert werden. Der Athener Hof verkörpert dagegen die Welt der Vernunft, der Versöhnung und der funktionierenden sozialen Institutionen. Hier herrscht eine gesellschaftliche Ordnung. Theseus, der Herzog von Athen, ist ein heldenhafter Mensch der Tat. Man trifft ihn in einer Stunde der Freude und der Entspannung an. Seine Hochzeit mit Hippolyta steht bevor. Er ist genussfreudig und gütig. Sein wahrer Adel besteht im Verzicht auf Ruhm. Er ist eine der Zentralfiguren des Stücks, denn er weist sowohl die Elfen als auch die Menschen in ihre angemessene Bahn. Hippolyta steht ebenso wie ihr Verlobter für Vernunft und Ordnung. Egeus, ein Athener Edelmann, sucht Theseus auf, um genau von dieser Vernunft und Ordnung zu profitieren. Egeus will seine Tochter Hermia mit Demetrius verheiraten. Er möchte seinen Willen mit der Unterstützung von Theseus und des athenischen Gesetztes durchsetzen. Am Ende akzeptiert er aber, dass die Macht der Liebe gesiegt hat.

Hermia, die Tochter von Egeus, liebt nämlich Lysander und will sich ihrem Vater nicht beugen. Stattdessen plant sie mit Lysander die Flucht. Dieser erwidert ihre Liebe bis zu dem Zeitpunkt, wo er mit dem Zauber belegt wird und sich in Helena verliebt. Dies trifft Hermia schwer, denn sie ist unsicher und selbstkritisch. Helena ist ihre Freundin, aber sie verrät Hermias Fluchtpläne aus Liebe zu Demetrius. Dieser war zunächst mit Helena verlobt. Er löste dann aber die Verlobung und strebt eine Hochzeit mit Hermia an. Am Ende ist er wieder glücklich mit Helena vereint. Genauso finden am Schluss auch Lysander und Hermia wieder zusammen, nachdem der Zauber aufgehoben ist. Die Akzeptanz der entstandenen Beziehungen wird durch die Dreifachhochzeit von Theuseus und Hippolyta, Lysander und Hermia und Demetrius und Helena symbolisiert.

Neben diesen zentralen Figuren gibt es noch die Handwerker Zettel, Squenz, Schnock, Flaut, Schnauz und Schlucker, die für die Hochzeitsfeier ein Theaterstück einstudieren. Herausgehoben werden soll hier nur einer: Zettel Er kann als Repräsentant der ganzen Menschheit gesehen werden. Zettel besitzt ein ungebrochenes Vertrauen in seine eigene Kraft und ist stets voller Selbstliebe, die er nicht verbergen kann. Dies kann aber seine Einfältigkeit nicht verschleiern. Er erscheint ganz und gar unromantisch. Sein Verhalten ist plump, schmutzig und vulgär. Gerade weil er ein großer Narr ist, ist er als Figur am wenigsten flach ausgearbeitet. Er führt sich als Dichter und Romantiker auf, der die Zügel in die Hand nimmt. Er nimmt für sich eine Vorstellungskraft in Anspruch, die er gar nicht besitzt. Für schwierige Situationen findet er aber eine Lösung.

Mit der Kombination aus der Welt der Fabelwesen und der Welt der Menschen hat Shakespeare eine zauberhafte Komödie geschaffen. Beide Welten liegen hier nah beieinander und werden gleichermaßen vom Zauber der Liebe regiert. Auch wenn der Athener Hof von Vernunft und Ordnung bestimmt ist, so vermischen sich im nahegelegenen Wald die Welten der Menschen und der Elfen und die Liebesverwirrungen nehmen ihren Lauf. Am Ende finden Elfenkönig und -königin wieder zusammen und die menschlichen Paare werden ordnungsgemäß am Athener Hof verheiratet.