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„Die Physiker“ – Personenkonstellation (Dürrenmatt) 05:24 min

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Transkript „Die Physiker“ – Personenkonstellation (Dürrenmatt)

Wer befindet sich in der Irrenanstalt, und warum? Wer ist der wahnsinnige Insasse, wer ist gesund? Mit diesen Fragen spielt die Figurenkonstellation in der Komödie "Die Physiker". Die meisten handelnden Figuren gehören entweder zum Personal der Irrenanstalt oder aber sind selbst Insassen. Nur selten bricht die wirkliche, reale Welt in Form einzelner Nebenfiguren in den fast geschlossenen Raum der psychiatrischen Klinik. So öffnet sich der erzählte Raum ein wenig für die Realität und die scheinbar gesunde Normalität. Johann Wilhelm Möbius ist ein genialer Physiker, dem die Entwicklung der sogenannten “Weltformel” gelungen ist. Diese kann, wenn sie in die falschen Hände gerät, die Vernichtung der Menschheit herbeiführen. Daher hat er sich in die Irrenanstalt der Mathilde von Zahnd zurückgezogen. Als vermeintlich Verrückter, dem angeblich der König Salomo, ein mächtiger Herrscher aus dem alten Jerusalem, erscheint, kann er in der Isolation des Sanatoriums seine Erfindung am besten vor der Öffentlichkeit verbergen. Er ist genial in seinem Fach und verantwortungsbewusst als Wissenschaftler. Seine Frau und Kinder lässt er jedoch zurück, um seine “Weltformel” in der Irrenanstalt schützen zu können. Er wird zum Mörder, weil die Krankenschwester Monika Stettler sein Geheimnis gefährdet. Zudem liebt die Krankenschwester Möbius. Er tötet also eine Person, die ihn liebt. Obwohl er die Verantwortung des Forschers gegenüber der Welt hoch schätzt, opfert er seinerseits ein Menschenleben dafür. Selbst in seiner Moral liegt also etwas Verbrecherisches. Sein Plan gerät in Gefahr, weil die ebenfalls nur vermeintlich Verrückten Newton und Einstein als seine Mitpatienten seine Aufzeichnungen und sein Wissen an sich reißen wollen. Newton heißt in Wirklichkeit Alec Jasper Kilton und spielt nur den Patienten Herbert Georg Beutler. Er hält sich für den Naturwissenschaftler und Erfinder Isaac Newton. Joseph Eisler spielt den Patienten Ernst Heinrich Ernesti, der sich einbildet, der Physiker Albert Einstein zu sein. Beide sind Agenten verfeindeter Mächte. Über sie wird eine indirekte Verbindung des Schauplatzes zur Außenwelt und zu deren Machtzentralen hergestellt. Auch die beiden Agenten werden, um ihr Ziel zu erreichen, zu Mördern. Ihre Opfer sind ebenfalls Krankenschwestern der Irrenanstalt. Zwar schafft es Möbius, seine beiden Gegenspieler Newton und Einstein davon zu überzeugen, dass das Wissen um die “Weltformel” geheim bleiben muss, um die Welt zu retten. Aber die schlimmstmögliche Wendung, die Dürrenmatt für seine Tragikkomödie vorgesehen hat, ist nicht mehr aufzuhalten. Die Leiterin und Chefärztin des Sanatoriums Mathilde von Zahnd hat von Berufs wegen die Aufgabe, als geistig Gesunde die Geisteskranken zu versorgen, sie möglichst zu heilen und die Klinik zu führen. Tatsächlich stellt sie sich aber als die einzige Verrückte in der Personenkonstellation heraus. Sie glaubt, im Auftrag des Königs Salomo die Weltherrschaft an sich reißen zu müssen. Möbius' Erfindung soll ihr dabei helfen. Sie kopiert heimlich alle erforderliche Dokumente. Von Zahnd ist also gegenüber den anderen Figuren und gegenüber der Außenwelt in dreifacher Weise autoritär: 1. Sie führt die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Sanatorium. 2. Sie entscheidet über die Zukunft ihrer Patienten. 3. Sie stellt sich als verrückt, machthungrig und größenwahnsinnig heraus und will die Weltherrschaft erreichen. Dafür stiehlt sie Möbius' geistiges Eigentum.

Von außen brechen zwei Gruppen von Nebenfiguren in die Welt der Irrenanstalt ein. Da sind zum einen die Polizisten, Gerichtsmediziner und Ermittler um Kriminalinspektor Richard Voß. Deren Aufgabe ist es, die Morde an den Krankenschwestern aufzuklären. Sie sollen also Licht ins Dunkel unklarer Verhältnisse bringen. Aber der weltentrückte Raum der Irrenanstalt erweist sich in seinem Wechselspiel zwischen den Polen "irre" und "gesund" als schwer begreiflich. Als zweite Gruppe von Nebenfiguren tauchen der Missionar Oskar Rose, die Frau Missionar Lina Rose und ihre drei Söhne auf. Die Personen dieser zweiten Gruppe sind aber weniger als Charaktere, sondern eher als Karikaturen angelegt. Die Frau Missionar Lina Rose ist die geschiedene Ehefrau von Möbius. Sie wird aber erneut von den Entwicklungen um die Atombombe eingeholt. Zwar ist sie von Möbius geschieden, aber ihr neuer Mann hat eine Stelle als Missionar in einer Region, in der die USA oberirdische Atomtests durchführen. Im musikalischen Vortrag der Buben zeigt Dürrenmatt den Versuch, bildungsbürgerliche Ideale aufrechtzuerhalten. Dieser Versuch scheitert aber am Dilettantismus der Jungen. Auch dem gesunden Physiker Möbius gelingt es am Ende des Stückes nicht, seine “Weltformel”, die unter Umständen die Vernichtung der Menschheit bedeuten könnte, zu bewahren.

4 Kommentare
  1. Default

    Das Video

    Von Caroline Buch, vor 7 Monaten
  2. Default

    Sehr schöne Konstellation! Danke dafür!

    Von Yas Zbg, vor mehr als einem Jahr
  3. Default

    Die zwei Schwestern Dorothea Moser und Irene Straub, wurden aufgrund des Herausfindens, das Beutler und Ernesti Geheimagenten sind umgebracht, um ihr Geheimnis zu wahren. Ernesti/Einstein gibt auf S.48, Z.12 nur vor das Schwester Irene und er sich liebten, um Möbius bei ihrer Überzeugung zu helfen, ihn zu vergessen. Mit dem Hintergedanken, dass er ihn später seinem Geheimdienst ausliefern kann.

    Von Lilly Gottschalk, vor mehr als einem Jahr
  4. Default

    Ausgezeichneter Überblick! Viele Dank!

    Von Rhatt, vor mehr als 2 Jahren