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„Das Parfum“ – Möglicher Interpretationsansatz und Rezeptionsgeschichte (Süskind)

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„Das Parfum“ – Möglicher Interpretationsansatz und Rezeptionsgeschichte (Süskind)
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Beschreibung „Das Parfum“ – Möglicher Interpretationsansatz und Rezeptionsgeschichte (Süskind)

Wie kann man "Das Parfum" eigentlich interpretieren? Ist es nur eine gruselige Mördergeschichte oder kann man den Roman auch unter anderen Aspekten lesen und verstehen? In diesem Video wird Patrick Süskinds Roman als postmoderner Roman interpretiert. Seine Zuordnung zur Postmoderne geschieht anhand der Kriterien Deutungsoffenheit, Mehrfachcodierung, Selbstreferentialität und Intertextualität. Rezeptionsgeschichtlich wird anhand von Zahlen die außergewöhnliche Verbreitung des Romans und der gleichnamigen Verfilmung besprochen. Viel Spaß!

Transkript „Das Parfum“ – Möglicher Interpretationsansatz und Rezeptionsgeschichte (Süskind)

Patrick Süskind: Das Parfum - Möglicher Interpretationsansatz und Rezeptionsgeschichte

Hast du gewusst, dass die us-amerikanische Grunge-Band Nirvana in einem ihrer Songs Grenouille, die Hauptfigur in Patrick Süskinds Roman "Das Parfum", besingt? In diesem Video erfährst du mehr darüber! Bevor wir aber zur Rezeptionsgeschichte des Textes kommen, soll es um seine Interpretation als postmoderner Roman gehen.

Wie bei jedem literarischen Werk, gibt es auch für "Das Parfum" nicht nur eine einzige richtige Interpretation. Vielmehr muss man von einer ganzen Reihe möglicher Interpretationsansätze ausgehen, insbesondere weil die Deutungsoffenheit eins der markanten Merkmale von Süskinds Roman ist.

Das bedeutet, dass im Roman selbst viele mögliche Lesarten angelegt sind, sich aber keine davon als die “ einzig richtige” herausheben lässt. Wie du vielleicht bereits weißt, gehört die Deutungsoffenheit zu den Merkmalen postmoderner Literatur.

Zwei weitere Begriffe sind zentral für die Epoche der Postmoderne. Neben der Deutungsoffenheit sind dies Mehrfachcodierung und Intertextualität. Lass dich nicht abschrecken von der Kompliziertheit der Wörter, im Grunde meinen sie ganz einfach nachvollziehbare Dinge.

Der Begriff Mehrfachcodierung steht im engen Zusammenhang mit dem der Deutungsoffenheit. Mehrfachcodierung meint, dass in einem literarischen Werk mehrere Genres ineinander verschränkt werden.

Machen wir das konkret: "Das Parfum" ist zunächst ein Kriminalroman, der Untertitel "Die Geschichte eines Mörders" weist darauf hin. Es ist aber auch ein Entwicklungsroman, denn es erzählt die innere und äußere Entwicklung von Grenouille von der Geburt bis zu seinem Tod.

Darüberhinaus ist es ein Künstlerroman, der vom geniehaften Schaffen und der inneren Zerrissenheit eines Künstlers, hier: eines Duft-Künstlers, erzählt. Und schließlich ist es auch ein historischer Roman, der uns die französischen Verhältnisse des 18. Jahrhunderts vor Augen führt. "Das Parfum" weist also Merkmale all dieser Genres auf, man könnte auch von einem Genremix sprechen. Dieses Mixen von Genres ist typisch für die Postmoderne.

Mehrfachcodierung im weiteren Sinne meint auch, dass man den Roman auf verschiedenen Ebenen lesen kann: Die breite Masse wird ihn als spannenden Unterhaltungsroman lesen, für den kein besonderes Vorwissen oder Lektüreerfahrung nötig ist. Dem literarisch anspruchsvollen und geschulten Leser bietet "Das Parfum" aber weitaus mehr: Neben der packenden Handlung bietet es auch eine Vielzahl von Verweisen auf andere literarische Werke und eine philosophische Dimension.

Denn auf einer philosophischen Ebene erzählt "Das Parfum" vom Scheitern der Aufklärung: Die Masse kann sich angesichts der Verführung nicht länger ihrer Vernunft bedienen. Obwohl es eindeutige Beweise gibt, dass Grenouille der gesuchte Mörder ist, spricht ihn das Volk bei seiner geplanten Hinrichtung von jeder Schuld frei

Zudem lässt sich eine politische Dimension erkennen, denn den Roman kann man auch als Reflektion über die Verführung der Masse durch einen Einzelnen lesen. Er lässt sich dann auch auf den Nationalsozialismus beziehen und steht damit der politischen Parabel nahe.

Das Schöne ist, dass man all diese zusätzlichen Ebenen zwar mitlesen kann, für das Verfolgen der Handlung sind sie aber nicht erforderlich. Süskind ist somit das Kunststück gelungen ganz unterschiedliche Leserschichten für seinen Roman zu gewinnen. Literaturtheoretisch geschulte Leser kommen genauso auf ihre Kosten wie Gelegenheitsleser. Der enorme Erfolg des Bestsellers dürfte wesentlich diesem Umstand geschuldet sein.

Auf jeden Fall ist dieser postmoderne Roman von Süskind ein großer Publikumsliebling und literarischer Erfolg geworden. "Das Parfum" hat sich nach seinem Erscheinen 1985 mehr als acht Jahre lang ohne Unterbrechung in der Belletristik-Bestsellerliste des Spiegel gehalten. Das hat vor ihm kein anderen Roman geschafft.

Übersetzt wurde er in 48 Sprachen. Insgesamt geht man heute davon aus, dass sich der Roman in Deutschland ca. 5 Mio. mal und im Ausland mehr als 15 Mio. mal verkauft hat – eine außergewöhnlich hohe Auflage für einen so jungen Roman. "Das Parfum" gehört somit zu den größten Verkaufserfolgen der deutschen Literatur des 20. Jahrhunderts.

Es ist aber nicht nur ein Bestseller, sondern auch ein Longseller bzw. Dauerseller, da es auch heute noch regelmäßig im Handel nachgefragt wird, u.a. auch weil das Buch beliebte Schullektüre geworden ist.

Ursächlich dafür waren nicht nur die vielen Rezensenten, die den Roman in den Zeitungen zum allergrößten Teil sehr positiv besprochen und hoch gelobt haben. Sondern auch die gleichnamige Verfilmung des Romans aus dem Jahr 2006. Die internationale Großproduktion unter der Regie von Tom Tykwer hat ein breites Publikum erreicht und gehört zu den 15 erfolgreichsten deutschen Filmen in deutschen Kinos. 15,5 Mio. Deutsche haben den Film innerhalb eines Jahres nach Erscheinen gesehen!

Der Roman hat aber nicht nur Filmemacher inspiriert, sondern auch Musiker. Wie anfangs erwähnt: Auf dem Album "In Utero" der Grunge-Band Nirvana findet sich ein Song mit dem Titel "Scentless Apprentice", zu deutsch etwa "geruchloser Lehrling". Darin besing Kurt Cobain ein Baby, das ohne Geruch zur Welt kommt. Offenbar hat auch er Süskinds Roman gelesen.

Zur Vorbereitung auf die nächste Klausur kannst du nun also auch Nirvana hören oder dir die Romanverfilmung ansehen – aber natürlich nur, wenn du das Buch schon gelesen hast! Viel Spaß dabei!

3 Kommentare

3 Kommentare
  1. Hallo David,
    zu dem Werk Kabale und Liebe haben wir mehrere Videos. Schau dir doch einmal dieses zur Inhaltsangabe an:
    https://www.sofatutor.com/deutsch/videos/kabale-und-liebe-inhaltsangabe-schiller
    Dort findest du außerdem eine interaktive Übung, mit der du dein Wissen überprüfen kannst.
    Viel Spaß beim Schauen des Videos!
    Beste Grüße aus der Redaktion

    Von Vreni Striggow, vor etwa 4 Jahren
  2. Ach doch...hat sich erledigt :)

    Von David Ruescher, vor etwa 4 Jahren
  3. Sehr gutes Video! Ich habe leider auf Sofatutor nichts über Kabale und Liebe von Schiller gefunden. Videos darüber würde ich echt hilfreich finden!

    Von David Ruescher, vor etwa 4 Jahren

„Das Parfum“ – Möglicher Interpretationsansatz und Rezeptionsgeschichte (Süskind) Übung

Du möchtest dein gelerntes Wissen anwenden? Mit den Aufgaben zum Video „Das Parfum“ – Möglicher Interpretationsansatz und Rezeptionsgeschichte (Süskind) kannst du es wiederholen und üben.
  • Gib die Rezeptionsgeschichte des Romans und Films „Das Parfum“ in Zahlen wieder.

    Tipps

    Im Ausland wurden ca. dreimal so viele Exemplare des Romans verkauft wie in Deutschland.

    Lösung

    „Das Parfum“ hat sich nach seinem Erscheinen im Jahr 1985 mehr als 8 Jahre lang, also bis 1993, ohne Unterbrechung in der Belletristik-Bestsellerliste des Spiegels gehalten. Das stellt einen Rekord dar, da dies bis dahin keinem anderen Roman gelungen ist.

    „Das Parfum“ wurde in 48 Sprachen übersetzt. In Deutschland wurde der Roman ca. 5 Millionen Mal und im Ausland über 15 Millionen Mal verkauft. Eine so hohe Auflage von insgesamt über 20 Millionen Exemplaren ist äußerst ungewöhnlich für einen so jungen Roman. „Das Parfum“ gehört somit zu den größten Verkaufserfolgen der deutschen Literatur des 20. Jahrhundert.

    Patrick Süskinds Roman ist somit nicht nur Bestseller, sondern auch Longseller bzw. Dauerseller, denn auch heute noch wird der Roman regelmäßig im Handel nachgefragt. Das liegt auch daran, dass das Buch eine gern besprochene Lektüre in der Schule geworden ist. Die Ursache dafür liegt nicht nur in den größtenteils positiven Rezensionen, sondern auch in der 2006 erschienenen gleichnamigen Verfilmung unter der Regie von Tom Tykwer. Diese internationale Großproduktion hat ein breites Publikum angesprochen. Der Film zählt zu den 15 erfolgreichsten deutschen Kinofilmen, da er innerhalb des ersten Jahres nach Erscheinen 15,5 Millionen Deutsche in die Kinos gelockt hat.

  • Definiere die literaturwissenschaftlichen Begriffe, die für die Analyse des Romans wichtig sind.

    Tipps

    Intertextualität lässt sich auch als der Bezug von Texten auf andere Texte oder Medien bezeichnen.

    Lösung
    • Der Roman „Das Parfum“ ist ein postmoderner Roman. Die Postmoderne ist u.a. eine literarische Epoche, deren Anfang in den 1980er Jahren liegt. Im Mittelpunkt der Postmoderne steht das Wiederaufgreifen und Neugestalten bereits vorhandener Ideen und Formen. Die Autoren hatten das Gefühl, dass alles was sie schrieben, ein Zitat sei, da sie die Ziele ihrer Vorgänger aus anderen Epochen wieder aufgriffen.
    • Ein Merkmal der Postmoderne ist die Intertextualität. Die Werke der postmodernen Autoren sind voller Anspielungen auf andere Werke, Erzählstile oder bekannte Motive. Diese werden parodiert, paraphrasiert oder als Andeutung und Anspielung in den Roman eingebaut. So lässt sich als eine kultur- und sozialgeschichtliche Quelle des Romans „Das Parfum“ Alain Corbins Werk „Pesthauch und Blütenduft. Eine Geschichte des Geruchs“ feststellen.
    * Die Deutungsoffenheit ist ein weiteres Merkmal der Postmoderne. In Bezug auf den Roman „Das Parfum“ sind damit die vielen möglichen Lesarten gemeint, die im Werk angelegt sind und, dass sich keine davon als die einzig richtige herausheben lässt. Folglich gibt es eine Vielzahl von Interpretationsansätzen von Patrick Süskinds Roman, wobei sich manche gegenseitig ergänzen, andere jedoch sogar widersprechen.
    • Mehrfachcodierung im engeren Sinne meint, dass im Roman „Das Parfum“ mehrere Genres ineinander verschränkt werden, worin wiederum die Deutungsoffenheit des Werkes begründet ist. Solch ein Genremix ist typisch für die postmoderne Literatur. So lassen sich in „Das Parfum“ gleichzeitig Merkmale für die Genres Kriminalroman, Entwicklungs-/Bildungsroman, Künstlerroman und historischer Roman finden.
    • Mehrfachcodierung im weiteren Sinne – aus der Mehrfachcodierung im engeren Sinne hervorgehend – bedeutet, dass der Roman „Das Parfum“ auf verschiedenen Ebenen gelesen werden kann. Die breite Masse liest ihn vermutlich als spannenden Unterhaltungsroman, für den kein besonderes Vorwissen oder keine besondere Lektüreerfahrung notwendig ist. Dem literarisch anspruchsvollen und geschulten Leser bietet „Das Parfum“ jedoch weitaus mehr. Neben der spannenden Handlung gibt es auch eine Vielzahl von Verweisen auf andere (literarische) Werke – die sogenannte Intertextualität – sowie eine philosophische Dimension und eine politische Dimension.
  • Erläutere die verschiedenen Genres, die Patrick Süskinds Roman „Das Parfum“ in sich vereint.

    Tipps

    Eines der fünf Genres wurde im Video nicht benannt, trifft aber ebenfalls auf „Das Parfum“ zu.

    Lösung

    Die Interpreten des Romans ordnen „Das Parfum“ ganz unterschiedlichen Genres und Strömungen zu. Das liegt daran, dass im Werk Merkmale verschiedener Genres zu finden sind. Somit kann man von einem Genremix sprechen:

    • Bereits der Untertitel „Die Geschichte eines Mörders“ weist darauf hin, dass es sich um einen Kriminalroman handelt. Grenouille wird zum Serienmörder, der eine ausgefeilte Methode entwickelt, wie er seine Opfer ermordet und sich anschließend ihren Duft aneignet. Zudem ist der Roman aus der Sicht Grenouilles, also des Mörders, geschrieben.
    • Gleichzeitig stellt „Das Parfum“ auch einen historischen Roman dar. Patrick Süskind hat nachweislich aus historischen Quellen geschöpft hat, zum Beispiel bei der Beschreibung handwerklicher Techniken und der (hygienischen) Verhältnisse in Frankreich im 18. Jahrhundert.
    • Weiterhin lässt sich das Werk auch als Künstlerroman bezeichnen, da es vom geniehaften Schaffen und der inneren Zerrissenheit des Duft-Künstlers Grenouille berichtet.
    • Ein Entwicklungsroman ist „Das Parfum“ insofern, da der Roman von der inneren und äußeren Entwicklung des Protagonisten Grenouille berichtet. Dies lässt sich beinahe als biografisch bezeichnen, da seine Entwicklung von seiner Geburt bis hin zu seinem Tod erzählt wird.
    • Als Horrorroman kann das Werk schließlich auch bezeichnet werden, da es mystische und schauerhafte Begebenheiten beinhaltet, zum Beispiel die grausame Art und Weise, wie Grenouille die 25 Mädchen ermordet. Grenouilles Auftreten und Äußeres erinnern an eine Horrorfigur.
    • Nicht zuletzt lassen sich auch Merkmale der Tragödie im Roman wiederfinden (tragische Handlung und unschuldige Opfer) sowie Merkmale des Psychothrillers (gesteigerte Ekstase, Leidenschaft verleitet zum Töten).
  • Erschließe, anhand welcher Figuren Gedankengut der Aufklärung im Roman eingearbeitet wurde.

    Tipps

    Achte auf die korrekte Schreibweise, wenn du die Namen in die Lücken einträgst.

    Durch Kenntnis der Romaninhalte kannst du dir leicht erschließen, welcher Name in welche Lücke eingetragen werden muss.

    Lösung

    Die Geschichte von Patrick Süskinds Roman spielt in der Epoche der Aufklärung. So wie das Licht die Dunkelheit aufklärt, sollte auch die neue Geistesbewegung das Leben aller Menschen der europäischen Nationen von der Finsternis des Aberglaubens, der Untertänigkeit und der Ungerechtigkeiten aufklären.

    • Der Parfumeur Giuseppe Baldini ist ein Kritiker der Aufklärung. Er verabscheut es, in die Zukunft zu blicken. Den Veränderungen in Handel und Verkehr, Geistesleben, Wissenschaft und gesellschaftlichem Leben steht Baldini ablehnend gegenüber. Er sieht die Ursache seines bevorstehenden wirtschaftlichen und sozialen Untergangs im hemmungslosen Tatendrang und der Experimentiersucht des neuen Zeitalters.
    • Der Marquis de la Taillade-Espinasse ist im Gegensatz zu Baldini weltoffener, gebildeter und zukunftsorientiert. Er hat sich einen gewissen Ruhm in wirtschaftlichen Kreisen erworben. Die Figur des skurrilen Wissenschaftlers, der nahezu krankhaft nach Ruhm und Anerkennung unter den anderen Wissenschaftlern und Gelehrten strebt, wird anhand des Marquis überzeichnet.
    • Antoine Richis ist gesellschaftlich und politisch aktiv und ein überaus erfolgreicher Geschäftsmann. Somit ist er die Verkörperung des reichen Handels- und Kaufmanns- Bürgertums. Er verfügt über einen wachen Geist und einen gut ausgeprägten Menschenverstand. Doch der Versuch, seinen Verstand zu gebrauchen, endet in einem Desaster. Letztendlich muss die Vernunft vor der Verführungskraft des Parfums kapitulieren. In diesem Sinne erzählt der Roman auch vom Scheitern der Aufklärung selbst, als sich die Masse – angesichts der Verführung durch das Parfum – nicht länger ihrer Vernunft bedienen kann und trotz eindeutiger Beweise den Mörder Grenouille am Tag seiner geplanten Hinrichtung von jeder Schuld frei spricht.
  • Beschreibe die Rezeptionsgeschichte des Romans „Das Parfum“.

    Tipps

    Bedenke, dass der Roman 1985 erschien und sich dann 8 Jahre auf der Spiegel-Bestsellerliste hielt.

    Im Song „Scentless Apprentice“ der Grungeband Nirvana besingt Kurt Cobain ein Baby, das ohne Geruch zur Welt kommt.

    Lösung

    • Als Werk der postmodernen Literatur zeichnet sich der Roman „Das Parfum“ durch Deutungsoffenheit und Intertextualität aus.
    Diese Aussage ist zutreffend. „Das Parfum“ ist 1985 erschienen, also zu Beginn der Postmoderne. Die Deutungsoffenheit ergibt sich unter anderem daraus, dass der Roman eine Mischung aus vielen verschiedenen Genres darstellt und überdies auf verschiedenen Ebenen, z. B. philosophisch oder politisch, gelesen werden kann. Intertextualität, ein bedeutendes Merkmal der Postmoderne, bedeutet, dass ein literarischer Text ausdrücklich oder implizit Bezug auf bereits vorhandene Texte Bezug nimmt. Im Falle des Romans „Das Parfum“ ist die Anzahl solcher literarischer, philosophischer und kulturgeschichtlicher Bezüge beträchtlich, z. B. Victor Hugos „Der Glöckner von Notre-Dame“ oder E. T. A. Hoffmanns „Das Fräulein von Scuderi“.

    • Der Begriff Mehrfachcodierung meint, dass sich der Roman „Das Parfum“ auf andere literarische Werke, Erzählstile oder Motive bezieht.
    Diese Aussage ist nicht richtig. Mehrfachcodierung meint, dass in einem literarischen Werk mehrere Genres ineinander verschränkt werden. Intertextualität bedeutet, dass sich ein Werk auf andere literarische Werke, Erzählstile oder Motive bezieht.

    • Patrick Süskinds Roman hat sowohl Filmemacher als auch Musiker inspiriert.
    Diese Aussage ist richtig. Die 2006 erschienene Verfilmung des Romans „Das Parfum“ war eine internationale Großproduktion und hat ein breites Publikum erreicht: Ungefähr 15,5 Millionen Deutsche haben den Film innerhalb des ersten Jahres nach Erscheinen gesehen. Auch Musiker, wie die Band Nirvana, ließen sich von Süskinds Roman inspirieren. Auf dem Nirvana-Album „in utero“ gibt es einen Song mit dem Titel „Scentless Apprentice“, was so viel bedeutet wie „geruchloser Lehrling“.

    • „Das Parfum“ wurde in 48 Sprachen übersetzt.
    Diese Aussage ist korrekt. Im Ausland wurden etwa 15 Millionen Exemplare des Romans verkauft.

    • Der Regisseur der Verfilmung des Romans „Das Parfum“ ist Rainer Werner Fassbinder
    Die Aussage ist falsch. Der Regisseur der Verfilmung des Romans „Das Parfum“ ist Tom Tykwer. Rainer Werner Fassbinder war ein deutscher Regisseur, Filmproduzent, Schauspieler und Autor der 1970er und 1980er Jahre.

    • Der Erfolg von „Das Parfum“ begründet sich darauf, dass der Roman auf vielen verschiedenen Ebenen gelesen werden kann und somit zahlreiche unterschiedliche Leserschichten für sich begeistert.
    Diese Aussage ist richtig. Beim Lesen des Romans kann man alle Ebenen mitlesen, für das Verfolgen der Handlung sind sie aber nicht erforderlich. Süskind ist somit das Kunststück gelungen, ganz viele verschiedene Leserschichten für seinen Roman zu begeistern. Sowohl literaturtheoretische geschulte Leser als auch Gelegenheitsleser kommen auf ihre Kosten. Der enorme Erfolg des Romans ist vermutlich vor allem diesem Umstand geschuldet.

    • Der Roman „Das Parfum“ hielt sich bis 1998 ununterbrochen in der Belletristik-Bestsellerliste des Spiegels.
    Diese Aussage stimmt nicht. Der Roman „Das Parfum“ hielt sich nach seinem Erscheinen im Jahr 1985 ununterbrochen 8 Jahre lang auf der Spiegel-Bestsellerliste, also bis 1993.

  • Ermittle die Unterschiede zwischen dem Roman „Das Parfum“ und dessen Verfilmung.

    Tipps

    Manche Aussagen beschreiben Gemeinsamkeiten von Film und Buch. Das heißt, diese Aussagen treffen sowohl auf den Film als auch auf das Buch zu. Solche Aussagen darfst du zur Beantwortung der Frage nicht auswählen.

    Drei der sieben Aussagen treffen ausschließlich auf die Verfilmung zu.

    Lösung

    • Die Geschichte beginnt damit, wie Grenouille in einem Verlies sitzt und die tobende Menschenmenge draußen seinen Tod fordert.
    Diese Aussage trifft nur auf den Film zu. Süskind lässt seinen Roman mit der Beschreibung des Ortes beginnen, laut der sich der Leser im Frankreich des 18. Jahrhunderts befindet. Dem Zuschauer des Films wird zuerst gezeigt, wie sich der Protagonist Grenouille gefesselt in einem Verlies befindet und die tobende Menschenmenge dessen Tod fordert.

    • Grenouille tötet im Verlauf der Geschichte für die Herstellung seines idealen Parfums 13 Mädchen.
    Diese Aussage trifft nur auf den Film zu. Als Grenouille entscheidet, dass er ein perfektes Menschenparfum, einen Duft der Liebe aus dem himmlischen Geruch der schönsten Jungfrauen herstellen möchte, weiß er aus einer Geschichte von seinem alten Meister Baldini, dass er 13 Komponenten braucht. Im Buch dagegen erfährt der Leser erst später, wie viel Mädchen Grenouille getötet hat.

    • Grenouille schneidet den getöteten Mädchen die Haare ab, die er zur Duftgewinnung benötigt
    Diese Aussage trifft sowohl auf den Film als auch auf das Buch zu. Im Roman und in der Verfilmung werden die getöteten Mädchen mit kahlgeschorenem Kopf aufgefunden, da Grenouille ihre Haare zur Duftgewinnung verwendet.

    • Grenouilles Mutter versucht, ihn als Neugeborenes zusammen mit den Fischresten zu entsorgen. Dieser Versuch scheitert.
    Diese Aussage trifft sowohl auf den Film als auch auf das Buch zu. Allerdings wird Grenouilles Mutter im Film gehängt, im Buch jedoch geköpft.

    • Grenouille tötet ein schönes Zwillingspaar, um sich deren Gerüche anzueignen.
    Diese Aussage trifft nur auf den Film zu. Antoine Richis, der Vater von Laure, veranstaltet eine Party in seinem Garten und ein schönes Zwillingspaar verschwindet beim Versteckspiel in einem Irrgarten. Dieses Ereignis kommt im Buch nicht vor, doch ist es ein wichtiger Teil des Filmes, weil das Hauptopfer Laure Richis ebenfalls fast von Grenouille gefangen wird.

    • Grenouille verbringt sieben Jahre in einer Höhle im Zentralmassiv der Auvergne.
    Diese Aussage trifft nur auf den Roman zu. Im Film ist die Phase, während der Grenouille in der Höhle lebt, nur sehr kurz und die Gottesphantasien, die er im Roman hat, werden nicht erwähnt.

    • Grenouille lebt eine Zeit lang in Montpellier bei einem Marquis und stellt Parfums für diesen her.
    Diese Aussage trifft nur auf den Roman zu. Fast der ganze zweite Teil des Buches, in welchem Grenouille bei einem Marquis in Montpellier lebt und Parfums für seinen Gastgeber herstellt, fehlt im Film. Sein wahres Ziel ist, dass er den duftenden Menschengeruch herstellt und an sich selbst benutzt, damit er ein normales Mitglied der Gesellschaft werden kann.

    Quelle: Vom Buch zum Blockbuster (Germanistisches Magazin). http://www2.arts.u-szeged.hu/gema/zeitung/12/kultur_vom.htm. [Abgerufen am 09.06.2015].

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