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Der Schriftsteller Johann Wolfgang von Goethe

Kennst du den Goetheplatz in München? Oder die Goethestraße in Frankfurt am Main? Bestimmt gibt es auch bei dir in der Nähe einen Ort, der nach Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) benannt wurde. Es gibt zum Beispiel über 2000 Goethestraßen in ganz Deutschland! Goethes Popularität (nicht nur) bei Straßennamen ist kein Wunder, denn er ist mit Sicherheit die berühmteste deutsche Persönlichkeit der Literaturgeschichte. Der gelernte Jurist war ein Universalgenie. Er interessierte sich nicht nur für die Schriftstellerei, sondern auch für Kunst, Naturwissenschaften, Medizin und Politik. Spätestens mit dem Werk „Faust. Der Tragödie erster Teil“ schuf er einen Klassiker der Weltliteratur, der in keinem Bücherregal fehlen darf.

Johann Wolfgang Goethe.jpg

Goethes literarisches Schaffen

Sturm und Drang

Doch bis das Werk 1808 veröffentlicht wird, ist es ein langer Weg. Seinen ersten internationalen Erfolg feiert der damals 25-jährige Goethe mit seinem Briefroman „Die Leiden des jungen Werther“ (1774). Die tragische Geschichte über den jungen Rechtspraktikanten Werther, der unglücklich verliebt ist und schließlich Selbstmord begeht, gilt heute als ein Hauptwerk des Sturm und Drang (ca. 1767-1785), war doch die innere Zerrissenheit des Menschen und der Zwiespalt zwischen Gefühl und Verstand ein zentrales Motiv dieser literarisches Strömung. Ein weiteres Paradebeispiel für den Sturm und Drang ist das Drama „Götz von Berlichingen“, das wenige Jahre vor dem Werther entstanden ist und den Konflikt des Einzelnen, der nach Freiheit dürstet, thematisiert.

Weimarer Klassik

Spätestens mit der französischen Revolution jedoch, die 1789 ganz Europa erschüttert, beginnt bei Goethe ein Umdenken. Wie auch sein guter Freund und Seelenverwandter Friedrich Schiller lehnt Goethe die gewaltsamen Auseinandersetzungen ab und sieht in der antiken Auffassung vom in sich ruhenden, edlen Menschen das höchste künstlerische Ideal. Die beiden Dichter entwickeln eine neue Literatur- und Kunstauffassung: die Weimarer Klassik (ca. 1786-1805). Humanität und Harmonie von Vernunft und Sinnlichkeit stehen hier im Mittelpunkt. Goethe schreibt in dieser Zeit u.a. die Dramen „Iphigenie auf Tauris“ und „Torquato Tasso“ sowie die Ballade „Der Zauberlehrling“. Er beschäftigt sich darüber hinaus kontinuierlich mit dem Manuskript zum Faust. Wusstest du, dass er insgesamt über 35 Jahre daran gearbeitet hat?

Goethes Leben

Werdegang

Johann Wolfgang von Goethe – den Adelstitel hat er übrigens erst seit 1782 – beschäftigt sich schon während seines Jura-Studiums in Leipzig und Straßburg (1765-1771) lieber mit Theater, Literatur und Kunst. Besonders Autoren wie Homer und Shakespeare ziehen ihn in ihren Bann, aber auch mit Volkspoesie setzt sich Goethe gerne auseinander. Mitte der 1770er Jahre verschlägt es ihn auf Einladung des Herzogs Karl August schließlich nach Weimar. Ab 1776 übernimmt er als Minister und Geheimrat vor allem politische Aufgaben. Literarisch untätig ist er deswegen aber keineswegs: Es entstehen bekannte Werke wie „Iphigenie auf Tauris“ oder auch „Der Erlkönig“. Um 1780 beginnt Goethe sich außerdem naturwissenschaftlichen Fragestellungen auf den Gebieten der Geologie, Mineralogie, Botanik und Osteologie zu widmen.

Goethe

Italienreise 1786-1788

Im Jahre 1786 kommt es dann zum großen Knall. Goethe leidet unter den Zwängen des Hoflebens und reist Hals über Kopf nach Italien – seinem „geistigen Vaterland“. Er erhofft sich dort neue Inspiration für sein literarisches Schaffen und wendet sich neben der Literatur auch der Malerei zu. Zwei Jahre vergehen, ehe er von Italien wieder nach Weimar zurückkehrt. Mit im Gepäck: Die Manuskripte zu „Iphigenie auf Tauris“, „Torquato Tasso“ und auch „Faust. Der Tragödie erster Teil“. Die Italienreise empfindet Goethe als literarische Wiedergeburt. Von nun an wendet er sich vom leidenschaftlichen Sturm und Drang ab und geht zur tiefgründigen, klassischen Tragödie über – ein neuer Schaffensabschnitt in Goethes Leben beginnt.

Freundschaftsbund mit Schiller

Die nächsten Jahre befasst sich der Dichter erst einmal fast ausschließlich mit naturwissenschaftlichen Arbeiten. 1794 dann aber lernt Goethe den zehn Jahre jüngeren Friedrich Schiller kennen – der Startschuss für eine Freundschaft, die nicht ohne Grund als produktivste Freundschaft der Literaturgeschichte bezeichnet wird. Die beiden arbeiten zunächst gemeinsam an der Literaturzeitschrift „Die Horen“. Anfänglich Konkurrenten, erkennt Goethe in Schiller sein Alter Ego, sein anderes Ich. Schiller wiederum bewundert Goethe als größtes literarisches Genie seiner Epoche. Welch einzigartiges und inspirierendes Verhältnis die beiden zueinander hatten, kann man heute noch in ihrem berühmten Briefwechsel (1794-1804) nachlesen. In über 1000 Seiten tauschten sich beiden regelmäßig über ihre Vorstellungen und Ideen aus. Heute gelten die beiden als die Väter der Weimarer Klassik. Nach Schillers frühem Tod 1805 schreibt Goethe noch Werke wie „Die Wahlverwandtschaften“ und „Wilhelm Meister“; darüber hinaus arbeitet er der biographischen Schrift „Dichtung und Wahrheit“.

Das Goethe-Schiller-Denkmal in Weimar.jpg

Bedeutende Werke

Die Leiden des jungen Werther

1774 gilt „Die Leiden des jungen Werther" als Sensationserfolg und Skandal zugleich. Ein junger Mann, der sich vor lauter Verzweiflung und Liebeskummer das Leben nimmt? Damals unerhört! Hauptfigur des Briefromans ist Werther, der sich in die schöne Lotte verliebt. Der Haken: Sie ist verlobt. Trotzdem verbindet die beiden eine tiefe Seelenverwandtschaft. Sie verbringen viel Zeit miteinander, aber die Hoffnungslosigkeit seiner Liebe ist dem jungen Mann schmerzlich bewusst. Schließlich sieht er keinen Ausweg mehr und erschießt sich.

Besonders beim jungen Publikum wurde Goethe damals als literarischer Rebell gefeiert, begehrt er nicht gegen jegliche Normen und Moralvorstellungen auf! Gefühl, Leidenschaft, Freiheit – das sind die Themen, die die jungen Leute damals wie heute interessieren. Die Dichter des Sturm und Drang hatten sich diesem Ideal verschrieben.

Faust. Der Tragödie erster Teil

Das Stück „Faust. Der Tragödie erster Teil", an dessen Vollendung Goethe mehrere Jahrzehnte gearbeitet hat, ging 1808 erstmalig in den Druck. Seitdem ist es aus der Bibliothek der deutschsprachigen Bücher nicht mehr wegzudenken. Der Gelehrte Faust, auf der verzweifelten Suche nach neuen Erkenntnissen, fällt einer Wette zwischen Mephisto dem Teufel und Gott zum Opfer. Der Teufel erschleicht sich die Gunst Fausts und manipuliert ihn. Faust entwickelt sich zum Herzensbrecher und verführt das arme Gretchen. Sie wird schwanger und tötet ihr Kind. Während Gretchen als Kindsmörderin verurteilt wird, fliehen Faust und Mephisto.

Faust wird gemeinhin als „klassisches“ Werk bezeichnet, da hier die Spannung zwischen Vernunft und Sinnlichkeit im Mittelpunkt steht und die Frage der harmonischen Verbindung, gar die Frage nach der Vervollkommnung des Mensch-Seins – denn: „Es irrt der Mensch so lang er strebt.“