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Wilhelm Tell (Schiller)

Das Schauspiel Friedrich Schillers beschäftigt sich mit dem schweizerischen Nationalmythos um Wilhelm Tell. Es entstand 1804, in der Zeit der Weimarer Klassik und erfreut sich bis heute großer politischer sowie leserlicher Beliebtheit.

Entstehungsgeschichte

Beinahe hätte die Überschrift Goethes Schauspiel Wilhelm Tell heißen müssen. Du fragst dich, warum? Johann Wolfgang von Goethe zeigte sehr großes Interesse am Schweizer Nationalmythos um Wilhelm Tell, entschied sich jedoch, seine Ideensammlungen 1802 seinem guten Freund Friedrich Schiller zu überlassen.

Friedrich Schiller begann zugleich mit dem Schreiben am Stück. Sein Wunsch war es, den Menschen mit seinem Drama um Wilhelm Tell gute Gedanken zu schenken. Denn während der Zeit der Weimarer Klassik (1795-1805) hatten die Menschen bereits viel miterleben müssen: die Französische Revolution, den Beginn der Industrialisierung sowie die allmähliche Auflösung der Ordnung zwischen Adel und Bürgertum. So nahm sich die Literatur der Weimarer Republik mit ihren Leitideen der Freiheit und Menschlichkeit die Antike als Vorbild. Für die Menschen der damaligen Zeit war die Schweiz ein idealer Ort, der Harmonie, Freiheit und Idylle ausstrahlte. Das erkannte auch Friedrich Schiller und wusste, dass sein Werk zu einem Publikumsmagneten werden könnte.

Es gibt viele Sagen von Schützen, die Herrscher töten. So auch eine nordische Sage des Saxo Grammatikus. Und da die Schweizer an eine nordische Herkunft glaubten, ist man der Annahme, dass so die Geschichte des Wilhelm Tells in der Schweiz landete. Die Werke „Chronicon Helveticon“ (1550) von Ägidius Tschudi und die „Geschichte der schweizerischen Eidgenossenschaft“ (1786) von Johannes Müller dienten Friedrich Schiller als Quellen für seinen Text. Er übernahm sogar mehrere Passagen wortgetreu. 1804 beendete er das Schreiben und das Schauspiel „Wilhelm Tell“ konnte noch im selben Jahr seine Uraufführung feiern. Bei dieser übernahm übrigens sein guter Freund Goethe die Regie.

Inhaltsangabe

Ein Hut, ein Apfel, ein Pfeil und der Rütli-Schwur bestimmen den Inhalt von Friedrich Schillers „Wilhelm Tell“ .

Wir befinden uns in der Schweiz unter österreichischer Fremdherrschaft. Die Menschen, unter anderem der Kantone Schwyz, Uri und Unterwalden, leiden unter dieser Fremdherrschaft, da sie von den österreichischen Landesherren unterdrückt werden. So geschieht, dass der Schwyzer Konrad Baumgarten den Vogt Wolfenschießen erschlägt, weil dieser versucht, seine Frau zu vergewaltigen. Bei seiner Flucht erhält er Hilfe von Wilhelm Tell, der ihn in Sicherheit bringt. Auch die Figuren Melchthal, sein Vater und sogar der wohlhabende Werner Stauffacher bekommen die Unterdrückung der österreichischen Vogte zu spüren. Sie und weitere Männer der drei Kantone treffen sich bei Nacht auf der Rütli-Wiese und planen einen Aufstand, um ihre Freiheit zu erobern. Durch Bertha von Bruneck und ihre Liebe können sie sogar den Neffen des Freiherrn von Wettinghausen Rudenz für ihr Vohaben gewinnen, der zuvor auf österreichischer Seite stand.

Wilhelm Tell verweigert zunächst, an den Planungen mitzuarbeiten, bis er auf den Vogt Gessler trifft. Dieser hat, um die Gehorsamkeit des Volkes zu prüfen, einen Hut auf den Platz von Altdorf aufstellen lassen. Die passierenden Menschen sollen sich verneigen und ihm somit die Ehre erweisen. Ohne Verneigung passieren Tell und sein Sohn Walther den Hut, sodass Gessler ihm eine Aufgabe zur Strafe stellt: Um der Tötung zu entkommen, soll er einen Apfel vom Kopf seines Sohnes schießen. Es gelingt ihm, doch bleibt er weiterhin in Haft, da er einen zweiten Pfeil bei sich trägt, der für Gessler bestimmt gewesen wäre. Wilhelm Tell kann bei der Seeüberfahrt entkommen und wartet in der Gasse bei Küßnacht auf den Vogt, um ihn zu erschießen. Schließlich durchbohrt er diesen mit einem Pfeil und bereitet somit seinem Treiben ein Ende. Die allgemeine Befreiung um Rudenz beginnt und Wilhelm Tell wird als Held gefeiert.

Apfel vom Kopf

Personenkonstellation

Das Schauspiel Schillers umfasst insgesamt 50 Personen. Die mehrheitlichen Schweizer Bürger stehen den österreichischen Vögten gegenüber. Unter diesen ist der Vogt Gessler, den durch Macht und Gewalt die Bürger fürchten sollen. Doch ohne die Begleitung seiner Wachen ist er es, der sich vor den Bürgern fürchtet.

Wilhelm Tell wird als ein mutiger und hilfsbereiter Mann beschrieben. Der Jäger Tell ist gottesfürchtig und hält sich zunächst aus den politischen Anliegen seiner Mitbürger heraus. Erst durch das Aufeinandertreffen mit Gessler und der damit gestellten Aufgabe, den Apfel vom Kopf des Sohnes zu schießen, ändert sich seine Gesinnung. Er tötet Gessler schließlich und wird zum Helden des Aufstandes.

Dieser Aufstand wird von Menschen der Kantone Unterwalden, Uri und Schwyz geplant und durchgeführt. Unter ihnen der Unterwaldener Melchthal. Dieser hitzige und mutige Mann wehrt sich gegen die Unterdrückung und muss anschließend fliehen. Sein Ziel ist es, in den Kampf zu ziehen und Vergeltung für seine Frau und seinen Vater zu üben.

Auch Werner Stauffacher aus dem Kanton Schwyz bekommt die Gewalt der Vögte zu spüren und bespricht nach vorangegangener Furcht den Aufstand beim gemeinsamen Treffen auf der Rütli-Wiese. Die Figuren Bertha und Rudenz, der zunächst mit Österreich sympathisiert, ziehen ebenfalls in diesen Kampf.

Sie alle haben ein gemeinsames Ziel: Die Schweiz von Vögten wie Gessler und der österreichischen Fremdherrschaft zu befreien!

Pfeil

Interpretationsansatz und Rezeptionsgeschichte

Ist eine Revolution gerechtfertigt? Schillers Antwort lautete: unter gewissen Umständen ja. Bewusst wählte er daher den Handlungsort Schweiz. Die Schweizer sind ein friedliches und freies Volk, in ihrem Zentrum ist die Familie fest verankert. Und genau diese sehen sie durch die österreichischen Vögte bedroht. Das gilt beispielweise für Melchthal mit seinem Vater und auch für Wilhelm Tell mit seinem Sohn Walther. Ihre geplante Revolution ist kein Racheakt, sie ist Notwehr. Die Schweizer möchten ihre Familien und die damit verbundene Gesellschaftsordnung verteidigen. Es ist eine moralisch gute Revolution, die am Ende siegt.

„Wilhelm Tell“ feierte 1804 seine erfolgreiche Uraufführung. Rasch folgen Druck und Übersetzungen. Ab 1850 zeichnet sich ein erstes politisches Lesen ab. Die Bürger im Krieg Frankreich-Preußen identifizierten sich mit dem Text und sahen Tell als Ausdruck des Freiheitskampfes. Auch zu Beginn des Nationalsozialismus wird das Werk Schillers zugunsten des Regimes instrumentalisiert. Während des Zweiten Weltkrieges gerät es jedoch in Kritik und es wird ein Aufführungs- sowie Lektüreverbot verhängt. In der DDR erfreut er sich erneut großer Beliebtheit, da das Volk als treibende Kraft die Ideen des Sozialismus unterstützt. In der heutigen Zeit wird Wilhelm Tell sowohl als Freilichtspiel als auch moderne Inszenierung aufgeführt.

Wie denkst du über Wilhelm Tell? Ist er für dich ein Held? Und ab wann ist eine Revolution moralisch gerechtfertigt? Mit diesen Fragen wird sich auch heute noch viel beschäftigt.