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Schachnovelle (Zweig)

Die Schachnovelle ist eine Novelle von Stefan Zweig, die er zwischen 1938 und 1941 im brasilianischen Exil kurz vor seinem Selbstmord verfasste. Es ist sein letztes und zugleich bekanntestes Werk, in dem er die Brutalität des NS-Terror-Regimes eindringlich thematisiert und kritisiert.

Entstehung der „Schachnovelle“

Stefan Zweig, der bekannte jüdische Schriftsteller aus Österreich, sah sich in der Zeit des Nationalsozialismus gezwungen, seine Heimat zu verlassen und ins Ausland zu flüchten. Über Umwege gelangte er nach Brasilien. Dort im Exil entstand sein Werk „Schachnovelle“. Tatsächlich hatte Zweig seinem ebenfalls ausgewanderten Schriftstellerkollegen Ernst Feder berichtet, er hätte sich ein Schachbuch zugelegt und spiele die Partien der großer Meister nach. Nachdem er 1938 mit dem Schreiben der Novelle begonnen hatte, schickte Zweig den fertigen Text einen Tag vor seinem Selbstmord im Jahr 1942 an verschiedene Verleger.

Schachbrett

Inhalt der „Schachnovelle“

Ein Passagierschiff auf dem Weg von New York City nach Buenos Aires. Mit an Bord sind der berühmte Schachweltmeister Czentovic, der ehrgeizige Öl-Millionär McConnor, der mysteriöse Dr. B sowie ein österreichischer Journalist, der das Geschehen aus der Ich-Perspektive erzählt. Zweigs Werk weist typische Charakteristika einer Novelle auf. Die Anzahl der handelnden Figuren ist übersichtlich, der Inhalt der kurzen Erzählung durch Rahmen- und Binnenhandlung klar strukturiert.

Neugierig zu erfahren, welch ein Charakter sich hinter dem prominenten Weltmeister verbirgt, gelingt es dem Ich-Erzähler und McConner, Czentovic zu einer gemeinsamen Partie Schach zu bewegen. Als im zweiten Spiel die erneute und eindeutige Niederlage droht, tritt plötzlich Dr. B in Erscheinung und kann durch sein Zutun noch ein Remis erwirken. Als er sich jedoch weigert, selbst ein Partie gegen Czentovic zu spielen, sucht der Ich-Erzähler das Gespräch mit dem mysteriösen Mann.

Passagierschiff

Während einer langen Unterhaltung an Deck des Schiffes schildert Dr. B seine düstere Vergangenheit. Im Zuge des Anschlusses Österreichs an das Deutsche Reich im Jahr 1938 wurde Dr. B durch die Nationalsozialisten festgenommen. Während der monatelangen Isolationshaft drohte er dem Wahnsinn zu verfallen. Ein geklautes Schachbuch schien zunächst der rettende Anker: Dr. B lernte nicht nur die Schachpartien großer Meister auswendig und zu verstehen, bald begann er im Kopf Schach zu spielen und entwickelte durch diese intensive Auseinandersetzung sowohl mit dem Spieler als auch dem Gegenspieler eine gespaltene Persönlichkeit. Aufgrund seiner Unzurechnungsfähigkeit wird er letzten Endes aus der Haft entlassen.

Trotz seiner Vorgeschichte kann Dr. B der Versuchung einer letzten Partie nicht widerstehen – und tatsächlich gibt Czentovic in der ersten Partie auf. Doch als die traumatischen Erinnerungen in Dr. B aufwallen und der Wahnsinn zurückzukehren droht, muss er das Spiel schlagartig abbrechen.

Schachnovelle, Personenkonstellation Zweig

Figurenkonstellation in der „Schachnovelle“

Die Figurenkonstellation der Schachnovelle beschränkt sich auf vier handelnde Personen. Dabei gibt es 2 Hauptpersonen: Dr. B und Mirko Czentovic. Dr. B. – österreichischer Emigrant mit blassem, schmalem Gesicht und scharfem Blick – stammt aus einer angesehen Familie und arbeitet als Rechtsanwalt in der Vermögensverwaltung kaiserlicher Familien. Man erfährt nie seinen kompletten Namen. Mirko Czentovic als Antagonist ist der Sohn eines armen Donauschiffers, der in seiner Kindheit vom Ortspfarrer aufgenommen und großgezogen wurde. Sein Wesen wird als groteske, beinahe komische Figur beschrieben.

McConnor stellt eine Nebenfigur dar, genau wie auch der Ich-Erzähler, der den überwiegenden Teil der Novelle schildert. Dieser ist einerseits Berichterstatter und Beobachter, andererseits zugleich eine wichtige Figur der Novelle, da er die Verbindung zu Mirko Czentovic herstellt. Außerdem greift er mehrfach aktiv in die Handlung ein.

Interpretation und Rezeption der „Schachnovelle“

Wie verkraftet man das Exil auf der Flucht vor den Nazis? Dies ist die Frage, die Stefan Zweig in seinem Werk aufwirft. Es lässt sich vermuten, dass hinter Dr. Bs Geschichte der persönliche Leidensweg des Autors unter dem Druck des Nazi-Regimes verborgen liegt. Damit kann die „Schachnovelle“ als psychologische Erzählung interpretiert werden, die die Auswirkungen von Isolation, geistiger Unterforderung und Einsamkeit beleuchtet. Im Mittelpunkt der Figurenkonstellation steht Dr. B, der von den Gräueltaten der Nationalsozialisten berichtet und damit stellvertretend für das Leid der politisch Verfolgten im Exil steht. Den Gegensatz dazu bilden die Figuren McConnor und Czentovic, die als Inbegriff von Geistlosigkeit und einseitiger Fixierung Dr. Bs psychische Störung wachrufen. Das Schachspiel, der Dreh- und Angelpunkt des Werks, erhält hierbei eine Doppelbedeutung: Zum einen ist es die Rettung in der Not, zum anderen versinnbildlicht es das Streben nach Sieg ohne tatsächliches Ziel.

Zweigs Novelle ist somit von politischer Relevanz und ein Plädoyer für Humanität und Intelligenz in einer Welt, in der der kultivierte Geist unter dem großen Druck des politischen Regimes zusammengebrochen war. Er entlarvt in seiner Novelle die Brutalität und die Terrormethoden des faschistisches Regimes und übt dabei eindeutig Kritik an den Nazis. Die „Schachnovelle“ wurde posthum veröffentlicht und bleibt bis heute ein internationaler Bestseller.

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