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Aus dem Leben eines Taugenichts (Eichendorff)

„Aus dem Leben eines Taugenichts“ ist die wohl bekannteste Novelle Eichendorffs, in der die Suche nach dem eigenen Glück und nach einem selbstbestimmten Leben thematisiert wird.

Entstehungsgeschichte

Was ist eigentlich der Sinn des Lebens? Und wie führt man ein glückliches Leben? All das sind Fragen, die sich Menschen schon seit vielen Jahrhunderten immer wieder aufs Neue stellen. So auch die Hauptfigur in Joseph von Eichendorffs Novelle „Aus dem Leben eines Taugenichts“, die 1822/1823 entsteht und 1826 veröffentlicht wird. Für den Dichter Eichendorff ist es zeitlebens von hoher Bedeutsamkeit, eine Balance zwischen Arbeit und Dichtung zu finden. Zwar studiert er und arbeitet im Anschluss für den preußischen Staat, jedoch schreibt er fast sein ganzes Leben lang Gedichte, Novellen und Theaterstücke - das erste Mal übrigens bereits im Alter von 10 Jahren! Während des Studiums in Halle hat er engen Kontakt zu den Romantikern. Diese setzen sich dafür ein, dass Fantasie und Natur in der zunehmend vernunftgeprägten Welt wieder einen wichtigen Stellenwert einnehmen. Auch die Sehnsucht nach Freiheit und Unabhängigkeit wird in Eichendorffs romantischen Werken immer wieder thematisiert.

Eichendorff

Inhaltsangabe

„Das Rad an meines Vaters Mühle brauste und rauschte schon wieder recht lustig, der Schnee tröpfelte emsig vom Dache, die Sperlinge zwitscherten und tummelten sich dazwischen; ich saß auf der Türschwelle und wischte mir den Schlaf aus den Augen; mir war so recht wohl in dem warmen Sonnenscheine.“

So beginnt Eichendorffs Novelle „Aus dem Leben eines Taugenichts“. Der Inhalt des Werkes erstreckt sich über 10 Kapitel. Die Hauptfigur - ein Müllerbursche - wird von seinem hart arbeitenden Vater aufgefordert, in die weite Welt zu gehen, um sich sein Brot selbst zu verdienen. Das setzt der Taugenichts zu Beginn der Novelle in die Tat um. Auf der Reise wird er von zwei Damen in einer Kutsche mitgenommen. Da er sich in eine der beiden verliebt, nimmt er in dem Schloss, in dem die beiden Damen wohnen, eine Stelle als Gärtner an. Er hält seine Geliebte für adlig und damit unerreichbar, weshalb er unter Liebeskummer leidet. Auf einem Maskenball sieht er die Angebetete mit dem Schlossherren. Sie feiert ihren Geburtstag, der Taugenichts aber hält dies für ihre Verlobung und verlässt daraufhin das Schloss. Auf den weiteren Reisen, die geprägt von Verwechslungen und Zufällen sind, wird er unter anderem entführt, kommt zufällig zu viel Geld, wird für einen Adligen gehalten und verbringt einige Zeit in Rom. Schließlich gelangt er wieder in das Schloss, in dem seine Reise begann. Dort erfährt er, dass seine Angebetete nicht adlig ist. Sie heiraten, und der Taugenichts findet so zu seinem Lebensglück.

Postkutsche

Personenkonstellation und Struktur des Werkes

Der Taugenichts ist ein munterer junger Mann mit einer Vorliebe für Volkslieder. Er entspricht voll und ganz dem Prototypen der Romantik. Mit der Figur des von Sehnsucht und Lebenslust getriebenen Taugenichts hat Eichendorff einen Gegenentwurf zum klassischen Bildungsroman geschaffen. Die Bezeichnung Taugenichts kann je nach Blickwinkel unterschiedlich bewertet werden: Aus Sicht der Philister - die in der Kunst keinen Wert erkennen - ist die Bezeichnung eher negativ behaftet. Aus Sicht der Romantiker hat der Begriff jedoch eine positive Bedeutung, da der Taugenichts ein (Lebens-)Künstler ist. Im Roman werden sowohl die positiven als auch die negativen Seiten des Künstlerdaseins dargestellt. Die Novelle ähnelt einem Märchen, da der Held auf Reisen ist, auf seinem Weg vielen Helfern begegnet und spontan, naiv und unbekümmert handelt. Die anderen Personen sind keine ausgearbeiteten Charaktere, stattdessen sind sie meist entweder Helfer oder können als Philister charakterisiert werden, die ein anderes Lebenskonzept als der Taugenichts vertreten.

Interpretationsansatz

Interpretationsansatz und Rezeption

Zentrales Thema in der Novelle ist die Frage danach, was Glück bedeutet und wie man dieses erreichen kann. Im Rahmen dieser fiktiven Autobiografie gelangt der Ich-Erzähler zu seinem Glück und seiner Liebe und findet eine Möglichkeit zum Leben fernab des Philisterdaseins. Die Novelle beinhaltet Elemente des Liebes-, Abenteuer- Entwicklungs- und Bildungsromans, sodass sie, gemäß dem Ideal der Romantiker, als eine Art Universalpoesie verschiedene Formen in sich vereinigt. Welche Bedeutung die Novelle hat, zeigt sich auch darin, wie sie vom Publikum bis heute rezipiert wird: Sie ist das am häufigsten übersetzte Werk Eichendorffs und wurde bislang mehrfach verfilmt.

Die Aussage der Novelle könnte auch wie folgt zusammengefasst werden: Lebe dein Leben deinem Wesen gemäß. Lass dich nie von dem kleingeistigen Denken anderer von der Entfaltung deines Ichs abbringen. Und vergiss nie, den Zauber der Welt durch den Blick in die Natur zu ergründen.