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Expressionismus

Im Expressionismus entstanden viele lyrische Texte, die die Stimmung der Zeit ausdrückten. Der Erste Weltkrieg teilte den Expressionismus in drei entscheidende Phasen.

Zeitgeschichtliche Einordnung und Merkmale


In ihrem Viertel, in dem Gassenkot,
Wo sich der große Mond durch Dünste drängt,
Und sinkend an dem niedern Himmel hängt,
Ein ungeheurer Schädel, weiß und tot,

Diese ersten Zeilen aus Georg Heyms Gedicht „Vorstadt“ klingen nicht besonders freundlich, oder? Heym, ein Dichter des Expressionismus, thematisiert in seinem Gedicht das Leben in der Stadt Anfang des 20. Jahrhunderts. In Deutschland ist zu dieser Zeit Kaiser Wilhelm II. an der Macht. Gleichzeitig kommt es in ganz Europa zu starken politischen Spannungen, die schließlich im Ersten Weltkrieg münden. Nach Kriegsende geht aus dem ehemaligen deutschen Kaiserreich die Weimarer Republik hervor. Die Zeit nach 1900 war aber nicht nur von einer angespannten politischen Lage geprägt, sondern auch von Katastrophen wie dem Untergang der Titanic im Jahre 1912. Auch der Halleysche Komet, dessen Schweif im Frühjahr 1910 die Erde passierte, wurde als Vorzeichen einer Apokalypse verstanden. Insbesondere die junge Generation war verunsichert.

All diese Ereignisse und Umwälzungen beeinflussten auch die deutschen Dichter – die literarische Strömung des Expressionismus (ca. 1910-1925) entstand und löste den Naturalismus ab. Doch in welcher Hinsicht unterscheidet sich der Expressionismus von anderen literarischen Strömungen Ende des 19. Jahrhunderts, Anfang des 20. Jahrhunderts?

Expressionismus vs. Naturalismus. Der Naturalismus wurde von den expressionistischen Dichtern als kalt, positivistisch und unästhetisch empfunden. Die Expressionisten wollten im Gegensatz zu den Naturalisten nicht die wahrnehmbare Wirklichkeit nachbilden, vielmehr stand der Ausdruck der eigenen Emotionen im Vordergrund.

Expressionismus vs. Symbolismus. Die Symbolisten wiederum überhöhten in den Augen vieler expressionistischer Autoren die Wirklichkeit zu sehr: Ihre Vorstellungen seien jenseits jeglicher gesellschaftspolitischen Wirklichkeit.

Expressionismus vs. Impressionismus. Die Impressionisten schilderten im Gegensatz zu den Expressionisten ihre subjektiven seelischen Eindrücke und versuchten, den Moment einzufangen und ihn genau und intensiv zu beschreiben. Vor allem in der Malerei lässt sich der Unterschied zwischen beiden Strömungen deutlich erkennen.

van Gogh Sonnenblumen

Expressionismus vs. Dadaismus. Der Dadaismus (ab 1916) empfand sich als Gegenbewegung zur expressionistischen Literatur. Die Anhänger dieser Strömung lehnten alle herkömmlichen Kunstformen entschieden ab.

Zu dieser Verunsicherung trugen nicht zuletzt auch die weit fortgeschrittene Industrialisierung und die damit einhergehende Urbanisierung (Landflucht und Verstädterung) bei. Die Expressionisten hatten Angst, die Menschen würden zu Sklaven ihrer Maschinen. Das damalige Leben war bestimmt vom industriellen Arbeitsrhythmus, der Hektik des modernen Verkehrswesens und der Flut von Informationen. Die Sinnhaftigkeit der menschlichen Existenz sahen die Expressionisten deshalb als bedroht an.

Die Phasen des Expressionismus

Die erste Phase des Expressionismus fällt in die Zeit bis zum Ersten Weltkrieg. Die jungen Dichter dieser Zeit lehnten sich gegen jede Form von Autorität auf. Prägend war in diesem Zusammenhang auch der Konflikt zwischen den Generationen. Insbesondere das wilhelminische Bürgertum (zu dem u. a. auch die Eltern der Künstler gehörten) sollte mithilfe von Kunst schockiert und provoziert werden. Auch die Sinnentleerung des Daseins wurde thematisiert, was mit einer generellen Gesellschaftskritik zum Ausdruck kam.

Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs im Sommer 1914 war Krieg das vorherrschende Thema in expressionistischen Werken. Die damit verbundenen Erlebnisse und Erfahrungen veranlassten die Dichter, zum Pazifismus und zu neuer Brüderlichkeit aufzurufen. Nur so könne die Welt verändert werden und die Utopie eines „neuen Menschen“ etabliert werden.

Ab 1918, also mit Ende des Krieges, setzte die dritte und letzte Phase des Expressionismus ein. Dominierende Gattung wurde das Drama. Eine wichtige Stellung nahm das Stationendrama (z. B. „Die Wandlung“ von Ernst Toller) ein, denn es eignete sich besonders gut, um traditionelle Dramenformen aufzubrechen.

Weltanschauung und Motive des Expressionismus

Auch aufgrund der politisch-gesellschaftlichen Situation um die Jahrhundertwende ist die expressionistische Literatur geprägt von Themen wie Großstadt, Weltende, Krieg und Verfall des Ich. Darüber hinaus empfanden die Expressionisten die konservativ-bürgerliche Gesellschaft als bedrückend und einengend. Mit überkommenen Wertevorstellungen und damit einhergehend mit traditionellen ästhetischen Darstellungsformen sollte gebrochen werden, und zwar auf eine radikale und provokante Art und Weise. Nur so könnten die Wahrnehmungsveränderungen und die Orientierungslosigkeit des modernen Menschen ausgedrückt werden. Literatur sollte vor allem als Medium für Zivilisations- und Gesellschaftskritik dienen und die Gesellschaft durch Kunst verändert werden.

Lyrik des Expressionismus

Literarische Gattungen und wichtige Autoren

Die bevorzugte literarische Gattung der Expressionisten war die Lyrik. Mithilfe lyrischer Texte konnte die tiefgreifende Sinnkrise in der damaligen Zeit besonders gut zum Ausdruck gebracht werden. Da die Dichter dieser literarischen Strömung die traditionelle Bildungssprache ablehnten, wurden herkömmliche grammatische Strukturen aufgebrochen.

Kennzeichnend für die expressionistische Lyrik sind

  • Wortneuschöpfungen (Neologismen),
  • der Reihungsstil (Aneinanderreihung von zusammenhangslosen Metaphern),
  • die Farbsymbolik,
  • die Dynamisierung durch Verben,
  • Ironie, Pathos und Übertreibung.

Wie du schon erfahren hast, war die Lyrik die beliebteste Gattung der expressionistischen Dichter. Zu den bekanntesten Lyrikern und Lyrikerinnen des Expressionismus zählen:

  • Else Lasker-Schüler („Weltende“), die gemeinhin als Vorläuferin und Wegbereiterin des Expressionismus gilt,
  • Georg Trakl („Grodek“),
  • Franz Werfel („Der Weltfreund“),
  • August Stramm („Patroullie),
  • Georg Heym („Der Gott der Stadt“, „Der Krieg“) sowie
  • Gottfried Benn („Schöne Jugend“, „Kleine Alster“).

Gottfried Benn

Erzählende Texte waren genau wie dramatische Texte im Expressionismus weniger bedeutend. Eine Sonderstellung nimmt der in Prag geborene deutschsprachige Schriftsteller Franz Kafka – etwa „Der Prozess“, „Die Verwandlung“ oder „Das Urteil“ – keiner Epoche eindeutig zugeordnet werden können, werden sie oft als Erzählungen mit expressionistischem Einschlag bezeichnet.

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