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Transplantation und Transfusion 06:37 min

Textversion des Videos

Transkript Transplantation und Transfusion

Hallo! Bestimmt hast du von den Diskussionen um Organspenden und von irgendwelchen Skandalen gehört. Oft sind Organspenden lebensnotwendig und Menschen müssen auf langen Wartelisten auf ihr Spenderorgan warten. Doch auch aus der medizinischen Sicht erweisen sich Transplantation und Transfusion als gar nicht mal so leicht.

Damit ein Organ aufgenommen werden kann, muss ersteinmal ein passender Spender gefunden werden. Und auch dann ist noch nicht sicher, ob die Transplantation erfolgreich abläuft. Nach der Aufnahme kann es nämlich dazu kommen, dass das Immunsystem dieses abstoßt. Warum ersteinmal ein passender Spender gefunden werden muss und warum das Immunsystem so auf fremde Organe reagiert, lernst du in diesem Video.

Zunächst wollen wir uns erstmal ansehen, welche Organe und Körperflüssigkeiten überhaupt übertragen werden können. Von Nierentransplantationen hast du bestimmt schon einmal gehört, oder? Aber wusstest du, dass auch Herz, Leber und Lunge übertragen werden können?

Auch einzelne Knochen wie beispielsweise die Gehörknöchelchen oder Adern* können transplantiert werden. Selbst die Übertragung von Geweben, wie Haut oder die Hornhäute der Augen und Herzklappen, ist möglich. Die Transfusion von Blut oder Plasma kennst du bestimmt auch.

Leider kann nicht jeder Organspender einem beliebigen Empfänger ein Organ zur Verfügung stellen. Oftmals kommt es nämlich zur Abstoßung des transplantierten Organs. Aber warum ist das eigentlich so?

Das liegt daran, dass das übertragene Organ vom Körper des Empfängers als fremd erkannt wird. Das Immunsystem erkennt bestimmte Oberflächenstrukturen des fremden Organs und löst darauf hin eine Immunreaktion aus. Die Abstoßung eines Organs ist also nicht etwa eine falsche Reaktion des Körpers, sondern vielmehr eine völlig normale Reaktion eine gesunden Immunsystems, wenn es fremde Antigene erkennt.

Neben der Blutgruppe des AB0-Blutgruppensystems müssen auch bestimmte Gewebeeigenschaften für eine erfolgreiche Organübertragung übereinstimmen. Nahezu jede Körperzelle besitzt nämlich bestimmte Oberflächenproteine, die MHC- oder HLA-Proteine. Dabei steht MHC für major histocompatibility complex und HLA für human leukocyte antigen. Diese wirken bei einem transplantierten Organ als Antigen und können mit den MHC-Rezeptoren der T-Zellen des Immunsystems erkannt werden.

T-Killerzellen und Makrophagen werden durch die aktivierte T-Zelle aktiviert. Das transplantierte Organ wird zerstört. Man sagt auch, dass das Organ abgestoßen wird. Zu einer solchen Abstoßung kommt es nicht, wenn Spender und Empfänger genau die gleichen MHC-Proteine haben. Das ist allerdings nur bei eineiigen Zwillingen oder Mehrlingen der Fall.

Ansonsten achtet man bei der Auswahl von geeigneten Organspendern darauf, dass die MHC-Proteine möglichst ähnlich sind. Nahe Blutsverwandte haben beispielsweise sehr ähnlich MHC-Proteine. Alternativ kann auch in internationalen Datenbanken nach geeigneten Spendern und Empfängern von Organen gesucht werden.

Dabei musst du dir aber klarmachen, dass die MHC-Proteine durch 2000 Genen codiert sind und von jedem Gen bis zu 50 Allele bekannt sind. Dadurch wird die Vielzahl an Kombinationen der verschiedenen Allele deutlich. Und das macht es oftmals gar nicht so einfach, einen passenden Spender für ein Organ zu finden.

Die Reaktion des Immunsystems hängt also von der Ähnlichkeit der MHC-Proteine ab. Je ähnlicher sich die MHC-Proteine sind, desto schwächer ist die zu erwartende Immunreaktion auf ein transplantiertes Organ.

Außerdem hängt die Stärke der Immunreaktion auch von dem übertragenen Organ ab. Beispielsweise verläuft die Transplantation von Hornhaut und Gehörknöchelchen meist ohne eine Immunreaktion ab, da deren Zellmembranen keine MHC-Proteine besitzen. Eine Transplantion einer Niere und die nachfolgende Immunreaktion verläuft weniger stark als z.B. eine Übertragung eines Herzens oder einer Leber.

Um die geschilderte Abwehrreaktion des Immunsystems zu unterdrücken, werden den Patienten bestimmte Medikamente verabreicht, die die Immunantwort unterdrücken. Solche Medikamente nennt man Immunsuppressiva. Dazu gehören zellteilungshemmende Stoffe, die die Vermehrung der Lymphocyten unterdrücken, oder auch Corticosteroide, die die Wirkung von Cytokininen verändern.

Das Hormon Cortison hemmt die Makrophagen und Lymphocyten. Das aus einem Pilz stammende Cyclosporin A wirkt spezifischer. Es hemmt die Signalübertragung von T-Lymphocyten und verhindert damit deren Aktivierung, beeinflusst aber nicht die B-Zellen.

Eine Folge solcher Medikamente ist aber gleichzeitig auch immer eine allgemeine Immunschwäche und damit eine erhöhte Anfälligkeit für Infektionen, die z.B. durch Pilze oder Bakterien ausgelöst werden, da mit solchen Medikamenten allgemeine Reaktionen des gesamten Immunsystems unterdrückt werden.

Zusammenfassung

Du weißt jetzt, was in einem Körper passiert, wenn er ein fremdes Organ transplantiert bekommt. Das Immunsystem erkennt bestimmte Oberflächenproteine, die MHC- oder HLA-Proteine, auf den Zellmembranen des Spenderorgans. Diese Proteine wirken als Antigen, bewirken die Bildung von Antikörpern und schließlich die Abstoßung des transplantierten Organs.

Bei gleichen MHC-Proteinen von Spender und Empfänger tritt eine solche Reaktion nicht auf. Meist unterscheiden sich die MHC-Proteine verschiedener Menschen aber und es muss darauf geachtet werden, dass sie sich möglichst ähnlich sind.

Nach der Transplantation werden zusätzlich Immunsuppressiva gegeben, die die Reaktion des Immunsystems unterdrücken, damit allerdings auch zu einer allgemeinen Immunschwäche und Infektanfälligkeit führen. Tschüss und bis zum nächsten Mal!

3 Kommentare
  1. Vielen Dank!
    Klar, macht Sinn wenn man das weiß ;)

    Von Simone Kissling, vor mehr als 4 Jahren
  2. Hallo Simone,
    das ist wirklich eine sehr gute Frage. Du hast ja bereits erfahren, dass in den meisten Fällen die MHC-Proteine auf den Organen, die den eigenen MHC-Proteinen nicht ähnlich sind, der Grund für eine Abstoßungsreaktion des Immunsystems sind. Also : Je mehr solcher MHC-Proteine vorhanden sind, desto stärker reagiert das Immunsystem durch die Aktivierung von T-Zellen. Bei Leber- und Herztransplantationen ist die Intensität der eingesetzten Immunsupressiva höher als bspw. bei Nieren-und Lebertransplantationen, was dafür spricht, dass bei ersteren eine stärkere Immunantwort erwartet wird.

    Von Serpil Kilic, vor mehr als 4 Jahren
  3. Wieso reagiert das Immunsystem weniger stark auf eine Niere, als auf das transplantierte Herz? :)

    Von Simone Kissling, vor mehr als 4 Jahren

Transplantation und Transfusion Übung

Du möchtest dein gelerntes Wissen anwenden? Mit den Aufgaben zum Video Transplantation und Transfusion kannst du es wiederholen und üben.

  • Beschreibe die Komplikationen, die bei einer Organtransplantation auftreten können.

    Tipps

    Vor jeder Operation wird man von den Ärzten über die Risiken aufgeklärt. Das Risiko einer Infektion oder Komplikation während der Narkose ist bei einer Organtransplantation nicht höher als bei anderen Operationen, kann aber auch nicht ausgeschlossen werden.

    Lösung

    Selbstverständlich birgt eine Organtransplantation für Empfänger und Spender gewisse Risiken. Das Risiko einer Infektion oder Komplikationen während der Narkose besteht jedoch bei jeder Art von Operation. Die Organtransplantation ist bezogen auf diese Komplikationen nicht riskanter als andere operative Eingriffe.

    Die größte Komplikation, die bei einer Organtransplantation auftreten kann, ist die Abstoßung eines Organs durch das Immunsystem des Empfängers. Unser Immunsystem erkennt fremde Oberflächenproteine auf Organen und zerstört das fremde Gewebe. Diese Funktion hilft uns Krankheitserreger zu überleben, doch im Falle der Organtransplantation muss die Immunreaktion gehemmt werden. Ansonsten würden sich Spender und Empfänger in Gefahr bringen und für den Empfänger würde die Transplantation keine Besserung des gesundheitlichen Zustands bedeuten.

  • Bestimme die Organe, die transplantiert werden können.

    Tipps

    Die drei Gehörknöchelchen Hammer, Amboss und Steigbügel sind kleine Knochen im Mittelohr.

    Manche Organe können noch nicht vollständig transplantiert werden.

    Lösung

    Heutzutage ist die Medizin dazu in der Lage sämtliche Organe zu verwerten. Hierzu gehören die Organe Niere, Herz, Lunge, Leber und auch Gehörknöchelchen. Auch Gewebe ist transplantierbar. So können Gefäße, Adern und auch die Haut gespendet werden.

    Einige Organe kann man nicht vollständig transplantieren. Die Hornhaut des Auges gehört zu den Organen, die transplantiert werden können. Das vollständige Auge konnten Mediziner noch nicht transplantieren.

  • Bestimme die spezifischen Wirkungen der Immunsuppressiva.

    Tipps

    Immunsuppresiva sind Medikamente, die die Immunreaktion des Körpers unterdrücken. Diese werden bei Transplantationen verschrieben, um die Wahrscheinlichkeit einer Abstoßung des fremden Organs zu verringern.

    Lösung

    Nach der Organtransplantation werden dem Patienten Medikamente verabreicht, die die Immunantwort des Körpers unterdrücken. Hierbei werden sogenannte Immunsuppressiva eingesetzt, die gezielt die Bestandteile des Immunsystems unwirksam machen, damit das fremde Organ nicht abgestoßen wird. Die meisten Immunsuppressiva hemmen hierfür die Wirkung der Lymphozyten. Hierzu gehören die T- und die B-Lymphozyten, die Killerzellen und die Makrophagen.

    Sehr häufig wird den Patienten Cortison verabreicht. Bei Cortison handelt es sich um ein Hormon und ein Medikament zugleich, denn es wird von der Nebennierenrinde gebildet und zählt heute zu den Wirkstoffen, die aufgrund ihrer entzündungshemmenden Wirkung als Immunsuppressiva eingesetzt werden.

  • Definiere einige Bestandteile der Immunreaktion des menschlichen Körpers.

    Tipps

    T- und B-Lymphozyten werden abgekürzt auch T-Zellen und B-Zellen genannt.

    Lösung

    Das menschliche Immunsystem ist ein komplex funktionierendes Abwehrsystem, das uns gegen Krankheitserreger schützt, die in unseren Körper eindringen.

    Dieser Abwehrmechanismus geschieht mithilfe von unterschiedlichen Zellen, die die Erreger erkennen und beseitigen. Zu den Zellen gehören bspw. die Lymphozyten, die eine Untergruppe der Leukozyten sind, und die Makrophagen. Bei Makrophagen handelt es sich um Fresszellen, die fremde Zellen erkennen und fressen. Die Lymphozyten unterscheiden sich auch in ihrer Wirkung. Während die T-Lymphozyten sofort auf Erreger reagieren, bilden die B-Lymphozyten spezifische Antikörper gegen die fremden Antigene und beseitigt sie mithilfe dieser.

    Die Gedächtniszellen sorgen dafür, dass die fremden Erreger bei einem erneuten Eindringen schneller erkannt und beseitigt werden. Sie werden vom Immunsystem gebildet, während eine Immunreaktion stattfindet.

  • Bestimme die Voraussetzungen für eine Organspende.

    Tipps

    Für eine Lebendspende muss man volljährig sein.

    Für eine Organ- und Gewebespende kann man sich laut Transplantationsgesetz ab dem 16.Lebensjahr entscheiden. Bereits mit 14 Jahren kann man einer Spende widersprechen.

    Lösung

    Die wichtigste Voraussetzung für eine Spende ist der Gesundheitszustand des Spenders. Die körperliche Tauglichkeit ist von Bedeutung, weil der operative Eingriff auch für den Spender eine Belastung darstellt. Die zu transplantierenden Organe müssen gesund und funktionsfähig sein. Damit das Organ von dem Empfänger nicht abgestoßen wird, müssen sich die MHC-Proteine bei Spender und Empfänger ähneln.

    Für eine Organspende kann man sich bereits ab dem 16.Lebensjahr entscheiden. Wenn sich die Eltern schon früher für oder gegen eine Spende entschieden haben, hat das Kind das Recht ab dem 14. Lebensjahr zu widersprechen. Ab dem 16. Lebensjahr kann man sich ohne die Zustimmung der Eltern für eine Organ- und Gewebespende entscheiden. Auch ohne Spenderausweis ist eine Spende nach dem Hirntod möglich. Wenn der Hirntod von mehreren Ärzten zweifelsfrei festgestellt wurde, können die Angehörigen sich für oder gegen eine Organspende entscheiden. Mit einem Organspendeausweis wird den Angehörigen diese Entscheidung abgenommen.

    .

  • Definiere das AB0-System.

    Tipps

    Wenn Antigen und Antikörper übereinstimmen, würde das Blut verklumpen.

    Lösung

    Damit das Blut nicht verklumpt, dürfen die Antigene und die Antikörper im Blut nicht übereinstimmen. Die Blutgruppe einer Person wird anhand der Oberflächenstruktur der Erythrozyten bestimmt.

    Wenn die Erythrozyten Antigen A besitzen, handelt es sich also um die Blutgruppe A. Wenn die Antikörper gegen das Antigen A reagieren würden, würde das Blut verklumpen. Die Blutgruppe A hat demnach nur Antikörper gegen das Antigen B. Die Blutgruppe B besitzt Antikörper gegen das Antigen A. Die Blutgruppe AB hat keine Antikörper, da es sowohl das Antigen A als auch das Antigen B besitzt. Die Blutgruppe 0 besitzt keine Antigene, aber die Antikörper gegen A und B.