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Altruistisches Verhalten 06:41 min

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Transkript Altruistisches Verhalten

Hallo! Laut Darwins Evolutionstheorie ist die Hauptmotivation für das Handeln von Lebewesen, sich selbst fortzupflanzen und ihr genetisches Material weiterzugeben. Altruistisches Verhalten scheint dieser Theorie jedoch zunächst zu widersprechen. Was man unter Altruismus versteht, lernst du in diesem Video. Wir schauen uns Definition und Beispiele, die Theorie der Verwandtenselektion, die Hamilton-Ungleichung und den reziproken Altruismus an. Beginnen wir mit einer Definition: Altruismus bezeichnet selbstloses Verhalten zum Vorteil von Gruppen- oder Koloniemitgliedern. Das Verhalten ist also uneigennützig und steht im Kontrast zum Egoismus. Es nützt einem anderen Individuum, während es dem sich altruistisch verhaltenden Individuum eventuell sogar schadet. Schauen wir uns das anhand von ein paar Beispielen an. Wenn du schon mal in den Alpen wandern warst, kennst du bestimmt die schrillen Pfiffe der Murmeltiere. So warnen Murmeltiere ihre Familienmitglieder vor Gefahr. Das warnende Individuum verrät durch den Pfiff seinen Standort und geht ein selbstloses Risiko ein, damit die anderen Murmeltiere sich in Sicherheit bringen können. Die kleinen Zwergmangusten aus ostafrikanischen Ländern zeigen dasselbe Verhalten und stürzen sich manchmal sogar auf den Feind. Bei sozialen Insekten wie Termiten, Bienen und Ameisen pflanzt sich meist nur eine Königin fort, während die Arbeiterinnen deren Nachwuchs umsorgen und unter Einsatz ihres Lebens beschützen. Dieses staatenbildende Verhalten wird unter dem Begriff „Eusozialität“ zusammengefasst. Auch die unterirdisch lebenden Nacktmulle, kleine Säugetiere, leben als Familien mit einer sich fortpflanzenden Königin. Viele Vogelarten gehören zu den sogenannten „kooperativen Brütern“ oder „Helfergesellschaften“. Das heißt, ältere Geschwister helfen ihren Eltern bei der Aufzucht von jungen Küken statt sich ein eigenes Revier zu suchen. Diesen Altruismus zwischen Verwandten bezeichnet man auch als „nepotistischen Altruismus“. Wie lässt sich altruistisches Verhalten erklären? Auf den ersten Blick steht es im krassen Gegensatz zu Darwins Evolutionstheorie. Diese fußt auf der Annahme, dass sich immer jene Individuen direkt fortpflanzen, die am besten an ihre Umweltbedingungen angepasst sind. Wie kann sich altruistisches Verhalten evolutionär durchsetzen, wenn es doch nicht genetisch weitergegeben werden kann? Einen Erklärungsversuch lieferte William Hamilton mit seiner Theorie der Verwandtenselektion. Diese besagt, dass Individuen ihre Gene auch über nahe Verwandte weitergeben können. Können durch Hilfeleistung mehr Kopien der eigenen Gene vererbt werden als durch die eigene Vermehrung, setzt sich dieses Verhalten durch. Diese indirekte Fitness addiert sich mit der direkten Fitness durch die eigene Fortpflanzung zur Gesamtfitness. Die sogenannte Hamilton-Ungleichung besagt, dass uneigennütziges Verhalten vor allem zu erwarten ist, wenn die Kosten für den Altruisten geringer sind als der Nutzen für den Empfänger und wenn beide möglichst nah miteinander verwandt sind. Es folgt also: K < r • N. r ist hier der Verwandtschaftskoeffizient. Bei zwei Eltern liegt die Wahrscheinlichkeit, dass ein Allel weitergegeben wird, bei 50%. Mit der Anzahl von Generationen L nimmt der Verwandtschaftsgrad ab. r ist also 0,5 L. Doch nicht nur unter Verwandten kommt es zu selbstlosem Verhalten. Zum Beispiel Vampirfledermäuse füttern sich unabhängig vom Verwandtschaftsgrad gegenseitig mit Blut. Das ist wichtig, da sie nicht lange ohne eine Mahlzeit auskommen, in manchen Nächten aber leer ausgehen. Das genetische Material der Individuen, die sich gegenseitig füttern, setzt sich also evolutionär durch. Dieses überlebenswichtige gegenseitige Helfen bezeichnet man als „reziproken Altruismus“. Fassen wir noch einmal zusammen: Unter Altruismus versteht man selbstloses Verhalten zum Vorteil der Gruppen- oder Koloniemitglieder, welches teilweise nachteilig für den Altruisten ist. Mit Evolutionstheorien in Einklang gebracht werden kann er mit der Theorie der Verwandtenselektion von Hamilton. Diese fußt auf der Annahme, dass sich die Gesamtfitness aus der Summe von direkter und indirekter Fitness ergibt. Die Hamilton-Ungleichung besagt, dass altruistisches Verhalten am wahrscheinlichsten ist, wenn K < r • N gilt, also die Kosten für den Altruisten kleiner sind als der Verwandtschaftskoeffizient mal dem Nutzen für den Empfänger. Helfen sich Individuen gegenseitig unabhängig vom Verwandtschaftsgrad, spricht man vom reziproken Altruismus. Ich hoffe, du hast viel gelernt. Tschüss!

4 Kommentare
  1. Serpil

    Hallo Kevin,
    die Tit for tat-Strategie ist Bestandteil der Theorie des reziproken Altruismus. Dieser wird meist als nicht altruistisch angesehen, da die Theorie annimmt, dass eine zeitversetzte und abwechselnde, gegenseitige Unterstützung zwischen Individuen stattfindet. Es handelt sich dabei also nicht um ein uneigennütziges Verhalten, viel mehr ziehen alle beteiligten Individuen einen Vorteil daraus.
    Ich hoffe, das hilft dir weiter.
    Viele Grüße aus der Redaktion!

    Von Serpil Kilic, vor etwa 2 Jahren
  2. Default

    Dieses Video umfasst aber nicht das komplette Thema Altruismus .
    Was ist mit der tit for tat Regel.
    Altruismus bei Menschen?
    usw

    Von Kevinj931, vor etwa 2 Jahren
  3. Serpil

    Hallo Robert,
    bei Ameisen konnte man feststellen, dass die Ameisenkönigin Pheromone ausschüttet, die die Arbeiterinnen in ihrer Nähe unfruchtbar machen. Die Königin selber und ihre Eier sind von diesem Duft umgeben. So sind die Arbeiterinnen bei Bestehen dieses Duftes gar nicht in der Lage nicht altruistisch zu leben. Das würde dann wahrscheinlich auch nicht vorteilhaft für sie sein, weil sie ohne den Altruismus ihre Gene nicht verbreiten könnten.

    Von Serpil Kilic, vor mehr als 3 Jahren
  4. Default

    Wie kommt es zu altruistischem Verhalten bei Tieren wie Ameisen, wenn dieses nicht genetisch vererbt wird ? Sie werden das wohl kaum durch beobachten erlernt haben ??

    Von Robert F., vor mehr als 3 Jahren