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Proximate und ultimate Ursachen 05:58 min

Textversion des Videos

Transkript Proximate und ultimate Ursachen

Hallo! In einem Löwenrudel hat es einen Machtwechsel gegeben. Der alte Rudelführer wurde von einem jüngeren, stärkeren verdrängt. Der neue Rudelführer zeigt jetzt ein ganz bestimmtes Verhalten, das Infatizid genannt wird. Es kommt dazu, dass er alle Löwenbabys in seinem Rudel tötet. Warum? Wozu?

Zum einen ist es die Situation selbst, die bewirkt, dass der Löwe so handelt und zum andern steckt dieses Verhalten bereits fest verankert in ihm. In diesem Video tauchen wir ein in die Verhaltensbiologie und lernen die Unterscheidung zwischen proximaten und ultimaten Ursachen kennen.

Proximate Ursachen

Beginnen wir mit den proximaten Ursachen, die auch als aktuelle Ursachen bezeichnet werden. Sie lassen sich in einem Experiment besonders einfach untersuchen. Hier ein Beispiel: Es ist Frühling, die Sonne ist gerade aufgegangen, ein Singvogel stimmt sein Lied an und trällert vor sich hin. Warum macht er das?

In Experimenten kann man untersuchen, welche Schlüsselreize, also welche bestimmte Ursache, den Gesang des Vogels auslöst. Man könnte etwa einen künstlichen Sonnenaufgang simulieren, um herauszufinden, ob das ein Auslöser für den Gesang ist.

Auf der physiologischen Ebene haben Forscher herausgefunden, dass das Verhalten mit einer Veränderung des Hormonspiegels zusammen hängt, der wiederum von den länger werdenden Tagen im Frühling gesteuert wird.

Unser Singvogel singt also nicht, weil er findet, dass der Frühling eine hübsche Jahreszeit ist und es also nicht schaden kann, ein fröhliches Lied zu pfeifen. Nein, er singt, weil sein Hormonspiegel - ausgelöst von den längeren Tageszeiten - dieses Verhalten in ihm auslöst.

Proximate Ursachen sind also unmittelbare Gründe, die genau in einer Situation wirken. Oft werden proximate Ursachen auch als Wirkursachen bezeichnet. Oft spielen Schlüsselreize dabei eine Rolle. Warum flieht die Maus vor der Katze?

Unmittelbare Ursache für das Verhalten ist das Erblicken der Katze. Das Erblicken der Katze ist der Schlüsselreiz. Aber natürlich hat die Flucht der Maus auch eine tieferen Grund: Ihr Drang am Leben zu bleiben löst das Fluchtverhalten aus.

Ultimaten Ursachen

Das bringt uns zu den ultimaten Ursachen, auch als grundlegende evolutive Ursachen bezeichnet. Im Beispiel mit der Maus hat sich im Verlauf der Zeit ein vererbbares Verhaltensmuster programmiert.

Mäuse, die vor Gefahren wie Katzen geflohen sind, haben.- weil sie überlebt haben - im Schnitt öfter die Chance gehabt, sich fortzupflanzen. So hat sich dieses Verhaltensmuster „Flucht vor der Katze“ in der nächsten Generation öfter weiterverebt. Das Fluchtverhalten steckt also bereit fest verankert in den nachfolgenden Generationen. Die ultimative Ursache für das Fluchtverhalten der Maus ist also, dass sie damit ihre Chance, sich fortzupflanzen erhöht.

Ultimative Ursachen werden auch als grundlegende Ursachen oder Zweckursachen bezeichnet. Sie stehen meist im Zusammenhang mit evolutionsbiologischen Vorteilen. Anders als die proximaten Ursachen, lassen sich die ultimaten Ursachen oft nicht so einfach durch Experimente untersuchen.

In unserem Beispiel mit dem Singvogel gibt es natürlich aber auch eine ultimate Ursache. Aufgrund der Veränderungen im Hormonspiegel fängt unser Vögelchen an zu singen. Aber natürlich ist sein Gesang kein Selbstzweck, es ist ein Paarungsgesang. Unser Vogel will damit Weibchen anlocken, um sich zu paaren.

Die ultimate Ursache lässt sich also so beschreiben: Der Vogel singt, weil er Nachkommen zeugen und somit seine Gene weitergeben will. Die ultimativen Ursachen stehen also im Zusammenhang mit dem Nutzen für das Individuum - also mit dem eigenen Überleben oder der Weitergabe seiner Gene.

Weitere Beispiele

Und wie war das mit dem Löwen? Sein grausames Verhalten hat auch proximate und ultimate Ursachen. Er tötet die Löwenbabys, weil sicherlich Schlüsselreize, also proximate Ursachen, wie der Geruch der kleinen Löwenbabys, dieses Verhalten in ihm auslösen. Die ultimate Ursache steht im Zusammenhang mit der eigenen Fortpflanzung.

Als neuer Rudelführer steht es ihm zu, seine eigenen Gene mit allen Löwinnen weiter zu geben. Denn das ist ein Vorrecht des obersten Löwen. Mit dem fehlen der Löwenbabies werden die Löwinen schneller wieder empfangsbereit und es wurde verhindert, dass die Gene des alten Anführers sich über die Löwenbabies noch verbreiten können. Nun kann sich der neue Rudelführer fortpflanzen.

Zusammenfassung

Bei den Ursachen für ein bestimmtes Verhalten unterscheidet man zwischen proximaten und ultimaten Ursachen. Proximate Ursachen nennt man auch Wirkursachen. Sie stehen oft im Zusammenhang mit Schlüsselreizen.

Ultimate Ursachen nennt man auch Zweckursachen; sie sind experimentell weniger leicht zu erforschen. Sie stehen meist im Zusammenhang mit der Überlebens- oder Fortpflanzungsrate des Individuums.

Beobachte das Verhalten von Tieren! Kannst du dir vorstellen, was die proximaten und ultimaten Ursachen sein könnten? Tschüss und bis zum nächsten Mal!

2 Kommentare
  1. Es wäre hilfreich, die proximaten und ultimaten Ursachen noch einmal an anderen Beispielen auf Zellebene zu erklären, zum Beispiel an der Phospfructokinaseregulation.
    Ansonsten sehr gelungen!

    Von Karo Vennemann, vor mehr als 4 Jahren
  2. Sehr hilfreich :)

    Von Famya Ahmad, vor mehr als 4 Jahren

Proximate und ultimate Ursachen Übung

Du möchtest dein gelerntes Wissen anwenden? Mit den Aufgaben zum Video Proximate und ultimate Ursachen kannst du es wiederholen und üben.

  • Gib an, was unter proximaten und ultimaten Ursachen zu verstehen ist.

    Tipps

    Ultimate Ursachen des Verhaltens sind meist evolutiv bedingt und dienen in der Regel dem Erhalt einer Art.

    Proximate Ursachen stehen unter dem Einfluss des Stoffwechsels, also z.B. dem Hormonspiegel, welche durch äußere Reize (z.B. der Jahreszeit) beeinflusst werden.

    Lösung

    Warum verhält sich ein Tier so, wie es sich verhält? Um diese Frage zu beantworten, werden Verhaltensweisen in direkte (proximate) und indirekte (ultimate) Ursachen unterschieden.

    Proximate Ursachen sind aktuelle Ursachen. Ein (Schlüssel)Reiz löst hierbei ein direktes Verhalten aus. Dafür gibt es unmittelbare Ursachen (z.B. Hormonspiegel). Proximate Ursachen werden auch als Wirkursachen bezeichnet.

    Ultimate Ursachen sind meist evolutiv bedingt und sind grundlegende Ursachen. Ultimate Ursachen erhöhen die Fitness und sorgen dafür, dass das Genmaterial weitergegeben wird, was nicht zuletzt dem Erhalt der Art dient. Sie werden auch als Zweckursachen bezeichnet.

  • Definiere den Begriff Schlüsselreiz.

    Tipps

    Der Schlüsselreiz für das Singen männlicher Vögel im Frühjahr oder das Quaken männlicher Frösche im Frühjahr ist die zunehmende Tageslänge.

    Lösung

    Ein Schlüsselreiz löst ein bestimmtes Verhalten aus. Dieses Verhalten kann instinktiv sein. Ein solcher Reiz wird auch als Auslöser bezeichnet.
    Ein Schlüsselreiz wird meist als einfach, auffällig und eindeutig beschrieben.

    Als Beispiel hast du die zunehmende Tageslänge als Schlüsselreiz für das Singen männlicher Vögel kennengelernt.

  • Ermittle die Vier Grundfragen der Biologischen Forschung nach Nikolaas Tinbergen.

    Tipps

    Die proximaten Ursachen für Verhalten sind aktuelle, unmittelbare Wirkursachen. Sie umfassen die ersten beiden Analyseebenen nach Tinbergen, also diejenigen nach den Mechanismen und nach der Ontogenese des Individuums.

    Ultimate Ursachen sind grundlegend und stellen evolutive Zusammenhänge her. Die Frage 3 (Funktion) und 4 (Phylogenese) nach Tinbergen sind ultimate Ursachen.

    Lösung

    Verhalten hat niemals nur eine Ursache und lässt sich demnach aus nicht monokausal erklären. Meist lassen sich mehrere proximate und ultimate Ursachen für eine bestimmte Verhaltensweise feststellen. Das Verhalten von Tieren mit einem einfacheren Nervensystem ist hierbei einfacher zu analysieren.

    Die Vier Grundfragen der Biologischen Forschung nach Nikolaas Tinbergen zeigen deutlich, dass Verhalten auf unterschiedlichen Ebenen analysiert werden kann:

    1. Auf der Ebene der Mechanismen, sowohl im Inneren des Individuums als auch äußere Bedingungen (z.B. Schlüsselreize).
    2. Auf der Ebene der Ontogenese, also die Entwicklungsprozesse des Individuums, z.B. im Hinblick auf Lernprozesse und Lebensphasen.
    3. Auf der Ebene der Funktion und somit dem Nutzen des Verhaltens für das Individuum.
    4. Auf der Ebene der Phylogenie, welche sich auf den Selektionsvorteil des Individuums beziehen und begründen, was das Verhalten im Verlauf der Stammesgeschichte begünstigt hat.
    Die Analyseebenen 1 (Mechanismus) und 2 (Ontogenese) hinterfragen proximate Ursachen. Die Fragen 3 (Funktion) und 4 (Phylogenie) beschäftigen sich mit den ultimativen Ursachen von Verhalten.

    Während sich proximate Ursachen meist in Experimenten überprüfen lassen, sind ultimate Ursachen experimentell schwieriger nachzuweisen und deshalb meist Hypothesen.

  • Bestimme für ausgewählte Beispiele die proximaten und ultimaten Ursachen.

    Tipps

    Proximate Ursachen stehen oft im Zusammenhang mit Schlüsselreizen, welche ein bestimmtes Verhalten auslösen. So ist der Schlüsselreiz für männliche Frösche, die im Frühjahr zu quaken beginnen, die zunehmende Tageslänge.

    Lösung

    Proximate Ursachen sind aktuelle Ursachen. Sie lassen sich in einem Experiment meist leicht feststellen und umfassen Schlüsselreize, welche ein bestimmtes Verhalten auslösen.
    Ein Vogel singt im Frühling, weil sich sein Hormonspiegel ändert (proximate Ursache), ausgelöst von den längeren Tagen des Frühlings (Schlüsselreiz).
    Eine Maus flieht vor der Katze (Schlüsselreiz), weil sie am Leben bleiben möchte.
    Der neue Alpha-Löwe tötet alle Jungen des Rudels, was vermutlich von Schlüsselreizen wie dem Geruch der Löwenbabys ausgelöst wird.

    Ultimate Ursachen sind evolutive und grundlegende Ursachen. Hier steht die Frage nach dem biologischen Zweck im Vordergrund.
    In allen drei Beispielen sorgen ultimate Ursachen dafür, die Weitergabe der eigenen Gene zu sichern.

  • Arbeite heraus, wie Schlüsselreize bei Tieren untersucht werden.

    Tipps

    Schlüsselreize lösen ein bestimmtes Verhalten aus. Sie sind in Experimenten meist gut nachzuweisen.

    Werden Tiere in ihrer natürlichen Umgebung beobachtet, lassen sich Schlüsselreize in der Regel nicht feststellen. Auch mikroskopische Untersuchungen helfen eher nicht dabei herauszufinden, welche Merkmale eine bestimmte Verhaltensweise auslösen.

    Lösung

    Um Schlüsselreize bei Tieren zu untersuchen, benutzen Forscher meist Attrappenversuche. Die Attrappe ist eine naturgetreue Nachbildung. Sie kann ein bestimmtes Objekt, einen Fressfeind, ein Beutetier oder einen potenziellen Paarungspartner darstellen. Die anfangs sehr realistische Attrappe wird nach und nach vereinfacht, um den spezifischen Schlüsselreiz herauszufinden.

    Vogelbabys wird zum Beispiel eine Attrappe der Vogelmutter gezeigt, was das Aufsperren der Schnäbel auslöst. Die Attrappe wird nun in Form, Größe, Farbe usw. vereinfacht. Ein mögliches Ergebnis dieses Experimentes könnte sein, dass der Schlüsselreiz für das Aufsperren der Schnäbel in der rötlichen Farbe des Schnabels der Mutter liegt und die Attrappe zum Schluss nur noch zwei rote Dreiecke umfasst.

  • Begründe Verhaltensweisen im Hinblick auf proximate und ultimate Ursachen.

    Tipps

    Proximate Ursachen fragen nach dem direkten Grund eines Verhaltens, ultimate Ursachen fragen nach dem evolutiven Zweck des Verhaltens.

    Lösung

    Jedes Verhalten hat proximate und ultimate Ursachen.

    Proximate Ursachen sind aktuelle Ursachen, welche im Zusammenhang mit Schlüsselreizen stehen. Die Gründe sind vielfältig und reichen von dem Vorhandensein von Muskeln über den Hormonspiegel bis zum Hungergefühl.

    Ultimate Ursachen sind evolutive und grundlegende Ursachen und hinterfragen den biologischen Zweck, welcher sich zumeist darin niederschlägt, das eigene Überleben zu sichern und die eigenen Gene an die nächste Generation weiterzugeben, also sich fortzupflanzen.