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„Emilia Galotti“ – Personenkonstellation (Lessing) 06:50 min

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Transkript „Emilia Galotti“ – Personenkonstellation (Lessing)

„Eine Rose gebrochen, ehe der Sturm sie entblättert.“ Mit diesen Worten stirbt Emilia in den Armen ihres Vaters. Auf ihr Drängen hin hat er sie erstochen.

Wer ist sie, die Titelfigur von Lessings bürgerlichem Trauerspiel, die sich selbst als Rose bezeichnet? Die lieber gebrochen als vom Sturm entblättert sein will? Und welche Personen sind daran beteiligt, dass es zu dieser Tragödie kommt?

Emilia Galotti

Emilia Galotti ist eine junge Frau aus einer bürgerlichen Familie. Sie steht kurz vor ihrer Hochzeit. Obwohl Emilia dem Stück seinen Titel verleiht und sich alles um sie dreht, tritt sie meist nur fremdbestimmt auf.

Wir erleben Emilia kaum als Handelnde, sondern als Objekt von unzähligen Gesprächen über sie, Wünschen und Erwartungen an sie sowie Projektionen auf sie.

Was feststeht: Emilia ist sehr schön, sie ist auch klug und lebhaft. Sie verkörpert das Natürliche. Sie ist ein frommes und tugendhaftes Mädchen. Ihre Moralvorstellungen, an denen sie letztlich zugrunde geht, sind jedoch vor allem das Produkt ihrer Erziehung und des erstärkenden Bürgertums.

Claudia Galotti, Emilias Mutter

Da ist auf der einen Seite Claudia Galotti, ihre Mutter. Sie möchte der Tochter den Zutritt in die höfische Gesellschaft ermöglichen. Die Erziehung in der Stadt soll sie bilden und ihr gute Heiratschancen vermitteln.

Claudia ist eine scharfsinnige und mitfühlende Frau. Innerhalb der Familie Galotti ist sie ihrem Mann Odoardo unterlegen, was vor allem deutlich wird, wenn sie ihn in der Öffentlichkeit mit “Sie” anspricht.

Sie versteht die Gefühle der Tochter. Sie ist auch diejenige, die als erste das Komplott des Prinzen durchschaut. Wenn sie von ihren Emotionen bestimmt ist, schrecken die Herrschaftsverhältnisse Claudia nicht ab. Sie sagt im Lustschloss, dem ländlichen Rückzugsort des Prinzen, offen, was sie denkt, ohne Furcht, dafür bestraft zu werden.

Odoardo Galotti, Emilias Vater

Auf der anderen Seite übt der Vater Odoardo starken Einfluss auf Emilia aus. Zwar lebt er von Mutter und Tochter getrennt auf dem Landgut, wo er ein hoher Offizier ist. Doch mit seiner strengen Tugend hat er die Tochter geprägt. Er fürchtet ihre Verführbarkeit und würde sie am liebsten stets überwachen.

Das Leben in der Stadt und die Welt des Adels verachtet er, weil er sie als materiell und oberflächlich empfindet. Der Prinz ist sein Feind. Umso mehr begrüßt er die bevorstehende Heirat seiner Tochter. Sie soll Emilia weg von Stadt und Adel führen. Innerhalb seiner Familie ist er ebenso wie der Prinz in seinem Fürstentum, der Alleinherrscher.

Graf Appiani, Emilias Bräutigam

Emilias Bräutigam ist der Graf Appiani, ein ehrlicher Mann. Er teilt die verantwortungsvollen, vernünftigen Moralvorstellungen des Bürgertums. Er möchte mit Emilia auf dem Land leben. Doch beim Überfall der Räuber auf die Kutsche wird er getötet.

Prinz von Guastalla

Gegenspieler der Galottis ist der Prinz. Er verkörpert den Adel. Der Prinz wird als empfindsamer Mensch gezeigt, nicht als kaltblütiger Herrscher. Er ist es gewohnt, dass seine Wünsche erfüllt werden. Seine Verliebtheit und sein sexuelles Begehren Emilias werden zur Besessenheit.

Um sie zu seiner Geliebten zu machen, ist der egoistische Prinz zu vielem bereit. Zwar möchte er nicht gewalttätig sein und auf keinen Fall Tote. Vor allem aber will der Prinz nicht die Verantwortung für die Taten übernehmen.

Auch nach dem Tod des Grafen hält er an seiner Besessenheit fest. Emilias Gefühle interessieren ihn dabei wenig. Er versteht die Tugendvorstellungen des Bürgertums nicht und merkt nichts von der sich anbahnenden Katastrophe. Insofern kann der Prinz als ignoranter, seine Macht ausnutzender Befehlshaber charakterisiert werden. Für Emilias Vater Odoardo ist der Prinz sein Feind.

Kammerherr Marinelli

Drahtzieher der Intrige und Berater des Prinzen ist der Kammerherr Marinelli. Anders als der Prinz hat er keine Skrupel. Er beauftragt die Räuber in Eigenregie und nimmt den Tod des Grafen in Kauf. Ob Marinelli tatsächlich ein Freund des Prinzen ist und ihm helfen will, oder ob er vor allem aus Karriereinteresse handelt, bleibt ungewiss. Jedenfalls tut er alles, um in der Gunst des Prinzen zu stehen. Er handelt dabei kaltblütig und berechnend.

Emilias Aufbegehren

Emilia, die so viel in den anderen Personen auslöst und selber kaum zu Wort kommt, darf erst in der letzten Szene Agierende und nicht Reagierende sein.

Anders als ihr Vater, der zaudert, begehrt sie nun auf. Sie pocht auf ihren freien Willen. Sie möchte nicht die Geliebte des Prinzen sein und so entehrt werden. Zugleich fürchtet sie ihre eigene Sinnlichkeit, ihr „jugendliches, so warmes Blut“.

Doch selbst ihr Wunsch zu sterben ist nicht wirklich als Akt ihres freien Willens zu sehen. Sie, die Rose, die lieber gebrochen als entblättert werden will, war von Anfang an Objekt der Erwartungen und Wünsche anderer. Und ein Opfer des herrschenden Gesellschaftssystems.

Noch jetzt orientiert sie sich an der strengen Moral des Vaters. Kurz vor ihrem Tod versucht sie seinen Wünschen zu entsprechen und fleht: „O mein Vater, wenn ich sie erriete!“

3 Kommentare
  1. Sehr gutes Video

    Von Kerstin Hasperg, vor mehr als 2 Jahren
  2. Ganz toll dargestellt

    Von Krautkraemer, vor fast 4 Jahren
  3. super

    Von Marion190257, vor etwa 4 Jahren

„Emilia Galotti“ – Personenkonstellation (Lessing) Übung

Du möchtest dein gelerntes Wissen anwenden? Mit den Aufgaben zum Video „Emilia Galotti“ – Personenkonstellation (Lessing) kannst du es wiederholen und üben.

  • Bestimme, inwiefern die Figuren mit Emilia in Verbindung stehen.

    Tipps

    Überlege noch einmal, wen der Prinz für Emilia fallen lässt.

    Versuche dich zu erinnern, wer Emilia am Ende umbringt.

    Lösung
    • Odoardo Galotti, Emilias Vater, ist der Alleinherrscher der Familie. Am Ende bringt er Emilia auf ihr Bitten hin um.
    • Der Prinz, Hettore Gonzaga, ist von Emilia besessen. Diese Besessenheit bezieht sich aber zu großen Teilen auf Emilias Aussehen.
    • Claudia Galotti, Emilias Mutter, ist ihre Vertraute, als der Prinz ihr seine Liebe gesteht. Sie wendet sich verwirrt an ihre Mutter.
    • Graf Appiani ist Emilias Verlobter. In der von Marinelli intrigierten Überfallszenerie wird er umgebracht.
    • Gräfin Orsina, die Mätresse des Prinzen, sieht in Emilia Konkurrenz. Sie ist eifersüchtig.
    • Marinelli, der Kammerherr und Berater des Prinzen, setzt alle Hebel in Bewegung, um Emilia für den Prinzen zu gewinnen.
  • Definiere, was dem Prinzen am wichtigsten in seinem Handeln ist.

    Tipps

    Wie führt der Prinz seine Machenschaften aus? Ist er Handelnder oder beauftragt er Bedienstete?

    Der Prinz möchte Emilia für sich gewinnen, aber eine Sache ist ihm in der gesamten Handlung noch wichtiger.

    Lösung

    Am wichtigsten ist es dem Prinzen, dass er keine Verantwortung übernimmt. Er möchte Emilia zwar für sich gewinnen, aber sich dabei auf keinen Fall die Hände schmutzig machen. Dabei nimmt er relativ wenig Rücksicht auf ihre Eltern. Er macht alles, um sein eigenes Glück zu erreichen, jedoch ist das nicht seine höchste Priorität.

    • Er beauftragt seinen Kammerherrn und Berater Marinelli mit den Belangen, die seine Eroberung betreffen.
    • So ist auch Marinelli derjenige, der den Überfall auf die Kutsche veranlasst.
    • Auf dem Lustschloss wird besonders deutlich, dass der Prinz keine Verantwortung übernehmen will. Lies die Szenen doch noch einmal nach.
  • Beschreibe die charakterlichen Eigenschaften von Emilias Eltern.

    Tipps

    Überlege noch einmal, wer als Erste die Geschehnisse kombiniert und somit die Intrige erschließt.

    Die gleiche Person, die den Adel verachtet, sieht auch im Prinzen das Feindbild.

    Lösung

    • Claudia Galotti ist mutig und scharfsinnig. Sie scheut nicht davor zurück, zu sagen, was sie denkt. Außerdem kombiniert sie die Geschehnisse im Lustschloss Dosalo und erschließt die Intrige als erste.
    • Sie erhofft sich gute Heiratschancen für Emilia, ist aber auch mitfühlend, als Emilia ihr ihre Verwirrung nach dem Liebesgeständnis des Prinzen schildert.
    • Odaordo verachtet in erster Linie den Adel und sieht deshalb den Prinzen als Feind an. Er ist nicht mit dem Lebensstil des Adels einverstanden.
    • Außerdem hat er strenge moralische Vorstellungen, die er als Familienoberhaupt durchsetzt.
    Odaordo ist das Oberhaupt der Familie und setzt im familiären Rahmen eine kleinere Form von absolutistischer Herrschaft durch. Er setzt seinen Willen durch und übt starken Druck auf seine Frau und seine Tochter aus.

  • Analysiere den unten stehenden Textauszug aus „Emilia Galotti”.

    Tipps

    Überlege noch einmal, was an „Die Gabe zu beten ist nicht immer in unserer Gewalt. Dem Himmel ist beten wollen auch beten.” abzulesen sein könnte.

    Lösung

    • Emilia handelt nicht aktiv sondern passiv. Sie muss etwas hören statt es bewusst hören zu wollen.
    • Claudia ist mitfühlend und interessiert an ihrer Tochter.
    • Trotzdem bestimmt sie, was Emilia zu wollen und nicht zu wollen hat.
    • Beide sind gläubig und fromm, was an der Passage „Die Gabe zu beten ist nicht immer in unserer Gewalt. Dem Himmel ist beten wollen auch beten.” zu erkennen ist.
    • Emilia ist vor allem besorgt um ihre strenge Tugend, die das Produkt ihrer Erziehung ist. Alle ihre Gedanken und Entscheidungen basieren auf ihrer Erziehung.
    Erst am Schluss des Stücks handelt Emilia selbstbestimmt und will ihrem Leben ein Ende setzen, da sie keine Perspektive mehr für sich sieht.

    Quelle: Lessing, Gotthold Ephraim (1772): Emilia Galotti. URL: http://gutenberg.spiegel.de/buch/emilia-galotti-1174/4 [abgerufen am 28.05.2015].

  • Analysiere den Textausschnitt aus „Emilia Galotti”.

    Tipps

    Erinnere dich noch einmal an die Geschehnisse des Stücks. Auf wen setzte Marinelli Verbrecher an?

    Überlege noch einmal, mit welchen Absichten Marinelli handelt. Kann man damit auf Ehrlichkeit seinerseits schließen?

    Lösung

    In diesem Ausschnitt des Stücks unterhalten sich Claudia Galotti, Emilias Mutter, und Marinelli, der Kammerherr und Berater des Prinzen. Man kann deutlich sehen, wie hinterhältig Marinelli handelt. Er hat Verbrecher auf Emilias und Appianis Kutsche angesetzt und tut, als wäre Appiani sein Freund gewesen. Gleichzeitig ist aber auch erkennbar, wie scharfsinnig Claudia ist, da sie Marinelli sofort durchschaut und die letzten Worte des Verstorbenen Appiani richtig interpretiert. Sie klagt mutig seine Lügen an und weist darauf hin, dass Appiani nicht sein Freund sondern Feind gewesen ist. Claudia versucht, das Beste für ihre Tochter zu tun. Marinelli hingegen folgt den Befehlen des Prinzen, wobei nicht klar ist, welche Motive ihn noch leiten. Alles in allem handelt er hinterhältig und hat Appianis Tod zu verantworten.

    Quelle: Lessing, Gotthold Ephraim (1772): Emilia Galotti. URL: http://gutenberg.spiegel.de/buch/emilia-galotti-1174/8 [abgerufen am 28.05.2015, 15:45 Uhr]

  • Stelle Zusammenhänge zwischen Ursache und Wirkung einzelner Handlungen der Figuren dar.

    Tipps

    Überlege noch einmal, wie das Stück ausgeht. Weshalb will Emilia sterben?

    Versuche, dich zu erinnern, wer Appianis Tod zu verantworten hat.

    Lösung

    Lessings „Emilia Galotti” besteht aus einigen sehr unterschiedlichen Charakteren:

    • Claudia Galotti, Emilias Mutter, ist die Erste, die die Intrigen des Prinzen durchblickt. Sie fühlt mit ihrer Tochter und möchte nur das Beste für sie.
    • Odoardo Galotti hasst den Adel, da er die verschwenderische Art und die Konsumsucht nicht ausstehen kann. Deshalb sieht er den Feind in Hettore Gonzaga und will auch nicht, dass seine Tochter ihn heiratet.
    • Der Prinz möchte Emilia heiraten, jedoch mit so wenig Aufwand wie möglich und vor allem ohne für seine Intrigen Verantwortung zu übernehmen.
    • Marinelli ist so berechnend, dass es ihm nichts ausmacht, Graf Appiani kaltblütig aus dem Weg zu räumen.
    • Im ganzen Stück muss Emilia ertragen, wie alle über ihren Kopf hinweg entscheiden und sie dadurch zur Marionette wird. Am Ende möchte sie jedoch nicht die Geliebte des Prinzen sein und deshalb sogar sterben.
    Alle Handlungen beeinflussen sich auch wechselseitig und funktionieren nicht ohne die Reaktionen der jeweils anderen Figuren.