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„Die Räuber“ – Personenkonstellation 05:50 min

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Transkript „Die Räuber“ – Personenkonstellation

“Ich habe große Rechte, über die Natur ungehalten zu sein, und bei meiner Ehre! Ich will sie geltend machen. - Warum bin ich nicht als erster aus dem Mutterleib gekrochen? Warum nicht der Einzige? Warum musste sie mir diese Bürde von Hässlichkeit aufladen?” Mit diesen Worten rechtfertigt Franz von Moor seine Taten zu Beginn von Friedrich Schillers “Die Räuber”.

Er fühlt sich vom Schicksal benachteiligt und sorgt dafür, dass sein Bruder Karl vom Vater, Maximilian von Moor, verstoßen wird. Diese Dreierbeziehung zwischen Vater, Franz und Karl ist die wichtigste und Interessanteste, wenn man sich die Personenkonstellation in “Die Räuber” ansieht.

Franz von Moor

Versuchen wir zuerst die Figur des Franz von Moor etwas genauer zu umreißen. Wir haben schon herausgefunden, dass er sich von der Natur und dem Schicksal benachteiligt fühlt. Er ist der Zweitgeborene, hat damit kein Anrecht auf das Erbe. Alle Güter, wie das Schloss und die Finanzen, würden beim Tod des alten Moor seinem erstgeborenen Sohn Karl zufallen.

Franz ist somit auch nicht eigenständig, sondern vom Vater abhängig. Als wäre dies nicht genug, ist er auch noch hässlich und in die Verlobte seines Bruders, Amalia, verliebt. Amalia jedoch verachtet ihn und will nichts von ihm wissen. Hinzu kommt, dass der Vater Franz nicht wirklich liebt. Seine Mutter ist bei der Geburt von Franz ums Leben gekommen und der Vater musste beide Söhne alleine großziehen.

Da Karl der Lieblingssohn war, blieb Franz ohne große Liebe zurück. Doch quasi als Ausgleich für diese schlechten Eigenschaften ist Franz von außergewöhnlicher Intelligenz und hat einen heimtückischen Charakter. Das befähigt ihn dazu, Pläne gegen Vater und Bruder zu schmieden und auszuführen. Durch den Liebesentzug ist er ein kalt-rational denkender Mensch geworden, der stets nur auf seinen größten Vorteil bedacht ist.

Karl

Karl auf der anderen Seite hat von klein auf die Liebe des Vaters mit allen Vorzügen genossen. Entgegen der rationalen Haltung seines Bruders ist Karl emotional veranlagt. Er reagiert nicht berechnend, sondern impulsiv. Sein Studentenleben in Leipzig hat er in vollen Zügen genossen. Er lebte leichtsinnig und verschuldete sich.

Nun jedoch bereut er seine Taten und möchte sich beim Vater entschuldigen. Dies geschieht vor der eigentlichen Handlung des Dramas. Als Karl den vermeintlichen Brief seines Vaters - den Franz geschrieben hat - erhält, reagiert er wieder emotional. Er zweifelt an der Menschlichkeit an sich und beschließt aus Idealismus, der Anführer der Räuberbande zu werden.

Dieses Vorhaben gelingt ihm aufgrund seines Charismas und der Fähigkeit, zu leiten. Als Anführer der Räuberbande steht Karl schließlich im Spannungsfeld zwischen edlem Denken und kriminellem Handeln. Die beiden Brüder selbst verbindet keine sonderlich starke Bindung. Karl steht Franz gleichgültig gegenüber.

Wir erfahren nicht, wie es um seine Gefühle zu ihm bestellt ist. Franz jedoch beneidet Karl um dessen Geburtsrecht und ist eifersüchtig auf seine Schönheit und Wirkung auf andere. Die Verbindungsglieder der beiden sind Maximilian von Moor - der alte Moor - und Amalia, die Verlobte Karls.

Der alte Moor

Der alte Moor ist im Grunde ein gerechter Herrscher. Wir erfahren, dass das Volk ihm wohlgesinnt ist. Allerdings ist er ein Patriarch mit vielen menschlichen Schwächen. Er ist sehr leichtgläubig und lässt sich ebenso leicht beeinflussen, z.B. von Franz. Er ist beiden Söhnen nicht wirklich gewachsen. Das kann man daran erkennen, dass er Karl selbst dann noch nachgeben will, als er hört, dass dieser angeblich den Namen in den Schmutz gezogen hat.

Karl liebt seinen Vater sehr. Franz verachtet ihn, erkennt keinen Grund ihn lieben zu müssen und nutzt ihn solange, als er ihn braucht, aus. Alle drei verbindet, dass sie das patriarchalisch geprägte Familien- und Gesellschaftsmodell akzeptieren, ohne es zu hinterfragen.

Amalia

Amalia ist die Personifikation der reinen Liebe. Sie ist Karl stets treu, auch als Franz berichtet, dass Karl gestorben sei. Sie reagiert nicht auf Franz’ Annäherungsversuche. Die Liebe zu Karl geht allerdings so weit, dass sie ihm am Ende alles verzeiht. Als sie merkt, dass er wegen des Räuberschwurs nicht bei ihr bleiben kann, wünscht sie sich ihren eigenen Tod durch seine Hand.

Damit hätten wir die vier wichtigsten Figuren des Stückes knapp und kompakt nebeneinander gestellt. Sie sind es, die für die Haupthandlung wichtig sind. Die grundsätzlichen Positionen der einzelnen Protagonisten verändern sich dabei durch das Stück hindurch nicht.

Nur die Erkenntnis seiner Missetaten steht am Ende für eine Einsicht Karls, auch wenn es dort schon zu spät ist: “O über mich Narren, der ich wähnete die Welt durch Greuel zu verschönern, und die Gesetze durch Gesetzlosigkeit aufrecht zu halten. [...] Ich selbst muss für sie des Todes sterben.”

„Die Räuber“ – Personenkonstellation Übung

Du möchtest dein gelerntes Wissen anwenden? Mit den Aufgaben zum Video „Die Räuber“ – Personenkonstellation kannst du es wiederholen und üben.

  • Beschreibe die charakterlichen Eigenschaften der Brüder Moor.

    Tipps

    Der Bruder, der weniger geliebt wurde, ist auch rational. Hilft dir das weiter?

    Lösung

    Die Brüder Moor sind äußerst unterschiedlich. Außer der gemeinsamen Eltern teilen sie fast nichts.

    • Karl ist impulsiv und leichtsinnig. Damit einhergehend ist er auch emotional. Er könnte als der typische Stürmer und Dränger bezeichnet werden. Allerdings wurde er vom Vater mehr geliebt. Sein Vater verzeiht ihm alles, aber durch Franz' Intrige denkt Karl, dass er verstoßen wurde.
    • Franz im Gegenteil ist rational denkend. Man könnte meinen, dass er als Ausgleich zu allen negativen Eigenschaften mit Intelligenz gesegnet wurde. Die Mutter der Brüder starb bei seiner Geburt. Der Vater brachte ihm weniger Liebe entgegen als Karl.
    Die Moor-Brüder verdeutlichen, dass Blutsverwandtschaft nicht Hand in Hand mit Sympathie geht.

  • Gib an, welche Informationen auf Amalia zutreffen.

    Tipps

    Überlege noch einmal, wie Amalia reagiert, als Karl wieder auftaucht.

    Was löst es bei Amalia aus, als Karl ihr sagt, dass er wegen des Schwurs nicht bei ihr bleiben kann?

    Lösung

    • Amalia stellt in dem Stück die personifizierte Liebe dar. Als einzige weibliche Hauptfigur zwischen den Männern, hat sie keine andere Funktion, als Karl zur Seite zu stehen.
    • Amalia bleibt Karl von Moor über die gesamte Handlung hinweg treu. Selbst als Franz versucht, sie für sich zu gewinnen, geht sie nicht darauf ein.
    • Am Ende möchte Amalia sterben, weil sie nicht mit Karl zusammen sein kann. Karl ist für sie die einzige Person auf der Welt, die zählt.
    • Sie verzeiht ihm sogar, dass er geflohen ist und sich einer Räuberbande angeschlossen hat und Morde begeht.
    Letztendlich sieht sie Situation als ausweglos an. Sie setzt alle Hoffnung in den Tod.

  • Ermittle die Abfolge Karl von Moors Scheiterns.

    Tipps

    Überlege noch einmal, was in der Vorgeschichte des Dramas passiert.

    Überlege noch einmal, was Karls Einsicht am Ende des Stückes ist.

    Lösung

    Karl von Moor ist idealistisch, aber zum Scheitern verurteilt.

    1. Karl geht nach Leipzig zum Studium. Das passiert in der Vorgeschichte des Dramas. Dort lebt er in Saus und Braus und bittet danach seinen Vater in einem Brief um Verzeihung.
    2. Franz gibt dem Vater Fehlinformationen über Karls Verhalten. Der Vater ist trotzdem bereit, nachsichtig zu sein.
    3. Karl erhält einen Brief, der angeblich von seinem Vater stammt und ihn verstößt. Dabei wollte Maximilian dies gar nicht.
    4. Karl schließt sich der Räuberbande an. Er hat dabei eigentlich edle Absichten.
    5. Spiegelberg hat andere Absichten und es kommt zum Streit.
    6. Karl erkennt, dass er seine guten Vorhaben nicht in die Tat umsetzen kann. Damit ist er gescheitert.
  • Stelle Zusammenhänge zwischen Charaktereigenschaften und Handlungen einzelner Figuren dar.

    Tipps

    Überlege noch einmal, welche Ideale Karl von Moor hat.

    Treue und Zuverlässigkeit bedingen sich oft gegenseitig. Hilft dir das weiter?

    Lösung

    In „Die Räuber” hat Friedrich Schiller eine überschaubare Zahl an Figuren eingebaut, die jedoch verschiedene Charaktereigenschaften aufweisen.

    • Franz von Moor fälscht einen Brief seines Vaters, um seinen Bruder zu verletzen, weil er heimtückisch ist. Das wiederum ist auf den Liebesentzug zurückzuführen, dem er als Kind ausgesetzt war.
    • Karl von Moor schließt sich einer Räuberbande an, weil er armen Menschen helfen will. Er ist idealistisch und verfolgt edle Ziele.
    • Maximilian von Moor ist überfordert und kann nicht beiden Söhnen gleich viel Liebe entgegenbringen. Am Ende wird er auch wahnsinnig, weil Karl ihn in den Hungerturm einschließt, allerdings ist das nicht auf seine Überforderung zurückzuführen.
    • Amalia wartet auf Karl, obwohl dieser sich einer Räuberbande angeschlossen hat. Sie ist zuverlässig und stellt die personifizierte Liebe dar.
    • Spiegelberg ist bösartig und schließt sich der Räuberbande an, um Menschen zu ermorden. Dadurch entfacht er einen Streit mit Karl.
  • Gib wieder, warum Franz von Moor dafür sorgt, dass Karl von Moor vom Vater verstoßen wird.

    Tipps

    Überlege noch einmal, ob Amalia Franz' größtes Interesse ist.

    Lösung

    Franz von Moor fühlt sich in jeder Hinsicht benachteiligt. Als Zweitgeborener hat er keinen Erbanspruch.

    • Er hält diese Umstände für Schicksal.
    • Deshalb sorgt er dafür, dass sein Vater Karl verstößt.
    • Mit einer Intrige fälscht er einen Brief, den er für seinen Vater an Karl aufsetzen soll.
    • Karl schließt sich aus der Verzweiflung heraus einer Räuberbande an.
    • Franz reißt die Herrschaft an sich und sperrt den Vater in den Hungerturm.
    All diese Taten geschehen nur, weil Franz von Moor denkt, dass das Schicksal es nicht gut mit ihm meinte. In Wahrheit hat der Liebesentzug ihn psychisch krank werden lassen. Zwar will er auch Amalia für sich gewinnen und am Ende seinen Vater umbringen, aber das sind erst folgende Handlungen.

  • Erkläre den Begriff Patriarchat im Kontext von „Die Räuber”.

    Tipps

    Überlege noch einmal, wer in „Die Räuber” herrscht.

    Eine bestimmte Gruppe von Bürger/-innen hat kein Mitspracherecht. Hilft dir das weiter?

    Lösung
    • Ein Patriarchat ist ein System, das von Männern dominiert wird. In diesem Fall zieht sich das durch Politik und Privatleben der Figuren.
    • Das wird am Stück deutlich, weil Maximilian, Franz und Karl bestimmen, wo die Handlung hinführt. Sie sind der Schlüssel zu allen wichtigen Handlungen.
    • Amalia hat nur eine nebensächliche Rolle. Sie ist dafür da, die personifizierte Liebe darzustellen. Karl ist glücklich über ihre Treue, aber lässt sie doch alleine dastehen.
    • Frauen haben im Patriarchat kein oder kaum Mitspracherecht. Der Begriff bedeutet wörtlich Väterherrschaft. Das Gegenstück dazu wäre ein Matriarchat.