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„Die Marquise von O....“ – Entstehungsgeschichte (Kleist)

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Deutsch-Team
„Die Marquise von O....“ – Entstehungsgeschichte (Kleist)
lernst du in der 11. Klasse - 12. Klasse

„Die Marquise von O....“ – Entstehungsgeschichte (Kleist) Übung

Du möchtest dein gelerntes Wissen anwenden? Mit den Aufgaben zum Video „Die Marquise von O....“ – Entstehungsgeschichte (Kleist) kannst du es wiederholen und üben.
  • Gib den historischen Kontext von Kleists Novelle „Die Marquise von O....“ wieder.

    Tipps

    Heinrich von Kleist lebte von 1777 bis 1811.

    Von 1792 bis 1815 dauerten die sogenannten napoleonischen Kriege an. Napoleon strebte einen Revolutionsexport in ganz Europa an.

    Die Ständegesellschaft geriet durch Aufklärung und Revolution in die Kritik und veränderte sich. Die bürgerliche Schicht prägte das politische und kulturelle Leben zunehmend.

    Das Bürgertum pflegte strenge Regeln des Zusammenlebens. Vor- und außereheliche Sexualität oder Schwangerschaften brachten insbesondere Frauen einen gesellschaftlichen Ausschluss ein.

    Lösung

    Heinrich von Kleist (1777-1811) schrieb seine Novelle „Die Marquise von O....“ im Jahr 1807. Aufklärung und Französische Revolution hatten in Frankreich für eine demokratische Wende gesorgt. Allerdings verfolgte Napoleon Alleinherrschaftsansprüche und führte Krieg in ganz Europa.

    Zu dieser Zeit entwickelte die Schicht des Bürgertums zunehmend Selbstbewusstsein und wirkte spürbar am kulturellen und politischen Leben der Gesellschaft mit. Auch wenn Klassenunterschiede zum Adel weiterhin bestehen blieben, prägte das Bürgertum den sozialen Kodex (bürgerliche Sittlichkeit), um sich vom als sittenlos verachteten Adel abzugrenzen.

    Außereheliche Sexualität und voreheliche Schwangerschaften führten in der Regel zum gesellschaftlichen Ausschluss der Frau.

  • Benenne die zentralen Inspirationsquellen der Novelle „Die Marquise von O....“.

    Tipps

    Es ist davon auszugehen, dass Kleist Werke der französischen Literatur kannte, in denen unwissentliche Schwangerschaften und Vater-Tochter-Verhältnisse thematisiert werden.

    Die Geschichte der Marquise von O.... ist allerdings fiktiv und stammt von Kleist selbst.

    Bürgerliche Rührstücke galten als bedeutendste Gattung der Aufklärung. In ihnen spielte der Antagonismus zwischen bürgerlicher und adliger Schicht eine wichtige Rolle.

    Das Bürgertum zeichnete sich durch strenge soziale Regeln aus. Vor allem Frauen hatten wenig Selbstbestimmungsrecht und bei sozialen Fehltritten eine harte Ächtung zu fürchten.

    Lösung

    Für seine Novelle bedient sich Heinrich von Kleist des Motivs der unwissenden Schwangerschaft. In einer Anekdote aus Michel de Montaignes „Essay über die Trunksucht“ (1588) wird von einer betrunkenen Witwe erzählt, die, ohne es zu merken, geschwängert wird. Öffentlich sucht sie den Vater des Kindes und möchte ihn heiraten.

    Eine namensgleiche Heldin sowie eine ähnliche Vater-Tochter-Beziehung findet sich auch in Jean-Jacques Rousseaus Roman „La Nouvelle Hélois“ (1761). Dort unterhält die Heldin Julie ein verbotenes Verhältnis zu ihrem Hauslehrer, entzweit sich zunächst und versöhnt sich daraufhin aber wieder mit ihrem Vater.

    Im bürgerlichen Trauerspiel der Aufklärung stand die bürgerliche Familie mit ihren Moralvorstellungen im Mittelpunkt. Diese richteten sich gegen den als sittlich verkommen geltenden Hoch- und Hofadel.

    Das im bürgerlichen Moralkodex vorherrschende Patriarchat räumte dem Mann (und Vater) die höchste soziale Stellung ein. Die Frau (insbesondere die Tochter) hatte kein Selbstbestimmungsrecht. Kleist kritisiert diesen Umstand in seiner Novelle.

  • Zeige, inwiefern folgende Entstehungskontexte Eingang in Kleists Novelle gefunden haben.

    Tipps

    Der Begriff „Patriarchat“ bezeichnet die gesellschaftliche Stellung des Mannes über der Frau. Häufig geht das mit Machtansprüchen des Mannes und der Unterdrückung der Frau einher.

    Das Motiv der unwissenden Schwangerschaft taucht schon beim französischen Philosophen Michel de Montaigne im 16. Jahrhundert auf.

    Der französische Schriftsteller Jean-Jacques Rousseau beschreibt in seinem Roman „La Nouvelle Hélois“ eine sehr zärtliche Versöhnung von Vater und Tochter.

    Im bürgerlichen Trauerspiel der Aufklärung gerät eine junge, bürgerliche Frau häufig durch einen adligen Mann in moralische Misskredite, z.B. in Lessings „Emilia Galotti“.

    Lösung

    Folgende Entstehungskontexte haben Heinrich von Kleists Novelle „Die Marquise von O....“ geprägt:

    • Das Patriarchat im 18. und 19. Jahrhundert, also die Herrschaft des Mannes über die Frau, spiegelt sich deutlich in der Handlung der Novelle wieder. Der Vater besitzt die Macht, seine Tochter aus seinem Haus zu verjagen, als sie unehelich und unbeabsichtigt schwanger wird.
    • Das zentrale Motiv der unwissenden Schwangerschaft entlehnte Kleist wahrscheinlich einer Anekdote des französischen Philosophen Michel de Montaigne. Die Marquise wird vom Grafen F.... vergewaltigt, ohne dies jedoch bewusst wahrgenommen zu haben. Als sie schwanger ist, kann sie sich die Umstände nicht erklären. Das Motiv zeigt die Ohnmacht der Frau in einer patriarchalischen Gesellschaft auf.
    • Die Beziehung des Vaters zur Marquise erinnert an Jean-Jacques Rousseaus Roman „La Nouvelle Hélois“. Die zärtliche Versöhnung von Vater und Tochter nach anfänglicher Entzweiung ist in beiden Texten erotisch aufgeladen.
    • Kleists Novelle rezipiert Aspekte des bürgerlichen Trauerspiels, das in der Aufklärung entstanden ist. Thematisiert werden hier die (moralischen) Gegensätze zwischen Bürgertum und Adel. In Kleists Novelle stürzt der Graf F.... die bürgerliche Marquise dadurch ins Unglück, dass er sie vergewaltigt und sie in Folge dessen schwanger wird. Ihre Familie verstößt sie daraufhin.
  • Erläutere, wieso Kleists Novelle fortschrittlich mit dem Thema „uneheliche Schwangerschaft“ umgeht.

    Tipps

    Die sozialen Regeln des Bürgertums um 1800 erlaubten Sexualität nur in der Ehe.

    Obwohl die Marquise von O.... durch eine Vergewaltigung unehelich schwanger wird, verfällt sie nicht in Depressionen, sondern entwickelt Eigenständigkeit. Sie geht mit ihrem Schicksal sogar an die Öffentlichkeit.

    Der Inhalt der Novelle sorgte bei ihrem Erscheinen für Empörung.

    Lösung

    Die Regeln des Bürgertums im 18. und 19. Jahrhunderts erlaubten Sexualität nur in der Ehe. Somit waren Schwangerschaften, die außerhalb einer Ehe zustande kamen, sittenwidrig und ein Grund für den sozialen Ausschluss der Frau. Häufig begingen betreffende Frauen Suizid oder Kindsmord.

    Obwohl die Hauptfigur in Kleists Novelle unwissend unehelich schwanger und daraufhin von ihrem Vater vertrieben wird, entwickelt sie Selbstbewusstsein. Sie veröffentlicht ihr Schicksal in einer Zeitungsannonce und sucht nach dem Vater des Kindes.

    Es kann also gesagt werden, dass die Novelle für ihre Zeit sehr fortschrittlich mit dem Thema „uneheliche Schwangerschaft“ umgeht. Der Text erzeugte daher bei den Lesern seiner Zeit viel Empörung.

  • Nenne wichtige Regeln der bürgerlichen Moralvorstellungen um 1800.

    Tipps

    Die intakte und angesehene Familie war für das Bürgertum um 1800 ein hohes Gut.

    Wurde die Tochter allerdings unehelich schwanger, wurde sie häufig aus der Familie verstoßen.

    Dabei hatte der Vater die Rolle des Familienoberhauptes, während die Mutter ihm untergeordnet war.

    Lösung

    Wichtige Moralvorstellungen des Bürgertums um 1800 waren:

    • Das Ansehen der Familie stand im Mittelpunkt.
    • Der Vater galt als Familienoberhaupt. Es herrschte ein sogenanntes Patriarchat.
    • Die Liebesheirat wurde der Zwangsehe vorgezogen.
    • Sexualität war nur in der Ehe erlaubt. Uneheliche Schwangerschaften führten zu sozialer Ächtung.
  • Arbeite aus folgender Textstelle die zentralen Motive von Kleists Novelle heraus.

    Tipps

    Kleists Novelle lässt sich mit Hilfe verschiedener historischer Kontexte verstehen. Dazu zäheln z.B. die Rolle der Frau im Bürgertum und die bürgerlichen Sitten.

    Das bürgerliche Trauerspiel ist eine der bedeutendsten Gattungen der Aufklärung. Kleist entnimmt ihr verschiedene Handlungsaspekte.

    Lösung

    Hast du die Textstelle wiedererkannt? Es handelt sich um den ersten Satz der Novelle „Die Marquise von O....“. Hier werden bereits einige zentrale Motive und Kontexte der Novelle angedeutet.

    • Der Leser erfährt bereits, dass im Zentrum der Handlung eine unwissende Schwangerschaft steht.
    • Die Frau, der dieses Schicksal widerfahren ist, wird als sehr tugendhaft vorgestellt. Diese Konstellation erinnert an einen Figurentypus des bürgerlichen Trauerspiels, in dem eine bürgerliche, junge Frau von einem als sittenlos gekennzeichneten Adligen ins Unglück gestürzt wird. Das ist auch in der Novelle der Fall. Beim gesuchten Vater des Kindes handelt es sich um einen russischen Grafen.
    • Ungewöhnlich ist dabei, dass die Marquise recht selbstbewusst mit ihrem Schicksal umgeht und es mittels einer Zeitungsannonce öffentlich macht. Schon zu Beginn des Werkes macht Kleist deutlich, dass er auch die Selbstbestimmung der Frau in den Fokus rückt, die in der Gesellschaft des 18. und 19. Jahrhunderts untergraben wurde.
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