30 Tage testen: Mehr Spaß am Lernen.
30 Tage risikofrei testen

Überzeugen Sie sich von der Qualität unserer Inhalte.

30 Tage risikofrei testen

„Berlin Alexanderplatz“ – Personenkonstellation (Döblin) 05:51 min

Textversion des Videos

Transkript „Berlin Alexanderplatz“ – Personenkonstellation (Döblin)

Alfred Döblin: Berlin Alexanderplatz - Personenkonstellation

Schon ganz am Anfang begegnen wir ihm, dem Protagonisten des Erfolgromans “Berlin Alexanderplatz” - zunächst wie er abgemagert vor dem Gefängnis steht. „Seine Schultern im gelben Sommermantel waren zusammengezogen zur Abwehr.“ Es ist der „[...] starkknochige, große Kerl im Sommermantel, der den Mund zusammenpreßte, als wenn er Galle spucken müsste.” - Franz Biberkopf.

Doch wer ist dieser Franz Biberkopf? Wir erfahren einiges über sein Äußeres: Er ist etwas über dreißig Jahre alt. Er ist groß und schwer, je nach Ernährungszustand wiegt er an die hundert Kilo. Früher war er Möbeltransport- und Zementarbeiter. Dementsprechend ist er sehr kräftig. Biberkopf ist gerade aus dem Gefängnis Tegel entlassen worden und sucht nun seinen Weg in die anständige Gesellschaft. Er ist kein hübscher Mann: Sein Gesicht ist grob, seine Nase rot, manchmal hat er Pickel im Gesicht. Zudem beschreibt er seine Augen als Glubschaugen.

Und sein Charakter? Biberkopf ist im Grunde ein guter Mensch, der keinem etwas Böses will. Er ist neuen Freunden gegenüber sehr vertrauensselig und naiv - freimütig erzählt er alles. Er misstraut trotz seiner Gefängniserfahrung den wenigsten. Und Biberkopf ist schnell beeindruckt. Besonders Leute, die gut reden können, faszinieren ihn. Wenn Biberkopf eifersüchtig wird, kann er seine körperliche Kraft nicht mehr zügeln. Er wird aggressiv und schlägt zu. Durch einen solchen Wutanfall ist seine letzte Geliebte gestorben. Das war auch der Grund für seine Gefängnisstrafe. Biberkopf ist kein Mann, der die großen Zusammenhänge durchschaut. Politisch ist er leicht beeinflussbar. Einmal verkauft er Zeitungen mit nationalsozialistischem Gedankengut, ein anderes Mal sympathisiert er mit den Kommunisten. Wenn Biberkopf einen Rückschlag erfährt, verfällt er in Selbstmitleid und Passivität. Dazu kommt sein großes Laster: der Alkohol. Mehrere Nebenfiguren bestimmen im Verlauf des Romans seinen Lebensweg: Von Reinhold fühlt sich Biberkopf vom ersten Treffen an angezogen. Dieser schlanke Mann im Soldatenmantel hat ein langes, hohes und gelbliches Gesicht. Er hat traurige Augen und stottert, wenn er redet. Biberkopf will ihm helfen und hält ihm bis fast zum Schluss die Treue. Reinhold hingegen ist nicht so naiv wie Biberkopf. Er nutzt ihn aus. Als Biberkopf seine Frauenspiele nicht mehr mitspielen will, beginnt er ihn zu hassen. Reinhold will Biberkopf vernichten. Dabei handelt er nicht nach Plan, sondern ebenso impulsiv wie Biberkopf selbst: Er stößt ihn aus dem Auto, als seine negativen Gefühle ihn überwältigen. Infolgedessen hat Biberkopf nur noch einen Arm. Doch damit nicht genug: Reinhold will ihm auch noch seine Geliebte wegnehmen.

Die heißt Mieze. Jedenfalls nennt Biberkopf sie so. Mieze ist sehr jung und mädchenhaft. Sie liebt Biberkopf. Auch er hat zärtliche Gefühle ihr gegenüber. Mieze arbeitet als Prostituierte. Sie will Biberkopf mit ihrem Geld ernähren. Doch als sie ihm verrät, dass sie sich in einen Freier verliebt hat, rastet Biberkopf wieder aus. Er schlägt Mieze. Sie ist jedoch nicht nachtragend und freut sich über die folgende Versöhnung. Mieze sorgt sich um Biberkopf. Seinetwegen lässt sie sich auf die Verbrecherbande ein. Von Reinhold fühlt sie sich zunächst angezogen. Doch als sie erfährt, dass er schuld an Biberkopfs Einarmigkeit ist, wendet sie sich von ihm ab. Reinhold kann diese Zurückweisung nicht ertragen und erwürgt sie. Eva und Herbert sind Biberkopfs Freunde aus früheren Zeiten. Was sie früher zusammen gemacht haben, erfahren wir nicht. Doch das Ganovenpärchen ist sehr solidarisch mit ihm. Sie bezahlen seinen Krankenhausaufenthalt und stehen ihm bei. Obwohl die Freunde ihm helfen, ist Biberkopf ihnen gegenüber verschlossen. Er verrät nicht, wer ihn aus dem Auto gestoßen hat. Einem eigenartigen Ehrenkodex folgend, will Biberkopf niemanden verraten. Außerdem zeigt sich hier seine Einzelkämpferseite: Immer will er es alleine schaffen. So vergibt er sich Chancen von Leuten, die es gut mit ihm meinen. Herbert und Eva unterstützen Biberkopf weiterhin. Doch sie können ihn nicht vor Reinhold schützen.

Am Ende muss Biberkopf allein in der Irrenanstalt erkennen, dass er sich schuldig gemacht hat. Er bereut seine früheren Taten und trauert um Mieze. Vom gebrochenen Strafentlassenen ist Biberkopf wieder zum Verbrecher geworden. Nun aber lässt er sein altes Leben hinter sich. Er hat sich gewandelt. Er hat nun einen „stillen, dunklen, suchenden Blick”, der neu ist an ihm.

Und er ist nicht mehr allein: „Er steht zum Schluss als Hilfsportier in einer mittleren Fabrik. Er steht nicht mehr allein am Alexanderplatz. Es sind welche rechts von ihm und links von ihm, und vor ihm gehen welche, und hinter ihm gehen welche.“