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„Antigone“ – Entstehungsgeschichte (Sophokles) 05:20 min

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Transkript „Antigone“ – Entstehungsgeschichte (Sophokles)

Drei Dramatiker, deren Stücke im Wettstreit gegeneinander antreten, ein Publikum, eine Jury und: Nur einer kann gewinnen. Eine moderne Szene im Stile von „Deutschland sucht den Dramatikerstar“? Weit gefehlt.

Reisen wir zurück ins Jahr 442 oder 441 vor Christus. Willkommen im antiken Athen. Langwierige Kriege gegen die Perser sind gerade vorbei. An der Macht ist Perikles, er hat einige demokratische Reformen durchgeführt. Es bildet sich die sogenannte attische Demokratie heraus. Menschen mit einem Bürgerrecht können nun also in gewissen politischen Fragen mitreden. Allerdings haben längst nicht alle Menschen das Bürgerrecht. Sklaven zum Beispiel gehören nicht dazu. Sophokles besitzt das Bürgerrecht. Er ist der Sohn eines wohlhabenden Waffen- und Ackergerätefabrikanten. Zu diesem Zeitpunkt ist er bereits über fünfzig Jahre alt. Nicht nur als Dichter kennt man ihn, er ist auch als Politiker aktiv. In der attischen Demokratie hat die griechische Tragödie einen festen Platz. Sie hat sich aus den Festen für den Gott Dionysos heraus entwickelt. Jedes Jahr gibt es ein großes Fest zu Ehren des Gottes. Über mehrere Tage hinweg feiern die Bürger nach festgelegten Regeln und Bräuchen. Teil dieser Zeremonie ist auch ein Dichterwettstreit: Jeweils drei Dichter werden eingeladen, drei Tragödien und ein Satyrspiel zu präsentieren. Über drei Tage hinweg werden diese Stücke gespielt, am Ende wählt eine Jury den Gewinner. Die Dichter inszenieren ihre Stücke dabei selbst. Sie haben einen Chor und maximal drei Schauspieler zur Verfügung. Da es jedoch meist mehr als drei Rollen gibt, müssen die Schauspieler mehrere Figuren spielen. Sie tragen dazu Masken. Das Theater, in dem das Ganze spielt, heißt übrigens passend: Dionysos-Theater.

So also auch im Jahre 442 oder 441 vor Christus. Wie so oft ist Sophokles einer der drei Dichter, die zum Wettstreit zugelassen sind. Dieses Jahr hat er als eine der drei Tragödien die Antigone geschrieben. Und wie so oft heißt der Gewinner am Ende des Festes: Sophokles. Als Preis bekommt er einen Efeukranz und Geld. Insgesamt gewinnt Sophokles angeblich bis zu 24 Mal den Wettstreit. Von den 123 Stücken, die er geschrieben hat, sind allerdings nur sieben Tragödien und ein Satyrspiel die zwei Jahrtausende bis heute erhalten geblieben. Und hat Sophokles den Stoff für Antigone erfunden? Die Antwort lautet: Jein. Sophokles hat sich natürlich der mythischen Stoffe bedient, wie das üblich ist für die griechischen Tragödien. Die griechischen Bürger kennen die Göttersagen. Für die Antigone ist die Geschichte der Labdakiden wichtig. Es handelt sich um ein Herrschergeschlecht, das mit einem Fluch belegt wurde. Das Geschlecht stammt von Zeus ab. Die Vorgeschichte rund um Ödipus, der seinen Vater erschlägt und seine Mutter heiratet, ohne ihre Identität zu kennen, ist allen bekannt. Neu ist, dass Sophokles nun aber die eine Tochter von Ödipus, Antigone, in den Mittelpunkt rückt. Auch die genau Ausgestaltung der einzelnen Figuren und der Handlung sind Produkte seiner Fantasie. Ebenso ist das Bestattungsverbot Sophokles` Erfindung.

Und warum hat Sophokles für das Dionysos-Fest eine Tragödie über Antigone geschrieben, fragst du dich jetzt? Auch dafür liefert der Götterstammbaum eine Erklärung: Dionysos kommt aus derselben großen Familie. Er ist der Cousin von Labdakos. Der wiederum ist der Urgroßvater von Antigone. Alles klar?

Grund dafür, dass wir Antigone bis heute kennen, ist aber wohl nicht nur Sophokles Trophäe im Dichterwettstreit. Schon von seinen Dichterkollegen Euripides und Aischylos wird der Antigone-Stoff aufgegriffen und in weiteren Tragödien verwendet. Und für Sophokles zieht der Sieg einen weiteren Karriereschritt nach sich: Kurz darauf wird er zum Militärstrategen neben Perikles ernannt.