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Kulturelle Evolution 06:03 min

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Transkript Kulturelle Evolution

Heute lebende Menschen züchten Tiere und Pflanzen, um sie als Nahrung zu nutzen. Sie stellen Waffen, Werkzeuge, Möbel, Häuser und Smartphones her. Sie malen Bilder, machen Fotos, schreiben E-Mails, erzeugen Strom, feiern Weihnachten, sprechen viele Sprachen, fliegen mit Flugzeugen und bezahlen mit Geld. Dieses komplexe Verhalten unterscheidet den Menschen von anderen Säugetieren.Die Entwicklung in solcher Weise wird als kulturelle Evolution bezeichnet.

Wie kam es aber zu dieser Entwicklung? Und. Warum wird sie auch als Evolution bezeichnet? Diese Fragen werde ich dir im folgenden Video beantworten.

Über die biologische Evolution weißt du schon gut Bescheid, oder? Vorteilhafte Merkmale, die durch Mutationen, also kleine Veränderungen in der DNA, entstehen, setzen sich durch natürliche Auslese langfristig durch. Welche Bedeutung hat aber die kulturelle Evolution?

Hier setzen sich bestimmte erlernte Verhaltensweisen durch. Also z.B. das Kochen von Fleisch, um die Nahrungsbestandteile effektiver verdauen zu können oder das Bauen eines Autos, um schnell von A nach B zu kommen, erhöhen die Leistungsfähigkeit des Menschen. Es entstehen also Merkmale, die nicht in den Genen gespeichert sind. Sie werden durch Kommunikation und nicht über die Gene von Generation zu Generation weitergegeben.

Bei der kulturellen Evolution entsprechen also die Ideen und die neuen Erfahrungen den Mutationen in der biologischen Evolution. Wie aber kam es zur kulturellen Evolution des Menschen?

Nachdem sich der aufrechte Gang als Merkmal durchgesetzt hatte, entwickelte der Mensch beginnend vor etwa 2 Millionen Jahren Werkzeuge, später auch Kleidung sowie Pfeil und Bogen. Der Mensch begann Tiere zu züchten und Häuser zu bauen. Damit beeinflusste er die biologische Evolution des Menschen.

Der Mensch war nun in der Lage, auf Umwelteinflüsse aktiv zu reagieren und sich weitgehend unabhängig von ihnen zu machen. Die Menschen, die dabei die besten Ideen hatten, konnten sich häufiger fortpflanzen. Sie konnten sich am besten gegen Feinde wehren und hatten gute Nahrung. Ein stabiles Haus, gutes Werkzeug und bessere Waffen waren die Errungenschaften, die also schlussendlich zu einer guten Angepasstheit führten und auch führen, denn die kulturelle Evolution geht stetig weiter.

Da diese Ideen und Erfindungen nicht über Gene weitergegeben werden, entstanden Kommunikationsmittel, also Sprache, Malerei und Schrift. Insbesondere die Erfindung des Buchdrucks beschleunigte die kulturelle Evolution. Heute kennen wir viele Kommunikationsmittel, wie SMS, Internet, Radio und Telefon. Es ist also möglich, ständig Informationen an viele Individuen weiterzugeben.

Die biologische und die kulturelle Evolution sind aber nicht zwei getrennt entstandene und ablaufende Prozesse. Voraussetzung für eine kulturelle Evolution war der aufrechte Gang, der ein Freiwerden der Hände zur Folge hatte, und ein größeres Hirnvolumen und eine damit verbundene gesteigerte Leistungsfähigkeit. Das sind Merkmale, die sich durch natürliche Auslese durchgesetzt haben.

Die Bedeutung der biologischen Evolution ist aber für den modernen Menschen gering. Hier ein Beispiel: Kurzsichtigkeit wird heute durch eine Brille behoben. Die Brille ist die Reaktion des Menschen auf z.B. eine Mutation, die zu Kurzsichtigkeit führt. Als die Menschen noch vom Jagen lebten, war das Merkmal Kurzsichtigkeit von Nachteil, da angreifende Tiere nicht rechtzeitig gesehen werden konnten.

Zu dieser Zeit pflanzte sich ein kurzsichtiger Mensch sicher seltener fort, da er ständig in Lebensgefahr schwebte und vielleicht auch weniger Nahrung erbeuten konnte.

Die kulturelle Evolution spielt beim Menschen eine herausragende Rolle. Die so entstandenen Verhaltensweisen machen das Menschsein aus. Findet man kulturelle Tradition auch im Tierreich?

Ja. Auch Tiere entwickeln in sehr einfacher Form solche Verhaltensweisen, die eine Reaktion auf Umwelteinflüsse darstellen und nicht genetisch verankert sind. Sie bringen diese Verhaltensweisen dann auch ihren Nachkommen bei.

Ein bekanntes Beispiel sind englische Blaumeisen, die in den 50er Jahren begannen, die vor den Haustüren angelieferten Milchflaschen aufzupicken. Sie kamen so an zusätzliche Nahrung und brachten das Aufpicken auch ihren Nachkommen bei.

Der Mensch tut also viele Dinge, die ihn von anderen Säugetieren unterscheiden. Das ist seine Kultur und sie macht das Menschsein aus. Diese Verhaltensweisen sind im Laufe der kulturellen Evolution entstanden. Sie bezeichnet Verhaltensweisen, Ideen und Erfahrungen, die von Generation zu Generation durch Kommunikation, wie z.B. Sprache, weitergegeben werden.

Diese Verhaltensweisen sind nicht in den Genen verankert. Der Mensch reagiert damit aktiv auf Umwelteinflüsse und macht sich von ihnen unabhängig. Die biologische Evolution ist für die Menschen heute kaum noch von Bedeutung.

Kulturelle Evolution Übung

Du möchtest dein gelerntes Wissen anwenden? Mit den Aufgaben zum Video Kulturelle Evolution kannst du es wiederholen und üben.

  • Nenne Voraussetzungen für die kulturelle Evolution.

    Tipps

    Der aufrechte Gang ist einzigartig unter den Primaten. Dadurch konnte sich der Mensch erst zu dem entwickeln, was er heute ist.

    Lösung

    Bevor die kulturelle Evolution beginnen konnte, fanden einige biologische Veränderungen statt, die den frühen Menschen von restlichen Primaten abgrenzten:

    • Der aufrechte Gang ist eine Grundvoraussetzung. Denn durch ihn konnten die Hände neue Aufgaben übernehmen.
    • Die freien Hände konnten nun Werkzeuge bauen und nutzen. Dadurch wurde z.B. die Jagd und die Verarbeitung von Nahrung leichter und effektiver.
    • Wie genau es zu einem größeren Gehirn kam, ist nicht sicher. Fest steht, dass ein großes und leistungsfähiges Gehirn Grundlage für die Entstehung von Sprache, Schrift oder Malerei ist.
    • Diese drei Faktoren führen zusammen zu einer gesteigerten Leistungsfähigkeit, die für die kulturelle Entwicklung notwendig war.

  • Fasse die Unterschiede zwischen der kulturellen und der biologischen Evolution zusammen.

    Tipps

    Verhaltensweisen werden nicht über die Gene weitergegeben. Das Essen mit Messer und Gabel z.B. ist eine erlernte Verhaltensweise. Es handelt sich dabei um ein Ergebnis der kulturellen Evolution.

    Lösung

    Es gibt einige Unterschiede zwischen der kulturellen und der biologischen Evolution:

    • Bei der kulturellen Evolution werden erlernte Verhaltensweisen und Wissen weitergegeben, bei der biologischen Evolution hingegen vererbbare Merkmale, mit oder ohne Mutationen.
    • Die Weitergabe erfolgt bei der kulturellen Evolution über Kommunikation, also z.B. mittels Sprache oder Schrift. Die biologische Evolution beschreibt die Weitergabe und allmähliche Veränderung der DNA.
    • Eine erlernte Verhaltensweise, die bei der kulturellen Evolution eine Rolle spielt, ist z.B. das Kochen von Fleisch. Ein vererbbares Merkmal hingegen wäre die Haarfarbe.
    Die beiden Prozesse haben aber auch Gemeinsamkeiten:
    • Sie beschreiben beide die allmähliche Veränderung einer bestimmten Sache (lat. evolvere = entwickeln). Bei der kulturellen Evolution ist es die Veränderung der menschlichen Kultur, also alles vom Menschen Geschaffene. Die biologische Evolution beschäftigt sich mit der Veränderung der menschlichen Gene.
    • Auch wenn die biologische Evolution heute nicht mehr so ausschlaggebend für die Entwicklung der menschlichen Population ist, ist sie noch nicht abgeschlossen. Genauso wie die kulturelle Evolution handelt es sich um einen weiterhin andauernden Prozess.

  • Beschreibe, wie die Errungenschaften der kulturellen Evolution weitergegeben werden.

    Tipps

    Überlege mal: Wie hast du wichtige Sachen wie z.B. das Benutzen von Messer und Gabel gelernt?

    Zum einen Lernen wir solche Sachen durch Ausprobieren. Aber ohne die Hilfe deiner Eltern, die ihr Wissen durch Vormachen und Erklären an dich weitergeben, wärst du vielleicht nicht auf die Idee gekommen, Besteck zu benutzen.

    Lösung

    Kulturelle Errungenschaften können nicht über das Erbgut an nachfolgende Generationen weitergegeben werden. Das Erbgut verändert sich im Laufe eines Lebens (fast) nicht. So kann über die DNA nichts weitergegeben werden, was wir lernen oder entdecken. Fähigkeiten wie z.B. das Bauen und Benutzen von Werkzeugen, werden durch Kommunikation überliefert. Das kann auf verschiedenen Wegen passieren, z.B. indem deine Mutter dir zeigt und erklärt, wie man mit Messer und Gabel isst, oder indem du in einem Sachbuch nachliest, wie ein Auto funktioniert.
    Die Erfindung des Buchdrucks war dabei ein großer Durchbruch, da Wissen nun vielfach abgedruckt und so besser verbreitet werden konnte. Die Vielfalt der heutigen Kommunikationsmittel ermöglicht ganz neue Wege, Informationen zu verbreiten. So findet die kulturelle Evolution auch heute statt.

  • Erläutere die Bedeutung der neolithischen Revolution.

    Tipps

    Die Entstehung von Städten begann erst deutlich später. Jericho wird als älteste Stadt der Welt bezeichnet. Sie entstand um 8000 v. Chr. und hatte etwa 3 000 Einwohner. Also nichts, was man heute als Stadt bezeichnen würde.

    Unter Domestikation oder Domestizierung versteht man die Auslese, Isolation und Züchtung von Wildtieren oder Wildpflanzen hin zu Arten, die den Wünschen des Menschen entsprechen. So entstand z.B. aus dem Wolf über viele Generationen hinweg der Hund.

    Lösung

    Die neolithische Revolution stellt einen großen Wendepunkt in der Menschheitsgeschichte dar. Die Menschen gingen langsam und Stück für Stück dazu über, sesshaft zu werden. Die Jäger- und Sammlermentalität verschwand langsam. Die Nahrung musste nun nicht mehr gesucht werden, da domestizierte Tiere wie Kühe oder Schweine und angebaute Pflanzen als Nahrung dienten.
    Ihren Ursprung hat diese Entwicklung im Orient. Es dauerte mehrere Tausend Jahre, bis sich dieser Wandel über die gesamte Menschheit ausgebreitet hatte. Mit der Sesshaftigkeit, der beginnende Landwirtschaft und dem Domestizieren von Wildtieren wurden wichtige Grundlagen für die weitere kulturelle Entwicklung gelegt.
    Doch auch heute noch gibt es indigene Völker (Ureinwohner), die Jäger und Sammler sind. Nicht immer handelt es sich auch um Nomadenvölker, also umherziehende Gruppen. Aber oft ist die Jagd ein fester Bestandteil ihres Alltags und dient primär der Nahrungsbeschaffung und nicht dem Freizeitvertreib, wie es in einigen westlichen Kulturen der Fall ist.

  • Erläutere die verschiedenen Evolutionsfaktoren.

    Tipps

    Unter einem Genpool versteht man die Gesamtheit aller Gene einer Population.

    Mutationen sind zufällige Veränderungen in der DNA.

    Durch die natürliche Auslese werden nur Gene von Individuen weitergegeben, die sehr gut an ihre Umwelt angepasst sind.

    Lösung

    Die biologische Evolution beschreibt die allmähliche Veränderung der vererbbaren Merkmale einer Population von Generation zu Generation. Die genetischen Veränderungen entstehen durch Mutationen und werden durch eine natürliche Genvielfalt unterstützt. Mutationen, die die Angepasstheit eines Individuums an seine Umwelt erhöhen, werden mit großer Wahrscheinlichkeit weitergegeben.

  • Untersuche Beispiele für kulturelle Evolution im Tierreich.

    Tipps

    Orcas oder Schwertwale? Egal, die Namen beschreiben das gleiche Tier.

    Als Heuler bezeichnet man die Jungtiere bei Seehunden und Robben. Wenn sie auf der Suche nach ihrem Muttertier sind, geben sie Laute von sich, die sich wie ein Heulen anhören.

    Lösung

    Faszinierend, wozu manche Tiere fähig sind, oder? Hoover, der Seehund, ist ein ganz besonders Beispiel. Er versuchte sogar Weibchen gezielt mit seinem Come over here-Ruf anzulocken. Hoover bleibt allerdings ein Einzelfall. Forscher haben versucht auch andere Seehunde zum Imitieren von Sprache zu bringen, allerdings erfolglos. Warum gerade Hoover dieses Talent hatte, bleibt ein Rätsel.

    Neben den gezeigten Beispielen gibt es auch noch weitere Tiere, die erlernte Verhaltensweisen weitergegeben. Viele Vögel lernen z. B. Singtechniken oder Melodien von älteren Artgenossen. Auch Krähen benutzen Werkzeuge und schauen sich die besten Tricks bei ihren Artgenossen ab.
    Eine so umfassende Kultur mit Sprache, Schrift und Kunst konnte bisher nur der Mensch hervorbringen. Du hast aber gesehen, dass die Grundlagen dafür auch schon im Tierreich vorhanden sind.