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Angeborenes Verhalten des Menschen 06:40 min

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Transkript Angeborenes Verhalten des Menschen

Hallo, unser Thema soll das "angeborene Verhalten des Menschen" sein. Klar ist, dass ich in wenigen Minuten nicht alles aufführen kann. Dennoch will ich versuchen, euch das Wichtigste zum Kindchenschema und Mann-Frau-Schema beizubringen. Als Vorwissen ist nur biologisches Allgemeinwissen erforderlich. Was fällt euch beim Betrachten der Fotos auf? Na? Richtig, es sind Tierbabys und ein Säugling zu sehen. Das Katzenbaby als Nesthocker und der Säugling als Tragling, der vergleichsweise von anderen Arten von Säugetieren viel zu früh geboren wird, und daher anfangs sehr auf die Mutter angewiesen ist. Doch was ist die gemeinsame Besonderheit der kleinen Lebewesen? Finden wir es heraus. Alle haben sie einen großen, runden Kopf im Vergleich zum Rumpf. Beim Säugling sieht man, dass der Gesichtsschädel klein ist, der Hirnschädel wirkt groß. Die großen Augen fallen auf. Sie sitzen fast in der Mitte des Gesichtsschädels. Alle Körperformen sind recht rundlich. Die Gliedmaßen sind kurz und dick und sie haben eine weiche Haut oder ein weiches Fell, wie es das letzte Bild des etwa dreimonatigen Welpen zeigt. Kurz gesagt, wir finden sie alle niedlich und könnten sie stundenlang anschauen, am liebsten behüten, knuddeln und versorgen. Warum werden in uns solche Regungen wach? Das hat bereits Konrad Lorenz, er ist einer der Begründer der klassischen Verhaltenslehre, früh erkannt. Er hat seine Analysen unter dem Begriff "Das Kindchenschema" zusammengefasst. Ich werde das Wesentliche kurz erklären. Das Kleinkind hat einen fast genauso großen Hirnschädel wie der Erwachsene. Die kindlichen, runden Formen gehen mit dem Wachstum des Gesichtsschädels verloren. Ebenso verhält es sich bei den Wirbeltieren, hier die Hündin mit Welpen sowie die Möwe mit ihrem Küken zu sehen. Lorenz schlussfolgerte: Es muss uns angeboren sein, mit Aufmerksamkeit und Zuwendung sowie positiven Gefühlen auf die augenfälligen Merkmale von Kleinkindern und kleinen Tieren zu reagieren. Dazu müssen Tiere und Menschen wenigstens über einen angeborenen, auslösenden Mechanismus verfügen. Dieser wird durch Nervenzellgruppen gebildet, die seit der Geburt angelegt sind und agieren. Der AAM, der angeborene, auslösende Mechanismus filtert aus der gesamten Reizsituation jene Reize heraus und verstärkt sie gegebenenfalls über das Verrechnungsglied mit der einfließenden Handlungsbereitschaft. Wir sehen, dass er zwei Funktionen hat. Zum einen nimmt er nur bestimmte Reize auf und er wirkt sensorisch. Und zum anderen kuppelt er an das entsprechende Verhalten an, das dem Schutz der Hege und Pflege des Nachwuchses dient. Dieses Verhalten trägt letztlich zur Erhaltung der Art bei. Dafür ist eine ständige Handlungsbereitschaft vorhanden. Da wir solche Instinkthandlungen besonders bei Wirbeltieren wie Vögeln und Säugern beobachten können, können wir auch voraussagen, dass die Entwicklung von Verhaltensweisen mit der stammesgeschichtlichen Entwicklung der Lebewesen verknüpft ist. Das Kindchenschema spielt im Zeichentrickfilm, bei der Spielzeugherstellung und in der Werbung eine große Rolle. Kommen wir zu einem weiteren Beispiel für angeborenes Verhalten: Nach dem Mann-Schema und dem Frau-Schema handeln wir täglich, denn auf Toilette müssen wir alle gehen. Damit wir die richtige finden, sind die Türen mit vereinfachten Symbolen für Mann und Frau gekennzeichnet, die man von klein an versteht. Das Mann-Schema ist durch breite Schultern und schmale Hüften, durch ausgeprägte Muskulatur sowie durch Bartwuchs und Behaarung und ein kantiges Gesicht gekennzeichnet. Das Frau-Schema zeigt uns hingegen ein breites Becken und eine schmale Taille, gewölbte Brust und Gesäß und eventuell lange Haare sowie rundliche, fast kindliche, schöne Gesichtszüge. Beide Schemata verstärken symbolisch die sekundären Geschlechtsmerkmale des Menschen. Jene werden durch die Mode weiter betont, wie ich hier bei der Frau zeigen möchte. Die sexuellen Reize kommen noch stärker hervor. Der anmutige schöne Kopf wird durch den breiten Hut hervorgehoben. Die Kleidung ist tailliert geschnitten, das Dekolleté betont den Busen mit dem tiefen Ausschnitt. In der Regel tragen die Frauen Stöckelschuhe. Die hohen Absätze verlängern scheinbar die Beine und das Gesäß wölbt sich mehr, das Gehen verändert sich. All das sind sexuelle Schlüsselreize für den Mann. Worin liegt die Bedeutung der Mann-Frau-Schemata? Ganze einfach: Biologisch gesehen dienen die Schemata dem Finden der Partner. Frauen gefallen visuelle Reize, die von schmalen Hüften, breiten Schultern, festem Gesäß und kräftigen Muskeln ausgehen. Männer finden die oben erwähnten Merkmale der Frauen attraktiv und umwerben sie. Die Mann-Frau-Schemata wirken bis ins hohe Alter. Das heißt, die uns angeborenen Auslösemechanismen tragen wesentlich zur Partnerbindung, zum Zusammenbleiben von Mann und Frau als Fortpflanzungspartner bei. Zusammenwirkend mit dem Kindchenschema wird das Aufziehen der Kinder gesichert. Das durch das Kindchenschema ausgelöste Verhalten finden wir nicht nur bei älteren Geschwistern und Vätern. Es erstreckt sich auch auf die Großeltern, ja sogar auf fremde Personen. So wird die Zuwendung, der Schutz und die Versorgung des Nachwuchses bereits biologisch gewährleistet. Dadurch ist die Adoption, das Annehmen fremder Kinder, Waisen und Findelkindern für den Menschen weniger ein Problem. Übrigens finden wir solches Verhalten auch im Tierreich. Die Betonung der geschlechtsspezifischen Merkmale spielt eine große Rolle in der Werbung und in der Mode, wie ich es schon ausgeführt habe. Du weißt jetzt, über welche angeborenen, auslösenden Mechanismen Menschen verfügen und welche Bedeutung das Kindchenschema und das Mann-Frau-Schema haben. Das war’s für heute, Tschüss.

2 Kommentare
  1. Echt cool

    Von Emily Joyce S., vor 2 Monaten
  2. Hallo! Die Stimme und Sprachmelodie des Sprechers ist leider furchtbar öde. Trotzdem vielen Dank für die Mühe und bitte als voranbringende Kritik aufnehmen.
    Liebe Grüße aus Gießen

    Von Verena Sonja, vor etwa 2 Jahren