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Johann Wolfgang von Goethe: Wilhelm Meisters Lehrjahre - Interpretation und Rezeption 06:32 min

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Transkript Johann Wolfgang von Goethe: Wilhelm Meisters Lehrjahre - Interpretation und Rezeption

Johann Wolfgang von Goethe hat mit seinem Roman “Wilhelm Meisters Lehrjahre” den Prototyp des Bildungsromanes geschrieben. Dieses Genre gab es zwar schon vorher, allerdings hat Goethe ihn zur Meisterschaft gebracht. Den Bildungsweg der Hauptfigur Wilhelm Meister hat er durch Erfahrungen und aktives Handeln perfektioniert. Zumindest ist dies der heutige Stand und zeigt, wie man gegenwärtig über diesen Roman denkt. Doch wie wurde er zu Goethes Lebzeiten aufgenommen? Was konnten Kritiker damit verbinden? Welche Interpretationen des Werkes gab und gibt es? Der Mensch, der zum ersten Mal etwas zu Goethes Wilhelm Meister geäußert hat, war kein geringerer, als Friedrich Schiller. Die beiden Dichterfürsten verband seit 1794 eine enge Freundschaft. Genau zu dieser Zeit beginnt Goethes erneute Beschäftigung mit dem Wilhelm Meister. Ohne Schillers lobende Worte und den Zuspruch, den er Goethe in seinen Briefen gab, wäre “Wilhelm Meisters Lehrjahre” wohl kaum der Roman, den wir heute kennen.

Auch nach der Veröffentlichung 1795 und 1796 - die ersten der acht Bücher wurden Ende 1795 veröffentlicht, der Rest Anfang 1796 - blieb die Kritik meist positiv. Zeitgenossen wie Wilhelm Schlegel lobten das Werk und die Absicht zu zeigen, dass ein jeder gebildet werden könne. “Nicht dieser oder jener Mensch sollte erzogen, sondern die Natur, die Bildung selbst sollte in mannigfachen Beispielen dargestellt und in einfache Grundsätze zusammengedrängt werden.“, schreibt der Schriftsteller 1798.

Noch zu Goethes Lebzeiten wurde “Wilhelm Meisters Lehrjahre” an Universitäten besprochen und gelobt. Das zeigt, dass Goethe mit seinem Ideal einer persönlichen Bildung auf verschiedenen Ebenen, den Geist der Zeit getroffen hatte.

Im weiteren Verlauf des 19. Jahrhunderts wurde das Werk von Größen wie Friedrich Nietzsche gepriesen - meist für den abwechslungsreichen Schreibstil, der sich zwischen ernster Beobachtung und jugendlichem Scherz bewegt. Dieser gute Ruf hält bis heute an und ist mit dafür verantwortlich, dass der Roman immer noch von Bedeutung ist.

Nachdem Wilhelm Meister im Roman am Theater gescheitert ist, wird er in den Kreis der sogenannten Turmgeselleschaft eingeführt. In dieser Gesellschaft arbeiten einflussreiche Adlige daran, dass Allgemeinwohl der Gesellschaft zu verbessern. Sie setzten sich für eine Herrschaft der Vernunft ein. Am Ende heiratet Wilhelm Meister und wird durch diese Hochzeit selbst zum Adligen. Dieses “Happy End” hat jedoch auch Kritik provoziert. Der Schriftsteller und Philosoph Novalis bemerkte 1800: “Es ist ein fatales und albernes Buch. Die Freude, daß es nun aus ist, empfindet man am Schlusse im vollen Maße. Das ganze ist ein nobilitierter Roman. Wilhelm Meisters Lehrjahre, oder die Wallfahrt nach dem Adelsdiplom.“ Novalis bemängelt hier, dass der Adelsstand das höchste Glück und Ziel der Bildungsreise war. Ähnlich wie er, äußerten sich über die Jahrhunderte hinweg immer wieder kritische Stimmen. Die Abwendung von der Poesie hin zur Vernunft des tätigen Handelns und des Glückes einer Ehe wurde oft als konservativ und unzeitgemäß interpretiert.

Gerade durch die Komplexität des Werkes und den langen Weg, den Wilhelm Meister zurücklegt, gibt es eine Vielzahl an möglichen Interpretationen. Wir werden uns an dieser Stelle eine der geläufigsten Interpretationen ansehen: Den Konflikt zwischen Kunst und nützlichem Leben. Wenn man es auf wenige Worte herunterbrechen will, so handelt “Wilhelm Meisters Lehrjahre” vom Erwachsenwerden des jungen Wilhelm Meister. Er bildet sich selbst und individuell. Bildung bedeutet hier die Formung seines Charakters durch innere und äußere Kräfte. Das heißt durch eigene Erkenntnis und durch Vorkommnisse und Begegnungen.

Zuerst tut Wilhelm dies in der Welt des Theaters, der Welt des Scheins. Diese Welt steht im großen Kontrast zu dem, was er sonst kennt. Sein Vater ist Kaufmann, ein klassischer Beruf der das Geldverdienen schon im Namen trägt. Mit dem Theater verdient Wilhelm nichts.

Auf seiner Reise kommt er mit dem Adel in Kontakt und lernt diese Welt kennen. Der Adel hat Macht über das Theater, kann bestimmen, was gespielt wird und urteilt über das Werk. Hier beginnt die Abspaltung Wilhelms vom Theater.

In der Turmgesellschaft schließlich lernt er jene kennen, die sich für ein “tätiges Leben” einsetzen. Ein Leben, das dem Wohle der Allgemeinheit dient. Hier steht die Vernunft im Mittelpunkt und genau dort endet Wilhelm Meister am Schluss. Das Theater, die Kunst, die Welt des Scheins, all das hat hier keine Bedeutung mehr.

Diese Welt wird darüber hinaus stark abgewertet. Figuren, wie Mignon und der Harfner, die für diese Welt stehen, sterben. Die Poesie hat dort keinen Platz. Es stellt sich heraus, dass Mignon das Ergebnis eines Inszests ist, was sie zusätzlich abwertet. Auch der Harfner wird als Wahnsinniger gezeichnet.

Das Ideal ist die Vernunft, das Leben in der Ehe und im Kreis des Adels. So könnte man “Wilhelm Meisters Lehrjahre” lesen. Das Theater und die Kunst widersprechen diesem Ideal. Wie auch immer man zu Goethes Idealbild der Bildung stehen mag, eines ist gewiss: “Wilhelm Meisters Lehrjahre” ist einer der wichtigsten Romane der Weimarer Klassik. Gleichzeitig hat er mit diesem Buch den Bildungsroman salonfähig gemacht.

Andere Medien, wie die Musik zum Beispiel, haben den Text ebenfalls verwendet: Franz Schubert vertonte einige Passagen aus dem zweiten Buch. Auch andere Musiker, wie Robert Schumann nahmen sich des Stoffes an.

Trotz der langen Wirkungsgeschichte und vielen Interpretationen, gelingt es dem Roman heute nicht mehr wirklich, Debatten anzustoßen. Die Verhältnisse haben sich für solche Auseinandersetzungen zu stark verändert, die Kritik des Textes und das Ideal sind heute kaum noch denkbar.

1 Kommentar
  1. Default

    Es gibt angeblich einen Film aus 1978 über den Roman. Kennt jemand den Film? Hat jemand ihn gesehen? Details kann ich mit Google kaum finden. IMDB sagt das er existiert; eine Kopie finde ich aber nicht.

    Von Pvtsew, vor mehr als 2 Jahren