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Erzählperspektiven – Überblick

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Ø 4.5 / 53 Bewertungen

Die Autor/-innen
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Sarina Gebel

Erzählperspektiven – Überblick

lernst du in der 7. Klasse - 8. Klasse

Beschreibung Erzählperspektiven – Überblick

In diesem Video kannst du deine Kenntnisse festigen, die du schon in Bezug auf die vier grundlegendsten Erzählperspektiven hast. Dazu werde ich dir die Hauptmerkmale des personalen, auktorialen, neutralen und des Ich-Erzählers noch einmal vor Augen führen und diese anschließend praktisch auf verschiedene Textstellen anwenden. Du wirst erfahren, woran du die Erzählperspektiven konkret erkennen kannst. Viel Spaß dabei!

Transkript Erzählperspektiven – Überblick

Hallo, ich bin deine Deutschtutorin Sarina... ...und ich werde mit dir zusammen in diesem Video deine Kenntnisse in Bezug auf die vier grundlegendsten Erzählperspektiven in epischen Texten, also erzählenden Werken, praktisch anwenden.

Dazu werde ich die Hauptmerkmale des Ich-Erzählers sowie des auktorialen, personalen und neutralen Erzählers kurz wiederholen, bevor das Ganze danach an konkreten Textbeispielen verdeutlicht wird. Da der Schwerpunkt des Videos auf der Übung liegt, solltest du schon Vorwissen über die Hauptmerkmale der Erzählperspektiven mitbringen. Der Ich-Erzähler macht sich selbst zum Bestandteil der erzählten Welt und wird für den Leser als Person greifbar. Diesen Erzähler kannst du ganz leicht an den Personalpronomen “ich” oder “mir”, “mich” erkennen. Wenn der Erzähler sich in einer Gruppe befindet, erkennst du ihn an den Personalpronomen “wir” beziehungsweise “uns”.

Natürlich kann der Ich-Erzähler auch andere Figuren mit den Personalpronomen “er” oder “sie” beschreiben, doch dies geschieht stets aus seinem eingeschränkten Blickwinkel, den Augen einer Figur. Er kann nur in seine eigene Gefühlswelt sehen. Anders ist das beim auktorialen Erzähler. Dieser kann in die Gedanken- und Gefühlswelt aller Figuren sehen und wird deshalb auch der allwissende Erzähler genannt. Der auktoriale Erzähler ist eine für dich, den Leser, spürbare Instanz, da er sich durch persönliche Wertungen, Kommentare und Reflexionen bemerkbar macht. Bei diesen persönlichen Einschüben verwendet er auch gerne die Ich-Perspektive. Er befindet sich im Gegensatz zum Ich-Erzähler jedoch außerhalb der erzählten Wirklichkeit und nimmt die Rolle des Vermittlers ein. Unter einem personalen Erzähler versteht man einen Erzähler, der -ähnlich wie der Ich-Erzähler- in die Rolle einer oder mehrerer Figuren schlüpft, also deren Gedanken und Empfindungen kennt. Allerdings beschreibt er diese stets in der Er- beziehungsweise Sie-Form, weshalb er von manchen auch als Er-/Sie-Erzähler bezeichnet wird. Ein Perspektivwechsel ist möglich, aber nicht zwingend notwendig. Persönliche Kommentare wie die des auktorialen Erzählers sind nicht vorhanden - der Erzähler verschwindet quasi hinter der Figur. Der letzte der vier Erzähler, der neutrale Erzähler, beschreibt ebenso wie der auktoriale und der personale Erzähler die handelnden Figuren in der Er- beziehungsweise Sie-Form.

Du kannst ihn allerdings daran erkennen, dass er weder persönlich kommentiert noch in das Innere der Figuren blickt. Er interagiert nicht mit dem Leser, spricht dich also nicht direkt an, und ist durchweg objektiv. Los geht’s mit dem ersten Textbeispiel, einem Auszug aus William Makepeace Thackerays Roman “Jahrmarkt der Eitelkeit”:

“Da sie keine Heldin ist, brauchen wir ihre Person nicht zu beschreiben; ich befürchte sogar, dass ihre Nase etwas zu klein und ihre Wangen viel zu rot und rund für eine Heldin waren; aber ihr Gesicht strahlte von blühender Gesundheit, und auf ihren Lippen lag das munterste Lächeln[...]”

Wer erzählt hier - der personale, neutrale, auktoriale oder doch der Ich-Erzähler?

Der Erzähler ist nicht objektiv, sondern wertet eine Figur und ihr Äußeres, zum Beispiel mit “viel zu rot und rund”. Somit scheidet der neutrale Erzähler für diese Textstelle aus. Außerdem bezieht der Erzähler zwischendurch Position, indem er das Personalpronomen “ich” verwendet, wodurch der personale Erzähler ebenfalls wegfällt. Nun hilft die Frage, ob der Erzähler direkt am erzählten Geschehen teilnimmt und alles durch die Augen einer Figur sieht oder ob er eine Art Vermittler zwischen Leser und erzählter Welt darstellt.

Letzteres ist der Fall, was man zum Beispiel an dem Personalpronomen “wir” nachvollziehen kann, mit dem er sich selbst und den Leser, also dich, mit einschließt. Der auktoriale Erzähler nimmt nicht direkt am Geschehen teil. In der Textstelle beschreibt er eine Figur detailliert von außen, urteilt und bezieht den Leser direkt mit ein. Ein zweites Beispiel stammt aus dem Roman “Tschick” von Wolfgang Herrndorf:

“Offensichtlich hatte ich einen riesigen Fehler gemacht. Ich wusste zwar nicht, welchen. Aber es war Schürmann einfach anzusehen, dass ich mit dieser Geschichte einen absolut riesigen Fehler begangen hatte.”

Wieder kannst du das Personalpronomen “ich” finden, also ist es kein neutraler und auch kein personaler Erzähler. Diesmal ist der Erzähler jedoch direkt am erzählten Geschehen beteiligt. Schürmann, eine andere Figur, wird aus dem eingeschränkten Blickwinkel des Erzählers betrachtet, der in eine Figur schlüpft und aus der Ich-Perspektive erzählt. Der Erzähler weiß nur das über Schürmann, was er ihm ansieht. Er kann nicht in ihn hineingucken. Die Textstelle ist somit ein Beispiel für einen Ich-Erzähler. Der nächste Auszug stammt aus der Kurzgeschichte “Eis”, welche von Helga M. Novak verfasst wurde:

Ein junger Mann geht durch eine Grünanlage. In einer Hand trägt er ein Eis. Er lutscht. Das Eis schmilzt. Das Eis rutscht an dem Stiel hin und her. Der junge Mann lutscht heftig, er bleibt vor einer Bank stehen. Auf der Bank sitzt ein Herr und liest eine Zeitung. Der junge Mann bleibt vor dem Herrn stehen und lutscht.

Diese Textstelle zeichnet sich durch betonte Objektivität aus. Der Erzähler tritt in die Rolle eines Beobachters und lässt an keiner Stelle einen persönlichen Kommentar fallen. Es werden zudem keine Gefühle deutlich, weder die des jungen Mannes noch die des auf der Bank sitzenden Herrn. Es ist ein Beispiel für einen neutralen Erzähler. Der Anfang der Erzählung “Die Verwandlung” von Franz Kafka lautet:

“Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheuren Ungeziefer verwandelt. Er lag auf seinem panzerartig harten Rücken [...]”

Diese Textstelle ist, wie du dir vielleicht schon denken kannst, ein Beispiel für einen personalen Erzähler. Es wird in der männlichen dritten Person Singular, also “er fand”, “er lag”, erzählt. In diesem Fall ist “er” Gregor Samsa. Der Erzähler hat Einblick in die Innenwelt der Figur Gregor Samsa - er weiß, was er träumt und beschränkt sich innerhalb der Erzählung auf dessen Blickwinkel. Nachdem du die verschiedenen Erzählperspektiven nun einmal an konkreten Textpassagen nachvollziehen konntest, habe ich noch zwei Tipps für dich, auf die du bei der nächsten Analyse eines Erzähltextes achten solltest. Erstens, verwechsle niemals den Autor mit dem Erzähler. Wenn du zum Beispiel schreibst: “der Autor beschreibt die Figuren ausführlich”, ist das ein Fehler. Es muss heißen: “der Erzähler beschreibt die Figuren ausführlich”.

Mein zweiter Hinweis an dich besteht darin, dass die Erzählperspektive innerhalb eines epischen Werks auch wechseln kann. Lass dich dadurch nicht verunsichern - manche Autoren benutzen dies als stilistisches Mittel. Ich hoffe, dieses Video konnte dein Wissen über die verschiedenen Erzählperspektiven festigen.

Viel Erfolg bei der nächsten Textanalyse und bis zum nächsten Mal!

10 Kommentare

10 Kommentare
  1. Hallo, könnte man auch ein video über Erzählformen machen?

    Von H Rajhi, vor 10 Tagen
  2. Hallo Berndunwohl,
    wir freuen uns immer über Verbesserungsvorschläge. Was können wir bei unseren Videos besser machen? Es wäre toll, wenn du uns möglichst konkrete Tipps geben kannst.
    Viele Grüße aus der Redaktion

    Von Carolin Kasper, vor 6 Monaten
  3. blödes video !!!!

    Von Berndunwohl, vor 6 Monaten
  4. Sehr anschaulich👍

    Von Niklas Wesch, vor etwa 3 Jahren
  5. sehr gut erklärt, ich hab`s verstanden!!!

    Von S Heidersdorf, vor fast 4 Jahren
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Erzählperspektiven – Überblick Übung

Du möchtest dein gelerntes Wissen anwenden? Mit den Aufgaben zum Video Erzählperspektiven – Überblick kannst du es wiederholen und üben.
  • Definiere die vier grundlegenden Erzählperspektiven epischer Texte.

    Tipps

    Verdeutliche dir die Merkmale des Ich-Erzählers an folgendem Beispiel: Ich saß meinen Eltern an unserem Wohnzimmertisch gegenüber und bereitete mich innerlich darauf vor, was ich ihnen gleich mitteilen würde. Ich glaube, sie hatten keinen blassen Schimmer, was da auf sie zukam.

    Verdeutliche dir die Merkmale des auktorialen Erzählers an folgendem Beispiel: Die siebzehnjährige Lisa saß unruhig und nervös ihren Eltern am gemeinsamen Wohnzimmertisch gegenüber. Ihre Eltern blickten sie erwartungsvoll an und fragten sich, was ihre Tochter ihnen zu sagen hatte. Sie fanden, dass sie irgendwie aufgeregt wirkte. Lisa überlegte im gleichen Moment, ob ihre Eltern wohl ahnten, was sie ihnen gleich sagen würde.

    Lösung

    Der Ich-Erzähler tritt selbst in Erscheinung und spricht von sich, d.h. die Ich-Figur kann nur aus ihrer beschränkten und subjektiven Sicht erzählen und auch nur in die eigene Gefühlswelt blicken. Somit wird der Ich-Erzähler als Person greifbar. Über die Gedanken und Gefühle der anderen Figuren kann der Ich-Erzähler nur Vermutungen anstellen. Ein Beispiel für den Ich Erzähler wäre:

    • Ich saß meinen Eltern an unserem Wohnzimmertisch gegenüber und bereitete mich innerlich darauf vor, was ich ihnen gleich mitteilen würde. Ich glaube, sie hatten keinen blassen Schimmer, was da auf sie zukam.
    Der personale Erzähler schlüpft ähnlich wie der Ich-Erzähler in die Rolle einer Figur (ggf. auch mehrerer Figuren), deren Gedanken und Gefühle er somit kennt. Diese beschreibt er jedoch stets in der er- bzw. sie-Form. Der Erzähler verschwindet sozusagen hinter der Figur. Über die Gedanken und Gefühle der anderen Figuren kann auch der personale Erzähler nur Vermutungen anstellen. Ein Beispiel für den personalen Erzähler wäre:
    • Lisa saß ihren Eltern am Wohnzimmertisch gegenüber und bereitete sich innerlich darauf vor, was sie ihnen gleich mitteilen würde. Sie glaubte, dass ihre Eltern keinen blassen Schimmer von dem hatten, was da auf sie zukam.
    Der auktoriale Erzähler ist allwissend und kann somit in die Gedanken- und Gefühlswelt aller Figuren blicken, d.h. er kann eine Figur und ihr Verhalten von außen beschreiben und kann gleichzeitig sagen, was gerade in dieser Figur vorgeht. Außerdem kann ein auktorialer Erzähler zwischen den Perspektiven der einzelnen Charaktere wechseln. Er ist in der Lage, das Verhalten der Figuren zu kommentieren und zu bewerten. Ein auktorialer Erzähler würde z. B. folgendermaßen berichten:
    • Die siebzehnjährige Lisa saß unruhig und nervös ihren Eltern am gemeinsamen Wohnzimmertisch gegenüber. Ihre Eltern blickten sie erwartungsvoll an und fragten sich, was ihre Tochter ihnen zu sagen hatte. Sie fanden, dass sie irgendwie aufgeregt wirkte. Lisa überlegte im gleichen Moment, ob ihre Eltern wohl ahnten, was sie ihnen gleich sagen würde.
    Der neutrale Erzähler beschreibt ebenso wie der auktoriale oder personale Erzähler die handelnden Figuren mit den Namen bzw. in der Er- oder Sie-Form. Allerdings berichtet er nur das äußerlich Wahrnehmbare, d.h. er kommentiert nicht, wertet nicht, kann nicht in das Innere der Figuren blicken und spricht den Leser nicht direkt an. Ein neutraler Erzähler würde berichten:
    • Die Tochter saß ihren Eltern am Wohnzimmertisch gegenüber.

  • Bestimme die Merkmale, die die Ich-Erzählsituation im Roman „tschick“ beschreiben.

    Tipps

    Drei der sieben Aussagen treffen auf die Ich-Erzählsituation von „tschick“ zu.

    Lösung

    Der Ich-Erzähler im Roman „tschick“ macht sich – durch die Verwendung des Personalpronomens ich – selbst zum Bestandteil der erzählten Welt bzw. ist direkt am erzählten Geschehen beteiligt und wird somit für den Leser als Person greifbar: [...] hatte ich [...], * Ich wusste [...]*, [...] dass ich mit dieser Geschichte [...]. Die Beschreibung der Figur Schürmann geschieht aus dem eingeschränkten Blickwinkel des Ich-Erzählers. Dies wird besonders deutlich an der Formulierung [...] es war Schürmann einfach anzusehen [...]. Der Ich-Erzähler kann nur Vermutungen über die Gedanken und Gefühle Schürmanns anstellen.

    Folglich treffen die folgenden vier Aussagen nicht auf den Ich-Erzähler in „tschick“ zu:

    • Die Figur Schürmann wird vom allwissenden Standpunkt des Erzählers aus beschrieben. Diese Aussage trifft auf den auktorialen Erzähler zu.
    • Der Erzähler nutzt das Personalpronomen er. Diese Aussage trifft auf den personalen Erzähler zu.
    • Der Erzähler bezieht den Leser in die Erzählung ein. Diese Aussage trifft auf den auktorialen Erzähler zu.
    • Der Erzähler ist objektiv. Diese Aussage trifft auf den neutralen Erzähler zu.
    Quelle: Herrndorf, Wolfgang (2010): tschick. 2012. Berlin.

  • Untersuche, welcher Beispielsatz in welcher Erzählperspektive geschrieben ist.

    Tipps

    Suche nach den Personalpronomen in den Sätzen. Sie weisen darauf hin, ob es sich um die Ich-Erzählperspektive oder die personale Erzählperspektive handelt.

    Aus der neutralen Erzählperspektive wirkt das Geschehen eher szenisch, wie in einem Film.

    Lösung

    • Ich öffnete die Tür. Mein Herz klopfte wild, aber Karl neben mir sah ganz ruhig aus.
    Hierbei handelt es sich um die Ich-Erzählperspektive. Dies wird deutlich durch die Verwendung der Personalpronomen ich und mir. Der Ich-Erzähler ist direkt am Geschehen beteiligt (Ich öffnete die Tür.) und kann andere Figuren mit den Personalpronomen er oder sie bzw. mit ihrem Namen beschreiben (aber Karl neben mir). Die anderen beteiligten Figuren werden immer aus dem Blickwinkel des Ich-Erzählers beschrieben, der subjektiv und nur begrenzt ist. Dies wird deutlich an der Formulierung sah ganz ruhig aus. Es wird klar, dass Karl zwar für den Erzähler – der aufgeregt ist – äußerlich ruhig aussieht, aber dass es sich nur um eine Vermutung des Ich-Erzählers handelt und er nicht genau weiß bzw. wissen kann, wie sich Karl tatsächlich fühlt und was ihm durch den Kopf geht.

    • Sie öffnete die Tür. Ihr Herz klopfte wild. Karl jedoch, der neben ihr stand, wirkte auf sie ganz ruhig.
    Es handelt sich um einen personalen Erzähler, da in der er-/sie-Form berichtet wird. Wie beim Ich-Erzähler wird dem Leser das Geschehen nur aus der Perspektive einer Figur mitgeteilt. Der Leser kennt die Gedanken und Emotionen dieser Figur, weiß jedoch über andere Figuren auch nur das, was diese eine Figur wahrnimmt, weiß oder annimmt. Das wird vor allem deutlich anhand der Formulierung wirkte auf sie ganz ruhig.

    • Marie öffnete die Tür. Ihr Herz klopfte wild. Karl neben ihr wirkte auf sie zwar ganz ruhig, war aber noch aufgeregter.
    Hier handelt es sich um einen auktorialen Erzähler, der allwissend ist und sich außerhalb der erzählten Wirklichkeit befindet. Er kann in die Gedanken- und Gefühlswelt aller Figuren blicken. Daher weiß er, dass sowohl Marie (Ihr Herz klopfte wild.) als auch Karl (war aber noch aufgeregter) aufgeregt sind. Gleichzeitig weiß er auch, dass Karl nach außen hin – trotz seiner Aufregung – auf Marie ruhig wirkt (wirkte auf sie zwar ganz ruhig).

    • Marie öffnete die Tür. Karl stand neben ihr.
    Hierbei handelt es sich um einen neutralen Erzählstil. Der neutrale Erzähler beschreibt die handelnden Figuren, ebenso wie der personale und der auktoriale Erzähler, in der Er-/Sie-Form bzw. mit dem Namen. Allerdings kommentiert und wertet er nicht, sondern beschreibt nur das äußerlich Wahrnehmbare (öffnete und stand). Das heißt, er kann nicht in das Innere der Figuren blicken und weiß daher nicht, dass Marie und Karl aufgeregt sind, Karl jedoch auf Marie ruhig wirkt.

  • Entscheide, um welche Erzählsituation es sich bei den Textbeispielen handelt.

    Tipps

    Der personale Erzähler nimmt am Geschehen aktiv teil (sogenannte Innensicht).

    Der Ich-Erzähler schildert die Geschichte aus der Ich-Perspektive und gebraucht folglich die Ich-Form.

    Der neutrale Erzähler zieht sich aus der erzählten Welt zurück. Das heißt, dass es keine kommentierende oder wertende Erzählerstimme gibt, die den Leser durch die Geschichte führt.

    Lösung

    1. In dem Auszug aus Georg Büchners „Lenz“ handelt es sich um eine personale Erzählsituation, da aus der Perspektive einer einzigen Figur in der er-Form berichtet wird, z. B. er suchte nach etwas, [...], aber er fand nichts. Der Erzähler hat somit ausschließlich Einblick in die Innenwelt dieser einen Figur, d.h. er weiß, was diese denkt, wahrnimmt, fühlt usw. Dies wird deutlich an Sätzen, wie Es war ihm alles so klein, so nahe, so naß oder er meinte, er müsse Alles mit ein Paar Schritten ausmessen können. Die Wirklichkeit spiegelt sich im Bewusstsein der gezeigten Figur.
    2. Im Auszug aus Helga M. Novaks Kurzgeschichte „Eis“ wird die starke Stellung des neutralen Erzählers deutlich. Die Außensicht als Erzählperspektive hat zur Folge, dass die Handlung so dargestellt ist, wie sie ein Passant wahrnehmen könnte. Die Erzählform ist die 3. Person Singular, wobei die beiden Figuren als der junge Mann und der Herr* beschrieben werden. Der Erzähler ist durchgehend objektiv, d.h. er schildert nur das äußerlich Wahrnehmbare, so z. B. auch den Dialog zwischen den beiden Figuren. Dabei erhält der Leser jedoch keine Einblicke in die Gedanken und Gefühle der Personen. Es handelt sich hier um ein quasi erzählerloses Erzählen, d.h. der Erzähler greift weder kommentierend noch wertend in das Geschehen ein, noch wählt er die Sichtweise einer der Figur.
    3. Ein Ich-Erzähler liegt im Auszug aus Conrad Ferdinand Meyers Novelle „Das Amulett“ vor. Hier sieht der Leser alle Geschehnisse so, als ob die Figur sich in Gedanken alles selbst beschreibt. Der Ich-Erzähler ist leicht erkennbar an den Signalwörtern ich, mir, mich, mein usw., z. B. Er führte mich oder Ich hatte meine kurze Arbeit beendet. Gleichzeitig kann der Ich-Erzähler andere Figuren mit dem Personalpronomen er oder sie beschreiben, z. B. Er hatte eben. Dies passiert jedoch immer aus dem eingeschränkten Blickwinkel des Ich-Erzählers, da er nur in die eigene Gefühlswelt blicken kann, aber nicht in die Gedanken- und Gefühlswelt der anderen Personen. Im Auszug wird dies deutlich anhand von Formulierungen, wie nach seinem Siegel suchend, das er verlegt zu haben schien.
    4. Im Auszug aus Hans Christian Andersens Märchen „Schön.“ lässt sich der auktoriale Erzählstil erkennen. Der Erzähler steht außerhalb der erzählten bzw. fiktionalen Welt der Figuren, dies ist die sogenannte Außenperspektive. Gleichzeitig ist er allwissend und weiß somit auch über jede Figur der Geschichte Bescheid, sowohl über den Bildhauer Alfred als auch über die Lehrjungen und die Kinder der kleinen Leute, auch wohl einige ihrer Eltern. Der auktoriale Erzähler überblickt das ganze Geschehen (Es war eine Begebenheit, von der die Stadt ohne Bekanntmachung wußte.) und kann sich durch gestalterische Eingriffe wie ironische Bemerkungen, die Kommunikation mit dem Leser oder durch Rückblenden/Vorausdeutungen bemerkbar machen. Gleich zu Beginn des Ausschnitts wendet sich der Erzähler mit einer Frage an den Leser: Der Bildhauer Alfred, ja, du kennst ihn wohl?.
    Quellen:
    • Büchner, Georg (1839): Lenz. Eine Novelle. URL: https://www.projekt-gutenberg.org/buechner/lenz/lenz.html. [Abgerufen am 23.06.2015].
    • Novak, Helga M. (1979): Eis. URL: https://anja-sieger.de/wp-content/uploads/2018/10/Text-EIS.pdf [Abgerufen am 23.06.2015].
    • Meyer, Conrad Ferdinand (1873): Das Amulett. URL: https://www.projekt-gutenberg.org/cfmeyer/amulett/amulett.html. [Abgerufen am 23.06.2015].
    • Andersen, Hans Christian (1852): Andersens Märchen. Ergänzungsband - Kapitel 9. »Schön.«. URL: https://www.projekt-gutenberg.org/andersen/maererga/maererga.html [Abgerufen am 23.06.2015].

  • Gib wieder, welche Merkmale für welche Erzählperspektive zutreffen.

    Tipps

    Verdeutliche dir noch einmal an diesem Textbeispiel die Merkmale des personalen Erzählers: K. hängte, als er diese Meldung erhalten hatte, ohne zu antworten, den Hörer an; er war gleich entschlossen, Sonntag hinzugehen, es war gewiß notwendig, der Prozeß kam in Gang und er mußte sich dem entgegenstellen, diese erste Untersuchung sollte auch die letzte sein. Er stand noch nachdenklich beim Apparat, da hörte er hinter sich die Stimme des Direktor-Stellvertreters, der telephonieren wollte, dem aber K. den Weg verstellte.

    Verdeutliche dir noch einmal an diesem Textbeispiel die Merkmale des neutralen Erzählers: Ein junger Mann geht durch eine Grünanlage. In einer Hand trägt er ein Eis. Er lutscht. Das Eis schmilzt. Das Eis rutscht an dem Stiel hin und her. Der junge Mann lutscht heftig, er bleibt vor einer Bank stehen. Auf der Bank sitzt ein Herr und liest eine Zeitung. Der junge Mann bleibt vor dem Herrn stehen und lutscht.

    Jedem der drei Felder sind jeweils drei Merkmale zuzuordnen.

    Lösung

    1. Der Ich-Erzähler und der personale Erzähler ähneln sich, weil beide aus der Sicht einer einzigen Figur erzählen. Beide berichten stets subjektiv, d.h. ihr Blickwinkel ist eingeschränkt, da sie keinen Zugang zur Gedanken- und Gefühlswelt anderer Figuren haben. Allerdings verwendet der Ich-Erzähler das Personalpronomen ich und der personale Erzähler die Personalpronomen er/sie. Im Gegensatz zum Ich-Erzähler schlüpft der er-/sie-Erzähler jedoch nicht in die Figur selbst, sondern berichtet dem Leser, was die jeweilige Figur erlebt, wahrnimmt und empfindet. Es ist aber durchaus möglich, dass der personale Erzähler auch zwischen verschiedenen Figuren wechselt.
    2. Der auktoriale Erzähler ist allwissend, da er in die Gedanken- und Gefühlswelt aller Figuren Einsicht hat. Er mischt sich in Form von persönlichen Wertungen und Kommentaren in das Erzählte ein und ist somit eine für den Leser spürbare Instanz. Da er sich im Gegensatz zum Ich-Erzähler außerhalb der erzählten Welt befindet, nimmt er eine Vermittlerrolle ein.
    3. Der neutraler Erzähler beschreibt die handelnden Figuren zwar wie der personale und der auktoriale Erzähler in der Er-/Sie-Form, jedoch beschreibt er dabei immer in einer objektiven Art und Weise. Er gibt keine persönlichen Kommentare oder Wertungen ab und er interagiert nicht mit dem Leser. Er nimmt sozusagen eine Beobachterrolle ein und beschreibt nur das äußerlich Wahrnehmbare.
    Quellen:
    • Kafka, Franz (1925): Der Prozeß. URL: https://www.projekt-gutenberg.org/kafka/prozess/titlepage.html. [Abgerufen am 22.06.2015].
    • Novak, Helga M. (1935): Eis. URL: https://anja-sieger.de/wp-content/uploads/2018/10/Text-EIS.pdf. [Abgerufen am 19.06.2015].

  • Untersuche die wechselnde Erzählperspektive im Auszug „Der Verkehrsunfall“ aus dem Roman „Der Mann ohne Eigenschaften“ von Robert Musil.

    Tipps

    Der Er-/Sie-Erzähler kann als personaler, auktorialer oder neutraler Erzähler auftauchen.

    Der auktoriale Erzähler hat sowohl einen Überblick über das gesamte Geschehen als auch den Einblick in die Innenwelt jeder Figur der Geschichte.

    Die Erzählperspektive kann teilweise sogar innerhalb eines Satzes wechseln.

    Lösung

    Die Erzählperspektive kann innerhalb eines Erzähltextes (mehrfach) wechseln. Viele Autoren verwenden den Perspektivwechsel als stilistisches Mittel. Im Romanauszug „Der Verkehrsunfall“ von Robert Musil überwiegt die personale, teilweise auch neutrale Erzählperspektive. Dennoch gibt es auch bei dieser überwiegend personal bzw. neutral gestalteten Erzählperspektive mehrere Stellen, die dem auktorialen Stil zuzuordnen sind. Der Wechsel der Erzählperspektive bzw. die vereinzelt eingestreuten Kommentare eines auktorialen Erzählers dienen einer Erzählfunktion, die die Annäherung und Distanzierung vom erzählten Geschehen des Unfalls gestalten will.

    • Die beiden Menschen, die eine breite, belebte Straße hinaufgingen, gehörten ersichtlich einer bevorzugten Gesellschaftsschicht an [...] Hier handelt es sich um einen auktorialen Erzähler, da sich der Erzähler offensichtlich außerhalb der erzählten Welt befindet. Gleichzeitig sind ihm jedoch verschiedene Details über diese beiden Menschen bekannt. Außerdem verwendet der Erzähler wertende Formulierungen, wie ersichtlich, bevorzugten oder vornehm.
    • Die Formulierung bedeutsam auf ihre Wäsche gestickt verweist auf das Urteil bzw. den Kommentar eines diesen Umstand kritisch betrachtenden auktorialen Erzählers. Gleiches gilt für die Formulierung feinen Unterwäsche ihres Bewusstseins.
    • Diese beiden hielten nun plötzlich ihren Schritt an [...] sowie Die Blicke der Hinzukommenden richteten sich auf ihn [...] lässt sich der neutralen Erzählperspektive zuordnen, da hier (mehr oder weniger) objektiv das Geschehen beschrieben wird, wie es auch ein vorbeilaufender Passant wahrnehmen würde.
    • Wie die Bienen um das Flugloch hatten sich im Nu Menschen um einen kleinen Fleck angesetzt [...] lässt sich vornehmlich einem auktorialen Erzähler zuordnen, da es deutlich wertend bzw. kommentierend gefärbt ist. Gleiches gilt für die Formulierung sanken dann vorsichtig.
    • Auch Die Dame fühlte etwas Unangenehmes in der Herz-Magen-Grube, [...]. lässt sich dem personalen Erzählstil zuordnen. Hier berichtet der Erzähler aus der Perspektive der Figur und teil dem Leser ihre Gedanken und Gefühle mit. Dasselbe gilt für Die Dame fühlte sich dadurch erleichtert [...].
    • Der Herr sagte nach einigem Schweigen zu ihr: „Diese schweren Lastwagen, wie sie hier verwendet werden, haben einen zu langen Bremsweg.“ sowie „Nach den amerikanischen Statistiken“, so bemerkte der Herr, „werden dort jährlich durch Autos 190 000 Personen getötet und 450 000 verletzt.“ lässt sich der neutralen Erzählperspektive zuordnen, da es sich hier um die Wiedergabe wörtlicher Rede bzw. einen Dialog handelt, was szenisch wirkt. Der Erzähler kommentiert und wertet das Gesagte nicht.
    • Die Stelle Bewunderswert sind diese sozialen Einrichtungen. lässt sich als ironisch-kritischer Einwurf eines auktorialen Erzählers werten, gegebenenfalls auch als innerer Monolog einer der beiden Figuren.
    • Man hob den Verunglückten auf eine Tragbahre und schob ihn mit dieser in den Wagen. Der neutrale Erzähler berichtet objektiv von den Geschehnissen, d.h. er zieht sich aus der Figurenwelt zurück. Dadurch gibt es keine kommentierende oder wertende Erzählerstimme. Auch hier vermittelt der Erzähler wieder um nur äußerlich wahrnehmbare Vorgänge.
    Quelle: Musil, Robert (1930): Der Mann ohne Eigenschaften.

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