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„Das fliegende Klassenzimmer“ – Interpretationsansatz und Rezeptionsgeschichte (Kästner) 05:49 min

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Transkript „Das fliegende Klassenzimmer“ – Interpretationsansatz und Rezeptionsgeschichte (Kästner)

Wie kann ein erwachsener Mensch seine Jugend so vollkommen vergessen, daß er eines Tages überhaupt nicht mehr weiß, wie traurig und unglücklich Kinder zuweilen sein können?“ Das fragt Erich Kästner in seinem Vorwort. Er regt sich darin über einen anderen Kinderbuchautor auf. Jener tut nämlich so, „als ob die Kindheit aus prima Kuchenteig gebacken sei.

Kästner hält das für eine Lüge. Und er folgert: Es sei egal, worüber man trauere. Ob über eine zerbrochene Puppe oder einen verlorenen Freund. Die Kindertränen seien nicht kleiner als die der Großen. So führt er in “Das fliegenden Klassenzimmer“ mehrere Jungen vor, die traurig sind oder Probleme haben. Zum einen gibt es Uli von Simmern. Der kleine Junge leidet unter seiner Ängstlichkeit und unter seiner Feigheit. Dann haben wir Martin Thaler, den Klassenbesten. Er ist sehr unglücklich, da er an Weihnachten nicht nach Hause zu seiner Familie fahren kann. Anstatt sich seinen Freunden anzuvertrauen, behält Martin seine Sorgen für sich. Wahrscheinlich schämt er sich, weil seine Eltern kein Geld haben. Doch beim Unglücklichsein hört es nicht auf. Kästner gibt einen Ratschlag: man brauche Mut und Klugheit, um die Trauer zu überwinden. Und zwar in dieser Kombination. Denn: „Mut ohne Klugheit ist Unfug; und Klugheit ohne Mut ist Quatsch!“ Wie setzen die Personen im Roman das um? Uli versucht, mit seinem waghalsigen Sprung von den Kletterstangen hinunter seine Mitschüler zu beeindrucken. Ob das nun besonders klug ist, sei dahingestellt. Sicherlich ist es sehr leichtsinnig, und nur mit viel Glück kommt Uli bloß mit einem Beinbruch davon. Doch mutig ist es allemal. Und was zählt ist, dass er seine Angst überwunden hat.

Martin kann sein Problem zuerst nicht lösen, da er es verschweigt. Doch als der Hauslehrer Justus ihn anspricht, erweist es sich als klüger seine Scham zu überwinden. Er erzählt Justus von seinen Sorgen und zeigt damit Mut. Und Justus, der für die Schüler ein Freund sein will, beweist seine Großzügigkeit und sein Verständnis. Er gibt ihm das fehlende Fahrgeld. Die Rezeptionsgeschichte des „fliegenden Klassenzimmers“ zeigt, dass Werke, die solche Werte vermitteln, auf große Resonanz stoßen. Erich Kästner hatte zur Zeit der Veröffentlichung schon viele Artikel und Gedichte für Erwachsene geschrieben. Doch Kinderbücher schrieb er erst seit vier Jahren. Sein allererstes Kinderbuch, „Emil und die Detektive“, war 1929 ein riesiger Erfolg. Wie wurde nun „Das fliegende Klassenzimmer“ aufgenommen? 1933, als es zu Weihnachten erschien, war das politische Klima in Deutschland ungünstig für Kästner. Adolf Hitler war an der Macht. Ein halbes Jahr zuvor hatten die Nationalsozialisten viele Bücher von Schriftstellern verbrannt, die ihre Weltanschauung nicht teilten. Darunter auch die Bücher von Erich Kästner. Dennoch wurde „Das fliegende Klassenzimmer“ noch in Deutschland gedruckt. Danach durfte Kästner seine Bücher bis zum Kriegsende nicht mehr in Deutschland drucken. Er veröffentlichte stattdessen unter einem anderen Namen. Bis 1936 wurde “Das fliegende Klassenzimmer” gut verkauft, dann wurde auch dieses Buch von den Nationalsozialisten beschlagnahmt.

1954 wurde „Das fliegende Klassenzimmer“ zum ersten Mal verfilmt. Der Film hält sich eng an die Vorlage, das Drehbuch stammt von Kästner selbst. Er tritt darin sogar als Erzähler auf. Der Schwarzweiß-Film wurde zu einem der bekanntesten Filme der Nachkriegszeit. Weitere Verfilmungen folgten 1973 und 2003. Die neuste Verfilmung hält sich allerdings nur sehr lose an die Romanvorlage. „Das fliegende Klassenzimmer“ wurde und wird nicht nur von deutschsprachigen Jugendlichen gelesen. Wie Kästners andere Kinderbücher wurde auch dieses Buch in über dreißig Sprachen übersetzt, zum Beispiel ins Koreanische, Griechische oder Kroatische. Es ist längst ein Jugendbuchklassiker geworden. Dennoch gibt es auch in der neueren Zeit kritische Stimmen gegenüber dem Werk. Manche Literaturwissenschaftler kritisieren die Moral in dem Internatsroman. So werden Schlägereien ausführlich beschrieben und die Gewalt gegen die Realschüler als berechtigt dargestellt. Das allerdings widerspricht dem Vorwort nicht. Denn Kästner empfiehlt nicht nur Mut und Klugheit, nein, er rät auch: „Ihr sollt hart im Nehmen werden. (...) Ihr sollt lernen, Schläge einzustecken und zu verdauen.“ Sonst sei man nach der ersten Ohrfeige, die man vom Leben bekomme, außer Gefecht. Darum empfiehlt er: „Also: Ohren steifhalten! Hornhaut kriegen! Verstanden?

1 Kommentar
  1. Default

    sehr interessant

    Von Markbus, vor 9 Monaten