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„Andorra“ – Personenkonstellation (Frisch)

Erfahre in Max Frischs Drama "Andorra" über die verheerenden Folgen von Vorurteilen in einem Modelldorf. Begleite Andri, Barblin und Lehrer Can durch eine beispiellose Geschichte von Liebe, Verrat und Identität. Interessiert? Dies und mehr im Text entdecken!

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Deutsch-Team
„Andorra“ – Personenkonstellation (Frisch)
lernst du in der 8. Klasse - 9. Klasse - 10. Klasse

„Andorra“ – Personenkonstellation (Frisch) Übung

Du möchtest dein gelerntes Wissen anwenden? Mit den Aufgaben zum Video „Andorra“ – Personenkonstellation (Frisch) kannst du es wiederholen und üben.
  • Benenne die Personen im Theaterstück „Andorra“, die zu Andris Familie gehören.

    Tipps

    Die Familie ist relativ klein; heute würde man von einer Patchwork-Familie sprechen.

    Von einer Person erfährt man erst gegen Ende des Dramas, dass sie auch zur Familie gehört.

    Lösung

    Zu Beginn des Dramas erfährt das Publikum, dass Andri vom mutigen Lehrer Can vor der Verfolgung gerettet worden war. Er ist nämlich ein jüdisches Kind. Dass das nicht stimmt, erfährt man im Verlauf des Theaterstückes.

    1. Anfangs wird der Eindruck erweckt, als sei Andri nur in die Familie des Lehrers aufgenommen und dort großgezogen worden, mit Barblin als seiner Halbschwester.
    2. Die Bedrohung durch die Schwarzen wird immer stärker, was die Situation für den Lehrer problematischer macht. Er kann die Lüge, dass er Andri gerettet habe, nicht aufrechterhalten und wird zum Trinker. Er bemüht sich immer wieder, mit Andri ins Gespräch zu kommen, was dieser aber nicht zulässt.
    3. Als die Senora zu Besuch kommt, erfährt sie von der Lüge des Lehrers und macht ihm Vorwürfe, dass ihr gemeinsames Kind Andri in Andorra als Jude gilt.
    4. Die Mutter spielt eine sehr untergeordnete Rolle, am deutlichsten tritt sie auf, als sie dem Doktor Vorwürfe macht. Er spricht schlecht über jüdische Menschen. In diesem Zusammenhang teilt sie ihm mit, dass Andri ein Jude ist. Sie setzt sich deutlich für seinen Schutz ein.
  • Ordne den einzelnen Gruppen innerhalb des Dramas ihre Mitglieder zu.

    Tipps

    Individuen und Typen unterscheiden sich so: Die einen zeigen persönliche, eigene Verhaltensweisen; die anderen sind austauschbar - legen verallgemeinernde Verhaltensweisen an den Tag, die für gesellschaftliches Verhalten stehen.

    Lösung

    Frisch sagte, dass dieses Stück Modellcharakter habe. Um aber dem Publikum zu verdeutlichen, was genau er mit diesem Drama vermitteln möchte, gibt er einzelnen Personen Namen, damit sie als eindeutig identifizierbare Personen mit eigenem Schicksal verständlich werden und eine Möglichkeit zur Identifizierung zu geben. Dazu teilt er seine Akteur/-innen in drei Gruppen ein:

    1. Die Gruppe der Individuen, der Opfer, der Außenseiter/-innen. Zu ihnen gehören zunächst auf jeden Fall Andri, Barblin und die Mutter, wenn auch nur sehr bedingt, da sie nur wenige Auftritte hat; vollständig wird die Familie mit Lehrer Can. Auch die Senora könnte man hierzu rechnen, ihr kommt eine Doppelrolle zu.
    2. Zur Gruppe der Typen, die austauschbar sind, gehören der Wirt, der jeder beliebige Wirt sein könnte, der Tischler und der bei ihm arbeitende Geselle, der Andri mit seinem Verhalten das Leben schwer macht und verhindert, dass dieser seinen Neigung entsprechend arbeiten kann. Auch der Doktor gibt nur Ansichten kund, die landläufig immer wieder geäußert werden, die jede/-r Akademiker/-in äußern könnte, so meint Frisch. Auch der Soldat zeigt, dass er Andri nicht ernst nimmt, eigentlich gar nicht wahrnimmt, und sich mit Barblin zu vergnügen sucht. Der Jemand vertritt nur Allgemeinplätze in Bezug auf jüdische Menschen und die Art und Weise, wie man angeblich mit ihnen umgehen sollte.
    3. Schließlich kommen noch die Schwarzen als ständige Bedrohung auf die Bühne. Zu ihnen gehört - wenn auch mit Einschränkungen - die Senora; sie ist außerdem die Mutter Andris und hatte mit dem Lehrer ein Verhältnis. Sie ist eine Schwarze, wie sie selbst Andri gegenüber äußert. Zur Gruppe der Schwarzen gehören außerdem auch die Judenschauer.
  • Ordne die richtigen Aussagen den entsprechenden Personen zu.

    Tipps

    Die Aussagen der einzelnen Personen geben ihre Einstellungen wieder, vor allem jüdischen Menschen gegenüber. So sagt nicht nur der Tischler, dass er Andri eigentlich nichts Böses wolle, er glaube einfach, dass der Kaufmann besser zu ihm passe - weil der Kaufmann angeblich typische Eigenschaften eines Juden habe. Das passiert auch bei den anderen Personen. Warum geht der Vater ins Wirtshaus und betrinkt sich?

    Lösung

    Die Aussagen, die hier verbunden werden müssen, sind typisch für die entsprechenden Personen und insofern eindeutig zuzuordnen.

    • Barblin sagt Andri, dass sie sich natürlich nur auf ihn konzentriere, wenn er sie küsse und dabei nicht an die anderen denke.
    • Seine große Enttäuschung über seinen Vater äußert Andri, als er ihm vorwirft, ihm geglaubt zu haben, dass er anders sei als die andern.
    • Den Vater belastet seine Lüge schon längere Zeit; deshalb sucht er immer häufiger das Wirtshaus auf. Sein Problem ist, dass er zwar die Wahrheit sagen will, aber einfach nicht die Kraft dazu findet.
    • Dass sie eine Schwarze ist und von drüben kommt, eröffnet die Senora Andri und weist ihren Sohn auf die Haltung der Andorraner/-innen hin.
    • Der Doktor erklärt Andri die Welt. Er meint, er wisse wie der Jud' sei und dass er als kleiner Andorraner keine Chance gegen ihn habe.
    • Das Eingeständnis des Paters, sich schuldig zu fühlen, zeigt sich in seiner eindeutigen Aussage. Auch er habe sich ein Bildnis von Andri gemacht und so dazu beigetragen, dass Andri an den Pfahl gebracht worden sei. Er ist neben Barblin der Einzige, der sich offen schuldig bekennt.
    Alle zeigen ihr wahres Gesicht in diesen Zitaten und dabei wird auch die Schuldfrage eindeutig geklärt. Das inzwischen völlig zerstörte Verhältnis der Hauptperson zum Verursacher der Misere wird öffentlich.

    Quellenangaben

    1. Zitat Lehrer, Quelle: Frisch, Max (1961): Andorra, Frankfurt am Main, S. 49.
    2. Zitat Barblin, Quelle: Frisch, Max (1961): Andorra, Frankfurt am Main, S. 27.
    3. Zitat Doktor, Quelle: Frisch, Max (1961): Andorra, Frankfurt am Main, S. 40.
    4. Zitat Senora, Quelle: Frisch, Max (1961): Andorra, Frankfurt am Main, S. 79.
    5. Zitat Pater, Quelle: Frisch, Max (1961): Andorra, Frankfurt am Main, S. 65.
    6. Zitat Andri, Quelle: Frisch, Max (1961): Andorra, Frankfurt am Main, S. 55.
  • Vergleiche das Fremdbild, das die Andorraner/-innen von Andri haben, mit seinem tatsächlichen Charakter.

    Tipps

    Relativ früh im Stück fühlt Andri, dass mit ihm etwas nicht stimmt; er wird von den Andorraner/-innen anders gesehen, als er sich selbst empfindet. Selbst- und Fremdbild stimmen also nicht überein.

    Lösung

    Vorurteile bestimmen bis zum heutigen Tag das gesellschaftliche Leben. Viele Menschen und Gruppen leiden unter den Vorurteilen, die meisten stimmen nicht. Viele Forscher/-innen haben sich mit den Fragen auseinandergesetzt, warum das so ist und wie man dieses Verhalten verbessern könne. Die Ergebnisse sind erstaunlich: Dass die Menschen so sehr an Vorurteilen festhalten, so wird behauptet, hängt mit einer Urangst zusammen, vor allem vor Fremdem und Unerklärlichem. Einen Weg, alle existierenden Vorurteile zu beseitigen, hat man leider bis heute nicht gefunden. Für Andri bedeutet das, dass er selber herausfinden müsste, was mit ihm los ist; dazu hat er nach all den Schwierigkeiten allerdings keine Kraft mehr und dann überrollen ihn die Ereignisse.

    • Ihm wird klar, dass er anders ist als die anderen, das, so glaubt er, hängt damit zusammen, dass er ein Jude ist; in Wirklichkeit aber ist sein Vater Andorraner und seine leibliche Mutter eine Schwarze.
    • Als er sich bemüht, ein Handwerk zu erlernen, glaubt der Tischler, ihm beweisen zu können, dass er ungeschickt ist und nicht für einen solchen Beruf tauge, obwohl er einen erstklassigen Stuhl fertigen konnte. Er schlägt ihm stattdessen vor, doch Verkäufer zu werden, weil das dem jüdischen Blute scheinbar besser entspreche.
    • Die Andorraner/-innen vertreten die Meinung, dass jüdische Menschen kein Gemüt hätten; dies zu glauben, fällt Andri besonders schwer, denn er ist sehr verliebt in Barblin, die Halbschwester, mit der er über Heirat spricht und sogar ihren Vater um ihre Hand bittet. Erst am Ende glaubt er, dass Barblin ihn gar nicht lieben könne, weil es ja keine Gegenliebe gäbe; er sei ja zu diesem Gefühl gar nicht fähig.
    • Der Doktor berichtet, dass er die Juden kenne und wisse, dass sie feige seien. Bei Andri zeigt sich aber an mindestens zwei Stellen, dass das auf ihn nicht zutrifft. Als der Tischlergeselle den Stuhl, den Andri hergestellt hat, für sich reklamiert, wehrt sich Andri und zeigt dem Tischler gegenüber, dass er sehr mutig ist. Noch deutlicher wird sein Mut am Ende des Theaterstückes, als er mit dem Tode bedroht wird und sich den Vorurteilen nach eher verstecken müsste oder fliehen; allerdings stellt er sich seinem Schicksal und hofft auf Gerechtigkeit.
  • Beschreibe die Beziehung zwischen Andri und Barblin.

    Tipps

    Andri und Barblin sind fast gleichaltrig und leben im selben Haushalt. Sie sind aber keine Geschwister, so wird es am Anfang des Dramas dargestellt.

    Lösung

    Andri und Barblin sind die einzigen Jugendlichen, die namentlich benannt werden und in derselben Familie leben. Zunächst mögen sie einander; aus dieser Beziehung wird Liebe, die beiden schmieden Pläne zu heiraten. Diese Tatsache führt dann zu dem großen Desaster.

  • Arbeite die Einstellung des Doktors vor Gericht heraus.

    Tipps

    Es ist nicht ganz einfach, die Position des Doktors herauszufinden: Er hält seine Äußerungen sehr allgemein und geht nicht auf Einzelheiten ein. An einigen Stellen findet er aber Entschuldigungen dafür, dass er sich nicht schuldig fühlt. Gleichzeitig gibt er aber eine Entschuldigung, weil Andri ja vermeintlich jüdische Eigenschaften gezeigt habe. Insgesamt überwiegen allerdings Deklarationen darüber, dass er nicht schuldig sei.

    Lösung

    Fast alle Personen erscheinen zwischen den einzelnen Bildern vor der Zeugenschranke, sie müssen darüber Auskunft geben, inwiefern sie glauben, sich schuldig gemacht zu haben. Der Doktor ist der Letzte, der vortreten muss. Es fällt ihm sehr schwer, eine genaue Einstellung zu finden. Er kann sich nicht, wie der Lehrer Can, zu seiner Schuld bekennen und die angemessene Entscheidung treffen. Ein Vergleich zwischen den beiden Figuren zeigt, dass es in solchen Fragen nicht auf die Bildung oder Ausbildung ankommt, sondern darauf, dass man die richtigen Entscheidungen trifft.

    • Der Doktor bekennt sich an drei Stellen schuldig, indem er sagt Ich gebe zu und ich bestreite keineswegs; schnell findet er aber Erklärungen dafür, dass er nicht schuld sein kann und beteuert zweimal ich bin nicht schuld. Er hat vermutlich ein schlechtes Gewissen und fürchtet die Folgen für sein Handeln, sodass ihn der Mut verlässt, hier zu seiner Verantwortung als Mensch und Arzt zu stehen.
    • Dann findet er Erklärungen dafür, nachher ist es immer leichter zu wissen und Es war (...) eine aufgeregte Zeit, um zu erklären, dass er keineswegs schuldig sein könne. Er beteuert nachdrücklich seine Unschuld, indem er meint ich bin nicht für Greuel oder dass er sich an keine Schlägerei erinnere und niemals zu Misshandlungen aufgefordert habe.
    • Um sich dann noch weiter zu entschuldigen, stellt er sich in ein positives Licht, indem er seinen Beruf ins Feld führt ich war als Amtsarzt, was ich heute noch bin.
    • Zum Schluss vergisst er nicht, sein Bedauern noch einmal darüber auszudrucken, dass Andri erschossen worden ist.
    Quelle: Frisch, Max (1961): Andorra. Frankfurt am Main, S. 104/105.