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König Ödipus (Sophokles)

Die Tragödie König Ödipus wurde von Sophokles verfasst und im Jahr 425 v. Chr. in Athen uraufgeführt. Im Mittelpunkt der Handlung steht der Untersuchungsprozess des Mordes an König Laios, an dessen Ende König Ödipus selbst als Mörder des Königs und somit seines eigenen Vaters identifiziert wird.

Entstehungsgeschichte

Von König Ödipus hat eigentlich jeder schon einmal gehört, immerhin zählt diese Tragödie zu den bedeutendsten Dramen der Weltliteratur und wird auch heute noch regelmäßig auf Theaterbühnen weltweit aufgeführt.

Doch wie ist diese Tragödie entstanden und wer genau war denn nun Sophokles? Sophokles wurde im Jahr 497 oder 496 v. Chr. als Sohn einer vornehmen Familie geboren und genoss eine sehr gute Ausbildung. Im antiken Griechenland konnte er sich als gefeierter Dichter behaupten, zudem wurde er zu verschiedenen politischen Ämtern berufen und war der Berater des damaligen Herrschers Perikles. Sophokles lebte im sogenannte „goldenen Zeitalter“ der Stadt Athen, einer Blütezeit von Wissenschaft und Kultur. Mit Sophokles' Tod im Jahr 406 oder 405 v. Chr. fiel auch das Ende dieser Hochphase und der Stellung Athens als Machtzentrum im Mittelmeerraum zusammen, da Athen in einem Konflikt den Spartanern unterlag.

Im antiken Athen wurde jährlich ein Fest zu Ehren des Gottes Dionysos, dem Gott des Weines, der Trauben und der Freude, veranstaltet. Während dieses mehrtägigen Festes fand ein Dichterwettkampf statt, bei dem Tragödien und Satyrspiele aufgeführt wurden. Sophokles‘ Tragödie König Ödipus wurde bei einem solchen Dichterwettkampf im Jahr 425 v. Chr. uraufgeführt und gewann den zweiten Platz. Die Tragödie basiert auf der Sage der Labdakiden, die im antiken Griechenland äußerst bekannt war und die Vorgeschichte zu Sophokles‘ dramatischer Bearbeitung des Ödipus-Stoffes erzählt.

Ödipus

Inhaltsangabe

Das Drama „König Ödipus“ folgt der Form der griechischen Tragödie, folglich beginnt es mit einer Vorszene, woraufhin im Wechsel vier Chorlieder und vier Hauptszenen mit Schauspielern dargeboten werden. Eine Schlussszene beschließt die Tragödie.

Um Theben von der Pest zu befreien, muss König Ödipus den Mörder des Königs Laios ausfindig machen. Auf der Suche nach dem Täter erfährt Ödipus vom blinden Seher Teiresias, den er zwischenzeitlich in Verdacht hat, der Königsmörder zu sein, er selbst habe Laios getötet. Hinter dieser Anschuldigung vermutet Ödipus eine Intrige seines Schwagers Kreon und gerät mit diesem in eine heftige Auseinandersetzung. Durch Königin Iokaste und den Chor lässt sich Ödipus davon abbringen, seinen Schwager aus dem Land zu jagen oder töten zu lassen. Ödipus berichtet seiner Frau von den Anschuldigungen des Sehers, woraufhin Iokaste ihn beschwichtigen will. Sie erzählt Ödipus, dass ihrem vorherigen Ehemann Laios vorhergesagt wurde, er würde von seinem eigenen Sohn getötet werden. Dieser sei jedoch im Widerspruch zu der Prophezeiung von Räubern an einer Wegkreuzung erschlagen worden. König Ödipus erschrickt, da er selbst einst einen Fremden an einer Wegkreuzung erschlagen hat. Da König Laios jedoch angeblich von mehreren Mördern erschlagen wurde, verlangt Ödipus, den einzigen überlebenden Zeugen des Überfalls, einen alten Hirten, zu sehen. Der König erzählt Iokaste, dass er seine Heimat verlasse hat, da ihm erzählt wurde, er sei nicht der leibliche Sohn von Polybos und Merope. Obwohl seine Eltern das bestritten, befragte Ödipus ein Orakel und brachte in Erfahrung, dass er seinen Vater töten und seine Mutter heiraten würde. Um diesem Schicksal zu entgehen, floh Ödipus aus seiner Heimat.

Durch einen Boten erfährt Ödipus vom Tod seines Vaters Polybos, er fürchtet sich jedoch weiterhin vor dem zweiten Teil der Prophezeiung, der besagt, er würde seine Mutter heiraten. Um Ödipus zu beschwichtigen, erklärt der Bote, Polybos und Merope seien nicht Ödipus leibliche Eltern, sondern er selbst habe Ödipus als Säugling zu dem kinderlosen Herrscherpaar gebracht, nachdem ihm ein Hirte das Kind gegeben hatte. Der alte Hirte tritt auf und gibt sich als der Mann zu erkennen, der auch den Überfall auf König Laios überlebt hat. Er erklärt, Iokaste habe ihm Ödipus als Säugling übergeben, um zu verhindern, dass dieser gemäß einer Orakel-Prophezeiung seinen Vater töten und seine Mutter heiraten würde. Ödipus erkennt, dass sich alle Prophezeiungen des Orakels erfüllt haben und sticht sich mit den Haarspangen Iokastes, die sich in der Zwischenzeit im Palast erhängt hat, beide Auge aus. Um Theben vor der Pest zu retten, wird Ödipus von Kreon verbannt.

Personenkonstellation

Im Mittelpunkt des Untersuchungsprozesses steht König Ödipus als forschende Figur, die von den anderen Figuren im Drama Auskunft erhält und sich schrittweise der Wahrheitsfindung annähert. Da Ödipus das Rätsel der Sphinx lösen konnte, wurde er zum neuen Herrscher der Stadt Theben und heiratete Iokaste. Im Dramenverlauf versucht Ödipus hartnäckig, Laios‘ Mörder zu identifizieren, um Theben von der Pest zu befreien. In der Tragödie durchläuft Ödipus einen Erkenntnisprozess, der darin gipfelt, dass er sich seiner eigenen Schuld bewusst wird.

Der alte Seher Theiresias kennt von Beginn an die Wahrheit über den Mord an König Laios, versucht jedoch anfänglich, Ödipus vor seiner Identität als Vatermörder zu schützen. Obwohl Theiresias blind ist, kann er als einzige Figur im Drama das Verborgene erkennen.

Iokaste versucht beständig, Ödipus zu beruhigen und äußert offene Zweifel an den Fähigkeiten des Sehers. Die Königin verheimlicht dabei, dass sie ihr eigenes Kind weggegeben hat, um zu verhindern, dass dieser Sohn später gemäß einer Orakel-Prophezeiung zum Vatermörder wird und die eigene Mutter heiratet. Da sie nicht damit leben kann, ihren eigenen Sohn geheiratet und Kinder mit ihm gezeugt zu haben, tötet sie sich selbst.

Kreon, der Bruder der Königin Iokaste und Berater von Ödipus, verhält sich überwiegend ruhig und sachlich, auch wenn er mit dem König in Konflikt gerät. Am Ende der Tragödie respektiert er die Wünsche des Königs und verbannt Ödipus zur Rettung Thebens aus der Stadt.

Dem Boten und dem alten Hirten kommen zentrale Rollen im Prozess der Wahrheitsfindung zu. Erst durch das Auftreten dieser beiden Figuren wird letztlich klar, dass sich alle Orakel-Prophezeiungen erfüllt haben.

Rezeptionsgeschichte und Interpretationsansatz

Einer der populärsten Interpretationsansätze der Tragödie König Ödipus basiert auf dem Dualismus von Licht und Dunkelheit, von Sehen und Blindheit. In dem Dialog zwischen dem blinden Seher Theiresias und König Ödipus in der ersten Szene wird deutlich, dass Theiresias zwar an sich blind ist, jedoch von Beginn an die Wahrheit kennt und als einzige Figur das Verborgene sehen kann. Im Kontrast zum blinden Seher beschränkt sich die Wahrnehmung Ödipus‘ auf das Äußere - obwohl er also sehen kann, bleibt er für die Wahrheit blind. Der Erkenntnisprozess des Königs ist eine Entwicklung vom Schein zum Sein. Ödipus erkennt schrittweise, dass er nicht wie zu Beginn des Dramas ein mächtiger König und schuldloser Retter der Stadt Theben ist, sondern das Leid der Stadt Theben von ihm und seinem schuldhaften Handeln hervorgerufen wurde. Als Reaktion auf diese Erkenntnis nimmt sich Ödipus selbst das Augenlicht, das ihm nicht dabei geholfen hat, die eigentliche Wahrheit zu erkennen.

Bereits 100 Jahre nach der Uraufführung von König Ödipus wurde dieses Werk des Sophokles' von Aristoteles als Musterbeispiel für die griechische Tragödie angeführt. Über verschiedene Epochen und literarische Strömungen hinweg sind immer wieder Bearbeitungen des Stoffes für das Theater entstanden, beispielsweise von Seneca oder Hugo von Hofmannsthal. Im Bereich der Prosa wurde König Ödipus zum Beispiel von Max Frisch in seinem Roman Homo Faber rezipiert. Nicht zuletzt hat der antike Stoff zu Beginn des 20. Jahrhunderts auch Einzug in die Wissenschaft der Psychologie erhalten: Der Psychoanalytiker Sigmund Freud etablierte den Begriff Ödipus-Komplex im Zusammenhang mit seinem Werk Totem und Tabu.

Staunst du auch darüber, was alles in der Tragödie König Ödipus steckt? Kein Wunder, dass dieses Drama bis heute derart bekannt und beliebt ist!