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„König Ödipus“ – Personenkonstellation (Sophokles) 05:25 min

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Transkript „König Ödipus“ – Personenkonstellation (Sophokles)

Sophokles: König Ödipus - Personenkonstellation Das Drama „König Ödipus“ zeichnet einen Untersuchungsprozess nach. Ödipus ist dabei der Forschende, die andern Figuren geben Auskunft. Jeder von ihnen trägt ein Stück zur Wahrheitsfindung bei.

König Ödipus ist König von Theben. Wer seine Vorgeschichte kennt, weiß, dass er durch seine Klugheit so weit kam. Er, ein Fremder in der Stadt, löste einst das Rätsel der Sphinx und befreite damit die Stadt Theben von diesem Ungeheur. Zur Belohnung wurde er König und bekam die Königin zur Frau. Ödipus ist ein mitfühlender König. Er leidet mit seinem Volk, als er von dessen Leiden, der Pest, erfährt. Und er will alles tun, um die Stadt zu retten. Deshalb ist er seinen Gesprächspartnern gegenüber unerbittlich: Er will die Wahrheit unbedingt wissen. Auf Andeutungen geht er nicht ein, Ödipus bohrt hartnäckig weiter. Doch Ödipus ist auch sehr aufbrausend. Wenn er zornig wird, fällt sein klarer, analytischer Geist von ihm ab. Er wird dann schnell beleidigend und extrem in seinen Drohungen.

Das muss Teiresias erfahren, ein blinder und sehr alter Seher. Da er ÖdipusHerkunft kennt, will er ihm anfangs nicht die Wahrheit sagen. Er will Ödipus aus Mitgefühl vor sich selber schützen. Als er dann doch ausspricht, dass Ödipus der Mörder seines Vaters ist, zieht er dessen Zorn auf sich. Teiresias lässt sich davon nicht verunsichern. Der greise Mann hat es nicht nötig, sich zu beweisen. Wortgewandt beharrt er auf seinem Punkt. Denn er sieht auch das Verborgene. Anders Iokaste, Ödipus’ Frau und die Königin. Sie glaubt nicht mehr an Orakelsprüche. Denn der Orakelspruch, den sie einst erhielt, hat sich nicht erfüllt. Iokaste steht voll und ganz zu Ödipus und lässt sich auch durch Teiresias Vorwürfe nicht davon abbringen. Sie will nicht, dass Ödipus sich ängstigt und versucht immer wieder, ihn zu beruhigen. Auch im Streit greift sie schlichtend ein. Doch Iokaste trägt ein Geheimnis mit sich: einst hat sie ihren Säugling in der Wildnis aussetzen lassen. Sie hatte Angst, dass der Orakelspruch sich erfüllen könnte und das Kind den eigenen Vater töten und die Mutter heiraten würde. Als Ödipus` wahre Herkunft ans Licht kommt, kombiniert sie blitzschnell. Doch sie will nicht, dass Ödipus weiter fragt und alles erfährt. Sie will ihn vor der Wahrheit schützen. Sie selber allerdings kann mit dem Fakt, dass sie ihren eigenen Sohn geheiratet und Kinder mit ihm gezeugt hat nicht umgehen. So flieht sie in den Tod. Ihr Bruder Kreon leidet unter Ödipus’ Verdächtigungen. Ödipus glaubt nämlich, dass sein Schwager Kreon Teiresias angestiftet habe, ihn zu verdächtigen. Während Ödipus sich ereifert und sich in seinen Zorn hineinsteigert, bleibt Kreon sehr ruhig und sachlich. Dass er Ödipus nichts nachträgt, sondern gerecht und verantwortungsbewusst handelt, zeigt sich auch am Ende. Er will erst die Götter um Rat fragen, bevor er über Ödipus’ Strafe entscheidet. Er übt keine Rache und respektiert Ödipus’ Wünsche.

Wichtige Zeugen im Prozess der Wahrheitsfindung sind der Bote und der Hirte. Der Bote klärt Ödipus darüber auf, dass seine vermeintlichen Eltern nicht seine richtigen Eltern sind. Er war es auch, der Ödipus damals zu seinen Pflegeeltern brachte. Das letzte fehlende Stück im Puzzle bringt der Hirte. Der nämlich hat Ödipus als Säugling von Iokaste empfangen. Er hätte ihn mit Fußfesseln in der Wildnis aussetzen sollen. Doch er hat ihn dem Boten übergeben. Ödipus, der am Anfang alle Schuld von sich weist und die anderen für schuldig hält, durchläuft einen Erkenntnisprozess. Er erkennt, wer er wirklich ist und wie er sich schuldig gemacht hat. Er zürnt jetzt nicht mehr, sondern ist entsetzt über die schreckliche Wahrheit. Diesen Erkenntnisprozess begleitet der Chor. Dieser hat im antiken Drama und so auch in “König Ödipus” wichtige Funktionen. Der Chor ist bei Sophokles nicht wie bei anderen griechischen Dramatikern lediglich kommentierend. Nein, der Chor greift in die Handlung ein, ermahnt Ödipus und ergreift Partei. Und auch der Chor erkennt lange Zeit die Wahrheit nicht. Auch er erliegt dem schönen Schein. Erst am Ende begreift auch der Chor die ganze Tragweite der Geschehnisse. Am Ende des Untersuchungsprozesses ist der Schuldige gefunden. Die Wahrheit ist ans Licht gekommen. Der Fragende selbst, König Ödipus, hat sich als Schuldiger entpuppt.