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Homo faber (Frisch)

„Homo faber“ von Max Frisch gehört zu den meistgelesenen Büchern des 20. Jahrhunderts. Der Roman wurde in über 25 Sprachen übersetzt und 1991 sogar verfilmt.

„Homo faber“ – Entstehungsgeschichte

Glaubst du an Schicksal? Die Hauptperson in Max Frischs Roman Homo faber (1957) scheint sich jedenfalls sicher zu sein, dass es so etwas wie Schicksal nicht gibt. Zufall oder Schicksal - eine Frage, die so alt ist wie die Menschheit. Auch der gebürtige Schweizer Max Frisch widmet sich dieser Frage und schreibt den Roman Mitte der 1950er Jahre, einer Zeit des Wiederaufbaus (sog. Restaurationsjahre) und des wirtschaftlichen Aufschwungs. Nach den Schrecken des Zweiten Weltkrieges liegt ein zaghafter Optimismus in der Luft; die Menschen sichern sich einen bescheidenen Wohlstand und träumen von Reisen in ferne Länder, vor allem in die USA. Gleichzeitig braut sich neues Unheil zusammen: der Kalte Krieg, der scheinbar unüberwindbare Konflikt zwischen den westlichen Mächten und der Sowjetunion. Das damalige Zeitgeschehen geht natürlich auch an Max Frisch nicht spurlos vorbei und hat Einfluss auf sein literarisches Schaffen.

Max Frisch

„Homo faber“ – Inhaltsangabe

Erste Station. Walter Faber, Ingenieur bei der UNESCO und unerschütterlich in seinem Glauben an die Technik, stößt immer wieder mit der Welt des Irrationalen zusammen. Die Notlandung seines Flugzeuges in der Wüste, der Selbstmord seines damaligen Freundes Joachim im Dschungel von Guatemala - all das bringt Faber nicht von seinen Überzeugungen ab. Doch die Dinge verändern sich, als Faber der jungen Frau Sabeth auf einem Schiff von New York nach Paris begegnet und sich in sie verliebt. Die beiden reisen zusammen durch Südeuropa. Als sie in Griechenland ankommen, wo Sabeths Mutter und gleichzeitig Fabers Jugendliebe Hanna lebt, nimmt das Schicksal seinen Lauf: Sabeth stirbt, und Faber erfährt wenig später von Hanna, dass er der leibliche Vater von Sabeth ist.

Homo Faber

Zweite Station. Mittlerweile liegt Faber aufgrund seiner immer stärker werdenden Magenschmerzen in einem Krankenhaus in Athen. Nach mehreren Auslandsaufenthalten in Mittelamerika hat er seine Stelle als Ingenieur gekündigt, um ein befreites Leben mit Hanna in Griechenland zu führen. Faber hat sich also endgültig der Welt des sinnlichen Erlebens zugewandt und der technischen Welt den Rücken gekehrt. Kurz vor der Magenoperation endet der Bericht Fabers.

„Homo faber“ – Personenkonstellation

Der 50-jährige Walter Faber ist Techniker und Rationalist durch und durch. Seine Welt besteht aus Fakten und Dingen, die er berechnen kann. Aberglaube, Poesie, Kunst oder die unbeherrschbare Natur haben hier keinen Platz. Erst als er die lebensfrohe und kontaktfreudige Sabeth kennen und lieben lernt und sie ihn für Kunst und Natur begeistern kann, entdeckt er die außertechnische Welt für sich: Spontanität, irrationale Entscheidungen, Sinnlichkeit. Sabeth ist der Inbegriff von Jugendlichkeit. Dass Sabeth - die mit vollständigem Namen Elisabeth Piper heißt - Fabers Tochter ist, kann niemand erahnen. Was ist hier noch Zufall und was schicksalhafte Fügung? Nach Sabeths Tod geht Faber wieder eine Beziehung mit ihrer Mutter Hanna Piper ein, denn die beiden, die sich aus Jugendtagen kennen, haben nach wie vor und trotz aller Vorkommnisse eine starke Verbindung zueinander.

„Homo faber“ – Interpretationsansatz

Ein zentraler Aspekt in dem Roman ist die Natur und Fabers sich wandelndes Verhältnis zu ihr. Natur muss kontrollierbar sein. Ist sie das nicht, ekelt sich Faber vor ihr. Natur steht in Fabers Augen für Fortpflanzung und Verwesung, zwei Bereiche, die er aus seinem Leben zunächst verdrängt. Ein weiteres Motiv in „Homo faber“ ist die Frau. Auch in diesem Zusammenhang hat Faber Probleme mit dem Nicht-Kontrollierbaren. Zu viel Nähe bedeutet für ihn Kontrollverlust und so hat er Schwierigkeiten damit, feste emotionale Bindungen einzugehen. Bis zu dem Moment, als er Sabeth trifft und er das Missverhältnis zwischen Nähe und Distanz allmählich überwindet. Im Laufe des Romans verändert sich außerdem Fabers Einstellung gegenüber der Natur und der Sexualität. Sind ihm zu Beginn beide Dinge zuwider, so ist er am Ende befreit von seiner einseitigen, lustfreien Existenz. Walter Faber ist von einem rein denkenden Menschen zu einem denkenden und fühlenden Menschen geworden.