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„Homo faber“ – Personenkonstellation (Frisch)

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Deutsch-Team
„Homo faber“ – Personenkonstellation (Frisch)
lernst du in der 11. Klasse - 12. Klasse - 13. Klasse

Beschreibung „Homo faber“ – Personenkonstellation (Frisch)

Du erinnerst dich an Walter Faber? An diesen Techniker, diesen modernen Menschen erster Stunde? Weißt du nicht mehr genau, wie sein Charakter ist? Das Video erklärt es dir. Schau es dir an, danach wirst du wissen, wodurch sich Walter Fabers Charakter auszeichnet. Was er mag und was er hasst. Du wirst auch erfahren, wie er sich verändert. Zudem lernst du Sabeth kennen, seine Tochter, und Hanna, seine ehemalige Geliebte. Viel Spaß!

Transkript „Homo faber“ – Personenkonstellation (Frisch)

„Ich glaube nicht an Fügung und Schicksal, als Techniker bin ich gewohnt, mit den Formeln der Wahrscheinlichkeit zu rechnen. Wieso Fügung? Ich gebe zu, ohne die Notlandung (...) wäre alles anders gekommen; (...) Vielleicht würde Sabeth noch leben. (...) Aber wieso Fügung? Ich brauche, um das Unwahrscheinliche als Erfahrungstatsache gelten zu lassen, keinerlei Mystik; Mathematik genügt mir.“

Die Figur des Walter Faber

Diese Worte entstammen dem Mund Walter Fabers: 50 Jahre alt, Ingenieur bei der UNESCO. Überall auf der Welt geht er auf Montage. Faber ist Techniker durch und durch. Er glaubt an die Dinge, die er berechnen kann. Er verlässt sich allein auf sein Wissen. Wenn er etwa weiß, dass er gezackte Felsen vor sich hat, warum sollte er dann archaische Tiere sehen? Seine Welt besteht aus Fakten.

So ist ihm nicht nur jeglicher Aberglaube fremd, sondern auch Vergleiche, Metaphern, Poesie. Faber mag Romane nicht, überhaupt ist Kunst nichts für ihn.

Auch die Natur bildet eine Gegenwelt zu Fabers Technikglaube. Was nicht von Menschen kontrolliert wird, macht ihm Angst. Er hasst es, ungewaschen und unrasiert zu sein. Die Natur im Dschungel, die wuchert und wächst, riecht und wimmelt, ist ihm zuwider. „Was mir auf die Nerven ging: die Molche in jedem Tümpel, in jeder Eintagspfütze ein Gewimmel von Molchen – überhaupt diese Fortpflanzerei überall, es stinkt nach Fruchtbarkeit, nach blühender Verwesung.“ sagt Faber.

Fruchtbarkeit und Tod: Diese Bereiche verdrängt der überzeugte Junggeselle erfolgreich aus seinem Leben. Sein Hang zur Technik und Rationalität hat ihm auch seinen Spitznamen eingebracht: Homo faber, der Mensch, der alles selber fabriziert.

Doch die Reise, die Begegnung mit Sabeth seiner Tochter und Geliebten verändern Faber. Er entdeckt seine spontanen Seiten, fällt irrationale Entscheide, beginnt sich für Kunst zu interessieren und gibt sich dem puren sinnlichen Erleben hin.

Faber beginnt sogar zu dichten: Zusammen mit Sabeth sucht er nach passenden Vergleichen für die Natur um sich herum. Am Ende löst er sich von seinem Beruf, über den er sich bisher als Mann definiert hat. Auch seine Gefühle für seine Exfrau Hanna, seine Schuld Sabeth gegenüber und Gedanken an seinen Tod verdrängt er nicht länger.

Die Figur der Sabeth

Sabeth ist eine junge Studentin. Sie lernt Faber auf einer Schiffsreise kennen. Faber verliebt sich in sie. Sabeth ist lebensfroh und mutig. Sie reist alleine und fürchtet sich vor fast nichts. Sie ist kunstinteressiert und wortgewandt, liest Tolstoi, doch sie hört sich auch Fabers technische Vorträge gern an.

Überhaupt ist sie neugierig. Auf ihre Umwelt, auf Menschen, auf ihre eigene Zukunft. Auf dem Schiff freundet sich die kontaktfreudige Rothaarige nicht nur mit Faber an, sondern auch mit einem jungen Graphiker und mit einem Bapisten. Baptisten sind Konfessionsmitglieder der evanglischen Kirche.

Sabeth fühlt sich von ihm angezogen. Sie ist glücklich, wenn sie mit Faber zusammen ist. Sie freut sich an der Natur, sie singt. Das Unwahrscheinliche kann sie nicht ahnen: Dass Walter Faber ihr eigener Vater ist.

Als Sabeth von der Schlange gebissen wird und Faber ihr zur Hilfe eilt, weicht sie vor ihm zurück. Möglicherweise erkennt sie plötzlich den Altersunterschied in seinem nackten Körper. Sabeth fällt hin und stirbt an den Folgen des Sturzes.

Die Figur der Hanna, Sabeths Mutter

Sabeths Mutter Hanna lebt in Griechenland, allein und unabhängig. Als studierte Kunsthistorikerin arbeitet sie im archäologischen Institut.

Früher war Hanna Fabers Geliebte. Im Gegensatz zu Faber liebt Hanna die Kunst. Von Männern ist Hanna enttäuscht. Sie hat die Erfahrung gemacht, dass es dumm ist von einer Frau, von einem Mann verstanden werden zu wollen. In ihren beiden Ehen wollte sie stets allein für Sabeths Erziehung zuständig sein

Als sie Faber wiedertrifft, merkt auch Hanna, dass beide noch eine starke Verbindung zueinander haben. Sie reagiert verzweifelt auf die Nachricht, dass Faber mit ihrer gemeinsamen Tochter geschlafen hat.

Doch erst als Sabeth tot ist, bricht die Wut auf Faber durch und sie schlägt ihn. Hanna trauert um ihre Tochter. Zugleich verzeiht sie Faber und bittet auch ihn um Verzeihung. Denn dadurch, dass sie ihm die Tochter verschwiegen hat, hat auch sie sich schuldig gemacht.

Schlussbemerkung

„Ich glaube nicht an Fügung und Schicksal... Mathematik genügt mir.“

Am Ende genügt Faber die Mathematik nicht mehr. Zwar weiß er, dass die bevorstehende Magenoperation laut Statistik in 94,6 von 100 Fällen gelingt. Dennoch glaubt er nicht, dass er überleben wird. Die Gefühle haben über die Vernunft gesiegt.

„Homo faber“ – Personenkonstellation (Frisch) Übung

Du möchtest dein gelerntes Wissen anwenden? Mit den Aufgaben zum Video „Homo faber“ – Personenkonstellation (Frisch) kannst du es wiederholen und üben.
  • Gib die Charakterisierung von Sabeth wieder.

    Tipps

    Sabeth ist ein offener, interessierter, kontaktfreudiger, natürlicher und mutiger Mensch. In vielen Punkten ähnelt sie ihrer Mutter. Wie zeigen sich die verschiedenen Charaktereigenschaften (z. B. Kontaktfreudigkeit durch das Kennenlernen zweier Personen auf dem Schiff)?

    Lösung

    Sabeth ist jung. Sie studierte bereits eine Zeit lang an der berühmten US-Universität Yale. In dem Buch ähnelt sie in vielen Dingen ihrer Mutter: Sie ist selbstbewusst und mutig, traut sich, alleine zu reisen. In Frankreich angekommen, fasst sie den Plan, per Anhalter nach Griechenland zu fahren, um ihre Mutter zu besuchen. Dabei andere Leute für sich zu gewinnen, die ihr weiterhelfen könnten, fällt ihr nicht sonderlich schwer: Mit dem Graphiker und dem Baptisten an Bord fällt ihr die Kommunikation leicht.

    Gleichzeitig ist sie von Grund auf ein offener und neugieriger Mensch, dabei aber vielfältig interessiert: Sie begeistert sich sowohl für Werke der Weltliteratur und andere Künste (z. B. besucht sie den Louvre), kann aber auch den technischen Vorträgen Fabers etwas abgewinnen.

    Sabeth fühlt sich von Faber angezogen; sie küssen sich und schlafen miteinander, ohne zu wissen, dass sie Vater und Tochter sind. Als sie von der Schlange gebissen wird, weicht sie ohne ersichtlichen Grund vor dem ihr zu Hilfe eilenden Mann, den sie nicht wiederzuerkennen scheint, zurück: Die Ursache ihres Todes.

    In ihrer Spontanität, Offenheit und Lebensfreude erkennt Faber Werte, die ihm abgehen. Sie zeigt ihm Seiten, die er lange unterdrückt hatte; und durch sie schafft es Faber (zu spät allerdings), seine Persönlichkeit und Vergangenheit zurechtzurücken.

  • Schildere die Veränderungen, die Faber durchmacht.

    Tipps

    Welche Veränderungen bewirkte der Kontakt zu seiner Tochter? Welche Eigenschaften konnte sie ihm lehren? Und warum kam für ihn die Hilfe zu spät?

    Lösung

    Faber macht im Laufe des Buches durch die Ereignisse eine intensive Persönlichkeitswandlung durch. Sabeth hatte ihm gezeigt, welche Eigenschaften ihm fehlten und warum ihn das zu einem unglücklichen Menschen gemacht hatte. Ihre Lebensfreude und Spontanität waren ansteckend. So erfährt Faber unter Führung seiner Tochter, was Kunst, Sinnesfreude, Natur und Zustimmung bedeuten. Faber schafft es gegen Ende des Buches, auch irrationale Entscheidungen zu treffen und seinen kontrollierenden Griff über sein Leben etwas zu lockern.

    Denn genau dieser Griff war es - das merkt er ganz am Ende, nachdem Sabeth verunglückt ist und vor seinem nahenden Tod -, diese Angst vor dem Fremden und Neuen, vor dem Unkalkulierbaren und dem Unwahrscheinlichen, die ihn Entscheidungen treffen ließ, deren Folgen er später verbüßen musste. So entschied er sich bereits in seiner jungen Beziehung mit Hanna für die Arbeit und gegen die Familie; er verließ seine Freunde (Joachim); er missachtete die Zeichen seines Körpers, der ihn vor dem fortschreitenden Krebs warnte. Diese Veränderung zeigt sich besonders deutlich am Ende: Obwohl die Operation zu 94% Erfolg hat, weiß Faber intuitiv und aus einem Gefühl heraus, dass er nicht zu diesen 94% gehören würde.

  • Stelle den anfänglichen Faber und Hanna einander gegenüber.

    Tipps

    Hanna ist eine emanzipierte Frau, doch ist sie auch ein Gegenentwurf zu Faber; wo Faber übertrieben kontrollbewusst ist, ist sie intuitiv.

    Lösung

    Hanna und Faber waren in ihrer jungen Erwachsenenzeit ein Paar; das mag aus späterer Sicht unverständlich erscheinen, denn die beiden sind sich in vielen Dingen sehr unähnlich. Wo Faber rational, technikliebend, kontrollbesessen, wenig spontan, wenig naturverbunden und wenig kunstliebend ist und somit als patriarchalisch erscheint, kann man Hanna als Gegenentwurf zu Faber sehen: Sie ist eine emanzipierte, gebildete Frau, die weiß, wo sie hin will und sich von Männern enttäuscht abgewendet hat. Dabei hat sie ihre Kunstliebe, Spontanität und Naturverbundenheit an ihre Tochter Sabeth weitergegeben, die in ihrem Charakter viel mehr ihrer Mutter als ihrem Vater ähnelt.

  • Erkläre, wie der anfängliche Faber über den Zusammenhang von Technik, Kontrolle und Tod denkt.

    Tipps

    Technik wird häufig dazu verwendet, den Tod aufzuschieben oder zu vermeiden. Kann der Mensch alles durch Technik kontrollieren?

    Lösung

    Faber ist der Technik-Mensch par excellence: Er hasst alles, was sich seiner Kontrolle entzieht. Alles, was nicht vom Menschen geschaffen wurde und auf menschlicher, technischer und kultureller Gedankenführung beruht, ist ihm zuwider. Seine Abneigung gegen alles Natürliche erklärt sich daher. Die menschliche Logik und Rationalität steht vor der Natur mit der scheinbaren Aufgabe, sich alles untertan zu machen.

    Durch die Technik lässt sich Faber dabei so in einer scheinbar sicher und stabil konstruierten Welt verblenden, dass er das Gefühl hat, alles kontrollieren zu können. Der unerwartete, vorzeitige Tod wird durch menschliche Systeme, geleitet durch Technik, vermieden und dringt seltener in unseren Alltag ein. Dabei ist der Tod die einzige Grundkonstante unseres Lebens: Jeder stirbt. Doch durch die scheinbare Kontrolle, die Faber durch Technik über die Natur erlangt, verdrängt er seinen Tod.

  • Bestimme die Aussagen, die auf Hannas Verhalten zutreffen.

    Tipps

    An mehreren Stellen im Buch hat Hanna gelogen oder Abmachungen gebrochen. Auch ihre Einstellung gegenüber Männern war ungerecht, was indirekt zu den späteren Ereignissen beitrug.

    Lösung

    1. Hanna und Faber waren in ihrer jungen Erwachsenenzeit ein Paar. Sie wurde schwanger, doch Faber nahm eine Arbeit in Bagdad an. Obwohl sie zunächst übereinkamen, das Kind abzutreiben, entschied sich Hanna später doch für ihr Kind.
    2. Sie verschweigt Faber daraufhin das Kind.
    3. Aus ihrer Erfahrung mit der patriarchalischen Männerwelt, vor allem durch die Beziehungen mit Faber und Joachim, zog sie den Schluss, dass es nicht gut sei, von Männern verstanden zu werden. Sie setzte damit alle Männer gleich.
    4. Als Faber sie später fragte, ob Joachim der Vater sei, bejahte sie dies und log ihn damit an.
    Sie hatte jedoch - soweit es Briefe oder anderen Kontakt zwischen beiden während der langen Zwischenphase gab - nie geleugnet oder leugnen müssen, dass es ein Kind gab (zumindest kommt das im Buch nicht heraus). Sabeth wird als ein aufgewecktes und lebensfrohes Mädchen beschrieben. Ob sie sich allerdings so sehr zum mindestens doppelt so alten Faber hingezogen fühlt, weil er für sie eine Vaterfigur darstellt, ein Vater, der ihr vorenthalten wurde, auch das kommt im Buch selbst nicht heraus: Wir können nur mutmaßen.

  • Begründe, inwiefern das Thema der Geschlechterrollen relevant im „Homo faber" ist.

    Tipps

    Faber und Hanna übernehmen stereotype Geschlechterrollen: Hanna wird als übertriebene Emanze, Faber als patriarchalisch dargestellt. Für beide ist ihre verfehlte Geschlechterrolle der Auslöser für die Tragödie des Buches.

    Lösung

    Das Thema der Geschlechterrollen, der Familie und der Beziehungsformen als Teil der Identität durchzieht das gesamte Werk von Max Frisch. Auch im „Homo faber“ ist dieses Thema zentral. Nachweislich hat Frisch darin Thesen der feministischen Philosophin Simone de Beauvoir verarbeitet. Denn es zeigt sich, dass die Protagonisten des Werkes allesamt durch eine veraltete oder radikale Geschlechterrolle zur Tragödie des Schlusses beitragen.

    So wird Faber beispielsweise als sehr patriarchalischen, konservativen und essenzialisierenden Werten folgend beschrieben. Er opfert die Familie dem Beruf und entscheidet sich für Bagdad. Er ist der rational denkende Techniker, der mit seinem Wissen die Prozesse der Natur kontrollieren und beeinflussen kann. Dass auch er sogenannte „weibliche" Eigenschaften wie Kunstinteresse, Fruchtbarkeit, Irrationalität, Unsicherheit und Schwäche besitzt, verleugnet er. Seinen Körper behandelt er wie die Natur: Er nimmt die Symptome des fortschreitenden Krebses nicht ernst und leitet damit seinen vorzeitigen Tod ein.

    Hanna wird als Gegenmodell konstruiert. Sie ist das Anti-Klischee der emanzipierten Frau zum Klischee des patriarchalischen Mannes. Aus ihrer Protesthaltung und ihren Erfahrungen mit Männern heraus denkt sie, erkannt zu haben, dass alle Männer gleiche Eigenschaften haben; damit essenzialisiert sie die Männer. Sie verschweigt ihrer Tochter und Faber die reale Vaterschaft. Als studierte Kunsthistorikerin lebt sie ein unabhängiges und eigenständiges Leben.

    Der Roman greift außerdem das antike Thema des Elektra-Komplexes auf: Es könnte sein, dass sich Sabeth zum doppelt so alten Faber hingezogen fühlt, weil sie in ihm eine Vaterfigur sieht, die in ihrer Erziehung fehlte. Parallel zur Geschichte des Ödipus', der mit seiner Mutter Inzest beging, begeht Elektra dieses „Sakrileg“.

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