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Die Räuber (Schiller)

Die Räuber ist das erste Werk Friedrich Schillers. Es wurde 1782 in Mannheim uraufgeführt. Es handelt von der Rivalität der Brüder Franz und Karl von Moor und zeigt deutlich Charakterzüge der Strömung des Sturm und Drang.

Entstehungsgeschichte

Friedrich Schiller, wer ist denn das? Das haben sich so einige Verleger um 1780 in Deutschland gefragt. Keiner von ihnen kennt zu jener Zeit diesen jungen Mann, weshalb Schiller „Die Räuber“ zunächst selbst veröffentlichen muss. Sein Drama findet anfangs allerdings nur wenig Zuspruch, erst mit einer gemäßigten Fassung kann er den Intendanten des Mannheimer Theaters von seinem Text überzeugen. So kommt es 1782 zur Uraufführung, und diese Nacht machte Schiller zum nationalen Star.

Die Räuber

Doch wie entstand das Bühnenstück „Die Räuber“? Wir befinden uns in der Zeit der Aufklärung mit ihrer literarischen Strömung dem Sturm und Drang (1765-1785). Diese Phase ist geprägt von dem Aufbegehren gegen die Gesellschaft, dem Aufbruch und dem Infragestellen von Normen und Werten. Friedrich Schiller ist Medizinstudent mit großem Interesse an Räubergeschichten, wie die des Räuberhauptmannes Nikol List. Auch im 18. und 19. Jahrhundert waren Räuberbanden nichts Außergewöhnliches. Diese Geschichten und das Werk Schubarts „Zur Geschichte des menschlichen Herzens“ waren vermutlich der Auslöser für das Schreiben des Stücks. Schon zu dieser Zeit war sich Schiller seines Könnens bewusst. Und auch seine Leser waren begeistert: Durch sein Erstlingswerk „Die Räuber“ und die darauffolgenden Texte wurde er als der deutsche Shakespeare gefeiert.

Inhaltsangabe

„Die Räuber“ ist ein leidenschaftliches Bühnenstück und bringt während der Uraufführung die Emotionen der Zuschauer wortwörtlich zum Kochen. Schuld daran ist die Geschichte der wetteifernden Brüder Karl und Franz von Moor. Beide wachsen beim Vater Maximilian von Moor auf: Karl als Liebling und Erbe des Vaters, Franz als hässlicher und ungeliebter Zweitgeborener. Während seines Studiums in Leipzig führt Karl ein ungezügeltes Leben und verstrickt sich in Schulden. Für dieses Verhalten entschuldigt er sich in Form eines Briefes beim Vater. Dieser Brief wird von seinem rachsüchtigen Bruder Franz abgefangen und zu Ungunsten Karls verändert. So will Franz an das Erbe seines Vaters gelangen, der auch vor Mordgedanken an seinem Vater nicht zurückschreckt.

Geschockt von den Worten seines geliebten Sohnes verbannt und enterbt er diesen. Aus Verzweiflung wird Karl Anführer einer Räuberbande, die sich gegen die Unterdrückung der Schwächeren einsetzen soll. Trotz Spannungen innerhalb der Räuberbande und vermehrter Gewalt schwört er ihr die ewige Treue. Doch Karl kann seine Heimat und seine Braut Amalia nicht vergessen und kehrt verkleidet in das Schloss seines Vaters zurück. Er durchschaut das Spiel seines Bruders Franz und findet seinen im Turm gesperrten Vater, der ihn jedoch nicht wiedererkennt. Daraufhin erteilt Karl seinen Räubern die Aufgabe, das Schloss zu stürmen und Franz zu töten, welcher sich im letzten Moment durch Selbstmord der Strafe entzieht. Schließlich gibt sich Karl als Räuberhauptmann zu erkennen, woraufhin sein Vater stirbt. Amalia hält weiterhin an ihrer Liebe fest, jedoch lässt der Schwur der ewigen Treue zur Räuberbande Karls Liebe zu Amalia nicht zu. Sie bittet ihn, sie zu töten, da sie ohne ihn nicht weiterleben kann. Schweren Herzens ersticht er sie und liefert sich selbst der Justiz aus.

Personenkonstellation

Der Graf Maximilian von Moor - auch der alte Moor genannt - ist ein gnädiger Herrscher. Durch den frühen Tod seiner Frau zieht er die beiden Söhne allein groß, doch wird er dieser Verantwortung nicht gerecht: Geliebt von Sohn Karl, verhasst von Franz, der die Leichtgläubigkeit und Beeinflussbarkeit des Vaters auszunutzen weiß.

Seine Söhne - die Brüder Karl und Franz - stehen als rivalisierende Personen im Zentrum des Geschehens. Der Charakter Karl von Moor gleicht der Strömung des Sturm und Drang. Er ist leidenschaftlich, rebellisch und besitzt eine ausgeprägte Fähigkeit des Leitens. Bis zum Verstoß durch den Vater ist er ein ehrlicher Mann, doch in seiner Verzweiflung lässt er sich zu kriminellen Taten verleiten und schwört einer Räuberbande die ewige Treue. So kann er am Ende die Liebe zu seiner Verlobten Amalia nicht erwidern. Sie, das Idealbild der reinen, hingebungsvollen Liebe, kann nicht ohne ihn leben und wünscht sich den Tod.

Der Gegenspieler Karls ist sein eigener Bruder Franz von Moor. Er, der Zweitgeborene, ist vom Schicksal benachteiligt und untersteht voll und ganz dem Vater. Zwar wird Franz als missgestaltet und ungeliebt beschrieben, jedoch ist er ein hochintelligenter junger Mann. Durch die fehlende Liebe ist er gefühlskalt geworden und spürt nichts als reinen Hass gegenüber seinem Vater und Bruder. Und so nimmt das Schicksal seinen Lauf...

Interpretationsansatz und Rezeptionsgeschichte

Wer ist Opfer, wer ist Täter? Franz oder Karl? Franz, der Intrigant, oder Karl, der Opfer der Intrige wird, sich aber im Verlauf des Dramas an Franz annähert? Das hängt ganz von der Lesart des Textes ab. Wie der Text auch gelesen wird, die Reaktionen beider Brüder auf die Abweisung des Vaters ist gleich: Sowohl Karl als auch Franz entwickeln beide Rachegedanken.

Schiller packt die Kernthemen Recht, Gerechtigkeit und Schuld in ein spannendes Drama. Sein Erstlingswerk „Die Räuber“ brachte ihm den Durchbruch. Seine Inszenierung traf auf so große Begeisterung, dass sich sogar Räuberbanden gründeten. Doch nicht nur das Publikum, auch Zeitgenossen wie Goethe lobten ihn für sein Bühnenstück und schon bald galt er als eigene literarische Institution. Bis heute ist es eines der meist gespielten Dramen.