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Transkript Dativus commodi und finalis – Dativ des Vorteils und des Zwecks

Hallo oder auch salvete! In diesem Video möchte ich Euch den dativus commodi und den dativus finalis erklären. Dafür solltet Ihr schon wissen, was der Dativ ist und wie er in den verschiedenen Deklinationen gebildet wird. Erst einmal kurz die Formen des Dativs zur Wiederholung: In der o-Deklination ist die Endung des Dativs ein "o". Der Dativ von "amicus" zum Beispiel lautet also "amico". In der a-Deklination ist die Endung des Dativs ein "ae". Der Dativ von "amica" lautet also "amicae". In der e-Deklination ist die Endung des Dativs ein "i". Der Dativ von "res" zum Beispiel lautet also "rei". In der u-Deklination ist die Dativendung im Maskulinum und Femininum "ui", im Neutrum nur ein "u". Der Dativ von "manus" zum Beispiel lautet also "manui", der Dativ von "cornu" "cornu". In der konsonantischen Deklination ist die Dativendung ein "i". Der Dativ von "rex" zum Beispiel lautet also "regi". Auch in der i-Deklination ist die Dativendung ein "i". Der Dativ von "mare" zum Beispiel lautet also "mari". Am Einfachsten fragt man nach einem Dativ mit "wem", also zum Beispiel: "Wem schenke ich etwas?" Die Übersetzungen der Beispiele lauten dann: "Wem? Dem Freund." "Wem? Der Freundin oder der Sache." "Wem? Der Hand, dem Horn." "Wem? Dem König oder auch dem Meer." Der dativus commodi und der dativus finalis sind besondere Kasusfunktionen des Dativs, die auf eine etwas andere Frage antworten als das typische "wem". Zuerst zum dativus commodi. Der dativus commodi antwortet auf die Frage "für wen" oder "wofür". Aber was bedeutet das eigentlich, dativus commodi? "Dativus" ist einfach das lateinische Wort für Dativ. "Commodum" heißt "der Vorteil". Es geht also um den Dativ des Vorteils. Ein einfaches Beispiel für die Grundform eines Dativs: "Paula litteras amicae scribit." Übersetzt heißt das dann: "Paula scribit" - "Paula schreibt". Wem schreibt sie es? Der Freundin. Und wen oder was schreibt sie? "Litteras", also einen Brief. Das ist die Grundform eines Dativs. Das bekannteste Beispiel für einen dativus commodi ist wohl der Spruch "Non scholae, sed vitae discimus." Das Prädikat "discimus" heißt "wir lernen". Daran anschließend stellt man dann die Frage "Wofür lernen wir?" "Non scholae" - "nicht für die Schule", "sed vitae" - "sondern für das Leben". "Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir." Wenn mit dem Dativ ein Vorteil ausgedrückt wird, handelt es sich also um einen dativus commodi. Wird hingegen ein Nachteil ausgedrückt, handelt es sich um einen dativus incommodi, von "incommodum" - "Nachteil". Kommen wir zu einer weiteren Kasusfunktion des Dativs, die ich Euch in diesem Video erklären will, den dativus finalis. "Finis" heißt "das Ende", aber auch "das Ziel" oder "der Zweck". Beim dativus finalis handelt es sich also um einen Dativ, der einen Zweck oder eine Wirkung angibt. Der dativus finalis antwortet also auf die Frage "wozu". Er steht oft bei "esse", was dann mit "gereichen zu" oder "dienen" übersetzt wird. Ein Beispiel: "gaudio esse". Wenn man "esse" jetzt mit "dienen" übersetzt, muss man dann fragen: "Wozu dient etwas?" Die Übersetzung ist dann wörtlich also "zur Freude dienen". Im Deutschen sagt man dann statt "zur Freude dienen" besser "Freude machen". Jetzt will ich Euch noch ein paar weitere Beispiele zeigen, in denen der dativus finalis häufig vorkommt, zum Beispiel "usui est" - "Es dient zum Nutzen", besser dann "Es ist nützlich" oder "honori est" - "Es gereicht zur Ehre". Auf Deutsch sagt man dann natürlich besser "Es ist eine Ehre." Oder auch "curae est" - "Es gereicht zur Sorge", wobei "cura" im Lateinischen nicht so negativ ist wie das deutsche Wort "Sorge". Auf deutsch kann man dann also sagen: "Es liegt am Herzen." So, jetzt habt Ihr schon einige Beispiele für den dativus finalis bei "esse" gesehen. Der dativus finalis kann aber auch bei anderen Verben stehen. Besonders oft steht er bei den Verben "venire", "mittere", "deligere", "dicere", "relinquere" und "dare". "Venire" heißt "kommen". Die Frage lautet dann also für den dativus finalis: "Wozu kommt jemand?" Also zum Beispiel "zur Hilfe" oder "zur Unterstützung". "Mittere" heißt "schicken". Die Frage lautet hier dann also zum Beispiel: "Wozu wird jemand geschickt?", also zum Beispiel auch "zur Unterstützung". "Deligere" heißt "wählen". Wenn man jetzt fragt, wozu jemand gewählt wird, könnte die Antwort zum Beispiel lauten: "zum Anführer". "Dicere" heißt beim dativus finalis "bestimmen", also zum Beispiel: "Wozu bestimmt man jemanden?" - Auch "zum Anführer". "Relinquere" heißt "zurücklassen". Auf die Frage "wozu" könnte also zum Beispiel die Antwort kommen "zur Verteidigung". "Dare" heißt beim dativus finalis "anrechnen". Auf die Frage "wozu" könnte man also antworten mit "zur Ehre anrechnen". Jetzt noch ein paar Beispiele, um die Übersetzung des dativus commodi und des dativus finalis zu üben. "Caesar regi exemplo est." Übersetzt heißt das dann: "Caesar dient dem König zum Beispiel." Ganz frei könnte man also übersetzen: "Der König nimmt sich Caesar als Beispiel." Wie Ihr an den Farben schon sehen könnt, ist "regi" hier ein dativus commodi und "exemplo" ein dativus finalis. "Exemplo" antwortet auf die Frage: "Wozu dient Caesar dem König?" - "Als Beispiel". "Regi" antwortet auf die Frage: "Für wen dient Caesar als Beispiel?" - "Für den König." So, jetzt habt Ihr gelernt, was die Kasusfunktionen dativus commodi und dativus finalis sind, wie man nach ihnen fragt und wie man sie übersetzt. Ich hoffe, es hat Euch auch Spaß gemacht. Bis zum nächsten Mal!

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13 Kommentare
  1. Default

    Sehr gut gemacht!!! Bitte so weiter machen, dann schreibe ich nur noch Einser!!! :-)

    Von Lolli3000, vor 10 Monaten
  2. Default

    Also ich versuche es nochmals mit dem Satz. Meine Absicht war ja, ein anderes Beispiel eines "davitus IN-commodi" zu finden.

    Der Sohn hat seiner Mutter eine teure vase zerbrochen.
    .. Filius matri vas sumptuosus fregit.
    Nun, hier denke ich doch, dass das zum Nachteil der Mutter geschehen ist; die hat doch damit ein "INCOMMODUM" - oder?

    Von Eemilelv, vor 10 Monaten
  3. Felix red

    Hallo Eemilelv,

    "Lupus ovi minatus est." ist kein Beispiel für ein Dativus incommodi. Warum? Im Lateinischen ist minari so konstruiert, dass derjenige, dem gedroht wird, im Dativ steht. Somit liegt hier ein klassisches Dativobjekt vor. Angenommen wir ignorieren dies und beharren auf dem Dativus incommodi, so müssten wir übersetzen: Der Wolf drohte zum Nachteil des Schafes. Das ist hier aber sicherlich nicht gemeint. Ich halte den unten angegebenen Satz "Non scholae, sed vitae discimus" für ein geeignetes Beispiel. Es muss nicht zwingend ein Verb verwendet werden, dass mit einem gewissen Nachteil assoziiert wird (wie beispielsweise minari). Ich hoffe, meine Erklärung verschafft dir Klarheit.

    Beste Grüße,

    Felix

    Von Felix Teege, vor 10 Monaten
  4. Default

    So nun lasse ich den Wolf doch etwas tun, das zum Nachteil eines Schafs ist.
    Lupus ovi minatus est. (Der Wolf hat dem Schaf gedroht)
    Oder habe ich das auch nicht richtig konstruiert?

    Von Eemilelv, vor 10 Monaten
  5. Default

    Aha, dann ist der Wolf weder böse noch gut - und ich muss auf die meine Suche nach einem klassischen d. incommodi fortsetzen.
    Schöne Grüße

    Von Eemilelv, vor 10 Monaten
  1. Felix red

    Hallo Eemilelv,

    Der Dativ commodi/incommodi bezeichnet eine Person oder Sache, zu deren Vor-/Nachteil etwas geschieht. "Non scholae, sed vitae discimus" ist ein Beispielsatz, in welchem beide - sowohl der Dativ commodi als auch der Dativ incommodi - auftreten. Nach Definition muss etwas geschehen (es wird beispielsweise gelernt). Den Satz "Lupus est homo homini" würde ohne weitere Wertung lesen und daher als Beispiel für einen Dativus incommodi ablehnen.

    Beste Grüße,

    Felix

    Von Felix Teege, vor 10 Monaten
  2. Default

    Ja, der dativus commodi aus der Sendung "Non scholae, sed vîtae discimus" ist wohlbekannt. - Aber wie ist es mit einem dativus incommodi? Könnte man dafür vielleicht den Satz ansehen, der da auch oft zitiert wird und lautet: "Lupus est homo homini" (Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf) . Hier kommt doch wohl ein Nachteil zum tragen - oder?

    Von Eemilelv, vor 11 Monaten
  3. Default

    Sehr gut dargestellt und erklärt. - Danke!

    Von Eemilelv, vor 11 Monaten
  4. 00cabllito

    Hat mir viel weiergeholfen :D

    Von Bluehighways90, vor mehr als einem Jahr
  5. Default

    :)

    Von Thorsten Feix, vor mehr als einem Jahr
  6. Default

    Super erklärt

    Von Gaby 5, vor fast 2 Jahren
  7. Cool 003

    Echt hilfreich!

    Von Robert Viehbeck, vor mehr als 2 Jahren
  8. Default

    Cooles Bild!

    Von Rhg Georgi, vor fast 4 Jahren
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