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Politik, Wirtschaft, Geschichte

Kennst du dich schon mit dem politischen System Spaniens, der Wirtschaft und der Geschichte des Landes aus?

¡Hola de nuevo! ¿Cómo estás? Hallo wieder einmal! Wie geht’s? Vielleicht hast du ja schon gehört, dass es in Spanien Unabhängigkeitsbewegungen gibt, aber warum? Hier wirst du erfahren, wie in Spanien die Politik (la política) und die Wirtschaft (la economía) aufgebaut sind, und zusätzlich erfährst du auch etwas über die Geschichte (la historia).

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Geschichte Spaniens

Historisch betrachtet erreichte Spanien den Höhepunkt seiner Macht Mitte des 16. Jahrhunderts unter dem Habsburger Felipe II. „Höhepunkt“ deshalb, weil Spanien zu dieser Zeit von den Philippinen über Europa bis nach Lateinamerika herrschte. Außerdem hatte Spanien die größte und stärkste Flotte weltweit, die Spanische Armada (la armada). Dies ermöglichte Spanien in dieser Zeit, die Wirtschaft zu stärken, was aber hauptsächlich ein Resultat der Ausbeutung und Unterdrückung anderer Völker war. Felipe II versuchte mit der unbesiegbaren Armada 1588 auch, England einzunehmen, musste sich aber geschlagen geben. Spanien verlor nach Felipes II Tod 1598 immer mehr Einfluss und Macht.

Spaniens aktuelle Staatsform

Die spanische Staatsform heißt offiziell: Reino de España (Königreich Spanien), was bedeutet, dass Spanien einen König besitzt und somit eine Monarchie (una monarquía) ist. Gleichzeitig gibt es in Spanien aber auch ein Parlament (un parlamento) mit regelmäßigen Wahlen (elecciones). Deshalb wird die Staatsform in Spanien als monarquía parlamentaria (parlamentarische Monarchie) bezeichnet. Außerdem bedeutet dies, dass die politische Macht des Königs eingeschränkt ist und er - in Spanien - tatsächlich nicht das wichtigste politische Amt inne hat, sondern der Presidente del Gobierno.

Die Staatsorganisation

Organisatorisch ist Spanien wie folgt aufgebaut:

  • König als Staatsoberhaupt (el Rey de España)
  • darunter Judikative, Exekutive und Legislative

Die Legislative besteht aus den Cortes Generales (Senat + Kongress) und wird von den Bürgern gewählt. Die zwei größten Parteien (los partidos políticos) sind PP (Partido Popular) und PSOE (Partido socialista de España). Die Judikative besteht aus Senat (el senado) und Kongress (el congreso) und setzt sich mit dem Präsidenten des Höchsten Gerichts (Tribunal Supremo) aus insgesamt 21 Personen zusammen. Die Exekutive wird vom Parlament gewählt und ernennt den Regierungschef (Presidente del Gobierno).

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Die Gliederung der Regionen in Spanien

Spanien ist ein Estado autonómico („autonomer Staat“), also eine Mischung aus Zentralstaat (z.B. Kolumbien) und föderalem Staat (z.B. Deutschland). Das heißt, dass in Spanien zwar von Madrid aus das politische Geschehen bestimmt wird, die einzelnen Regionen, die comunidades autónomas wie Katalonien (Cataluña / Catalunya) oder Andalusien (Andalucía) aber gewisse Freiheiten in ihren jeweiligen politischen Entscheidungen inne haben. Innerhalb dieser Freiheiten müssen sie sich dennoch an die folgenden sechs Prinzipien halten:

  • principio de autonomía: Die comunidades sind innerhalb ihrer Region autonom und dürfen ihre eigenen Interessen vertreten; der Staat bleibt dennoch einziges Oberhaupt.
  • principio de participación democrática: Die gewählten Institutionen müssen durch demokratische Wahlen nach allgemeinem, freiem, geheimem und direktem Wahlrecht ernannt werden.
  • principio de autonomía financiera: Die comunidades dürfen eigene Steuern erheben und erhalten außerdem Geld aus staatlichen Steuern.
  • principio de solidaridad: Es sollte eine ökonomische Ausgeglichenheit zwischen den einzelnen comunidades bestehen, damit keine zu großen Unterschiede entstehen.
  • principio de Estado unitario: Die Landeshoheit gehört dem spanischen Volke in seiner Gesamtheit; seine Macht ist nicht teilbar.
  • principio de unidad: Alle Spanier haben in ganz Spanien dieselben Rechte, ganz egal, wo sie geboren wurden, leben oder sich aufhalten.

Bei 17 comunidades autónomas und zwei ciudades autónomas (Ceuta und Melilla) ist dies ein nicht immer leichtes Unterfangen, das oftmals zu Reibereien oder sogar zu Unabhängigkeitsbestrebungen führt.

Wirtschaft in Spanien

Vielleicht hast du ja schon gehört, dass sich die Wirtschaft in Spanien in einer Krise befindet. Schauen wir uns die Situation mal gemeinsam etwas genauer an.

Weltweit gehört Spanien, aus der Sicht der Wirtschaft, zu den TOP 13 Ländern weltweit (Stand: 2012). Spanien ist Teilnehmer am europäischen Binnenmarkt, besitzt als Währung (la moneda) den Euro und gehört zur Europäischen Union (la Unión Europea). Deutschland (Alemania) gehört dabei zu den wichtigsten Abnahmeländern Spaniens. Dennoch hat Spanien mit einer hohen Arbeitslosigkeit (el paro / el desempleo) zu kämpfen. Ungefähr 21 % der Spanier leben unter der Armutsgrenze, was im Falle Spaniens bedeutet, dass sie mit weniger als 523,18 Euro pro Monat auskommen müssen. Von den arbeitsfähigen Menschen sind derzeit insgesamt ca. 26 % arbeitslos, was bereits ein großes Problem darstellt; diese Zahl vergrößert sich leider, wenn man sich auf die jungen Menschen in Spanien konzentriert. Von ihnen sind aktuell ca. 60 % arbeitslos, was unter anderem bei vielen dazu führt, dass sie sich keine eigene Wohnung leisten können und sehr lange bei ihren Eltern wohnen bleiben. Die Krise, die aktuell herrscht, hat verschiedene Ursachen. Tatsächlich ist sie auch kein neues Thema für Spanien. Das Land hatte auch früher schon eine geringere Produktivität im Vergleich zu anderen europäischen Ländern.

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Wirtschaftssektoren in Spanien

Die spanische Wirtschaft lebt hauptsächlich von:

  • Primär: Landwirtschaft (la agricultura)
  • Sekundär: Rohstoffverarbeitung von Textilien (los textiles), Nahrungsmittel (los alimentos) und Baugewerbe (la construcción)
  • Tertiär: Dienstleistung im Tourismus (el turismo), im Finanzsektor (sector financiero) und in der Logistik (la logística / el transporte).

In Spanien nimmt der Tertiärsektor mit ca. 70 % den größten wirtschaftlichen Teil ein. Nichtsdestotrotz hat das Baugewerbe großes Gewicht im Bezug auf das Bruttoinlandsprodukt (spanisch: PIB), was allerdings gewissen Nachteile mit sich bringt. Dieser Sektor zeichnet sich tendenziell durch eine niedrige Produktivität (baja productividad), wenig Technologie (poca tecnología) sowie wenig Möglichkeiten zur Innovation (poca capacidad de innovación) aus, was sich eher negativ auf die Wirtschaft auswirkt.

Rassismus und Empörung

Seit dem Jahr 2008 kämpft Spanien gegen die Wirtschaftskrise (la crisis económica), die allerdings auch zu sozialen, institutionellen und politischen Krisen geführt hat. Vermehrte Unabhängigkeitsbestrebungen, Kritik gegenüber König und Politikern und die hohe Arbeitslosenquote sind nur einige Beispiele. Zusätzlich können diese Herausforderungen leicht dazu führen, dass Sündenböcke gesucht und gefunden werden müssen, was im Alltag durch einen steigenden Rassismus gegenüber Minderheiten zu beobachten ist. Rassismus (el racismo) bedeutet, dass ein Mensch aufgrund seiner Herkunft oder seines Aussehens diskriminiert wird. Bei den Opfern handelt es sich nicht nur um Ausländer; auch Menschen anderer religiöser Zugehörigkeit, sexueller Orientierung oder einfach nur anderer Lebensumstände (z.B. Obdachlose) werden leider oft diskriminiert. In Spanien werden pro Jahr ca 4.000 Attacken aus rassistischen Motiven registriert; die Dunkelziffer (also die Zahl der nicht registrierten Angriffe) wird auf 100.000 geschätzt. Dennoch sehen die Spanier Rassismus nicht als Problem sondern schätzen sich als sehr offenes und Ausländern gegenüber freundliches Volk ein. Gleichzeitig fühlen sich ca. 46 % der Menschen, die einer ethnischen Minderheit angehören, auf ihrer Arbeit diskriminiert.

Als Reaktion auf die aktuelle Situation im Land gründeten 2011 einige junge Menschen die Facebookgruppe Democracia Real YA und organisierten so Protestdemonstrationen am 15. Mai desselben Jahres, weshalb die Bewegung auch als Movimiento 15-M bekannt wurde. Dies war die Geburtsstunde der indignados. Der Name entstand in Anlehnung an das vom Menschenrechtsaktivisten Stéphane Hessel veröffentlichten Buch Indignez-vous! (spanisch: ¡Indignaos!, deutsch: Empört euch!). Die Demonstrationen wurden von einigen mittlerweile in Zelten lebenden Jugendlichen bis Juni aufrecht erhalten und die Protestierenden organisierten sich in verschiedene Arbeitsgruppen, die teilweise heute noch bestehen und für bessere Lebensbedingungen kämpfen.

Zu ihren Idealen gehört:

  • die Abschaffung des Boloniaplans und des Europäischen Hochschulraums,
  • die Rückgewinnung öffentlicher Unternehmen, die privatisiert worden sind,
  • die Reduzierung der militärischen Ausgaben und sofortige Schließung der Waffenfabriken,
  • eine Demokratie, an der mehr Menschen aktiv teilnehmen,
  • eine Änderung der Arbeitskonditionen von Politikern und
  • mehr Aufmerksamkeit auf die grundlegenden und wesentlichen Rechte der Konstitution (La Constitución).

Neuere Geschichte: Terror

Spanien weiß, was es heißt, Opfer von Anschlägen (los atentados) zu sein. Schon in den 1960er Jahren verübte die baskische Untergrundorganisation ETA (baskisch: Euskadi Ta Askatasuna = „Baskenland und Freiheit“) Terroranschläge.

Doch mit dem islamistischen Anschlag durch die Al Kaida in Madrid am 11. März 2004 wird Spanien mit einer neuen Dimension des Terrors konfrontiert. Innerhalb von nur drei Minuten explodieren allein sieben von zehn Bomben in Zügen, die sich im oder in der Nähe vom Madrider Bahnhof Atocha befinden. Insgesamt werden 191 Menschen getötet und 2051 verletzt. Umgangssprachlich wird dieses tragische Ereignis als 11-M bezeichnet. Einige der später Verurteilten erhalten mehrere 1000 Jahre Haft.

Anschlag in Madrid

Wie die siehst, ist Spanien nicht nur Sonne, Strand und Meer. Es ist ein Land mit einer langen Geschichte, politischen Problemen und Menschen, die für eine bessere Zukunft kämpfen. Wir hoffen, du findest dieses Thema genauso spannend und wichtig wie wir. ¡Hasta pronto!