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„Kabale und Liebe“ – Interpretationsansatz und Rezeptionsgeschichte (Schiller)

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Deutsch-Team
„Kabale und Liebe“ – Interpretationsansatz und Rezeptionsgeschichte (Schiller)
lernst du in der 9. Klasse - 10. Klasse

„Kabale und Liebe“ – Interpretationsansatz und Rezeptionsgeschichte (Schiller) Übung

Du möchtest dein gelerntes Wissen anwenden? Mit den Aufgaben zum Video „Kabale und Liebe“ – Interpretationsansatz und Rezeptionsgeschichte (Schiller) kannst du es wiederholen und üben.
  • Beschreibe, was „Kabale und Liebe“ zu einem gesellschaftskritischen Stück macht.

    Tipps

    Welches politische System war das vorherrschende zu Schillers Lebzeiten?

    Lösung
    • Das Stück „Kabale und Liebe“ übte Kritik an den gesellschaftlichen Verhältnissen, in denen Friedrich Schiller lebte.
    • Es kritisiert vor allem die Entscheidungsbefugnisse der absolutistischen Herrscher, deren Machteinfluss über alle Angelegenheiten des Volkes.
    • Schiller selbst erlebte einst die Willkürherrschaft des Fürsten von Württemberg, Herzog Carl Eugen. Dieser wollte Schiller unter Arrest stellen lassen und ihm seine schriftstellerische Tätigkeit untersagen wegen dessen unerlaubter Ausreise zur Uraufführung des Stückes „Die Räuber“.
    • Das Drama „Kabale und Liebe“ wurde von einem Literaturkritiker einmal als das revolutionärste der klassischen Literatur bezeichnet.
  • Gib die Rezeptionsgeschichte von „Kabale und Liebe“ wieder.

    Tipps

    Das Stück wurde je nach politischen und kulturellen Verhältnissen zu verschiedenen Zeiten unterschiedlich bewertet. Vor allem die Kritik an den Machtverhältnissen führte zu der wechselhaften Bewertung.

    Lösung
    • „Kabale und Liebe“ wurde 1784 in Frankfurt am Main uraufgeführt. Unmittelbar im Anschluss wurde das Stück ganze sieben Mal gespielt.
    • Das Stück wurde in Schillers Heimat Stuttgart abgesetzt. Das geschah im Jahr 1792 nach nur einer Aufführung, da die gesellschaftskritische Intention dort nicht gern vom Staatsoberhaupt gesehen wurde.
    • Auch in Österreich, genauer gesagt in Wien, gab es von 1792 bis 1808 ein Aufführungsverbot.
    • Im 19. Jahrhundert blieb „Kabale und Liebe“ ein stark umstrittenes Stück. Das heißt, dass es sowohl Zustimmung als auch harsche Kritik bekam.
    • Während der literarischen Strömungen des poetischen Realismus und Naturalismus ( Ende des 19. Jahrhunderts) wurde das Stück am häufigsten gespielt.
    • Das Stück hat unterschiedliche Phasen der Beliebtheit durchlebt, wird aber weiterhin auf deutschen Bühnen gespielt.
  • Erschließe Zusammenhänge zwischen der Biographie Schillers und Handlungselementen des Stücks.

    Tipps

    Die beiden Namen Friedrich und Ferdinand besitzen eine gewisse Ähnlichkeit.

    Lösung

    Es gibt einige Ähnlichkeiten zwischen Ereignissen im Leben Schillers und Ereignissen in dem Drama „Kabale und Liebe”:

    • Schiller selbst erfuhr die strikte Trennung von Bürgertum und Adel in einer enttäuschten Liebesbeziehung. Das verarbeitete er in der Liebesgeschichte von Ferdinand und Luise.
    • Carl Eugen, Herzog von Württemberg, in dessen Armee Schiller als Regimentsarzt tätig war, verkaufte Untertanen ans Ausland, vor allem für den Kolonialkrieg in Amerika. Dieser Soldatenhandel ist auch im Stück eingearbeitet und wird angeprangert.
    • Herzog Carl Eugen hatte neben seiner Ehe verschiedene Mätressen. Eine seiner Geliebten, Franziska von Hohenheim, wurde später die Ehefrau des Herzogs und beeinflusste sein politisches Handeln positiv. Genauso nutzt Lady Milford ihre Position und beeinflusst Präsident von Walter.
    • Schiller wurde von Herzog Carl Eugen unter Arrest gestellt und mit einem Schreibverbot bestraft. Genauso übt der Präsident im Stück willkürlich Macht aus.
    Die Lebensumstände des Autoren tragen oftmals zur Entstehung eines Stücks bei. Du kannst diese Informationen für eine Interpretation einbeziehen, wenn du das Stück vorher eingehend formal und inhaltlich analysiert hast. Denke aber daran, dass ein literarischer Text immer über die reine Wiedergabe einer historischen oder biographischen Wirklichkeit hinausgeht. Zum einen handelt ein literarischer Text vor allem von einer spezifischen Wahrnehmung und Deutung eines historischen Ereignisses, zum anderen muss der Autor fiktive Elemente hinzudichten oder Verbindungen zwischen Ereignissen ziehen, damit aus einzelnen Ereignissen eine Geschichte werden kann.

  • Erläutere den Unterschied zwischen älteren und moderneren Inszenierungen von „Kabale und Liebe“.

    Tipps

    Literarische Texte beziehen sich oftmals auf die Verhältnisse der Zeit, in der sie entstanden sind und das Publikum interpretiert die Stücke im Rahmen ihres zeitgenössischen Verständnisses. Was passiert, wenn sich die politischen, sozialen und kulturellen Verhältnisse verändern?

    Lösung
    • Als „Kabale und Liebe“ entstand, war die politische Situation anders als die heutige. Die Erstaufführung fand vor über 200 Jahren in Frankfurt am Main statt.
    • In Deutschland leben wir zum jetzigen Zeitpunkt in einer Demokratie, aber damals regierte ein absolutistischer Herrscher. Das heißt er hatte alle Regierungsgewalten (Exekutive, Legislative und Judikative) inne.
    • Da Schiller mit den Verhältnissen unzufrieden war, baute er Kritik in sein Stück ein und sorgte auch meist selbst noch für die Umsetzung bei den Aufführungen. Oft war er auch selbst anwesend.
    • Die Liebesgeschichte diente also eher als Mittel zur Darstellung seiner politischen Botschaft.
    • Heutzutage wird die Liebesgeschichte stärker in den Vordergrund gerückt, da die Gesellschaftskritik nicht mehr aktuell ist. Wir leben nicht mehr in einer Monarchie.
    • Durch die kreative Freiheit, die ein Theaterregisseur hat, kann er eine Inszenierung nach den modernen Themen der Gesellschaft richten. Das kann man an vielen deutschen Bühnen sehen, wenn man sich „Kabale und Liebe“ anschaut.
    • Deshalb liegt der Fokus bei aktuelleren Aufführungen auf der Beziehung zwischen Ferdinand und Luise. Die Identifikation mit den Figuren und eine Auseinandersetzung mit deren Konflikten soll hervorgerufen werden.
  • Benenne, was das Publikum zu Lebzeiten Schillers sehen wollte.

    Tipps

    Denke an die Rezeptionsgeschichte und die Gründe für die wechselhafte Bewertung des Stücks zu unterschiedlichen Zeiten.

    Lösung

    „Kabale und Liebe“ ist ein Bürgerliches Trauerspiel, in dem die Protagonisten aus dem Bürgertum oder dem niederen Adel stammen. Normalerweise durften Bürger nur in Komödien als Hauptfiguren auftreten, da ihnen die Fähigkeit zum tragischen Erleben abgesprochen wurde (Ständeklausel). Tragödien spielten stets in der Welt des Adels und waren hauptsächlich für die Hofgesellschaft bestimmt.

    Die Bürgerlichen Trauerspiele waren also eine sehr neue Entwicklung im Rahmen der Emanzipation des Bürgertums. Die Stücke erreichten zumeist aber nur ein kleines, gebildetes Publikum. Der größere Teil der Zuschauer interessierte sich mehr neue Formen der Tragödie oder Tragikomödie. Das Publikum zog es vor, unpolitische und sentimentale Stücke zu sehen.

  • Vergleiche die beiden Dramen „Die Räuber“ und „Kabale und Liebe“ miteinander.

    Tipps

    Schaue dir noch einmal die Rezeptionsgeschichte von „Kabale und Liebe“ an.

    Lösung
    • „Die Räuber“ ist ein Drama von Friedrich Schiller, genau wie „Kabale und Liebe“. Es ist jedoch früher entstanden.
    • Außerdem wurde „Kabale und Liebe“ in Frankfurt uraufgeführt und „Die Räuber“ in Mannheim. Friedrich Schiller selbst war bei der ersten Aufführung von „Kabale und Liebe“ anwesend.
    • Das jüngere Stück, also „Die Räuber“, handelt vom zentralen Konflikt zwischen Herz und Verstand, wohingegen das spätere stark gesellschaftskritisch ist. Schiller übt Kritik an der Ständegesellschaft und dem absolutistischen Herrschaftssystem.
    • Außerdem ist die Haupthandlung im späteren Stück eine Liebesgeschichte zwischen Ferdinand und Luise und im jüngeren eine Rivalität zwischen Brüdern.
    • Die Beziehung zu den Vätern spielt in beiden Stücken eine große Rolle. In „Die Räuber“ stehen sich der vom Vater geliebte Karl Moor und sein unter Liebesentzug leidender Bruder Franz gegenüber, während in „Kabale und Liebe“ die beiden Figuren Ferdinand und Luise verbunden sind, wobei er seinen Vater kritisiert und sie ihren Vater unendlich liebt.
    • Beide Stücke sind der literarischen Strömung des Sturm und Drang zuzuordnen. Die Epoche, die diese Zeit dominierte, war die Aufklärung.
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