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„Die Leiden des jungen Werther“ – Personenkonstellation (Goethe) 05:58 min

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Transkript „Die Leiden des jungen Werther“ – Personenkonstellation (Goethe)

Wenn zwei Menschen die gleiche Person lieben, nennt man das eine Dreiecksbeziehung. Ein Tabubruch bis heute. In der Goethezeit ein Skandal.

In Johann Wolfgang Goethes Roman "Die Leiden des jungen Werther" kommt Werther als Dritter zu einer normalen Beziehung dazu. Der junge Rechtspraktikant verliebt sich hoffnungslos in Lotte, obwohl sie bereits mit Albert verlobt ist. Eine schwierige Konfliktsituation. Werther schwankt zwischen Bangen und Hoffen, aber am Ende wählt er den Freitod.

Das Urbild Werthers ist vergleichbar mit Goethe. Der Dichter hat seine unerfüllte Liebe zu Charlotte Buff zu einem Roman verarbeitet. Schreibend hat Goethe sein Trauma überwunden.

Die Figur des Werther

Goethe schildert Werther zwiespältig. Werther ist Rebell, Freigeist und Störer des Ehefriedens. Aus diesem Grund ist er für die die Jugend eine Identifikationsfigur. Aber Werther ist auch schwach. Ein Menschen, der sich seinen Leidenschaften hingibt und daran untergeht.

Die Pole, zwischen den Werther sich bewegt, sind: Adel und Bügertum, Verstand und Gefühl, Wissenschaft und Kunst, Ehe und Liebe, Melancholie und Ausschweifung.

Der Roman besteht hauptsächlich aus Werthers Briefen an seinen Freund Wilhelm. Deswegen erfährt man nur wenig über Werthers Aussehen, sein Alter und seine Vorgeschichte. Werther braucht jedenfalls nicht zu arbeiten. Er stammt aus einer wohlhabenden Bürgerfamilie. Er ist gebildet. Doch von den Wissenschaften hält er wenig. Er setzt auf sein Gefühl, nicht auf den Verstand. Werther ist außerdem künstlerisch begabt. Er übt sich im Zeichnen.

Er erklärt das Emotionale zum Ideal. Deshalb ist er auch nicht bereit, seiner unmöglichen Liebe zu Lotte irgendwelche Grenzen zu setzen. Werther schreibt seine Briefe in einem sehr emotionalen Stil. Er benutzt einen unregelmäßigen Satzbau. Der Gedankenfluss wird durch Ausrufe und Einschübe unterbrochen.

Im tiefsten Inneren fühlt sich Werther in menschlicher Gesellschaft beengt und eingeschränkt. Er zieht sich zurück, ist melancholisch und aufbrausend. Nur in der unberührten Natur findet er einen Rückzugsort vor der schädlichen menschlichen Zivilisation. Wie die Liebe zu Lotte, ist die Natur ein Spiegel seiner Seele.

Werther fühlt sich zu den einfachen Leuten hingezogen. Er leidet an den starren Regeln und Konventionen der Gesellschaft. Er versucht ständig, diesen Zuständen zu entgehen, aber seine Sehnsüchte sind mit den Normen der Gesellschaft nicht vereinbar. Werther wird immer depressiver, er empfindet seine Lage als aussichtslos und begeht Selbstmord.

Die Figur des Albert, Lottes Verlobter

In jeder Hinsicht ein Gegenbild zu Werther ist Albert, Lottes Verlobter. Der Gegensatz zeigt sich in Alberts Einstellungen und in seinem Lebenserfolg.

Ist Werther ein Mann des Sturm und Drang, so gehört Albert zur Aufklärung. Gibt sich Werther den Leidenschaften hin, so hört Albert auf die Vernunft. Während Werther den Selbstmord akzeptiert, lehnt Albert ihn ab.

Werther schildert Albert in seinen Briefen als einen freundlichen, verlässlichen. arbeitsamen und zielstrebigen Bürger. Alles Eigenschaften, die ihm fehlen. Im Gegensatz zu ihm ist Albert auch beruflich erfolgreich. Albert ist der ideale Ehemann, um eine Familie zu gründen. Das ist auch der Grund, warum Lotte bei ihm bleibt. Trotzdem wird deutlich, dass sie einiges bei Albert vermisst: Nämlich Feuer, Kunstsinn und Leidenschaft. Albert ist langweilig.

Er ist Vernuftmensch, deswegen sieht er in Werthers Zuneigung zu Lotte auch keine wirkliche Gefahr. Er glaubt, man könne solche Konflikte vernünftig lösen. Lediglich um seines guten Rufes Willen bittet er Werther, Lotte nicht mehr so oft zu besuchen.

Die Figur der Lotte

Lotte steht zwischen den zwei Männern. Am glücklichsten wäre sie mit einer Kombination aus beiden. Erstaunlicherweise lässt sich sonst am wenigsten über sie sagen. Ohne besondere Bildung, aber mit Interessen, musste sie früh die Verantwortung für acht Geschwister übernehmen.

In dem ruhigen Albert hat Lotte einen verlässlichen Partner gefunden. Und tatsächlich heiratet sie ihn auch. Doch anscheinend sehnt sie sich nach mehr. Mit Werther teilt sie die Lust an Musik, am Tanzen und an der Lektüre. Deshalb nennt sie ihn einen Seelenverwandten.

Lotte spielt mit seinen Gefühlen. Es macht ihr Freude, so sehr geliebt zu werden. Werther macht sich falsche Hoffnungen. Sein Freitod löst bei ihr eine tiefe Krise aus.

Selbstmord als Konfliktlösung

Neben der Dreiecksbeziehung begeht Werther einen weiteren Tabubruch: Selbstmord. Aus freiem Willen und freier Entscheidung. Werther ist an der Wirklichkeit gescheitert. Er wählt den Weg in die Unendlichkeit. Diesen TabubrucH konnte die Kirche nicht verzeihen.

1 Kommentar
  1. Sehr umfassend und präzise erklärt:)

    Von Laura Janina, vor fast 2 Jahren

„Die Leiden des jungen Werther“ – Personenkonstellation (Goethe) Übung

Du möchtest dein gelerntes Wissen anwenden? Mit den Aufgaben zum Video „Die Leiden des jungen Werther“ – Personenkonstellation (Goethe) kannst du es wiederholen und üben.

  • Nenne die Pole, zwischen denen sich die Figur Werther bewegt.

    Tipps

    Werther ist Melancholiker und Rebell: Er will sich von allen Zwängen befreien.

    Lösung

    In der Figur des Werther versammeln sich die Konflikte, die Goethe und seine Generation gegenüber ihren Eltern ausfochten. Die aufklärerische Generation der Eltern war geprägt von der klaren Beweiskraft der Wissenschaft gegenüber bloßen Glaubensdingen; von der Kraft des Verstandes und der Vernunft.

    • Werther lebt eine Überbetonung des Gefühls, der Empfindsamkeit aus, die als Protest zu verstehen ist.
    • Dem Zwang der Wissenschaft entzieht er sich durch die Kunst.
    • Der Abgrund zwischen Bürgertum und Adel ist nicht zu überbrücken.
    • Die Konventionen billigen die Ehe, nicht die Liebe: Eine Liebesehe ist selten, einen Ehepartner aus Liebe zu einer anderen Person zu verlassen eine vollkommen unvorstellbare Sache.
    Schließlich spielt sich im Werther selbst ein Konflikt zwischen Melancholie und Ausschweifung ab, bei dem jedoch die Melancholie des Künstlers eindeutig die Oberhand behält.

  • Stelle Lotte und ihre Beziehung zu den zwei Männern dar.

    Tipps

    Lotte ist nicht unschuldig am Unglück Werthers. Diese Erkenntnis kommt ihr allerdings zu spät.

    Lösung

    In „Die Leiden des jungen Werthers“ geht es um eine Dreiecksbeziehung. Albert und Werther sind dabei Antagonisten, Lotte ist die Person, die in der Mitte steht. So ist sie auch charakterisiert. Sie ist eine Kombination der beiden. Denn Albert ist ihr ein guter Familienmensch und Ehepartner. Doch er ist auch etwas langweilig und hat keinen Sinn für Kunst. Das aber ist ein starkes Interesse für die wenig gebildete, aber viel interessierte Lotte. Sie genießt daher die Präsenz von Werther und liebt es, sich mit ihm über Musik, Tanz und Literatur zu unterhalten und mit ihm zu lesen und wird ihm dadurch zur Seelenverwandten.

    Allerdings macht sie Werther Hoffnungen, wo es keine gibt: Sie spielt mit seinen Gefühlen, fühlt sich durch so viel Liebe geehrt und wertgeschätzt und unternimmt daher keine Versuche, Werther aus dem Weg zu gehen. Dieses Mitverschulden erkennt sie schließlich erst durch Werthers Selbstmord, der sie in eine tiefe Krise stürzt.

  • Beschreibe die Persönlichkeit von Werther.

    Tipps

    Werther ist ein neuer Typus Mensch; aus Protest gegen herrschende Regeln gerät auch er aus dem emotionalen Gleichgewicht.

    Lösung

    Die Figur des Werther ist äußerst vielschichtig. Da der Roman in Form von Briefen geschrieben ist, erfahren wir nur über Selbstäußerungen und sprachliche Mittel etwas über ihn. Wir müssen zwischen den Zeilen lesen. Das war eine revolutionär neue Art der Beschreibung.

    Wir erfahren also sehr wenig über Werthers Äußeres, seine Vorgeschichte etc. Wir wissen, dass er aus einer bessergestellten Bürgerfamilie stammt und daher auch nicht arbeiten muss. Er hat viel Bildung genossen, ist aber den Wissenschaften gegenüber negativ eingestellt. Dafür ist er künstlerisch begabt, was er mithilfe seiner Emotionalität als Ideal auslebt. Er ist ein scheues Wesen, melancholisch und beizeiten aufbrausend. Er fühlt sich zu einfachen Menschen hingezogen. Noch mehr bevorzugt er allerdings die Einsamkeit der Natur, in der er sich frei fühlt: Hier gibt es keine einschränkenden sozialen Normen, hier kann er seinen Gefühlen freien Lauf lassen. In der Natur findet er den Spiegel seiner selbst.

  • Bestimme Gemeinsamkeiten zwischen Goethe und Werther.

    Tipps

    Finde die Parallelen im Leben, in der Vorgeschichte, im inneren Geschehen, in der gesellschaftlichen Rolle von Goethe und Werther.

    Lösung

    Goethe hat ein großes Stück von sich selbst in den Roman einfließen lassen: In vielen Parallelen gleichen sich er und sein fiktiver Anti-Held der Geschichte:

    • Das betrifft nicht nur seine und Werthers Dreicksbeziehungen; Der besorgte Albert, besorgt um seinen guten Ruf, verbietet Werther wegen dieses Skandals den Zugang zum Haus.
    • Beide Figuren - Goethe wie Werther - sind Dichter und große Schriftsteller: Der eine in seinen Briefen, der andere in Dramen, Romanen und Gedichten wie Götz von Berlichingen.
    • Beide benutzen außerdem ihr Schreiben dazu, Ängste, Schmerzen, Traumata und Frust zu überwinden und versprechen sich von ihrem Schaffen Trost.
    • Goethe ist einer der jungen Dichter des Sturm und Drang, die einen Wandel in der Ästhetik und im Denken herbeiführen sollten. Auch Werther wird als Rebell beschrieben, der sich Konventionen widersetzt, neue Wege denkt und als Gegenpol zum regelkonformen, nüchternen Albert gesehen werden kann.
    • In Goethes Zeit findet außerdem eine Umwertung des Natürlichen statt. Natur wird - wie beim Werther - zu einem Ort der Freiheit, der Inspiration, der Kunst, des Gefühls.
    • Schließlich lebten sie beide sehr gefährlich: Goethe selbst schrieb später an einen Freund, dass er sich zu jener Zeit nur schwer den Wellen des Todes entziehen konnte. Werther scheitert schließlich und begeht Selbstmord, da er den Konflikt zwischen seinem Verlangen und den Ansprüchen der Gesellschaft nicht lösen kann.

  • Bestimme die Unterschiede zwischen Werther und Albert.

    Tipps

    Albert ist als ein typischer Vertreter der Aufklärung dargestellt. Werther ist zwischen Empfindsamkeit und Sturm und Drang einzuordnen.

    Lösung

    Neben Lotte sind im Roman eigentlich nur Werther selbst und Albert interessant. Albert wird dabei als Gegenbild zu Werther entworfen: Er ist sein Antagonist in allen Bereichen. Denn Albert ist nicht nur der Ehemann mit rechtmäßigem Anspruch auf Lotte; er steht auch mit seiner Vernunft, seiner Ratio für den Typus des Aufklärers. Er ist verlässlich, zielstrebig, beruflich erfolgreich, arbeitsam, insgesamt also auch ein guter Familienmensch. Allerdings ist er auch ein bisschen langweilig und voraussehbar, denn Spontaneität, Gefühl und Lust scheinen ihm zu fehlen. Über das große Tabu-Thema Selbstmord äußert er sich kritisch; auch hier kann er der alten Generation zugerechnet werden.

    Auf der anderen Seite der dynamische, impulsive und leidenschaftliche Werther. Er ist ein Repräsentant des Sturm und Drang, der Empfindsamkeit. Die Betonung des Gefühls findet sich in seinem ausgeprägten Kunstsinn wieder: Die Kunst gibt ihm die Freiheit des Ausdrucks. Er ist ein Schreck an Unproduktivität und Unzweckmäßigkeit: Er ist eher faul, unzuverlässig, planlos, geht nicht arbeiten. Sein Protest gegen die Normen des Alltags richtet sich z.B. gegen die Ehe; auf der anderen Seite verteidigt er den Freitod.

  • Erkläre anhand des folgenden Zitats, wie sich Werthers Charakter in seiner Sprache zeigt.

    Tipps

    Achte auf den Inhalt, das Thema, die Sprache, den Stil, den Satzbau, die Rhythmik des Ausschnitts: Wie unterscheidet er sich von deiner Sprache?

    Lösung

    Werther ist ein Dichter und Kunstmensch. Das erfahren wir Zeile für Zeile, Wort für Wort aus seinen Briefen.

    • Sein Satzbau ist durchbrochen und unregelmäßig; er verwendet Ausrufe und Einschübe, pflegt eine hoch emotionale Sprache. Die Sprache ist also poetisierend und metaphorisch.
    • Thematisch behandelt der Ausschnitt den Gegensatz zwischen Ich und Natur. Der Sprecher Werther sehnt sich nach einer Einheit mit der Natur. Sie ist der Gegenort zur Zivilisation: Hier herrschen andere Regeln, oder anders gesagt: alles ist ungeregelter, was sich auch im Satzbau widerspiegelt.
    • Die beschriebene Einstellung, typisch zuerst für die Empfindsamkeit und den Sturm und Drang, später für die Romantik, durchzieht mit selber Motivik das gesamte Buch und gibt auf diese Weise einen Einblick in das Seelenleben unseres Protagonisten.
    Quelle: Goethe, Johann Wolfgang von (1774): Die Leiden des jungen Werther. S. 28.