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„Der goldne Topf“ – Personenkonstellation (Hoffmann) 06:49 min

Textversion des Videos

Transkript „Der goldne Topf“ – Personenkonstellation (Hoffmann)

Alles dreht sich um den Dresdner Studenten Anselmus. Und jeder will etwas von ihm. Wir finden heraus, wer warum welche Ansprüche an Anselmus hat.

Konrektor Paulmann

Da ist zum Beispiel Konrektor Paulmann. Er will, dass Anselmus seine Tochter Veronika heiratet.

Veronika

Veronika will das auch. Aber nur, wenn Anselmus Hofrat und sie durch eine Heirat mit ihm die Hofrätin wird. Veronika ist vor allem daran interessiert, einen Ehemann mit hohem gesellschaftlichem Status zu bekommen.

Registrator Heerbrand

Registrator Heerbrand ist Konrektor Paulmanns Freund. Am Ende wird er Hofrat und Veronikas Ehemann.

Charakterisierung Heerbrands und Paulmanns

Obwohl Konrektor Paulmann und Registrator Heerbrand nur in ihrem privaten Umfeld gezeigt werden, werden sie im Text ausschließlich mit ihren Dienstgrad genannt. Dieser ist in ihrer geordneten bürgerlichen Welt sehr wichtig. Diese spielt sich nach festen Regeln und Gewohnheiten ab.

Als Freunde kommen sie regelmäßig zusammen, um sich zu vergnügen. Dabei gerät die gute Ordnung hin und wieder außer Kontrolle und Konrektor Paulmann und Registrator Heerbrand finden sich in rauschhaften Zuständen wieder. Wann immer Anselmus jedoch von seinen mystischen Erfahrungen berichtet, sind die beiden äußerst skeptisch.Alles Übernatürliche und Unerklärliche ist ihnen fremd.

Sie wollen, dass Anselmus eine gute Anstellung findet.Registrator Heerbrand hofft, dass die Arbeit Anselmus zur Vernunft bringen wird. Deswegen macht er ihn mit Archivarius Lindhorst bekannt.

Archivarius Lindhorst

Lindhorstführt eine Art Doppelexistenz. Auf der einen Seite erscheint er als gewöhnlicher Beamter, der den Student Anselmus in seiner Bibliothek Schriften kopieren lässt.

Auf der anderen Seite wird er als Salamander aus einer mythischen Welt vorgestellt. In diese will er wieder zurück, muss dazu aber seine drei Töchter verheiraten. Dafür braucht er Anselmus. Anselmus soll die erste Tochter des Archivarius, Serpentina, heiraten.

Serpentina

Serpentina unterstützt die Arbeit, die Anselmus im Haus ihres Vaters erledigen muss und erklärt ihm auch die Herkunft und Motive ihres Vaters.

Das Apfelweib

Das Apfelweib wiederum will die Verbindung zwischen Serpentina und Anselmus verhindern. Gleich zu Beginn der Handlung verwünscht sie Anselmus und hilft später Veronika dabei, Anselmus durch einen Liebeszauber für sich zu gewinnen. Das Apfelweib entstammt selbst einer mythischen Zeit und nimmt den direkten Kampf mit Archivarius Lindhorst auf.

Charakterisierung und Entwicklung Anselmus

Alle wollen etwas von Anselmus, aber was will Anselmus selbst?

Im Gegensatz zu allen anderen, scheint Anselmus das nicht so genau zu wissen. Von Anfang an ist er derjenige, der fragend und auf der Suche ist. Das macht in sowohl zugänglich für die gängigen Vorstellungen von Beruf und Ehe und leichten Vergnügungen, als auch für die Wahrnehmung des Übernatürlichen.

Auch wenn Anselmus immer wieder versucht, sich in der bürgerlichen Welt einzufinden, gelingt ihm dies niemals vollständig. Diese Distanz zur Gesellschaft drückt sich unter anderem durch Selbstgespräche aus. Darin beklagt sich Anselmus über sein andauerndes Pech. Auch seine „ganz aus dem Gebiet aller Mode“ liegende Kleidung unterstreicht seine Position als Außenseiter und Sonderling.

Die Isolation Anselmus wiederum macht ihn zugänglich für übernatürliche Phänomene, die andere nicht wahrnehmen. Erfahrungen mit dem Mystischen und Wunderbaren wecken in ihm Verlangen und Sehnsucht. Die Arbeiten an den Manuskripten des Archivarius eröffnen ihm eine neue Welt, die ihn über sein „dürftiges Leben“ erhebt.

Die Liebe Serpentinas und der goldene Topf als Mitgift werden in Aussicht gestellt. Trotzdem sehnt sich Anselmus, auch ausgelöst durch den Liebeszauber, nach Veronika. Erst der erzwungene Stillstand im Inneren des Kristallglases bringt ihn zu einer Entscheidung. Anselmus weiß, dass er in der Welt des Wunderbaren sein Glück finden und dem bürgerlichen Alltag entsagen will.

Einordnen der Personen in Kotext der mythischen und der bürgerlichen Welt

Betrachten wir noch einige Grundzüge im Zusammenspiel der Personen. Eine Besonderheit besteht darin, dass immer wieder Veränderungen stattfinden oder sich die Wahrnehmung einer Person verändert.

Das Apfelweib beispielsweise entpuppt sich als Veronikas Kinderfrau Lise und wird als Hexe bezeichnet. Außerdem war sie in Gestalt einer Kaffeekanne bei Veronika zu Hause. Auch der Archivarius Lindhorst verändert sich in Gestalt und Auftreten.

Die Personen lassen sich außerdem der Welt bürgerlichen Alltags und der Welt des Wunderbaren zuordnen. Konrektor Paulmann, Registrator Heerbrand, Veronika und der Archivarius Lindhorst gehören dieser bürgerlichen Welt an. Gleichzeitig stellt Lindhorst den Übergang zur mythischen Welt dar, in welcher er als Salamander beschrieben wird und agiert. Der bürgerlichen Welt gehört er nur gezwungenermaßen an.

Serpentina ist der mythischen Welt zuzuordnen. Die durch die unterschiedlichen Personen dargestellten Welten des Alltags und des Wunderbaren berühren sich immer wieder. Beide sind Ausprägungen derselben Wirklichkeit und haben unterschiedliche Ansprüche an Anselmus.

Veronika und ihr Vater zeigen die bürgerlichen Vorstellungen für Anselmus Leben. Serpentina und ihr Vater wollen, dass sich Anselmus ganz der Poesie widmet.

Schluss

Nicht nur verschiedene Personen, sondern durch sie sogar verschiedene Welten wollen Anselmus für sich gewinnen. Am Ende zählt jedoch Anselmus eigene Entscheidung.

2 Kommentare
  1. Hallo Fam Krause,
    vielen Dank für die Frage. Zum "Steppenwolf" haben wir momentan leider keine Videos, wir arbeiten aber fleißig daran, unser Angebot an Videos und Übungen zu erweitern. Wir behalten deine Idee also auf jeden Fall im Hinterkopf!
    Viel Spaß weiterhin beim Schauen unserer Videos!
    Liebe Grüße aus der Redaktion

    Von Carolin Kasper, vor mehr als 2 Jahren
  2. Vielen Dank für dieses Video, lieder ist zu dem anderen Sternchenthema "der Steppenwolf" nichts zu finden. Kommt das noch und werden auch Werkvergleiche z.B. in Bezug auf die Frauen in den Lektüren noch angeboten?

    Von Fam Krause, vor mehr als 2 Jahren

„Der goldne Topf“ – Personenkonstellation (Hoffmann) Übung

Du möchtest dein gelerntes Wissen anwenden? Mit den Aufgaben zum Video „Der goldne Topf“ – Personenkonstellation (Hoffmann) kannst du es wiederholen und üben.

  • Bestimme die Welten, die die Figuren repräsentieren.

    Tipps

    In der Erzählung stehen einige Figuren für die bürgerliche, andere Figuren für die wunderbare Welt. In der Figur des Anselmus treffen diese Welten aufeinander. Jede Welt weist ihre eigenen, für sie typischen Figuren auf.

    Die Welt des Wunderbaren ist eine mystische Welt. In ihr wohnen Figuren mit übernatürlichen Fähigkeiten.

    Die bürgerliche Welt ist der außerliterarischen Wirklichkeit nachempfunden. Die Menschen und ihre Fähigkeiten entsprechen also den Menschen außerhalb der Literatur.

    Lösung

    In der Erzählung „Der goldne Topf“ werden zwei Welten vorgestellt: eine, die der außerliterarischen Wirklichkeit nachempfunden ist, und eine, in der Naturgesetze nicht gelten und Menschen übernatürliche Fähigkeiten haben.

    Jede dieser zwei Welten ist in der Erzählung durch verschiedene Figuren repräsentiert:

    • Konrektor Paulmann und Registrator Heerbrand weisen sich schon durch ihre Dienstgradbezeichnungen als bürgerlich aus. Sie halten Anselmus' Berichte von wunderbaren Erscheinungen für Unsinn.
    • Veronika, die Tochter des Konrektors, gehört ebenfalls zur bürgerlichen Welt. Sie scheitert dabei, Anselmus für sich zu gewinnen, und heiratet schließlich Heerbrand.
    • Archivarius Lindhorst gehört in seiner Rolle als Archivarius in die bürgerliche Welt. Allerdings stellt er auch den Übergang zwischen beiden Welten dar, da er als Salamander und mythischer Erdgeist klar der Welt des Wunderbaren zuzuordnen ist.
    • Serpentina, Lindhorsts Tochter, ist der Welt des Wunderbaren zuzuordnen. Sie tritt überhaupt nicht in einer bürgerlichen Rolle auf, sondern immer als ein Wesen, das Schlange und junge Frau zugleich ist.
    • Die Hexe, die auch als Äpfelweib auftritt, bewegt sich zwar häufig in der bürgerlichen Welt und bleibt dabei unerkannt, ist aber klar der Welt des Wunderbaren zuzuordnen, da sie ihre übernatürlichen Fähigkeiten immer zum Einsatz bringen kann.
  • Beschreibe wichtige Charakterzüge von Anselmus.

    Tipps

    Anselmus verspürt Sehnsucht nach Serpentina, zeitweilig aber auch nach Veronika.

    Er weiß noch nicht, wie er seine Zukunft gestalten möchte.

    Lösung

    Anselmus ist die Figur, die sich nicht klar der wunderbaren oder der bürgerlichen Welt zuordnen lässt. Er ist zwischen beiden Welten hin- und hergerissen, weiß also nicht genau, was er will. Er ist sowohl für das bürgerliche Leben (Beruf, nahende Ehe) empfänglich als auch für das Übernatürliche. Seinen Zweifeln verleiht Anselmus in Selbstgesprächen Ausdruck. Er entscheidet sich erst am Ende dazu, dem bürgerlichen Leben zu entsagen. Seine Sehnsucht nach Serpentina spielt dabei eine große Rolle.

  • Ordne die Zitate den Figuren zu.

    Tipps

    Das Äpfelweib verflucht Anselmus.

    Registrator Heerbrand und Konrektor Paulmann stehen für die bürgerliche Welt. Sie glauben nicht an Wunder.

    Anselmus verspürt während seiner Gefangenschaft im Kristallglas große Sehnsucht nach Serpentina.

    Archivarius Lindhorst warnt Anselmus vor der Beschmutzung eins wichtigen Dokuments.

    Lösung

    Als Anselmus am Himmelfahrtstag über den mit Äpfeln beladenen Korb einer alten Frau stolpert, beschimpft und verflucht sie ihn bösartig. Später werden ihre Verwünschungen wahr, als Anselmus in einem Kristallglas des Archivarius Lindhorst gefangen wird.

    Die wunderbaren Erscheinungen, von denen Anselmus berichtet, stoßen bei den Beamten Heerbrand und Paulmann auf Empörung. Sie halten solche Tagträumereien für Unsinn.

    Als Anselmus im Kristallglas gefangen ist, besinnt er sich seiner Liebe zu Serpentina und lehnt die bürgerliche Lebensform ab. Er bevorzugt Freiheit und den Glaube an das Wunderbare.

    Vor seinem Sturz ins Kristall warnte der Archivarius Lindhorst Anselmus davor, ein wertvolles Dokument mit Tinte zu beschmutzen. Als Anselmus dies doch passiert, wird der Fluch des Äpfelweibes wahr.

  • Setze die Figuren in Beziehung zueinander.

    Tipps

    Veronika ist die Tochter des Konrektors, Serpentina die Tochter des Archivarius.

    Die Hexe verflucht Anselmus.

    Veronika und Registrator Heerbrand heiraten am Ende.

    Lösung

    Die Personenkonstellation gruppiert sich um Anselmus:

    • Konrektor Paulmann will, dass Anselmus seine Tochter Veronika heiratet.
    • Anselmus wird von einem Äpfelweib verflucht. Dieser Fluch wird später wahr.
    • Anselmus entscheidet sich für seine Liebe zu Serpentina, der Tochter des Archivarius Lindhorst. Dieser will ebenfalls, dass Anselmus seine Tochter heiratet, da er so seinen Fluch, als Mensch leben zu müssen, auflösen kann.
    • Veronika heiratet schließlich Registrator Heerbrand, einen Freund ihres Vaters.
  • Benenne die wichtigsten Figuren der Welt des Wunderbaren.

    Tipps

    Der Fluch, den das Äpfelweib zu Beginn der Erzählung über Anselmus ausspricht, wird wahr.

    Das Äpfelweib stellt sich später als Hexe heraus.

    Der Archivarius Lindhorst ist in Wirklichkeit ein Erdgeist in der Gestalt eines Salamanders.

    Dessen Tochter Serpentina kann Schlangengestalt annehmen.

    Lösung

    Einige Figuren lassen sich klar der Welt des Wunderbaren zuordnen bzw. treten in beiden Welten auf.

    • Das Äpfelweib tritt in Gestalt einer alten Frau auf. Sie kann zaubern und kann daher als Hexe bezeichnet werden. Sie ist die Rivalin Lindhorsts und Anselmus'.
    • Der Archivarius Lindhorst ist in Wirklichkeit ein Erdgeist in Gestalt eines Salamanders. Er wurde jedoch zu einer Existenz in einem menschlichen Körper verdammt, solange er seine Töchter nicht verheiratet hat.
    • Anselmus gehört beiden Welten an – sowohl der bürgerlichen als auch der wunderbaren. Erst nach seiner Gefangenschaft im Kristallglas wird ihm klar, dass er sich in der Welt des Wunderbaren wohler fühlt.
    • Die Tochter des Archivarius Lindhorst, Serpentina, kann sowohl die Gestalt einer Schlange als auch eines Mädchens annehmen.
  • Erläutere, inwiefern die Figuren die unterschiedlichen Welten der Handlung repräsentieren.

    Tipps

    Während Veronika und ihr Vater für die bürgerliche Alltagswelt stehen, repräsentieren Serpentina und ihr Vater die mythische Welt.

    Anselmus ist zwischen einem Leben nach bürgerlichen Tugenden und einem Leben in der Welt des Wunderbaren hin- und hergerissen.

    Der Zugang zur Welt des Wunderbaren ist die Dichtkunst (Poesie).

    Lösung

    In E. T. A. Hoffmanns „Der goldne Topf“ ist die Handlung von zwei Welten geprägt: der bürgerlichen Alltagswelt und der Welt des Wunderbaren. Allerdings zeigen beide Welten dieselbe Wirklichkeit, jedoch in anderer Ausprägung, sodass die eine Welt Übernatürliches enthalten kann, die andere aber nicht.

    Deshalb werden beide Welten von unterschiedlichen Figuren repräsentiert. Nur Anselmus kann sich anfangs nicht entscheiden, in welcher Welt er leben möchte. Während ihm Veronika und Konrektor Paulmann die Vorzüge und Ansprüche des bürgerlichen Lebens zeigen, führen ihm Serpentina und ihr Vater Lindhorst das Leben in der Welt des Wunderbaren vor, welche nur mittels der Poesie betreten werden kann.