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„Der Besuch der alten Dame“ – Entstehungsgeschichte (Dürrenmatt)

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„Der Besuch der alten Dame“ – Entstehungsgeschichte (Dürrenmatt)

lernst du in der 9. Klasse - 10. Klasse

Beschreibung „Der Besuch der alten Dame“ – Entstehungsgeschichte (Dürrenmatt)

Jemand ist zu Reichtum gekommen und will in seinem Heimatdorf Vergeltung üben. Dieses Motiv, das im Stück "Der Besuch der alten Dame" vorliegt, beschrieb Friedrich Dürrenmatt schon einmal in seiner zuvor geschriebenen Novelle "Mondfinsternis". Sein Stück kann als Kind seiner Zeit betrachtet werden, denn nach der so entbehrlichen Nachkriegszeit gab es einen ökonomischen Schwung und eine vollbeschäftigte Bevölkerung. In dem Heimatland Dürrenmatts, der Schweiz, war dieses Wirtschaftswunder noch stärker. Das prägte die gesellschaftliche Stimmung, die Dürrenmatt vor allem durch Materialismus bestimmt sah.

Transkript „Der Besuch der alten Dame“ – Entstehungsgeschichte (Dürrenmatt)

Zeithistorischer Hintergrund

Dürrenmatts tragische Komödie ist unverkennbar ein Kind ihrer Zeit. Die 50er Jahre waren für Deutschland die Zeit des sogenannten Wirtschaftswunders. Nach der Zeit des Krieges und der entbehrungsreichen Nachkriegszeit ging es ökonomisch steil bergauf. In der Mitte des Jahrzehntes war Vollbeschäftigung zu verzeichnen. Es gab also fast keine Arbeitslosen.

Der Schweiz war der Krieg erspart geblieben. Die Heimat Dürrenmatts erfuhr in den Jahren 1952 bis 1957 einen noch stärkeren und schnelleren wirtschaftlichen Aufstieg als die Bundesrepublik. Es kam zu einem regelrechten Bauboom und einer Motorisierung der Bevölkerung und der Wirtschaft. Die Unternehmer nahmen verstärkt Investitionen vor.

Der allgemeine Wohlstand stieg rasant an. Dies führte zu einem Mentalitätswechsel in der Schweizer Bevölkerung: Geld wurde immer wichtiger und als eigenständiger Wert etabliert. Es war weit verbreitet, Geld als das Wichtigste anzusehen. Viele Menschen glaubten, mit Geld sei alles machbar.

Die Kritiker dieses neuen Zeitgeistes beklagten den Verlust des Wertesystems. Der Materialismus großer Bevölkerungsteile wurde stark kritisiert.

Vorlage & Entstehung

Diese Thematik griff Dürrenmatt bereits in seiner Novelle “Mondfinsternis” auf. Sie gilt als direkte Vorlage für sein Stück “Der Besuch der alten Dame”.

In der Novelle geht es ebenfalls um einen zu Reichtum gekommenen Besucher, der an seinem Heimatdorf Vergeltung üben will. Dieses Ziel will er mit Hilfe von Geld erreichen. Der Handlungsverlauf gestaltet sich jedoch insgesamt etwas anders. So lassen sich die Bewohner hier noch nicht so schnell vom Geld beeinflussen. Aber es kommt dennoch zu einem Toten.

Im Verlaufe des Schaffensprozesses verwandelte sich der amerikanische Schweizer dann in die Multimilliardärin Claire Zachanassian und das Bergdorf in Güllen. Es stellte sich dem Autor die Frage, wie eine Kleinstadt auf der Bühne darzustellen sei.

Die Entscheidung, den Bahnhof zu wählen, geschah bewusst: Es ist der Ort, den man zuerst erblickt, wenn man eine Stadt besucht. Es handelt sich also gewissermaßen um die Visitenkarte der Stadt. Die Darstellung der Abgeschiedenheit, der wirtschaftlichen Rückständigkeit und der Armut geschah dadurch, dass die Schnellzüge dort nicht mehr hielten. Viele seiner Stücke hat Dürrenmatt häufig umgeschrieben.

Beim Besuch der alten Dame hat ihn besonders die Szene in Ills Laden beschäftigt. Dennoch hat er das Stück von der Züricher Uraufführung im Jahr 1956 bis zur Neufassung von 1980 unverändert gelassen.

Hörspiel "Die Panne"

In Bezug auf Dürrenmatts übriges Werk kommt dem Hörspiel "Die Panne" eine besondere Rolle zu. Es ist ebenfalls im Jahr 1955 entstanden und steht auch in struktureller Nähe zur "alten Dame". In diesem Hörspiel landet der Reisende Traps aufgrund einer Autopanne in einer Runde älterer Herren. Diese führen mit ihm spielerisch einen Gerichtsprozess durch. Traps spielt den Angeklagten. Es kommt zu seiner Überführung und zu vermehrtem Schuldbewusstsein.

In der Fassung des Hörspiels kann Traps noch fliehen. In der späteren Prosafassung erfolgt sein Selbstmord. Auch hier geht es also um einen missglückten Besuch und das Versagen der bürgerlichen Moral. Die Unfähigkeit der – wenn auch nur gespielten – Justiz spielt auch hier eine wichtige Rolle.

"Komödie der Hochkonjunktur"

Dürrenmatt schrieb das Stück „Der Besuch der alten Dame“ vor dem Hintergrund des wirtschaftlichen Aufschwungs der Schweiz und den verschiedenen Folgen daraus.

Er gestaltete hier die Folgen von Konsum und Konsumsucht so deutlich aus, dass es viele seiner Zeitgenossen ansprach. So ist der große Erfolg dieser "Komödie der Hochkonjunktur”, wie der ursprüngliche Untertitel eigentlich lauten sollte, zu erklären.

2 Kommentare

2 Kommentare
  1. Hallo Jürgen R.,
    vielen Dank für deine Nachfrage. Sieh dir doch noch einmal den Abschnitt ab 3:50 genau an. Hier wird gesagt, dass Dürrenmatt sein Drama „Der Besuch der alten Dame“ seit der Uraufführung 1959 zwar nicht verändert hat, es aber 1980 eine Neufassung gab. Das bedeutet, er hat sein Werk also umgeschrieben bzw. verändert. Deshalb ist in Aufgabe 2 die erste Antwortmöglichkeit nicht korrekt.
    Viele Grüße aus der Redaktion

    Von Till S., vor mehr als einem Jahr
  2. Sie hatten in dem Video gesagt das Friedrich Dürrenmatt das Buch (Der Besuch der alten Dame) nie umgeschrieben oder verändert wurde.Jedoch bei Aufgabe 2, gibt es einen Kasten in dem steht ,das es nie Verändert wurde und ,wenn man dann Korrigiert, es als Falsch gezeigt wird.

    Von Jürgen R., vor mehr als einem Jahr

„Der Besuch der alten Dame“ – Entstehungsgeschichte (Dürrenmatt) Übung

Du möchtest dein gelerntes Wissen anwenden? Mit den Aufgaben zum Video „Der Besuch der alten Dame“ – Entstehungsgeschichte (Dürrenmatt) kannst du es wiederholen und üben.
  • Erläutere den Kontext des Werks „Der Besuch der alten Dame“.

    Tipps

    Materialismus bezeichnet die Einstellung im Leben, die nur auf Gewinn und Besitz bedacht ist.

    Lösung

    Die Tragikomödie „Der Besuch der alten Dame“ von Friedrich Dürrenmatt hatte seine Uraufführung im Jahr 1956. Die Themen der 50er Jahre spiegeln sich in seinem Werk deutlich wider. In der Zeit des Wirtschaftswunders war die Gesellschaft geprägt vom wirtschaftlichen Aufschwung. Nach der Zeit des Krieges und der entbehrungsreichen Nachkriegszeit ging es ökonomisch steil bergauf. Die Schweiz – Dürrenmatts Heimat – war nicht am Krieg beteiligt gewesen und der Aufschwung gelang hier sogar noch schneller als in Deutschland. Die Mentalität des Materialismus – also die Einstellung, alles auf Besitz und Gewinn auszurichten – und die Überzeugung, mit Geld alles kaufen zu können, waren stark verbreitet. Kritiker bemängelten diesen Konsum und die Konsumsucht, die auch von Dürrenmatt im Stück zum Ausdruck gebracht werden.
    Claire Zachanassian macht der Stadt Güllen das verlockende Angebot zu neuem Reichtum zu kommen und verführt damit die Einwohner, alle Wert- und Moralvorstellungen zugunsten des Konsums und Materialismus aufzugeben.
    Das Werk stieß damit auf sehr viel Zuspruch und machte es dadurch erfolgreich.
    Die Thematiken griff Dürrenmatt bereits in der Novelle „Mondfinsternis” auf. Sie gilt als direkte Vorlage für sein Stück „Der Besuch der alten Dame”.

  • Entscheide, welche Aussagen auf Dürrenmatts Werk und seine Entstehungsgeschichte zutreffen.

    Tipps

    Welche Mentalität herrschte innerhalb der Bevölkerung der Schweiz in den 50er Jahren?

    Materialismus bezeichnet u.a. eine Einstellung, die nur auf Gewinn und Besitz bedacht ist.

    Viele seiner Stücke hat Dürrenmatt umgeschrieben. Wie war das bei „Der Besuch der alten Dame“?

    Lösung
    • Das Werk „Der Besuch der alten Dame“ wurde nach seiner Uraufführung nicht noch einmal verändert oder umgeschrieben.
    Diese Antwort ist nicht korrekt. Viele seiner Stücke hat Dürrenmatt häufig umgeschrieben. Von „Der Besuch der alten Dame“ wurde 1980 eine Neufassung herausgegeben. Besonders die Szene in Ills Laden beschäftigte Dürrenmatt.
    • Dürrenmatt schrieb das Stück „Der Besuch der alten Dame“ in der Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs der Schweiz.
    Diese Antwort ist korrekt. Die 50er Jahre waren die Zeit des sogenannten Wirtschaftswunders und der allgemeine Wohlstand war stark angestiegen. Es gab keine Arbeitslosigkeit. In der Heimat Dürrenmatts war dieser wirtschaftliche Aufschwung sogar noch stärker als in Deutschland, da sie nicht am Krieg beteiligt waren.
    • Das Werk „Der Besuch der alten Dame“ gilt als Vorlage für Dürrenmatts Werk „Mondfinsternis“.
    Diese Antwort ist nicht korrekt. Es hat sich andersherum verhalten: Dürrenmatts Werk „Mondfinsternis“ war die Vorlage für „Der Besuch der alten Dame“. In der Novelle geht es ebenfalls um einen zu Reichtum gekommenen Besucher, der an seinem Heimatdorf Vergeltung üben will. Allerdings lassen sich die Bewohner hier noch nicht so schnell vom Geld beeinflussen. Aber es kommt dennoch zu einem Toten.
    • Der Erfolg des Stückes ist damit zu erklären, dass die Kritik am Materialismus auch von vielen Zeitgenossen vertreten wurde.
    Diese Antwort ist korrekt. Die damals aufkommende Mentalität des Materialismus – die Vorstellung, dass mit Geld alles machbar und kaufbar sei, wurde von einigen Zeitgenossen stark kritisiert.
    • Als Symbol der Abgeschiedenheit wählte Dürrenmatt den Bahnhof Güllens, der von Zügen nicht mehr angefahren wird, zum Bühnenschauplatz.
    Diese Antwort ist korrekt. Der Verfall und die wirtschaftliche Rückständigkeit der Stadt Güllen drückt sich im verlassenen Bahnhof aus, der von Zügen nicht mehr angefahren wird. Umso leichter sind die Einwohner von Claires Angebot zu verführen.
  • Bestimme die Parallelen zwischen den Werken „Der Besuch der alten Dame“ und „Mondfinsternis”.

    Tipps

    Die Thematik der beiden Werke ist ziemlich ähnlich. Lies dir daher erst alle Passagen durch, bevor du anfängst zuzuordnen.

    Lösung

    Die Thematik in den beiden Werken von Dürrenmatt ist sehr ähnlich, sodass die früher erschienene „Mondfinsternis“ als Vorlage für das Stück „Der Besuch der alten Dame“ gesehen werden kann.

    Ein zu Reichtum gekommener Protagonist kehrt in seine Heimatstadt zurück, um dort an einer Person Rache zu üben. Dies geschieht in beiden Fällen mit dem Angebot an die Einwohner, sehr viel Geld für die Hinrichtung zu zahlen. Dieses wird erfolgreich angenommen.

    Beide Werke „Mondfinsternis“ und „Der Besuch der alten Dame“ thematisieren damit den Konsum und seine Folgen. Die Einwohner vergessen ihre Moralvorstellungen zugunsten des versprochenen Reichtums.

  • Bestimme die Parallelen zwischen zeitlichem Kontext und Inhalt des Buches.

    Tipps

    Lies dir erst alle Möglichkeiten durch, bevor du beginnst, den historischen Kontext zuzuordnen.

    Lösung

    Die 50er Jahre waren für Deutschland die Zeit des sogenannten Wirtschaftswunders. Nach der Zeit des Krieges und der entbehrungsreichen Nachkriegszeit ging es ökonomisch steil bergauf. Dürrenmatt entwirft die Protagonistin Claire Zachanassian parallel dazu. Sie erlangt nach der Phase der Not einen finanziellen Aufstieg durch die Heirat mit einem Milliardär.

    Der Schweiz war der Krieg erspart geblieben und sie erfuhr in den Jahren 1952 bis 1957 einen noch stärkeren und schnelleren wirtschaftlichen Aufstieg als die Bundesrepublik. Es kam zu einem regelrechten Bauboom und einer Motorisierung der Bevölkerung und der Wirtschaft. Die Unternehmer nahmen verstärkt Investitionen vor. Genau so verhalten sich die Einwohner Güllens, als sie den finanziellen Aufschwung im Angebot Claires wittern. Immer mehr wird auf Kredit gekauft. Wie in der damaligen Gesellschaft der 50er Jahre verbreitet sich die Mentalität des Materialismus. Die Vorstellung, mit Geld sei alles kaufbar und machbar, wird von vielen vertreten. Auch Claire Zachanassian hat mit dieser Einstellung Erfolg und erkauft sich mit ihrem Wohlstand ihre Rache an Alfred Ill. Die Bürger lassen sich vom Geld beeinflussen und damit bestechen. Sie vergessen ihre Wert- und Moralvorstellungen.

    Die Kritiker dieses damaligen Zeitgeistes beklagten den Verlust des Wertesystems in der Gesellschaft. Der Materialismus großer Bevölkerungsteile wurde stark kritisiert.

  • Ermittle, wann das Werk „Der Besuch der alten Dame“ seine Uraufführung hatte.

    Tipps

    Welches Jahrzehnt mit seinen gesellschaftlichen Denkweisen spiegelt sich im Werk wider?

    Lösung

    Friedrich Dürrenmatts Werk „Der Besuch der alten Dame“ hatte im Jahr 1956 seine Uraufführung. Entstanden ist es wohl wie das Hörspiel „Die Panne“ bereits 1955.
    Die 50er Jahre waren die Zeit des sogenannten Wirtschaftswunders und der allgemeine Wohlstand war stark angestiegen. Es gab keine Arbeitslosigkeit. In der Heimat Dürrenmatts – der Schweiz – war dieser wirtschaftliche Aufschwung sogar noch stärker als in Deutschland, da sie nicht am Krieg beteiligt war. Geld wurde immer wichtiger und unter den Menschen verbreitete sich eine Mentalität des Materialismus – die Vorstellung, dass mit Geld alles machbar und kaufbar sei, was von einigen Zeitgenossen stark kritisiert wurde.
    Die Thematik greift Dürrenmatt insofern auf, als dass er die zu Reichtum gekommene Claire Zachanassian in seinem Werk zur Protagonistin macht. Sie erkauft sich mit ihrem Wohlstand die Rache an Alfred Ill. Die Bewohner lassen sich vom Geld beeinflussen und vergessen die Moral- und Wertvorstellungen.

  • Erläutere biographische Informationen zu Friedrich Dürrenmatts Leben.

    Tipps

    Zur Exilliteratur gehören Werke, die meist durch politische Verfolgung im Exil entstanden sind. In der deutschen Geschichte begann beispielsweise mit der Machtübernahme der NSDAP im Jahr 1933 eine große Auswanderungswelle aus Deutschland.

    Lösung

    Friedrich Dürrenmatt wurde 1921 in der Schweiz geboren und zählt du den großen Schriftstellern der deutschsprachigen Nachkriegsliteratur. Die Epoche der Nachkriegsliteratur wird zwischen 1945–1990 eingeordnet. Sie war ebenso geprägt von den Erlebnissen der NS-Diktatur und des Zweiten Weltkrieges wie von Neuanfang und wirtschaftlichem Aufschwung.

    Dürrenmatts erste schriftstellerischen Jahre waren gezeichnet von finanzieller und wirtschaftlicher Unsicherheit. Er hielt sich zunächst mit Hörspielaufträgen deutscher Rundfunkanstalten über Wasser. In dieser Zeit entstand auch der Kriminalroman „Der Richter und sein Henker“ (1950). Der Durchbruch als Bühnenautor erfolgte schließlich im Jahr 1956 mit der tragischen Komödie „Der Besuch der alten Dame“ und verhalf ihm zu internationalen Ansehen. Dürrenmatt wurde über Nacht zu einem weltberühmten Autor.

    Zu Dürrenmatts berühmtesten Werken zählt außerdem das Theaterstück „Die Physiker“ aus dem Jahr 1962. Es handelt von drei Physikern, die in einer Nervenanstalt leben. Einer von ihnen hat eine Entdeckung gemacht, die zur Vernichtung der Welt führen kann. In dem Stück wird die Verantwortung der Naturwissenschaften diskutiert – es zählt zu den erfolgreichsten deutschen Theaterstücken nach dem Zweiten Weltkrieg.

    Im Jahr 1990 starb Friedrich Dürrenmatt.

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