30 Tage kostenlos testen: Mehr Spaß am Lernen.
30 Tage kostenlos testen

Überzeugen Sie sich von der Qualität unserer Inhalte.

30 Tage kostenlos testen

Furcht und Elend des Dritten Reiches (Brecht)

„Furcht und Elend des Dritten Reiches“ handelt vom Alltagsleben der Menschen im Nazideutschland. In zahlreichen Szenen wird von Brecht ein Stimmungsgemälde der damaligen Zeit entworfen.

Entstehungsgeschichte

Ein Land voller Verrat, Betrug und Gewalt. Ein Land, in dem jeder Mensch ein Feind des anderen ist, niemand seine Meinung frei äußert und sich niemand sicher fühlt - besonders, wenn man nicht die herrschende Ideologie vertritt.

So beschreibt der Dramatiker Bertolt Brecht die Atmosphäre im Dritten Reich unter der Herrschaft der Nationalsozialisten. Brecht, der überzeugter Kommunist war, wurde schon vor der Machtergreifung Hitlers immer wieder angefeindet und bedroht. Seine Aufführungen wurden systematisch zerstört und die Arbeit an manchen Werken musste ganz abgebrochen werden.

Bertolt Brecht

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten floh Brecht ins Exil, von wo aus er Werke gegen den Nationalsozialismus schrieb. So auch das Theaterstück „Furcht und Elend des Dritten Reichs“. Der Großteil des Stückes entstand zwischen 1935 und 1943 in Dänemark, wo er zusammen mit seiner Co-Autorin Margarete Steffin Material über Alltagsereignisse im nationalsozialistischen Deutschland sammelte. Dabei bedienten sie sich der Montagetechnik, bei der einzelne Szenen schlaglichtartig verwendet werden, ohne miteinander verbunden zu sein. 1938 wurde das Stück in Paris uraufgeführt, wobei von den ursprünglich 25 Szenen nur 8 gezeigt wurden.

Inhaltsangabe

Das Theaterstück „Furcht und Elend des Dritten Reichs“ hat nach seiner Vollendung 30 Szenen, die aber nicht in direktem Zusammenhang miteinander stehen. In den Szenen wird in zahlreichen Facetten das Alltagsleben im Dritten Reich unter den Nationalsozialisten aufgezeigt. Beispiele für Szenen aus dem Stück sind:

Das Kreidekreuz: Ein SA-Mann verrät, wie Andersdenkende gekennzeichnet werden.

Der Spitzel. Ein paranoides Ehepaar befürchtet, dass sie von ihrem eigenen Sohn - ein überzeugter Hitler-Anhänger - angezeigt werden.

Winterhilfe. Eine Frau bedenkt eine kritische Aussage nicht ausreichend, woraufhin ihre Tochter festgenommen wird.

Zwei Bäcker. Zwei Bäcker sitzen in Gefangenschaft, der eine, weil er Kleie ins Brot gemischt hat, der andere, weil er es nicht getan hat.

Der Bauer füttert die Sau. Einem Bauern wird befohlen, teures Futter zu kaufen, anstatt seine Tiere mit dem vorhandenen eigenen Futter zu füttern.

Die jüdische Frau. Aufgrund der Rassenpolitik verlässt eine jüdische Frau ihren Mann, der eine Stelle als Oberarzt nicht erhält und somit von der Gesellschaft geächtet wird.

Rechtsfindung. Ein Richter gerät bei einer Urteilsfindung in Nöte und gerät so in das Spannungsfeld von SA und SS.

Inhalt des Theaterstücks

Personenkonstellation

Eine Personenkonstellation kann für das gesamte Drama aufgrund der besonderen Form der Montagetechnik nicht erstellt werden. Die Szenen sind nur über ein Gesamtthema verbunden, nicht aber über eine durchgängige, zusammenhängende Handlung. Durch seine episodische Struktur steht jede Szene für sich, ist aber gleichzeitig durch ein übergeordnetes Thema mit den anderen Szenen verbunden. Daher können nur für einzelne Szenen Personenkonstellationen erstellt werden, die aufgrund der Kürze und der geringeren Anzahl an Figuren nicht so ausführlich ausfallen, wie du es sonst gewohnt bist.

Die Figuren des Dramas sind keine Individuen, sondern Typen, bei denen nur bestimmte auffällige Gestaltungsmerkmale gezeigt werden. Dadurch entsteht der Eindruck, dass diese Figuren überall in Deutschland vorkommen können. Der Zweck dieser Darstellungsform ist, dass die Figuren als ein repräsentativer Querschnitt der Bevölkerung verstanden werden sollen.

Naziaufmarsch

Interpretationsansatz und Rezeptionsgeschichte

Brecht und Steffin beabsichtigten mit diesem Stück, die Ängste und das Elend der Bevölkerung darzustellen. Sie wollten so das damalige Lebensgefühl - die ständige Angst vor Gewalt und die allgegenwärtige Gefahr im alltäglichen Leben - für ihre Zuschauer plastisch darstellen. Daher sind die Szenen stark von den historischen Zeitumständen geprägt. Das Stück zeigt auf, dass das gesamte politische System im Dritten Reich durch Denunzianten- und Mitläufertum sowie Verlogenheit durchzogen war und nach und nach die Gesellschaft infiltrierte. Die immense Bedeutung des Stückes als Alltagsgemälde des Dritten Reiches wird daran deutlich, dass es auch beim Gründungskongress der Vereinten Nationen 1945 aufgeführt wurde.