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Walther von der Vogelweide

Walther von der Vogelweide war Minnesänger und Sangspruchdichter – und der bedeutendste Lyriker des deutschen Mittelalters.

Wer war Walther von der Vogelweide?

Walther von der Vogelweide ist bekannt als der bedeutendste deutsche Lyriker des Mittelalters. Von ihm sind am meisten Lieder übermittelt. Eines der bekanntesten ist Under der linden:

Under der linden / an der heide, / dâ unser zweier bette was, / dâ mugent ir vinden / schône beide / gebrochen bluomen unde gras. / vor dem walde in einem tal, / tandaradei, / schône sanc diu nahtegal.

Du verstehst nur Bahnhof? Das ist ganz normal, denn so, wie sich die Sprache heute noch ständig verändert, es neue Wörter oder andere Rechtschreibregeln gibt, so war die Sprache zu Walthers Zeit, also vor ca. 800 Jahren, noch deutlich anders als heute. Wenn du die Strophe aber laut vorliest, verstehst du vielleicht bereits mehr. Auf Neuhochdeutsch wird das Lied ungefähr so übersetzt:

Unter der Linde / auf der Heide, / wo unser beider Bett war, / da könnt Ihr finden / sorgfältig beides / niedergedrückt: Blumen und Gras. / Vor dem Wald in einem Tal, / tandaradei, / sang schön die Nachtigall.

Dies ist ein Minnelied Walthers. Das heißt, dass es um die minne, also die Liebe bzw. das liebevolle Gedenken geht. Walther von der Vogelweide war aber nicht nur Minnesänger, sondern auch Sangspruchdichter. Sangspruch wurde auch gesungen und bezeichnet eine Gruppe von Liedern, die weitestgehend kritisieren und belehren sollen. Dass Walther ein Vertreter beider Gattungen war, war damals nicht üblich und gibt ihm eine Sonderstellung in der mittelalterlichen Literatur. Außerdem hat Walther durch die Vermischung der beiden Gattungen große Innovationen hervorgebracht.

Reichston

Walther von der Vogelweide und seine Zeit

Als Lyriker war man im Mittelalter, als es noch keine Fernseher und Smartphones gab, für die Unterhaltung der Herren und Damen am Hof zuständig. Als Sangspruchdichter wurden aktuelle Themen aufgegriffen und beurteilt. Walther jedoch war der erste, der auch die politischen Ereignisse in seinem Sangspruch thematisierte. So war zu seiner Zeit ein Thronstreit zwischen zwei Königen ausgebrochen, über den man nicht selten in seinem Werk, insbesondere im sogenannten Reichston, liest. Als Minnesänger war das Hauptthema der Dichter die Liebe. Dabei ging es vor allem um die überhöhte Preisung einer adeligen Frau, insbesondere bei der sogenannten hohen Minne. Walther jedoch war nicht ausschließlich Vertreter dieser hohen Minne, sondern preiste auch Frauen, die einen niederen Stand hatten oder kritisierte die Frauen sogar. Das konnten seine Sängerkollegen nicht einfach hinnehmen, wodurch es auch zu sogenannten Fehde-Liedern zwischen ihm und seinem Kollegen Reinmar kam. In diesen kritisieren sie gegenseitig die Minne-Auffassung des jeweils anderen.

Walther von der Vogelweides Leben

Über Walthers Leben weiß man nur sehr wenig, da es zu dieser Zeit keine Biographien gab und Walther nur einmal urkundlich bezeugt ist. Er wurde um 1170 geboren und man vermutet aufgrund des Verses aus seiner zweiten Kunstklage ze Oesterrîche lernde ich singen unde sagen, dass er seine Jugend in Österreich verbracht hat. Es gilt als sicher, dass Walther später am Wiener Hof lebte. Aus einem weiteren Sangspruch geht hervor, dass Walther von König Friedrich ein Lehen bekommen hat und sesshaft wurde. Walther starb um 1230.

Bedeutende Werke von Walther von der Vogelweide

Walthers Werk umfasst über 500 Strophen und ist damit das am umfangreichsten überlieferte mittelalterliche Werk. Unter seinen Minneliedern sind einige der bekanntesten Under der linden, Herzeliebez frouwelîn (neuhochdeutsch: „Herzliebe kleine Herrin“) und Nemt, frouwe, disen kranz (neuhochdeutsch: „Nehmt, Herrin, diesen Kranz“). Walthers größte Neuerung im Minnesang war die Verlagerung der Ideale der Frau von Stand und Schönheit auf den Charakter. Es konnten nun auch Frauen niederen Standes gepriesen werden, sofern sie „gute“ Frauen waren. Umgekehrt jedoch konnten auch Frauen höheren Standes als „schlechte“ Frauen kritisiert werden.